Titel: Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der Photographie und der photochemischen Reproduktionsverfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318 (S. 779–782)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/ar318212

Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der Photographie und der photochemischen Reproduktionsverfahren.

Von J. M. Eder und E. Valenta.

(Schluss von S. 750 d. Bd.)

Verwendung von Teerfarbstoffen als optische Sensibilisatoren, zu Farblacken für Druckfarben: Kopier verfahren, welche auf der Bildung von Teerfarben oder Fixierung derselben als Farblacke beruhen.

E. Valenta107) veröffentlicht Untersuchungen über das Sensibilisierungsvermögen verschiedener Teerfarbstoffe für Gelatine- und Collodionbromsilberemulsionsplatten.

Alizarinblau B Pulver, kräftiges, scharf abgegrenztes Band von B bis C ¼ D, Maximum bei C. Alizarinblauschwarz 3 B, Pulver, kräftig; Bänder bei E, B ½ C und zwischen C und D. Benzoechtblau B N patentiert, ferner Benzoechtrot L, patentiert, Benzoechtscharlach G S und Rhodulinheliotrop gaben kein Resultat. Benzobraun R C, Band von B bis über D reichend; bei Collodionplatten undeutliches Band von D bis E. Benzobraun D 3 G extra; bei Collodionemulsion Band von C bis D. Benzochrombraun 5 G, verwaschenes Band bei D ⅓ E. Benzoolive, zwei Bänder bei a und C ½ D. Benzodunkelgrün B, Band von B bis e. Benzogrün G bei Collodionemulsionen Band mit dem Maximum B ½ C.

Ein Farbstoff von vorzüglicher Wirkung, insbesondere bei Collodionemulsionen, ist das Thiazolgelb. Es gibt, in alkoholischer konzentrierter Lösung zur Emulsion gesetzt, nach dem Silbern der Platten Schichten von hoher Gelbund Grünempfindlichkeit, welche bei längerer Exposition ein breites kräftiges Band von C ¾ D bis über F liefern. Auch für Trockenplatten eignet sich dieser Farbstoff gut, wenn die wässerige Lösung desselben ohne Ammoniak als Badeflüssigkeit angewendet wird. Man erhält mit solchen Badeplatten bei längerer Belichtung ein vollkommen geschlossenes Band, welches, hinter D beginnend, bis über h hinausreicht, was für manche Zwecke sehr erwünscht ist.

Aehnlich Thiazolgelb wirkt bei Trockenplatten das in dieselbe Gruppe gehörige Nitropheningelb. Dasselbe gibt ein völlig geschlossenes Band, welches vor D beginnt und vor h endigt.

Diazoechtschwarz 3 B, kräftig, Band von B bis D. Diazoechtschwarz B H X, undeutliches Maximum bei C ½ D. Plutoschwarz C R, schwaches Band von B bis C ⅘ D. Diamantschwarz F B patentiert, kräftiger Sensibilisator für Trockenplatten; Band von a bis C ¾ D mit dem Maximum B ½ C. Die zuletzt genannten Farbstoffe wurden von Bayer in Elberfeld bezogen.

Weiter wurden untersucht: Naphtylblau (Kalle), Band von B bis D mit dem Maximum C ½ D.

Kohlschwarz II (Meister, Lucius und Brüning), schmales Band unmittelbar an D anschliessend. Naphtylaminschwarz 4 B (Cassella), schwaches Band von a bis C ¼ D und ein zweites ebensolches von D ¼ E bis D ¾ E. Diamintiefschwarz S S (Cassella), kräftiges Band von a bis C ¾ D reichend, bei längerer Belichtung zweites, von C ¼ bis C ¾ D reichend. Die Marke A desselben Farbstoffes gibt bei kurzer Belichtung ein kräftiges Band von a bis C ¾ D, bei längerer ein zweites von D ⅓ E bis D ⅔ E, Maximum D ½ E, während die Marke S O O nur das erstere Band von a bis C ¾ D gibt. Nerol (Act.-Ges. A. F.), schmales Band bei B ½ C.

Lüppo-Cramer macht in der Photogr. Korresp. aufmerksam: „Während bei dem hochempfindlichen Bromsilber auch bei bestmöglicher Sensibilisierung die Blauwirkung immer noch so viel stärker ist, dass eine farbentonrichtige Aufnahme ohne Gelbfilter nicht zu ermöglichen ist, stellt sich bei der kornlosen Emulsion sehr leicht ein solches Ueberwiegen von Strahlen geringer Brechbarkeit (rot, gelb) ein, dass man oft versucht sein könnte, ein Blau- oder Grünfilter bei der Aufnahme einzuschalten“.

Ueber die Lichtechtheit von Farblacken der Teerfarbstoffe und eine Methode zur Prüfung der letzteren auf Lichtechtheit veröffentlichte E. Valenta108) eine grössere Arbeit. Die zu prüfenden Farblacke wurden mit Firniss oder Gummiwasser angerieben, auf holzstoffreies Papier aufgetragen und die so erhaltenen, mit Farbe bedeckten Papierflächen dem Lichte zugleich mit einer Normalfarbe, auf welche die Resultate bezogen werden, ausgesetzt.

Die Bestimmung jener Farbmenge, welche von dem auf der bedruckten Fläche befindlichen, zur optischen Wirkung gelangenden Farbstoffquantum durch das Licht zerstört wurde, geschieht auf kolorimetrischem Wege und Valenta bedient sich hierzu eines Stamerschen Kolorimeters.

Man bringt auf jene Hälfte der Porzellanplatte (Reflektor), welche sich unter dem mit Luft gefüllten Beobachtungsrohre befindet, den bedruckten, vom Lichte nicht getroffenen Teil des Probestreifens und auf die andere Hälfte, welche unter dem Flüssigkeitsrohr des Apparates befindlich ist, ein Stück unbedruckten Papieres.

Nun bereitet man sich eine Farbstofflösung, deren Farbe jener des mit Farbstoff bedruckten Probestreifens entspricht, was bei der grossen Anzahl von Teerfarbstoffen, die uns heute zur Verfügung stehen, keine Schwierigkeiten macht (man kann auch zwei bis drei Farbstofflösungen mischen, bis der gewünschte Effekt erzielt wird) und füllt diese Lösung, welche so stark verdünnt sein soll, dass erst bei einer ca. 50 bis 80 mm hohen Schichte Farbengleichheit erreicht wird, in den für die Farbstofflösung bestimmten Zylinder, worauf man die Höhe der Flüssigkeitsschichte durch Heben der Röhre mittels der Schraube am Instrumente solange verändert, bis beide Hälften des Bildfeldes im Okulare gleich stark gefärbt erscheinen.

Nun liest man ab, bringt an Stelle des bedruckten unveränderten Streifens jenen, der dem Lichte ausgesetzt war, stellt abermals auf Farbengleichheit beider Gesichtsfeldhälften des Okulares ein und liest abermals ab.

Man erhält auf diese Weise zwei Zahlen; wir wollen sie mit A und B bezeichnen, Da die Menge des in einer Farbstofflösung enthaltenen färbenden Prinzipes der Höhe der Flüssigkeitsschichte proportional ist, entspricht die Höhe jener Flüssigkeitsschichte, welche nötig war, bei Benutzung des vom Lichte nicht veränderten Streifens, die Gleichfärbung beider Gesichtsfeldhälften des Okulares herbeizuführen, 100 v. H. Farbstoff.

Die Menge des vom Lichte zersetzten Farbstoffes ergibt sich daher aus der Proportion:

A : (A – B) =100 : x

in Prozenten des ursprünglich auf der in Betracht kommenden Fläche vorhandenen Farbstoffes.

Verfasser untersuchte nach diesem Verfahren eine grosse Anzahl von Farblacken aus Teerfarbstoffen, deren Lichtechtheit, Verhalten beim Ausbleichen usw. in einer Anzahl Tabellen zusammengestellt wurde109). Gute lichtechte Farblacke ergaben von blauen Farbstoffen: Anthracenblau S W X (Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer & Co. in Elberfeld), Methylenblau G (Oehler), Gallein, Brillantalizarinblau G (Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer & Co. in Elberfeld), Wasserblau F B (Bad. Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen a. Rh.), Echtblau (Bad. Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen a. Rh.) ferner verschiedene Alkaliblau; von gelben Farbstoffen: Naphtolgelb, Diaminechtgelb A (Cassella), Mikadogoldgelb 8 G (Mühlheim), Curcumeïn (Aktienges. f. Anilinfabr. in Berlin), Walkgelb u.a.; von grünen Farbstoffen: Naphtolgrün |780| B (Cassella), Cörulein, Pulver (Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer & Co. in Elberfeld) u.a.; von roten Farbstoffen: Alizarinrot blaustichig (Bad. Anilin- und Sodafabrik in Ludwigshafen a. Rh.) (Normalfarbstoff), Alizarinrot gelbstichig, Paranitranilinrot, Exzelsior Lackponceau J N (Cassella) u. a, Die Farbstoffe der Fluoresceingruppe lieferten Farblacke von sehr geringer Lichtechtheit. Die Wasserfarben dieser Gruppen sind noch haltbarer als die Firnissfarben.

Die Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation in Berlin erhielt ein D. R.-P. 116177 auf ein Verfahren zur Erzeugung photographischer Bilder mittels Chromaten. Dasselbe lautet:

„Die chemischen Veränderungen, welche die Chromate bei der Belichtung erleiden, sind bisher zur Erzeugung photographischer Bilder ausgenutzt worden, indem man zur Bildung entweder erstens die durch das Licht nicht veränderten Salze, oder aber zweitens das bei der Belichtung gebildete Chromdioxyd verwendet“.

„Die dabei erhaltenen, aus Chromdioxyd bestehenden dünnen Kopien werden nach dem Auswaschen des unveränderten Chromats durch Behandeln mit verschiedenen Metallsalzen in kräftige Bilder von verschiedener Färbung übergeführt (mit Quecksilbersalzen braunrot, mit Silbersalzen kirschrot, mit Blei- und Wismuthsalzen gelb, mit Alkalisulfiden schwarz). Dabei wird also nach einem Negativ ein Positiv erhalten“.

„Anderseits konnten diese ausgewaschenen Kopien durch Anfärben mittels Alizarin, Rotholz, Blauholz oder Gelbholz gekräftigt werden, wobei das Chromdioxyd als Beize wirkte. Auch Gerbsäuren liessen sielt fixieren und durch Behandeln mit Eisensalzen in schwarze Töne umwandelnd“.

„Wir haben nun eine dritte Art der Erzeugung photographischer Bilder vermittelst des nach dem Waschen der Kopien zurückbleibenden Chromdioxyds gefunden. Dieselbe beruht darauf, dass das Chromdioxyd noch als kräftiges Oxydationsmittel wirkt und gewisse farblose organische Verbindungen der aromatischen Reihe unter Sauerstoffaufnahme in Farbstoffe von verschiedenen Nuancen überzuführen vermag“.

„Derartige Verbindungen sind:

p-Phenylendiamin p: Diamidophenol
Dimethyl-p-Phenyiendiamin
(Schmp. 40°)
β – Triamidophenol
Pyrogallol
Toluylen-p-Diamin (Schmp.65°) 1,5-Dioxynaphtalin
1,5-Naphtylendiamin (Schmp.
188 bis 190°
p-Amidodiphenylamin
p-Diamidodiphenylamin
p-Amidophenol Anilin
Methyl-p-Amidophenol Dimethylanilin“.

„Dieses Verfahren unterscheidet sich in charakteristischer Weise von demjenigen, welches die Gebrüder Lumière in Lyon unter zu Grundelegung von oxydablen Substanzen und Mangansalzen usw. ausgearbeitet haben (vgl. Eder, „Handbuch der Photographie“, 2, Aufl., 4. Teil, S. 546-549). Während das vorliegende Verfahren ein Positiv verfahren ist, indem nach einem Negativ ein Positiv erhalten wird, resultiert bei dem Lumièreschen Verfahren aus einem Negativ wieder ein Negativ; der Grund hierfür ist der, dass nach Lumière das zu Grunde gelegte Metallsalz als solches zur Bildererzeugung benutzt wird, nach dem neuen Verfahren hingegen die im Lichte entstandene Reduktionsstufe des Metallsalzes“.

„Die Verfahren mit Oxydsalzen des Mangans, Cobalts usw. nach Lumière haben nicht nur deshalb, sondern auch weil die Ausführung auf Schwierigkeiten stiess, keinen Eingang in die photographische Praxis gefunden“.

„Ebenso charakteristisch unterscheidet sich das neue Verfahren von der Herstellung der sogenannten Tintenbilder (Eder, „Handbuch der Photographie“, 4. Teil, S. 271–72), deren Bildung, wie eingangs erwähnt, darauf beruht, dass das bei der Reduktion entstandene Chromdioxyd sich Gerbsäuren, bezw. gewissen Farbstoffen gegenüber als Beize verhält. Praktische Bedeutung hat auch dieses Verfahren nicht erlangt (vergl. Eder, a. a. O., S. 272). Bei dem neuen Verfahren hingegen ist es die oxydierende Wirkung des Chromdioxyds, welche ausgenutzt wird, um unter Anwendung leicht oxydabler Substanzen Bilder zu erzeugen“.

„Wir erläutern unser Verfahren an folgendem Beispiel: Photographisches Rohpapier wird während einer Minute in folgender Lösung gebadet:

100
6
ccm
g
Wasser
weiche Gelatine
unter gelindem Erwärmen
gelöst.
16 bis 20 g Ammoniumbichromat“.

„Nach dem Trocknen der sensibilisierten Papiere im Dunklen wird unter einem Negativ etwa halb solange belichtet, wie beim Gummidruck, und die erhaltenen Kopien werden in häufig gewechseltem Wasser schnell vom linzersetzten Chromat befreit. Das letzte Waschwasser säuert man zweckmässig etwas an (auf 1000 ccm Wasser 1 ccm Schwefelsäure). Die Entwicklung des Bildes erfolgt nun bei gewöhnlicher Temperatur z.B. in folgender Lösung:

Wasser 600 ccm,
p-Phenylendiamin 1 g,
Natriumbisulfit 1–2 g“.

„Das Bild tritt hierin schnell mit dunkelbrauner Farbe hervor, wird in angesäuertem Wasser gespült und hierauf gut gewässert“.

„Ersetzt man in obiger Lösung das p-Phenylendiamin durch eine der anderen Verbindungen, so ändert dies gewöhnlich die Färbung des Bildes, so dass man in der Lage ist, Bilder in allen möglichen Nuancen nach dem neuen Verfahren zu erzeugen“.

Ein weiteres Patent, D. R.-P. 123292, wurde der oben genannten Firma als Zusatzpatent zum D. R.-P. 116177 (siehe oben) erteilt. Dasselbe lautet:

„Wir haben nun bei weiterer Ausbildung des durch D. R.-P. 116177 geschützten Verfahrens die Beobachtung gemacht, dass sich das Verfahren des oben genannten Patentes auch unter Anwendung von Gemischen oxydabler Substanzen ausführen. lässt, d.h. dass man zum Entwickeln Lösungen verwenden kann, in welchen gleichzeitig verschiedene oxydable Substanzen enthalten sind. Die Wirkungsweise des Chromdioxydes auf solche Gemische ist je nach der Wahl der Komponenten eine verschiedene; es kann von den angewendeten oxydablen Produkten jedes für sich allein in eine färbende Substanz verwandelt werden, sodass die resultierende Färbung des Bildes dann als eine Mischung von zwei oder mehr Farbtönen aufgefasst werden muss; oder aber es können die Gemenge der oxydablen Körper unter dem Einfluss des Chromdioxyds gemeinsam unter Bildung indamin-, bezw. indophenolartiger Körper reagieren“.

„Die Vorteile, welche wir hiermit dem Verfahren des Hauptpatentes gegenüber erreichen, liegen darin, dass wir bei Verwendung solcher Gemische eine ausserordentlich grosse Zahl von Nuancen und vor allem beliebige Modetöne erzielen können, was bei Anwendung eines einzigen oxydablen Mittels nicht möglich war“.

„Die Ausführung unseres Verfahrens schliesst sich im wesentlichen der im Hauptpatent beschriebenen an. Die photographischen Papiere werden in der gleichen Weise sensibilisiert wie dort angegeben und nach der Belichtung unter einem Negative mit der Entwicklerlösung behandelt.“

Ein Kopierverfahren, welches auf die Lichtempfindlichkeit von gewissen Diazoverbindungen beruht, haben Ruf und Stein auf Grund zahlreicher Versuchsreihen veröffentlicht.110)

Verfahren für Diapositive: Gut geleimtes und mit Formaldehyd gehärtetes photographisches Rohpapier wird im Dunkeln auf der einen Seite gleichmässig mit einer zweiprozentigen Lösung des Chlorzinkdoppelsalzes des Diazocarbazolchlorids bedeckt, indem man es auf dieser Lösung schwimmen lässt und dann trocknet. Nun wird es unter dem Diapositiv so lange belichtet, bis die entsprechende Zeichnung auch in den dunkleren Partieen hellbläulich auf gelbem Grunde erscheint, dann durch Baden in einprozentiger, schwach alkalischer α-Naphtollösung entwickelt und fixiert. Man erhält so ein orangegelbes Bild, das nach einem zweiten Bade in verdünnter Essigsäure einen schönen braunen Ton annimmt.

Die hier beschriebene Art der Bilderzeugung lehnt sich demnach eng an diejenige des Primulinprozesses an.

Zieht man die fertige Kopie anstatt durch alkalische α-Naphtollösung durch verdünnte Natronlauge, so hat man die Bedingungen, welche das Verfahren von Andresen charakterisieren; es kuppelt das durch das Licht gebildete Oxycarbazol mit dem unveränderten Diazosalz, und man erhält ein |781| violettes negatives Bild. (Bei Anwendung von einem Negativ ein positives Bild.)

Verwendet man statt α-Naphtol β-Naphtol oder Phloroglucin oder Resorcin oder m-Toluylendiamin, so erhält man statt der braunen, dunkelrote, violette, gelbbraune oder braunviolette Töne.

Verfahren für Negative: Das Papier wird unter Anlehnung an das Feersche Verfahren in gleicher Weise mit einer Lösung von 2 g carbazoldiazosulfosaurem Natrium, 2 g α-Naphtol und der eben nötigen Menge Natronlauge in 100 ccm Wasser präpariert, getrocknet und unter dem Negativ belichtet. Tritt das Bild auf dem gelben Papier mit braunroter Farbe hinreichend scharf hervor, so wird es durch Waschen mit heissem Wasser, sehr verdünnter Natronlauge, kaltem Wasser, verdünnter Essigsäure und nochmals kaltem Wasser mit braunem Ton fixiert.

Ausser α-Naphtol kuppeln leicht und rasch β-Naphtol (rot), die β-Naphtolsulfosäuren 2 : 6 und 1 : 4 (violett), die β-Naphtoldisulfosäure 2 : 3 : 6 (R-Salz-blauviolett) und das m-Toluylendiamin (schön braun).

Die Farbe der Töne ist nicht allein durch die Art der Komponente bedingt, sondern auch durch deren Quantität, sowie die Konzentration des Alkalis, sowie die Art der Leimung des Papiers (Ruff und Stein leimten ihre Papiere mit fünfprozentiger Gelatinelösung und härteten diese mit fünfprozentiger Formaldehydlösung). Die erhaltenen Nuancen lassen sich nach der Fixierung durch Einlegen der Bilder in verdünnte Kaliumbichromatlösung, Ferrichloridlösung oder Kupfersulfatlösung modifizieren.

Die fertigen Farben selbst sind durchaus lichtbeständig. Ruff und Stein haben Bilder schon über ein Jahr am Licht aufbewahrt, ohne eine Veränderung konstatieren zu können.

A. G. Green, G. F. Cross und E. J. Bevan polemisieren gegen einen Passus in der Arbeit von Ruff und Stein, der sich auf ihre Untersuchungen über die Lichtempfindlichkeit der Thioamidbasen bezieht. Sie glauben, dass der dort gegebene Hinweis auf ihre Arbeit den Anschein erwecken könnte, als hätten sie sich ein Verfahren patentieren lassen, dessen wissenschaftliche Grundlage von Andresen aufgeklärt wurde, und erinnern deshalb zur Klarstellung der Sachlage an ihre bereits 1890 erschienenen Abhandlungen über die Verwertung des Diazotypprozesses für das photographische Färben und Drucken (Ber. Deutsch, ehem. Ges. 34, 2495, 28./9. [1./7.] London). (Chem. Zentralblatt 1901, Bd. 2, No. 18, S. 965.)

Lithographie, Zinkflachdruck, Algraphie etc.

Das Verfahren für trockenen Umdruck auf den Stein von Paul Nötzolt in Briesnitz besteht in einer Behandlung des in der gewöhnlichen Art geschliffenen Steines mit Bimssteinpulver und Spiritus. Der Stein wird wiederholt damit abgerieben und der zwischendurch aufgegossene Alkohol am Steine abgebrannt, wodurch er vollkommen fettfrei und die Poren geöffnet werden sollen.111)

H. Schneider erhielt ein englisches Patent (No. 24934 ad 1899) auf eine photolithographische Methode. Dieselbe besteht in einem Ueberziehen des gekörnten und mit stark verdünnter Salpetersäure gewaschenen Steines mit Gelatinelösung, Ueberstreichen mit einer Albumin-Oxalsäurelösung, Auftragen der aus Chlorzink, Chrysanilin, Wasser, Ammonium- und Kalium-bichromat bestehenden Sensibilisierungslösung, Trocknen, Kopieren, Einschwärzen mit Farbe und Entwickeln mit einem nassen Schwämme. Der so behandelte Stein soll im Halbton drucken.112)

Zur Herstellung von Gravuren oder Radierungen ähnlicher Lithographien bezweckt ein von Sebald in Leipzig erfundenes Verfahren, dass er „Litomio“ nennt. Der Stein wird zur Ausführung derselben geäzt, poliert und mit einer wasserabstossenden (harzhaltigen) Schichte, in welche mit der Nadel bis zur Bloslegung des Steines radiert wird. Der Stein wird dann entsäuert und dadurch für fette Farbe empfänglich gemacht113).

Eine kleine kompendiöse Steindruckschnellpresse „Noris“, ähnlich den Tiegeldruckpressen der Buchdrucker, baut dieMaschinenfabrik Steinmesse & Stollberg in Nürnberg. Bei dieser Presse erfolgt das Anlegen des Bogens nicht über, sondern unter dem Druckzylinder, wodurch es möglich wurde, den Druckzylinder einen relativ geringen Durchmesser zu geben (D. R. G. M. No. 118528)114)

Ein Patent auf die Herstellung biegsamer Lithographieplatten erhielt Th. Köhler in Limburg (Sachsen). Das Verfahren besteht in einem Ueberziehen von biegsamen Platten aus Pappe, Holz oder Celluloid u. dergl. mit einer breiartigen Mischung von kieselsaurer Tonerde, Zinkweiss und Wasserglas.115)

Das Aluminium hat sich für die Zwecke des Flachdruckes gut eingeführt und als Ersatz für den Stein in mancher Beziehung bewährt.116) Auch wurden für diese neue Technik bereits von mehreren Fabriken u.a. Gaston, Elie Bouvert und Eduard Albert Fix in Paris Rotationspressen konstruiert, von denen diejenige der genannten Firma an Stelle eines Zylinders zwei oder mehrere Plattenzylinder besitzt.

Otto Strecker in Darmstadt erhielt ein deutsches Reichspatent (No. 120069) auf ein „elektrochemisches Verfahren zum Ueberziehen von metallischen Flachdruckplatten mit einer wasseranziehenden Schichte, sowie zum Entfernen solcher Schichten“. Bei diesem Verfahren wird die Zink-, Aluminium- oder sonstige Metallplatte in eine etwa dreiprozentige Lösung von Alkaliphosphat, –Chlorid oder –Phosphit gebracht und je nach dem einen oder anderen Zwecke mit dem positiven oder negativen Pole eine Stromquelle von entsprechender Stärke verbunden.

Bei dem Itterheimschen Verfahren, der „Negrographie“, kann, ebenso wie bei den analogen Verfahren mit Eisen-, Uransalzen usw. das Bild sowohl mit Harzfarbe (Russ-Schellacklösung), als auch mit fetter Farbe entwickelt werden. Die mit fetter Farbe entwickelten derartigen Kopien lassen sich auf den lithographischen Stein, Zinkplatten usw. übertragen und auf diese Weise ist es möglich eine Negrographie mittels Steindruck und ähnlicher Verfahren zu vervielfältigen. Dieses Prinzip liegt mehreren Verfahren, z.B. dem Tellkampfschen Verfahren (D. R.-P. No. 8695)117), dem Pausiadruckverfahren, von Paul di Ferra u.a. zu Grunde.118)

Ein Chromatverfahren zur direkten photozinkographischen Herstellung von Druckplatten nach Lichtpausen (Vundyhes Patent No. 6307, 1901) besteht in einem Ueberziehen einer dünnen Zinkplatte mit einer Chromat-Fischleimlösung und Exponieren unter einer Zeichnung usw., Entwickeln des negativen Bildes mit Wasser, Färben der Platte mit lithographischer Tusche und Asphalt in Terpentin gelöst und Entwickeln des positiven Bildes durch Eintauchen der Platte in stark verdünnte Salzsäure und Abreiben mit Magnesiumcarbonat.

Lichtdruck.

A. Albert befasste sich seit einigen Jahren mit der Idee Lichtdruckplatten in der Buchdruckpresse zu drucken, welche im vergangenen Jahre von dem genannten gemeinsam mit W. Unger realisiert wurde. Die Genannten verwenden Aluminium und Bleiplatten als Unterlage für die Lichtdruck-präparation.119) Denselben Gegenstand behandelt auch das Verfahren von L. Bisson in Paris.120)

Die Firma Klimsch & Co. in Frankfurt a. M. bringt eine Zylinderhandpresse für Lichtdruck in den Handel, welche vor den „Reiberpressen“ manchen Vorteil bietet.

Photozinkotypie. Emailverfahren. Verschiedene Kopierverfahren zur Herstellung von Druckplatten. Verfahren zur Herstellung von Glasätzungen.

Hermann J. Schmidt in Brooklyn verkaufte ein Trockenemailverfahren für Zink- oder Kupferhochdruck verfahren (Autotypie, Strichätzung) an verschiedene Firmen. Dasselbe beruht |782| auf dem bekannten Prinzip der Einstaubverfahren. Eine Bichromatzucker- (Honig, Gummi, Dextrin) haltige Lösung wird auf die Platte gegossen, die Schichte getrocknet und darauf kopiert, wobei dieselbe an den vom Lichte getroffenen Stellen die Klebrigkeit verliert, sodass sie beim Einstauben mit einem geeigneten Pulver dieses nur an den vom Lichte nicht getroffenen Stellen annimmt. Das Pulver verhindert dann beim „Einbrennen“ die Emailbildung an die betreffenden Stellen121).

L. Tschörner stellte Versuchsreihen mit verschiedenen Substanzen, als Rohrzucker, Traubenzucker, Dextrin, Gummi usw. unter Verwendung von gepulverter Magnesia oder von Magnesiumcarbonatpulver als „Entwickler“ an und erhielt z.B. mit Traubenzucker – Albumin – Chromatlösung gute Ergebnisse.122)

E. Albert in München erhielt das D. R.-P. 122836 auf ein Verfahren zur Herstellung von Zinkclichés, welche die Zurichtung in sich tragen, also keiner weiteren Zurichtung bedürfen.123)

Dies erreicht der Genannte dadurch, dass er die Niveauunterschiede der Zurichtung, d.h. das Relief derselben in die Druckfläche selbst verlegt: entweder er bringt ein metallisches Zurichtrelief, dessen Erhöhungen den Dunkelheiten des Bildes entsprechen, auf die Rückseite der Druckform und setzt beide einem starken Pressendrucke aus, oder er verwendet ein Zurichtrelief von entgegengesetztem Charakter wie bei obigem und lässt den Pressendruck entsprechend einwirken.

Ein Verfahren zur Herstellung von Hochdruckplatten unter Anwendung der Elektrolyse, wurde dem E. Albert in München patentiert (D. R.-P. 128335). Als Aetzfläche (Aetzgrund) wird Nickel oder Cobalt verwendet. Soll z.B. eine positive Druckplatte in eine negative verwandelt werden, so wird sie zunächst auf Zink oder dergl. umgedruckt. Der Umdruck wird dann galvanisch vernickelt oder verkobaltet, wobei sich das Metall nur an den freien Stellen der Platte niederschlägt. Die Umdruckfarbe wird dann entfernt und die freigelegten Stellen werden geätzt.

Ueber das „Nickelgalvano“ schreibt H. van Beek124):

Farbendruck – Combinationsdruck – Drei- und Vierfarbendruck.

Alberts Citochromie125) ist ein Farbendruckverfahren, bei welchem mittels Emulsion Halbtonaufnahmen gemacht werden.Diese werden mittels Kopierrasters direkt auf die Metallplatten kopiert, und dadurch in ein Rasterbild zerlegt.

Die Halbtonnegative müssen sehr dünn und untereinander ganz gleich gehalten werden, zur Beurteilung dient ein sogenanntes „Normalnegativ“.

Bei diesem Verfahren entfällt die Anfertigung von Rasternegativen auf photographischem Wege. – Der Druck beginnt mit der Kraftplatte, dann folgt rot, blau und gelb.

Unter dem Namen „Cellulotypie“ veröffentlicht E. Bayard ein Radierverfahren auf Celluloidplatten, welche Platten dann ebenso wie. Kupferplatten zur Vervielfältigung benutzt werden können126).

Ein Verfahren zur Herstellung von hoch geätzten Druckplatten, welche in dem Weissen ein Netzmuster enthalten, liegt dem D. R.-P. 127742 zu Grunde. Der Netzgrund in dem Weissen hat den Zweck, das Verschmieren der Platten hintanzuhalten, so dass solche Platten auf allen Pressen, selbst auf der schnellsten Rotationspresse, gedruckt werden können. Zur Herstellung der Platten wird z.B. eine Zinkplatte mit einem Netze sich kreuzender Linien nach einem der in der Lithographie üblichen Verfahren überzogen, diese Linien werden ein geätzt, die erhaltenen Vertiefungen werden mit säurefestem Metall ausgefüllt, die Fläche geebnet und poliert. Auf diese Platten wird das Druckbild in irgend einer geeigneten Art aufgetragen (Zeichnung mit lithographischer Tusche, Kopieren nach einem Negative, Umdruck usw.), dann wird geätzt, wobei die Zeichnung zerstört wird, aber das Bild und die Punkte der Platte, welche aus säurefestem Material bestehen, stehen bleiben. Dadurch wird eine Hochdruckplatte erzielt, welche ausser dem Druckbild in den Weissen ein hoch geätztes Punktsystem aufweist.

Dem St. Fanjat und P. Charles in Frankfurt a. M. wurde eine Maschine zur Herstellung von Gelatinebildern nach Art des Woodburydruckes patentiert (D. R.-P. 118475); ferner erhielt Heimsoeth ein Patent (D. R.-P. 120655) auf ein vereinfachtes Woodbury verfahren.

E. Vogel in München erhielt ein Patent auf ein Verfahren zur Herstellung von Glasätzungen127). Es überzieht Glasflächen mit lichtempfindlichen Asphalt oder Chromatgelatine, belichtet unter einem Negativ, entwickelt die Kopie, ätzt ein und erhält so eine Reliefätze mit vertieften Lichtern. Beim Entwickeln wird so vorgegangen, dass zuerst nur die höchsten Lichter entwickelt und geätzt werden, dann die Mitteltöne entwickelt und mit den höchsten Lichter geätzt werden usw., bis zur Vollendung des Bildes.

|779|

Photogr. Corresp. 1901.

|779|

Oesterr. Chemikerzeitung 1900, S. 266.

|779|

Ibid. 1901, S. 105-109.

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Eders Jahrb. f. Photogr. 1902, S. 189.

|781|

Freie Künste 1901, S. 91.

|781|

Moniteur de la Photographie 1900, S. 327.

|781|

Arch. f. Kochgewerbe 1901, S. 9.

|781|

Zeichnung und nähere Beschreibung siehe auch Eders Jahrb. f. Photogr. 1901, S. 694.

|781|

Allgem. Anz. f. Druckereien.

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Ueber Aluminiumdruck (Algraphie) siehe C. Weilands Buch. Ferner Friedr. Hesse in der Zeitschrift f. Reproduktionstechnik 1901, S. 2.

|781|

The Brit. Journ. Photogr. Almananac 1902, S, 914 ff.

|781|

Journ. f. Buchdruckerkunst 1901, S. 967.

|781|

Eders Jahrb. f. Photogr. 1902, S. 330.

|781|

Photogr. Corresp. 1901, S. 643.

|782|

Eders Jahrb. f. Photogr. 1902, S. 623.

|782|

Ibid. S. 624-626.

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Siehe den Artikel von Schmädel: Dr. E. Alberts Patentreliefchlichés in Eders Jahrb. f. Photogr. 1902, S. 210 ff.

|782|

Photogr. Chron. 1901, S. 584.

|782|

D. R.-P. 116538. Eders Jahrb. 1902, S. 648.

|782|

„La Gravure en Taille Douce à la portée de tous la Cellulotypie“, Paris 1902, Le Franc & Comp.

|782|

Photogr. Chronik, 1901, S. 261, D. R.-P. No. 116856.

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