Titel: Die Verwendung der elektrischen Energie auf den Oelfeldern der Halbinsel Apscheron.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 6 (S. 16)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi01_6

Die Verwendung der elektrischen Energie auf den Oelfeldern der Halbinsel Apscheron.

Obgleich auf den Oelfeldern in der Umgebung Bakus die Elektrizität für Beleuchtungszwecke schon seit Jahren fast ausschliesslich verwendet wird, werden die für die Erdölgewinnung und Verarbeitung erforderlichen Maschinen grösstenteils durch Dampf betrieben. Bei der grossen Anzahl von Dampfmaschinen und Dampfkesseln bilden letztere durch ihre unvollkommene Bauart häufig die Ursache gewaltiger Feuersbrünste, die schon ganze Anlagen auf den Oelfeldern zerstört haben. Für den Betrieb der Maschinen und Werkzeuge ist die elektromotorische Kraft auf den Oelfeldern Bakus bisher in grösserem Umfange noch nicht zur Anwendung gelangt. Nach den Mitteilungen der russischen amtlichen Handels- und Industriezeitung (Torgowo Promyshlenaja Gaseta) wurde die erste elektrische Station, die inzwischen wieder eingegangen ist, vor etwa vier Jahren auf den Oelfeldern in Balachany errichtet. Die Gesellschaft der Gebrüder Nobel hat vor etwa drei Jahren eine elektrische Station erbaut, deren Dynamos durch 5 Gasmotoren von je 100 bis 125 PS betrieben werden. Das Gas wird aus einer für diesen Zweck besonders errichteten Gasfabrik geliefert. Die Station versorgt nur 10 Motoren, die übrigen werden durch die Anlagen der Gesellschaft „Elektrische Kraft“ betrieben, die sich auch verpflichtet hat, die elektromotorische Kraft für den Betrieb aller Nobelschen Maschinen zu liefern.

Im Jahre 1899 wurde der Bau der elektrischen Station der Kaspi-Schwarzmeer-Gesellschaft in Sabrasch in Angriff genommen und zu Anfang des Jahres 1901 vollendet. Die Dynamos wurden durch 3 Gasmotoren von 350 PS betrieben. Die Station kämpfte ein halbes Jahr hindurch mit grossen Schwierigkeiten und sah sich schliesslich zur Betriebseinstellung genötigt, weil die Motoren für das Oelgas sich als gänzlich ungeeignet herausstellten und vollständig umgebaut werden mussten. Gegenwärtig ist die Station noch nicht betriebsfähig.

Die erste elektrische Station Bakus, die auch für andere gewerbliche Zwecke die elektromotorische Kraft liefert, wurde im Frühjahr 1901 von der Apscheronschen Gesellschaft vollendet. Zum Betriebe der Dynamos dienen zwei Dampfmaschinen von je 750 PS, die gegenwärtig auf den Oelfeldern in Balachany sechszehn Motoren betreiben.

Die Gesellschaft „Elektrische Kraft“ wurde erst vor einigen Jahren gegründet, sie hat für die Anlage elektrischer Stationen bereits eine Summe von rund 7 ½ Millionen Rubel (etwa 16,125 Millionen Mark) verausgabt. Bei ihrer Gründung erwarb sie auchdie Beleuchtungsstationen der Gesellschaft „Licht“ in Balachany, Bibi Eibat und in der Stadt Baku, ausserdem errichtete sie noch zwei Stationen, eine in Bibi-Eibat für die dortigen Oelfelder und für die Stadt, die andere in der sogenannten weissen Stadt (im Gegensatz zur schwarzen Stadt, wo sich die Verarbeitungsstätten des Erdöls befinden) und für die übrigen Oelfelder.

In Bibi-Eïbat begann der Bau der Station im Jahre 1900, der Betrieb wurde im Juni 1901 eröffnet. Die Dynamos werden durch vier Dampfmaschinen von je 500 PS betrieben. Auf den Oelfeldern in Bibi-Eïbat speist die Station 21 Motoren. In der weissen Stadt wurde der Bau in derselben Zeit begonnen und im Februar 1902 vollendet. Die Station besitzt dort eine Dampfmaschine von 125 PS, vier von je 1000 PS und eine von 2000 PS; sie betreibt gegenwärtig 46 Motoren.

Zur grösseren Verbreitung der elektrischen Kraft auf den Oelfeldern Bakus hat kürzlich ein besonderer Regierungsausschuss dem zuständigen Ministerium verschiedene Vorschläge unterbreitet, die auf eine Beseitigung der unzweckmässigen und feuergefährlichen Heizanlagen Bakus hinzielen.

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