Titel: Zuschrift an die Redaktion.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 2 (S. 48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi03_2

Zuschrift an die Redaktion.

(Unter Verantwortlichkeit des Einsenders.)

Geehrte Redaktion!

Die Zuschrift des Herrn Major H. Weisse, Heft 35 vom 30. August 1902 und der Aufsatz des Ingenieurs und Physikers Herrn Rudolf Mewes in Berlin, Heft 28 vom 12. Juli 1902 Ihrer geschätzten Zeitschrift veranlasst mich folgende Mitteilung zu machen: Das Prinzip der Luftschiffahrt durch einseitige Druck Verminderung- einer Fläche auf mechanischem Wege ist von mir im Jahre 1876 mittels eines Apparates (Fig. 1) versucht worden. Dampf oder komprimierte Luft strömt durch eine enge Ringöffnung zweier achsial verstellbarer Scheiben expandierend aus. Die dabei mitgerissene Luft wird durch den die Scheibe umgebenden Schirm abgelenkt. –

Textabbildung Bd. 318, S. 48
Textabbildung Bd. 318, S. 48

Die mechanische Luftverdünnung zum Zweck, Körper in der Luft schwebend zu halten, ist von allen andern bis jetzt bekannten Methoden der Luftschiffahrt insofern zu unterscheiden, als sie dies ermöglicht mit ruhender Fläche, das Trägheitsvermögen der Luft aber nur in zweiter Linie in Anwendung bringt. Dies Prinzip weiter verfolgend, habe ich folgenden Vorschlag gemacht, durch Zeichnung (Fig. 2) erklärt. Ein Strahl-Turbinenrad t treibt den am oberen Ende der Welle befestigtenImpeller f. Die nach aussen geschleuderte Luft wird durch den oben offenen Schirm s nach unten abgelenkt.

Die auf der oberen Fläche der Scheibe h entstehende Druck Verminderung resp. Druckdifferenz der oberen und unteren Fläche liegt hier als hebende Kraft zugrunde. Der Wirkungsgrad wird mit der Schnelligkeit der Drehung, d.h. mit zunehmender Druckdifferenz steigen, nach dem Gesetze der Luftströmung. Der Kraftverbrauch in der den Flügeln, d.h. Stahlbänder des Impellers durch Zentrifugalkraft ausströmenden Luft ist nicht verloren, indem dieselbe durch den Schirm in entgegengesetzter Richtung abgelenkt, hebend wirkt. Die günstigste Zahl der Flügel und ihre Tiefe kann nur durch Experimente festgestellt werden, weil jedoch die Druckdifferenz und nicht die Quantität der in Bewegung gesetzten Luft als Hebekraft zugrunde liegt, wird man die Tiefe der Flügel sehr klein und die Umdrehungszahl recht hoch wählen. Mit einer Umfangsgeschwindigkeit von 800 Fuss in der Sekunde kann man Druckdifferenz von ungefähr 7 Pfd. auf den Quadratzoll erzeugen (Experimente von Rateau und Geisler).

In praktischer Ausführung sind zwei oder mehrere in entgegengesetzter Richtung drehende Impellers oder mit Impellers versehene und zusammen verbundene Schieber vorteilhaft.

Brooklyn N.-Y., den 28. September 1902.

Hochachtungsvoll

Carl W. Weiss.

933 East 12 Str.

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