Titel: Festes Petroleum als Heizmaterial für Schiffe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 2 (S. 63–64)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi04_2

Festes Petroleum als Heizmaterial für Schiffe.

Von der Marine sind in letzter Zeit Versuche mit einem neuen Heizstoff vorgenommen worden, nämlich mit festem Petroleum. Der Erfinder, Dr. Basenau, Inhaber eines bakteriologischen Laboratoriums in Amsterdam, hatte eine Reihe wertvoller Vorteile bei Verwendung dieses eigenartigen Körpers in Aussicht gestellt, bei denen die Vergrösserung des Aktionsradius, die Möglichkeit, in ganz kurzer Zeit Dampf auf zu haben, dadurch also Hebung der Manövrierfähigkeit und Seetüchtigkeit bei Sturm, besonders in der Nähe der Küste, wohl den etwa 2–3 mal höheren Preis gegenüber der Steinkohle aufwiegen konnten. Leider haben die angestellten Versuche die Erwartungen zunächst nicht erfüllt. Der verhältnismässig niedrige Schmelzpunkt der etwa 4–5 kg schweren, gelbbraunen Ziegel von 35 × 25 × 6 cm Abmessung, der etwa bei 80° C. liegt, verhindert, sie allein als reine Feuerung auf den Rosten zu verfeuern; es konnte daher nur an eine mit Kohle |64| gemischte Feuerung gedacht werden. Die Behandlung der gallertartigen Masse, die stark alkalisch reagierte, war nun zwar ohne Schwierigkeit; sie liess sich leicht mit der Schaufel zerstossen und mit Steinkohle vermischen; doch erschien sehr bedenklich, dass sie bereits bei etwa 50° C. reichlich brennbare Grase entwickelte, während sie selbst schon mit einem Streichholz an der Luft angezündet werden konnte. Bei geringem äusseren Druck tropfte aus den anscheinend etwa 4% Kalium und Natriumoxyd enthaltenden Körpern Petroleum heraus, was allein schon die Verwendbarkeit an Bord in Frage stellen würde, da sich in kurzer Zeit die Bunkerenden mit flüssigem Petroleum füllen würden. Inden Feuern selbst beförderte es die Verbrennung sehr lebhaft, am besten verhielt sich eine Mischung von ¼ Petroleum zur Kohle, wurde mehr zugesetzt, so tropfte es flüssig durch die Kosten. Die Rauchentwicklung wurde durch den Zusatz sehr bedenklich erhöht. Wenn diese nun auch vielleicht durch Gebläse zurückgebracht werden könnte, so erscheint z. Z. die Verwendbarkeit des festen Petroleums an Bord doch noch sehr in Frage gestellt. Es ist noch nicht geeignet, den Heizölen Konkurrenz zu machen; denn abgesehen von der Feuergefährlichkeit ist seine Handhabung gegenüber der Leichtigkeit, mit der Heizöl übergenommen und verwendet werden kann, noch zu schwierig.

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