Titel: Kohlensäure als Schutz- und Löschmittel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 2 (S. 159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi10_2

Kohlensäure als Schutz- und Löschmittel.

Zur Beseitigung der Explosionsgefahr von Kohlenladungen in Seeschiffen sind neuerdings mit Kohlensäure erfolgreiche Versuche und praktische, gute Erfahrungen gemacht. Im Hamburger Hafen ist in Gegenwart zahlreicher Interessenten und Vertreter der Hamburger und Altonaer Feuerwehr eine aus etwa 65 Tonnen bestehende Kohlenladung in einein Leichterfährzeug unter Zuhilfenahme von Holz und Petroleum in Brand gesetzt worden. Schon nach 2 Stunden begann das Pech in der Kalfaterung des Decks flüssig zu werden und die aussere Schiffswand eine Temperatur von 50–60° C, aufzuweisen. Nachdem dann die Hitze so gestiegen war, dass der vordere Kontaktthermometer 177, der hintere 130° C. anzeigte, wurden die Luken fest geschlossen und 24 Flaschen Kohlensäure zu je 20 kg Inhalt (25% vom Luftraum) in das Schiffsinnere eingelassen. Die Abnahme der Temperatur war bereits nach dem Einlassen der ersten Kohlensäureflaschen auffällig und schon nach 3 Stunden auf vorne 31°, hinten 28° C. gesunken. Nach 22 Stunden wurden dann die Luken geöffnet und beim Umschaufeln der Ladung nicht eine Spur von Glut entdeckt, obgleich besonders die unten liegenden Kohlen stark ausgeglüht und in Kokes verwandelt waren, zum Teil auch kompakte Massen von Schlacke bildeten.

Die deutsche Feuerlöschgesellschaft hat mit diesem Versuch den Beweis erbracht, dass den häufigen und äusserst gefahrlichenKohlenbränden an Bord der Schiffe durch dieses Löschsystem des Chemikers H. Gronwald (Berlin) zweckmässig begegnet werden kann.

Gute Erfahrungen auch in Beziehung auf die Wirtschaftlichkeit des Gronwaldschen Systems hat das Bremer Vollschiff „Nesaia“ gemacht. Das Schilf brachte eine Ladung westfälischer Fettkohle von Bremen nach Tsingtau, und der Kapitän hat durch frühzeitiges Einlassen von Kohlensäure in den Baum erreicht, dass jede Temperaturerhöhung in der Ladung vermieden ist. Da für die Ladung 1 ¼ % geringere Versicherungsprämie bewilligt worden ist, weil das Schilf mit den Gronwaldschen Apparaten ausgerüstet war, ergab sich schon bei der zweiten Reise ein Ueberschuss gegenüber den Anlagekosten dos Löschsystems.

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