Titel: Ueber den heutigen Stand des Dampfturbinenbaus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 1 (S. 190)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi12_1

Ueber den heutigen Stand des Dampfturbinenbaus.

Von Edwin Yawger.

Electrical World and Engineer, No. 23, S. 906.

Der Artikel, dem mehrere Abbildungen beigegeben sindi handelt über die Parsons turbine. Obwohl die ersten modernen Dampfturbinen ziemlich gleichzeitig mit den ersten modernen Dynamomaschinen gebaut wurden, ist doch erst seit dem Bau grosser Wechselstromgeneratoren für hohe Tourenzahl der Verbreitung der Dampfturbinen die Bahn geöffnet worden.

Die Dampfturbine ist in mechanischer und thermodynamischer Beziehung die einfachste Dampfmaschine, indem das Drehmoment allein dadurch hervorgebracht wird, dass der Dampf zwischen den in aufeinander folgenden Reihen angeordneten Leit- und Laufschaufeln hindurchströmt. Solcher Schaufeln befinden sich in einer Maschine von jeder Art bis zu 20000. Der Dampf gelangt durch das Einlassventil zunächst in einen ringförmigen Verteilungsraum und strömt von hier sofort in die erste Reihe der Leitschaufeln. Die Schaufeln sind gekrümmte Blättchen, die radial angeordnet sind, und zwar die Leitschaufeln am Gehäuse, die Laufschaufeln auf der Achse. Die Krümmung beider Arten ist einander entgegengesetzt. Die Anzahl der Reihen schwankt zwischen 20 und 100, je nach Maschinenieistung, Dampfdruck und beabsichtigtem Vakuum. Mit zunehmender Expansion muss dem Dampfe immer mehr Raum geschaffen werden, daher wachsen die Durchmesser der einzelnen Schaufelringe. Bei einem anfänglichen Dampfdruck von 10,5 Atm. und einem schliesslichen Vakuum von etwa 0,14 Atm. (abs) erhält man das 58fache des ursprünglichen Dampfvolumens. Bei einer Kolbenmaschine mit Kondensation könnte man in der Expansion bis etwa 0,56 Atm. gehen, entsprechend dem 8fachen des ursprünglichen Volumens. Eine grössere Expansion verhindern das Anwachsen des Niederdrückzylinders und die damit unverhältnismässig sich vergrössernden Dampf- und Reibungsverluste. Selbstverständlich kann auch bei der Turbine mit Vorteil überhitzter Dampf verwandt werden.

Leider kann man den genauen Betrag der Reibungsverluste und damit die Leerlaufsarbeit nicht bestimmen, da man Indikatordiagramme nicht aufnehmen kann. Aus der Thatsache jedoch, dass bei unbelasteter Maschine nach Abschliessung des Dampfeinlassventils der Zylinder noch etwa ½ Stunde rotiert, kann man schliessen, wie gering die Reibungsarbeit sein muss.

Die Lager einer solchen Dampfturbine sind nach besonderen Rücksichten zu bauen. Es fehlen die schwere Last des Schwungrades und die unregelmässigen Stösse des Kolbens, dagegen muss berücksichtigt werden, dass die Drehung bei der hohen Tourenzahl nicht um die mechanische, sondern um die Schwerachse erfolgt, die im allgemeinen etwas von einander abweichen. Daher müssen die Lagerschalen im Lagergehäuse nachgiebig angeordnet sein. Die Schmierung erfolgt zwangsläufig. Bei ausgeführten Konstruktionen, die 2 ½ Jahre lang täglich etwa 11 Stunden liefen, liess sich eine Abnützung in den Lagern nicht nachweisen.

Der achsiale Dampfdruck wird durch Dampfdruck auf eine Scheibe am Ende der Turbine ausgeglichen. Die Stopfbüchsen bestehen mit Rücksicht auf die hohe Tourenzahl und das obenerwähnte exzentrische Schwingen aus einzelnen Ringen, die abwechselnd an der Achse und dem Gehäuse sitzen. Da die Achse keine hin und hergehende Bewegung macht, sondern nur etwas seitlich ausweicht, liegen die Seiten der Ringe eng aneinander an und verhüten so Dampfverluste.

Ein grosser Vorteil liegt in dem Fehlen jeder Steuerung. Der Regulator wirkt einzig auf das Einlassventil und veranlasst, dass die nötige Dampfmenge in die Turbine einströmt. Gleichzeitig muss er bei aussergewöhnlicher Beanspruchung, wie Kurzschluss der Dynamo und Bruch irgend eines Teiles, selbsttätig den Dampf absperren.

Zum Schluss sei noch die leichte Zugänglichkeit der wichtigen Teile erwähnt, da man hierzu nur den Deckel der Turbine abzunehmen braucht.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: