Titel: Bosch's Lichtbogenzündung für 4 Zylindermotoren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 3 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi12_3

Bosch's Lichtbogenzündung für 4 Zylindermotoren.

Bei diesem neuen, magnet-elektrischen Zündapparat erfolgt die Zündung durch einen kleinen Lichtbogen, welcher sich ohne Verwendung einer Induktionsspule unmittelbar zwischen Kontakten einer Zündkerze bildet.

Der Zündapparat besteht aus 3 Hauptteilen

  • 1. dem eigentlichen Stromerzeuger,
  • 2. der Unterbrechung,
  • 3. der Verteilung.

Der Stromerzeuger ist nach dem gleichen Prinzip gebaut, wie die bekannte Bosch-Zündung mit Abreissvorrichtung. (D. p. J. 1899, Bd. 314 S. 109.) Zwischen den Polschuhen von 3 kräftigen Stahlmagneten ist ein Anker feststehend gelagert; zwischen diesem und den Polschuhen dreht sich eine eiserne Hülse, die aus 2 symmetrisch angeordneten Zylindersegmenten besteht. Die Wicklung des Apparates zerrfällt in 2 Teile; der eine, aus wenigen Windungen dickeren Drahtes bestehend, sei als primärer Stromkreis bezeichnet, der andere mit vielen Windungen dünneren Drahtes, als sekundärer. Der Anfang der primären Wicklung ist mit dem Ankerkörper leitend verbunden, das Ende ist isoliert durch die hintere Ankeraxe zu einer Klemme geführt, von welcher ein kleines Kabel h die Verbindung mit der Kontaktschraube a des Unterbrechers herstellt. Die sekundäre Wicklung ist eine Fortsetzung der primären, ihr Anfang ist an das Ende der letzteren angelötet. Das Ende der sekundären Wicklung geht durch die hintere Ankeraxe, von dieser und dem Ende der primären Wicklung isoliert, nach g zum.

Die Unterbrechung des primären Stromkreises erfolgt durch den Hebel 6, welcher durch eine Feder gegen die Unterbrecherscheibe c gedrückt wird. Letztere ist mit vier Einkerbungen versehen, in welche der Hebel b einfällt, so dass der obere Arm von b gegen die Kontaktschraube a gepresst und der primäre Stromkreis geschlossen wird. Am Ende der einzelnen Einkerbungen wird der Hebel b von der Schraube a weggezogen und der Strom unterbrochen. Parallel zur Unterbrechung ist der Kondensator d geschaltet.

Die Unterbrecherscheibe c ist auf ihrer hinteren Seite als Verteiler ausgebildet; zu diesem Zweck trägt sie einen Messingring e (in der schematischen Darstellung rechts herausgezeichnet), dessen Segment f immer je einer der vier Kohlenbürsten 1, 2, 3, 4 den hochgespannten Strom vermittelt, der durch eine fünfte Kohlenbürste g den Verteilerring e von dem Stromabnehmer zugeführt wurde.

Die Wirkungsweise des Apparats beruht darauf, dass durch die Drehung der Hülse in der Wicklung des Ankers ein Wechselström |192| erzeugt wird, welcher während einer Umdrehung- der Hülse 4 Strom-Maxima aufweist. Durch den Unterbrechungshebel b wird nun der primäre Strom im geeigneten Augenblick geschlossen. Hierdurch fliesst in der primären Wicklung ein kräftiger Strom, welcher auf die den Strom erzeugenden magnetischen Kraftlinien eine Rückwirkung ausübt und dieselben gewissermassen zurückdrängt. Durch das plötzliche Unterbrechen des Stromes hört die Rückwirkung auf, wodurch eine schnelle Aenderung der Kraftlinienzahl im Anker hervorgerufen wird. Durch diese Aenderung steigt die in der sekundären Wicklung induzierte Spannung so hoch, dass zwischen den Kontakten der Zündkerze ein Funken überspringt. Dieser vermindert den Luftwiderstand an der Uebergangsstelle so, dass der durch die Drehung des Ankers erzeugte Strom dem Funken folgt und als Lichtbogen zwischen den Kontakten übergeht. Die Wirkungsweise des Apparats beruht also darauf, dass ein hochgespannter Strom durch einen überspringenden Funken einen Strom von niederer Spannung gewissermassen eine Brücke bildet, auf welcher der letztere als Lichtbogen übergeht.

Textabbildung Bd. 318, S. 192

Das Charakteristische dabei ist, dass beide Ströme in ein und derselben Wicklung erzeugt werden. Jeweils im Augenblick der Unterbrechung steht das Segment f des Verteilers e unter einer der vier Bürsten, so dass sich der Lichtbogen immer nur in einem Zylinder bildet.

Der günstigste Lichtbogen tritt auf, wenn man die Unterbrechung zu Beginn der wirksamen Induktion erfolgen lässt; in diesem Augenblick hat die Hülse je ihre horizontale oder vertikale Stellung um einige Grad in der Drehrichtung überschritten. Von dieser Stellung aus kann die Unterbrechung innerhalb eines Drehwinkels von etwa 30° in Beziehung auf die Hülse beliebig erfolgen; es ist deshalb der Hebel b verstellbar angeordnet.

Da nun die Zündung bei diesem Apparat durch einen Lichtbogen erfolgt, so muss die Konstruktion der Zündkerze so gewählt sein, dass das Ausbrennen der Kontaktstellen nicht zu schnell erfolgt. Es sind deshalb anstatt einer Uebergangsstelle mehrere angeordnet, so dass sich die Abnützung verteilt.

Im allgemeinen wird der Lichtbogen um so intensiver sein, je kleiner die Luftzwischenräume zwischen den Kontakten sind; weil hierdurch der Widerstand, den der Lichtbogen beim Uebergang überwinden muss, in gleichem Masse kleiner wird. Am günstigsten zeigt sich ein Zwischenraum von 0,3 bis 0,4 mm.

Da die Entstehung des hochgespannten Funkens von dem richtigen Wirken des Unterbrechers abhängt, so sind bei einer etwa vorkommenden Unregelmässigkeit zunächst die Kontaktstellen desselben nachzusehen; sind die Platinkontakte zu sehr abgenutzt, so müssen sie durch neue ersetzt werden. Der Apparat kann auf richtiges Arbeiten dadurch probiert werden, dass man an den Stromabnehmer einen Draht anschliesst und diesen mit der isolierten Klemme einer Zündkerze verbindet, während der Metallkörper derselben mit dem Apparatkörper verbunden wird. Erteilt man nun dem Anker mit der Hand eine rasche Drehung, so muss nach je einer viertel Umdrehung ein Lichtbogen an der Zündkerze auftreten. Die Zündmomentverstellung muss hierbei auf Frühzündung stehen. Sollte nur ein Zylinder regelmässig versagen, so ist zunächst die Drahtleitung zu diesem Zylinder darauf nachzusehen, dass sie nirgends mit dem Motorkörper Verbindung hat und dass sie nicht unterbrochen ist.

Ist hier der Fehler nicht zu finden, so sind die Kohlenbürsten des Verteilers zu untersuchen. Während des Betriebs ist Berühren des Stromabnehmers oder der Verteilungsklemmen und Drähte streng zu vermeiden, weil die elektrischen Schläge, welchen man hierbei ausgesetzt ist, sehr empfindlich sind.

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