Titel: Eine neue Seefackel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 2 (S. 222–223)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi14_2

Eine neue Seefackel.

„Revue Industrielle“ bringt die Beschreibung einer in England, Amerika und neuerdings in Frankreich mit bestem Erfolg bei verschiedenen Rettungswerken auf See angewandten Acetylenfackel nach Watson, die durch Wasser und Wind nicht verlöscht werden kann. Die Konstruktion dieser Fackel, die die Form eines Geschosses |223| hat, und auch wie ein solches durch Kanonen nach der Unfallstelle geschleudert werden kann, ist, wie die beiden nachstehenden Skizzen erkennen lassen, folgende:

Der innere Hohlraum ist in die drei Teile a, b und c geteilt; a enthält das nötige Calciumkarbid, b sichert die Schwimmfähigkeit des ganzen Körpers und c dient zur Aufnahme des Calciumoxyds, das sich aus dem verbrauchten Karbid bildet. Das frische Karbid befindet sich in einem Drahtkorb, der durch die beiden kleinen Winkelkränze ee gehalten wird.

Textabbildung Bd. 318, S. 223

Beim Eintauchen des Körpers in das Wasser tritt dieses nun durch die kleinen Oeffnungen o in die Luftkammer b und berieselt das Calciumkarbid. Beim Aufbewahren sind diese Oeffnungen gegen das Eindringen von Feuchtigkeit durch ein einfaches Band geschützt, das beim Gebrauch der Fackel leicht entfernt werden kann.

Der Deckel, auf dem die Acetylenbrenner i angebracht sind, trägt noch einen kleinen Rezipienten r, der Calciumphosphatstücke enthält. Der Erfinder hat nach zahlreichen Versuchen diese chemische Verbindung gewählt, weil sie am besten ein zuverlässiges Entzünden und eine genügend lange Wirksamkeit sichert. Diese Eigenschaft ist aber besonders erwünscht, weil die Fackel häufig im Seegang unter Wasser kommt und ausgelöscht wird. Die Wiederentzündung erfolgt dann, solange die Wirksamkeit des Calciumphosphats anhält, explosiv.

Für das Eindringen des Wassers und die nötige Entwickelung des Phosphorwasserstoffes hat man den Rezipienten r oben mit einer kleinen Oeffnung versehen, die gewöhnlich durch den kleinen, wasserdichten Deckel d geschlossen ist, der vor Benutzung des Apparates abgehoben werden muss. Wie die Skizze erkennen lässt, sind die Calciumphosphatstücke von einem Metallmantel eingeschlossen, der ihr Entweichen verhindern soll.

Beim Abschiessen der Fackel sind die Brenner durch einen Pfropfen f geschützt, auf den der in der Kanone entwickelte Gasdruck wirken soll. Der die Acetylenbrenner umgebende Blechkranz ist mit kleinen Schlitzen hh versehen, um dem vom Seegang in die oberste Schale hineingespülten Wasser einen Abfluss zu geben.

Der ganze obere Teil wird gewöhnlich durch einen Stülpdeckel geschützt, dessen Rand g luftdicht abschliesst, und der vor dem Abschiessen leicht entfernt werden kann.

Erwähnenswert ist noch, dass dieser Apparat auch in anderer Form konstruiert ist, sodass er mit der Hand oder sonstigen mechanischen Mitteln an den gewünschten Ort geschleudert werden kann.

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