Titel: Anschweissen von Bronzespitzen an gusseiserne Propeller.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 3 (S. 223)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi14_3

Anschweissen von Bronzespitzen an gusseiserne Propeller.

Schon von jeher sind gusseiserne Propeller für die Schiffbauer die Ursache grosser Sorgen gewesen, weil sie auf der Oberfläche der Flügelspitzen leicht angefressen werden und infolge der dadurch entstehenden Querschnitts Verkleinerung abbrechen, sobald der Schraubenflügel auf einen harten Gegenstand schlägt. Für einen derartigen schadhaften Flügel schnell Ersatz zu schaffen, ist oft mit grossen Schwierigkeiten verbunden, zumal bei dem heutigen scharfen Wettbewerb der Aufenthalt der Schiffe im Hafen auf das unbedingt nötige Mass zu beschränken ist und es für langwierige Reparaturen daher an der nötigen Zeit fehlt. Einen vortrefflichen Ausweg in solchen Fällen bietet nach The Foundry, Sept. 1902, S. 22, ein durch englisches Patent geschütztes Verfahren, welches darin besteht, dass man an gusseiserne Propellerflügel Bronzespitzen anschweisst, um dadurch späteres Anfressen und Abbrechen zu vermeiden. Der beschädigte Flügel wird zu diesem Zwecke zunächst auf eine Bohrmaschine gebracht und quer mit einer Reihe von Löchern durchbohrt, die etwa 10–15 nun vom Rande entfernt stehen, sodass man das schlechte Material später glatt abbrechen kann. Sodann bringt man den Flügel in die Giesserei, gräbt ihn in den Boden ein und stellt darüber eine Form her, die dem fehlenden Teile entspricht; diese wird mit Bronze voll gegossen. Hier setzt nun die Neuheit des Verfahrens ein: Die Bronzespitze wird gegen den gusseisernen Flügel gegossen und muss nun noch mit ihm verschweisst werden. Zudiesem Zwecke reisst man die Form ab, so lange der Guss noch heiss ist, legt rings um die Stosstelle von Bronze und Eisen ein offenes Feuer und schweisst dann mit Eisen, indem man letzteres in flüssigem Zustande in die Stossfuge zwischen der Bruchfläche und dem Bronzeanguss bringt. Es ist dabei zu beachten, dass das Metall aus dem Giesslöffel unmittelbar auf das Eisen des Flügels fliesst. Nachdem der Guss gut ausgekühlt ist, wird er geputzt.

Die Festigkeit dieser Verbindung soll nichts zu wünschen übrig lassen und bisher stets gute Erfolge geliefert haben.

So hat z.B. die Eastern and Australian Co. bei einem ihrer grössten Dampfer eine abgebrochene Flügelspitze durch Bronze ersetzen lassen; hierbei erreichte der angeschweisste Bronzeteil das Gewicht von etwa 450 kg.

Ein Propeller, der in der oben beschriebenen Weise mit Bronzespitzen versehen ist, steht, was das Anfressen betrifft, einem ganz aus Bronze hergestellten an Betriebsdauer vollständig gleich und hat ausserdem noch den Vorzug des geringeren Preises. Früher war es vielfach Brauch, gusseiserne Propeller mit aufgenieteten Bronzeplatten zu versehen, doch dürfte das neue Verfahren mit den älteren in erfolgreichen Wettbewerb treten können, sowohl hinsichtlich der Billigkeit als auch der Haltbarkeit. Das Anschweissen von Bronzespitzen an gusseiserne Propeller ist zum Beispiel in Süd-Amerika allgemein im Gebrauch und verdient, zumal es nur wenige Stunden an Zeit erfordert, auch in unseren Schiffahrt treibenden Kreisen Beachtung.

A. K.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: