Titel: Chemisch-technische Neuerungen der letzten Jahre in der Fabrikation von Portlandzement
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 3 (S. 256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi16_3

Chemisch-technische Neuerungen der letzten Jahre in der Fabrikation von Portlandzement

werden von Dr. Ferdinand R. v. Arlt in der „Oesterreichischen Chemikerzeitung“, Jahrg. V, No. 23, besprochen. In den letzten Jahren ist dem Portlandzement ein gefährlicher Konkurrent in dem billigeren Schlackenzement erwachsen. Wenn nun zwar für letzteren eine unbedingte Gleichwertigkeit mit dem Portlandzement auch noch nicht erwiesen ist, so hat doch schon das Erscheinen des Schlackenzementes im Handel die Portlandzementfabrikation gezwungen, den Marktpreis zu erniedrigen und infolgedessen auch, wenn möglich, die Herstellungskosten zu verringern. Letzteres kann durch Vereinfachung des Herstellungsverfahrens, durch Verminderung des Brennstoffverbrauches oder durch Verwendung billigen Rohmaterials geschehen. Als billigeres Ausgangsmaterial kommt gegenüber Ton, Kalk, Mergel u.s.w. wohl nur Hochofenschlacke in betracht, bei deren Verwendung in den meisten Fällen gleichzeitig Vereinfachung des Verfahrens, bezw. Ersparnis an Heizmaterial erzielt werden soll, infolge Ausnützung der Wärme, welche in der den Hochofen flüssig verlassenden Schlacke aufgespeichert ist. Jedoch dürften sich die meisten Hochofenschlacken trotz ihrer scheinbar günstigen chemischen Zusammensetzungen nicht ohne weiteres an Stelle des Tones verwenden lassen. Andererseits ist es jedoch höchst wahrscheinlich, dass gerade diese Verfahren neue Wege für die Herstellung von Portlandzement aus Ton und Kalk weisen werden.

Da das Brennen des Zementes von grosser Wichtigkeit ist, so ist es auch erklärlich, dass sich wohl die grösste Anzahl der auf dem Gebiet der Zementfabrikation gemachten Verbesserungen auf die Brennapparate beziehen. Sicherlich vermag heute jeder der drei Typen, Schachtofen, Ringofen und Drehrohrofen, Vorzügliches bei geringem Brennstoffverbrauche zu leisten. Die meisten dieser Verbesserungen beziehen sich auf konstruktive Ausgestaltungen der zu verwendenden Brennapparate und handelt es sich in der Regel dabei um Einhaltung besonderer Querschnittsverhältnisse oder Vorrichtungen zur Regelung des Luftzuges. Am meisten Interesse beanspruchen die Versuche, welche das alte Problem der Kühlung der Ofenwände sowie die gleichzeitige Nutzbarmachung der sonst durch Strahlung verloren gehenden Wärme zu lösen suchen. Lessing und Rheinfeld (D. R. P. No. 125251 und Oe. P. No. 4562) verwenden als feuerfestes Futter rotierender Brennöfen ein poröses, mit Kanälen durchsetztes Material. Die Kanäle selbst stehen wiederum mit einer Druckluftleitung in Verbindung. C. F. Theurer und H. Chr. Hansen lassen die Luft, welche beim Durchstreichen der Kühlzone die Wärme der Klinker aufgenommen hat, durch Injektoren aufsaugen und Generatoren zuführen, welche zur Herstellung des für den Betrieb von Schachtöfen mit Gasfeuerung nötigen Gases dienen und seitlich der Sinterzone in den Ofen eingebaut sind (Oe. P. No. 7058). Eine Verwertung der bei dem Betriebe rotierender Oefen alter Konstruktion verloren gehenden Klinkerwärme bezweckt das Verfahren von Lathburg und Spackman (E. P. No. 5346 vom Jahre 1901), welche über die den Ofen verlassenden Klinker einen Luftstrom blasen und denselben, noch heiss mit dem Brennmaterial gemischt, dem Ofen zuführen. Das Patent von Lessing und Dr. Wolf (D. R. P. No. 125250) beruht auf der Teilung in Verbrenn–, Sinterungs- und Kühlofen. Hiernach wird die Rohmasse in einem rotierenden Ofen vorgewärmt und dann in den Schachtofen eingeführt, in welchem sie durch Widerstände zerstreut, einer Flammensäule entgegen herabrieselt, wobei sie bis zur Sinterung erhitzt wird. In einem zweiten Drehofen gibt dann die Masse ihre Wärme an einen ihr entgegengefahrten Luftstrom ab.

Es ist das Verdienst von Michaelis, nachgewiesen zu haben, dass überbrannter, d.h. über die Sinterungstemperatur gebrannter Zement sehr wohl noch brauchbar ist, vorausgesetzt jedoch, dass ein derartiger Zement rasch abgekühlt wurde. Das gleiche gilt vom Schlacken zement. Demzufolge wird nach v. Forell (E. P. No. 23443 vom Jahre 1901) geschmolzene Hochofenschlacke gegen eine kalte Fläche geschleudert. Bei diesem Verfahren findet zugleich auch eine Entschweflung der Schlacken statt. Entschweflung bezweckt auch das Verfahren von Dr. Wormser D. R. P.No. 122300), welches der Rohmasse gewöhnlichen Zementes ungefähr 1–5 pCt. Chlorkalk hinzusetzt, wodurch der Schwefel als Chlorschwefel verflüchtigt, das Eisen aber oxydiert wird. Andere Verfahren zur Beseitigung des Schwefels aus den Schlacken stammen von Passow (Zufuhr von Sauerstoff) D. R. P. No. 128281, No. 128282 und Oe. P. No. 8963) und Wuth (D. R. P. No. 128252). Ersterer presst Luft in die geschmolzene Schlacke, letzterer durchtränkt den Kalk, welcher der gemahlenen Schlacke zuzusetzen ist, mit einer Lösung von Natriumnitrat.

Zur Herstellung weissen Portlandzementes wird nach Ehemann (D. R. P. No. 110523 und Oe. P. No. 3686) eisenfreier Kalk und Ton mit Feldspat, der auch durch eisenfreie saure kieselsaure Fritten und Gläser ersetzt werden kann, bis über die Sinterung gebrannt wird. Um Portlandzement herzustellen, welcher der Einwirkung von Seewasser widersteht, gebraucht Potter (E. P. No. 15132 aus dem Jahre 1899) einen Zusatz gebrannten Tones zum Portlandzement. Michaelis (E. P. No. 3768 vom Jahre 1901) sucht die Seewasserbeständigkeit des Portlandzementes dadurch zu erreichen, dass es das Aluminium durch die Oxyde von Eisen, Mangan oder Chrom ersetzt.

Dr. Hcp.

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