Titel: Mehrphasen-Motoren für veränderliche Geschwindigkeit.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 3 (S. 302–303)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi19_3
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Mehrphasen-Motoren für veränderliche Geschwindigkeit.

Bei verschiedenen Verwendungsarten der Mehrphasen-Motoren, wo ein häufiges Wechseln der Geschwindigkeit verlangt wird, also insbesondere bei Bahnbetrieben mit vielen Stationen unterscheiden sich die Mehrphasen-Motoren in sehr ungünstiger Weise von den Gleichstrom-Motoren, weil sie bei veränderter Umdrehungszahl nur mit sehr ungünstigem Wirkungsgrade arbeiten. Die Kaskadenschaltung solcher Motore hat diesen Uebelstand vermindert: von 2 auf einer Achse befestigten Motoren geht der im ersten Motor induzierte Strom in den induzierenden Teil des zweiten Motors. Die Leistung des Aggregates ist gleich der Hälfte der Leistung der getrennten Motore, die Tourenzahl auch gleich der Hälfte der normalen Geschwindigkeit, M. Danielson hat neuerdings dem amerikanischen Institut der Elektro-Ingenieure eine Abänderung der Kaskadenschaltung vorgelegt, die es gestattet, mit 2 Motoren 4 Geschwindigkeitsstufen zu erreichen. Die beiden Motore sind nicht gleich, sondern für verschiedene Geschwindigkeiten; hat der eine Motor z.B. 6, der andere 4 Pole, so erhielt man bisher bei 50 Perioden folgende 3 Geschwindigkeitsstufen:

1500 Touren für den 4 poligen Motor allein (der 6 polige läuft leer).
1000 „ „ 6 „ „ „ ( „ 4 „ „ „ ).
600 als kombinierte Geschwindigkeit für beide Motoren in
Kaskadenschaltung.

Sind beide Motore für die gleiche Leistung etwa 50 PS, so ergibt auch die Kombination in allen 3 Fällen 50 PS. Die vierte von M. Danielson vorgeschlagene Schaltung ist die folgende: Angenommen die beiden Motore seien so geschaltet, dass ihre Drehmomente anstatt im gleichen Sinne zu wirken, einander entgegengesetzt seien, so würde die Kombination, die wir etwa als Differenzial-Kaskadenschaltung ansprechen könnten, ein Drehmoment liefern, gleich der Differenz der einzelnen Drehmomente. Beide Motore haben 50 PS, der eine besitze 10, der andere 4 Pole; ihre Läufer seien auf einer Achse befestigt. Setzt man das Drehmoment des 4 poligen Motors mit 1500 Touren gleich der Einheit, so ist das des 10 poligen Motors mit 600 Touren gleich 2,5 und das resultierende Drehmoment gleich 1,5 im Sinne des 10 poligen Motors. Die Geschwindigkeit beträgt 1000 Touren oder mit anderen Worten, die Leistung ist ebenfalls 50 PS.

Man erhält jetzt folgende 4 Geschwindigkeitsstufen:

1500 Touren für den 4 poligen Motor allein.
1000 „ „ die Kombination in Differential-Kaskadenschaltung.
600 „ „ den 10 poligen Motor allein.
428 „ „ die gewöhnliche Kaskadenschaltung.

Die 2 primären Systeme können in einem Gehäuse untergebracht werden. Die induzierten Systeme sitzen auf derselben Welle. An Stelle dessen könnte man zweierlei Vorgelege verwenden und die Motore gleichpolig machen.

Bei Verwendung für Bahnen erhält man so bei 4 Geschwindigkeiten vorteilhaften Betrieb, man kann die Geschwindigkeit von einem gewissen Minimalbetrag bis zum dreifachen Betrage steigern.

Um der Schwierigkeit zu entgehen, Motore zu verwenden, deren Drehmoment sich wie 1 : 2,5 verhalten, schlägt M. Danielson vor, einen Motor in Kaskadenschaltung mit 2 bis 3 anderen parallel geschalteten Motoren zu vereinigen. So würde man z.B. auf einer Lokomotive mit 4 Achsen drei Motore mit viel geringerer Geschwindigkeit als den vierten und für den 3. Teil der Leistung des letzteren anbringen.

Beim Vergleiche dieses Systems mit in Serie geschalteten Gleichstrommotoren ergibt sich, dass, gleichen Wirkungsgrad bei normalem Betriebe vorausgesetzt, der grössere Vorteil auf Seite der Kaskadenschaltung liegt.

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