Titel: Dampfspritze mit Antrieb durch Kohlensäure und Spiritusfeuerung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 4 (S. 350–351)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi22_4
|351|

Dampfspritze mit Antrieb durch Kohlensäure und Spiritusfeuerung.

Eine Beschreibung dieser nach Angaben des Branddirektors Reichel für Spiritusfeuerung umgebauten Automobildampfspritze findet sich in der Zeitschrift für Spiritusindustrie XXVI. Jahrg. No. 2. Die hier in Betracht kommende Dampf spritze sollte nach der ursprünglichen Vorschrift in der Feuerwache jederzeit betriebsbereit gehalten werden durch Erzeugung eines Dampfdruckes von 4 Atmosphären mittels eines Grasbrenners und durch Anwendung einer Petroleumfeuerung. Die Petroleumfeuerung erwies sich jedoch infolge einer Anzahl Mängel, wie leichtes Erlöschen bei nicht genügender Luftzufuhr, starkes Geräusch u.s.w., für die vorliegenden Zwecke als ungeeignet. Diesen Uebelständen hat nun Reichel dadurch abzuhelfen gesucht, dass er den Antrieb der Dampfspritze, wie folgt, mittels Kohlensäure und Spiritusfeuerung bewirkte. Das Kesselwasser wird durch einen kleinen Gasbrenner dauernd auf etwa 100° C. erhalten. Bei erfolgtem Alarm wird Kohlensäuredruck auf den Kessel gegeben, aus 3 Flaschen von je 10 kg Inhalt, die an dem Wagen angebracht sind. Ein Kupferkessel von 35 Liter Inhalt, mit einer kleinen, 1 kg fassenden Flasche Kohlensäure verbunden, enthält den zur Feuerung erforderlichen Spiritus, dessen Druck durch ein an der Flasche angebrachtes Reduzierventil gleichmässig auf 5 Atmosphären gehalten wird. Verfeuert wird der Spiritus aus 2 Körtingschen Streudüsen von ½ mm Streuöffnung und bezw. 110° Streuwinkel, die beide für sich durch Hähne abstellbar sind und durch einen Griff aus dem Feuerungsraume entfernt werden können. Der Spiritus entzündet sich in der Feuerung selbsttätig an dem in dem Feuerungsraum befindlichen Gasbrenner, der alsdann aus dem Feuerungsraume herausgenommen wird. Mit dieser Einrichtung lässt sich die Dampfspannung bei stillstehender Spritze in 5 Minuten auf 5 Atmosphären bringen, und beim Fahren wird dann die zum Betrieb erforderliche Dampfspannung in 10 Minuten erreicht. Ueber die Betriebskosten dieser Automobildampf spritze teilt Reichel mit, dass für eine einstündige Fahrt, welche grosse Zeitdauer jedoch nur in den wenigsten Fällen erforderlich sein dürfte, etwa 24 kg Kohlensäure, 20 Liter Spiritus und 10 kg Glühstoff gebraucht werden. Unter Zugrundelegung der Einheitspreise für die vorbezeichneten Stoffe von 0,35 bezw. 0,165 und 0,18 Mk. berechnen sich die Kosten für die Fahrt demnach auf 13,50 Mk. Nimmt man ferner an, dass die Dampfspritze in einer Stadt wie Hannover ungefähr 80 mal im Jahre ausrücken muss, so stellen sich die jährlichen Betriebsunkosten auf etwa 1080 Mk., während die Jahresausgaben für die Unterhaltung der Pferdebespannung einer Dampfspritze f. d. Jahr 4000 Mk. betragen. Es ist daher dieser Betrieb in wirtschaftlicher Beziehung als sehr vorteilhaft zu bezeichnen.

Hcp.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: