Titel: Der Ballotier-Apparat „Patent Odhner.“
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 2 (S. 384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi24_2

Der Ballotier-Apparat „Patent Odhner.“

In dem St. Petersburger Polytechnischen Verein machte N. v. Lösch Mitteilung über den Ballotier – Apparat, der von W. T. Odhner konstruiert worden ist, Die zu geheimen Abstimmungen gebräuchlichen Apparate haben den Misstand, dass die Geheimhaltung der Stimmabgabe zumeist nicht vollkommen und das Zählen der Stimmkugeln leicht Differenzen geben kann. Der von Odhner konstruierte Apparat soll eine vollkommen geheime und sichere Wahl ermöglichen und die Zählung der Stimmkugeln durch selbsttätige Aufreihung höchst vereinfachen und einwandsfrei machen. Jede Stimmabgabe kennzeichnet sich durch ein Glockensignal und die abgegebenen Stimmkugeln werden in einem Lager mit Fächern zu je 10 Stück aufgespeichert. Der Apparat ist wie folgt konstruiert:

Fig. 1. Vorderansicht mit abgenommener Wand und abgenommenen Sammelgefässen.

Fig. 2. Seitenansicht mit teilweisem Schnitt.

Fig. 3. Aufsicht des Lagers im Einzelnen.

Fig. 4. Aufsicht des Lagers der beiden Sammelgefässe in aufgeklapptem Zustande (verkleinerter Massstab).

Textabbildung Bd. 318, S. 384
Textabbildung Bd. 318, S. 384
Textabbildung Bd. 318, S. 384
Textabbildung Bd. 318, S. 384

Die Stimmkugeln werden vor der Wahl in dem Behälter a gesammelt. In diesem befindet sich ein Hohlzylinder b mit spiralförmigen Gängen c an der Aussenseite, in denen die Kugeln nach unten gleiten und dort nacheinander einzeln vor den Schieber d fallen. Aussen am Behälter a sitzt vor der Oeffnung f eine Feder e. Sobald nun die vor dem Schieber liegenden Kugeln, in gegebenem Falle zwei, vorgeschoben werden, wird die Feder e zurückgedrückt, dadurch die vorderste Kugel vorgeschleudert und dem Lager zugeführt. Dabei stösst sie gegen die an einem Rahmen h sitzende Glocke g und bringt diese zum Ertönen. Das Lager, das sich in dem zur Führung der Kugel dienenden Rahmen h befindet, besteht aus zwei Nasen i und k, die an durch Schlitze des Rahmens gehenden Hebeln l und m sitzen. Durch Seitwärtsbewegung des einen Hebels wird die entsprechende Nase seitwärts verschoben. Die von den Nasen gehaltene Kugel fällt nach dieser Seite herunter und rollt auf der schrägen Fläche r des Rahmens h in den davor liegenden Sammelbehälter n, Fig. 3. Bei Bewegung des Hebels l wäre sie entsprechend in den Behälter o gerollt. An den Hebeln m und l sitzt die Feder p, so dass die Hebel sofort wieder ihre alte Lage einnehmen. Zur sicheren Führung der Kugel zum Sammelbehälter hat der Rahmen h unter den Nasen i und k einen spitzen Ansatz q. Die Hebel l und m, sowie das Lager befinden sich in einem Gehäuse s, so dass nicht zu sehen ist, welcher Hebel bewegt wird. Die Sammelbehälter bestehen aus in entgegengesetzter Richtung schräg abfallenden, übereinander liegenden Kanälen t von bestimmter Länge, so dass jeder z.B. 10 Kugelnaufnehmen kann. Die Kugeln rollen an den Zwischenwänden nun entlang bis an den untersten Kanal, füllen diesen, dann den darüberstehenden u.s.w. Nach der Wahl werden dann die Behälter auseinander geklappt in der Richtung der Pfeile in Fig. 3, und lassen dann sofort infolge der übersichtlichen Anordnung der Kanäle, die Zahl der für jeden Kandidaten abgegebenen Stimmen erkennen (Fig. 4). Um allen Missverständnissen vorzubeugen, ist die eine Hälfte des Apparates mit einem weissen und die andere mit einem dunklen Anstrich versehen, entsprechend „pro“ und „contra“ und in der gewöhnlichen Ausführung für 100 Wähler eingerichtet. Als Stimmkugeln dienen ⅜ Zoll Durchmesser Stahlkugeln, wie sie gewöhnlich bei Fahrrad-Lagern benutzt werden.

Ein derartiger Apparat in eleganter Ausführung kostet einschliesslich Verpackung in St. Petersburg 30 Rbl.

-i.

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