Titel: Elektrischer Leitungswiderstand beim Eisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 2 (S. 430–431)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi27_2

Elektrischer Leitungswiderstand beim Eisen.

(Nach „American Manufacturer and Iron World“, 1903, Seite 172.)

Versuche zur Ermittlung des elektrischen Widerstandes von Stahl sind bislang hauptsächlich an Drähten mit geringem Kohlenstoffgehalt durchgeführt worden, welche für Zwecke der Telegraphie Verwendung finden sollten. Bei solchen Versuchen hat sich nahezu stets ergeben, dass die Verschiedenheit des Leitungsvermögens zweier Drähte dem Unterschiede im Mangangehalt zuzuschreiben war. Dem gegenüber war es von grossem Interese zu ermitteln, in wie weit auch andere im Eisen vorhandene Stoffe das Leitungsvermögen desselben beeinflussen könnten und zwar in erster Reihe der Gehalt an Kohlenstoff.

Versuche in dieser Richtung wurden in neuerer Zeit in Frankreich durchgeführt an Probestücken mit quadratischer Querschnittsfläche mit 1 cm Seite und 20 cm Länge. Die zur Untersuchung bestimmten Stücke wurden in der Pariser Bergschule von M. Moutonet und Goudat analysiert, nachdem sie vorerst einer mehrstündigen Glühung bei etwa 600° C. unterzogen worden waren. Die Ergebnisse dieser Versuche in Rücksicht auf den Einfluss des Kohlenstoffgehalts auf das Leitungsvermögen beim Eisen sind aus nachstehender Zusammenstellung zu ersehen:

Widerstand in
Mikrohm – Cm3
Chem. Zusammensetzung
C Si Mn
10 0,06 0,05 0,13
12,5 0,20 0,08 0,15
14 0,49 0,05 0,24
16 0,89 0,13 0,24
18 1,21 0,11 0,21
18,4 1,40 0,09 0,14
19 1,61 0,08 0,13

Aus diesen Werten geht hervor, dass der Leitungswiderstand des Eisens mit seinem Kohlenstoffgehalte wächst, auch wenn die Zusammensetzung im übrigen die gleiche ist.

Aus der nachfolgenden weiteren tabellarischen Zusammenstellung erhellt, dass der Leitungs widerstand bei Zunahme des Siliciumgehaltes um 1 v. H. sich durchschnittlich um 14 Mikrohm steigert, dass mithin der Siliciumgehalt des Eisens einen erheblich grösseren Einfluss übt, als der Gehalt an Kohlenstoff.

Widerstand in
Mikrohm – Cm3
Gehalt i. v. H. an
C Si
12,5 0,2 0,1
38,5 0,2 2,6
15,8 0,8 0,1
26,5 0,8 0,7
33,5 0,8 1,3
17,8 1,0 0,1
25,5 1,0 0,6
32,0 1,0 1,1
|431|

Der mögliche Gehalt des Eisens an Mangan ist bekanntlich nahezu unbeschränkt, aber die Verbindung des Mangans mit dem Eisen kann unter zwei allotropischen Arten vorkommen, beide sind in bezug auf Magnetismus von einander verschieden und mit verschiedenem Leitungswiderstand; die daraus herzuleitenden Ergebnisse sind die nachfolgenden:

Widerstand in
Mikrohm
Gehalt i. v. H. an
C Si Mn
17,8 0,9 0,1 0,20
22,0 0,9 0,1 0,95
24,0 1,2 0,2 0,83
40,0 1,2 0,9 1,8
66,0
80,0
(magnetisch)
(unmagnetisch)
1,0 0,3 13,0

Diese Ergebnisse lassen erkennen, dass der Leitungswiderstand mit je 1 v. H. Mangan um nahezu 5 Mikrohm wächst. Bei magnetischem Manganstahl, erzielt durch zweistündiges Glühen bei 550° C. aus unmagnetischem Material, beläuft sich die Steigerung nur auf 3,5 Mikrohm.

Ebenso wie bei Manganstahl wurden auch beim Eisennickellegierungen zwei Formen verschieden im Magnetismus und elektrischem Leitungsvermögen festgestellt.

Der Leitungswiderstand wächst ganz bedeutend mit dem Gehalt an Nickel oder Kohle sowie mit der allotropischen Art, unter welcher die Verbindung auftritt – ein bestimmtes Gesetz für diese Steigerung hat bislang noch nicht festgestellt werden können. Die Steigerung des elektrischen Leitungswiderstands durch Nickelgehalt unter 5 v. H. hat zwischen 3 und 2 Mikrohm gewechselt.

Die Beeinflussung des elektrischen Leitungswiderstandes durch Chrom, Wolfram und Molybdän hat bei Gehalten unter 3 v. H. genau nicht festgestellt werden können. Die Ergebnisse der Untersuchungen lassen nur erkennen, dass der im Eisen gewöhnlich vorkommende Gehalt an Silicium einen gleich grossen, wenn nicht grösseren Einfluss auf Steigerung des elektrischen Leitungswiderstand ausübt als der 10 fache Gehalt an Chrom, Wolfram und Molybdän.

Dr. Leo.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: