Titel: Zuschrift an die Redaktion.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 3 (S. 431–432)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi27_3

Zuschrift an die Redaktion.

(Unter Verantwortlichkeit des Einsenders.)

Mit bezug. auf den Aufsatz „Neue Einrichtungen und Nebenvorrichtungen zur Zugsicherung auf Eisenbahnen“, 8. 296-299 d. Bd., sei zu I und II folgendes ergänzend hinzugefügt.

Die unter I beschriebene und schematisch dargestellte Schaltung für eine nach Siemens & Halskeschem System angeordnete, isolierte Schienenstrecke hat durch die Zufügung des Relais eine beachtenswerte Neuerung erfahren. Bei den meisten im Betriebe befindlichen derartigen Anlagen ist die Batterie in den Leitungszweig zwischen Schienenkontakt c und isolierte Schiene d geschaltet (Fig. 1), Erde e, Elektromagnet m, isolierte Schiene d, Hebelkontakt c1, Batterie b, Schienenkontakt c, Erde e1. Diese Anordnung hat den Nachteil, dass dem Blockbediensteten hierbei an die Hand gegeben ist, unerlaubter Weise die elektrische Sperrung auszulösen, und zwar durch Berühren des zum Schienenkontakt führenden Batteriepols mit einem Erddraht. Um dieser Möglichkeit zu begegnen, haben S. & H. die Schaltung so abgeändert, dass die Batterie mit einem Pol unmittelbar zur Erde geleitet worden ist. Der Stromweg ist hiernach folgender (Fig. 2): Erde e, Batterie b, Hebelkontakt c1, isolierte Schiene d, Stromschlusshebel c2, Elektromagnet m, Schienenkontakt c und Erde e1.

Textabbildung Bd. 318, S. 431
Textabbildung Bd. 318, S. 431
Textabbildung Bd. 318, S. 431

Diesen beiden Schaltungen gegenüber verdient die vom Verfasser beschriebene Anordnung den Vorzug. Der Schienenkontakt ist bei dieser Schaltung direkt an die isolierte Schiene angehängt (Fig. 3), er findet also nur Erdschluss durch die Betätigung des fahrenden Zuges, und er kann deshalb nicht ohne weiteres durch einen starken Schlag geschlossen und böswillig zur Wirkung gebracht werden. Durch den neuen Standort des Schienenkontaktes werden die bislang- erforderlich gewesenen 32 m einadriges Kabel erspart, und zwar für den Weg von der isolierten Schiene bis zum Schienenkontakt, vergl. Fig. 1 u. 2. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Batterie nicht bis zu dem Zeitpunkt des Eintreffens der letzten Zugachse sozusagen kurz geschlossen wird, sondern sie befindet sich beim ersten Kontaktschluss im Stromkreis des Relaiswiderstandes, es können also ohne Bedenken für diese Anlage Arbeitselemente angewandt werden, während sich bislang nur Ruhestromelemente dazu verwenden lassen. Der Stromweg ist folgender: Erde e, Batterie b, Hebelkontakt c1, Elektromagnet m, Schienenkontakt c, Erde e1; bei eintretender Unterbrechung des Schienenkontaktes während des Befahrens bleibt der Strom weg durch den Ankerkontakt c2 geschlossen. Hat der Zug die isolierte Schienenkontaktstrecke mit der letzten Achse verlassen, so wird der Elektromagnet |432| m1 erregt auf dem Wege: Erde e, Batterie b, Elektromagnet m, Kontakt c2, isolierte Schiene d, Kontakt c3, Elektromagnet m1, Kontakt c4, Erde e2 und wird sofort geöffnet, weil der Stromschluss bei c4 geöffnet wird.

Ausser diesen Schaltungen wenden einzelne Eisenbahnverwaltungen auch die in Fig. 4 dargestellte Schaltung an. Dass neuerdings S. & H. das mit ein und derselben Schienenkontaktanlage verbundene Gleichstromsperrfeld und die elektrische Druckknopfsperre parallel zu einander schalten, wobei beide Teile einen Unterbrechungskontakt erhalten, ist noch erwähnenswert; bei der bislang bekannten Schaltung wurden diese durch die Wechselstellung des Stromschlussstückes, hintereinander folgend, ausgelöst.

II. Die Entblockung des Sperrfeldes für Wechselstromwirkung nach dem Arltschen System dürfte, abgesehen von den Mehrkosten durch die Zufügung eines durch Gewicht- oder Federantrieb zugeschalteten Laufwerkes, doch bedenklich sein gegenüber der Gleichstromentblockung mittels des S. & H.schen Sperrfeldes. Wenn man ein Wechselstromsperrfeld anwenden will, das nicht von einer zweiten Stelle freigegeben werden soll, so würde man zweckmässiger in den Schienenkontaktstromkreis eine elektrische Druckknopfsperre einschalten, deren Druckknopf erst nach vollendeter Fahrt für die Abgabe des zur Auflösung des Sperrfeldes erforderlichen Wechselstromes bedienbar wird. Es würden demnach für das Sperrfeld zwei getrennte Druckknöpfe anzuordnen sein, der eine für die Sperrung, der andere für die Auflösung. Beide Handlungen müssten also vom Stellwerksbediensteten ausgeführt werden.

Textabbildung Bd. 318, S. 432

Das von S. & H. Verbreitet eingeführte Sperrfeld für Batteriegleichstrom (Fig. 5) ist nachfolgend abgebildet; seine Signalscheibe wird beim Niederdrücken eines Druckknopfes mechanisch aus rot in weiss verwandelt und die mittlere Druckstange nebst Verschlusstange bleiben in gespannter Stellung stehen, während die obere Druckstange in die Grundstellung zurückgeht. Die Grundstellung der Signalscheibe sowie der mittleren Druck- und der Verschlusstange erfolgt, wenn der in den Stromkreis des Elektromagneten eingeschaltete Schienenkontakt für die Auflösung des Sperrfeldes vom fahrenden Zuge betätigt wird.

Bei dem bisherigen S. & H.schen Sperrfeld wurde der von der Verschlusstange und von der Riegelstange des Stellwerksuntersatzes ausgehende Federdruck derart auf die mittlere Druckstange, und somit auf die Ankerauslösung übertragen, dass letztere erst bei einer Stromstärke von 100 bis 130 Milliampère mit Sicherheit erfolgte, denn bei Stellwerken einzelner Fabrikanten lassen sich die Riegelstangen erst bei einer Belastung von 3 bis 4 kg niederdrücken. Um die zuverlässige Wirkungsweise des Sperr fei des von dem erwähnten Umstände nicht abhängig zu machen, haben S. & H. neuerdings dem Sperrfeld eine sinnreich angeordnete Entlastungsvorrichtung zugefügt, welche ähnlich wirkt, wie die bekannte Selbstverschlussklinke.

Beim Niederdrücken des erwähnten Knopfes wird die Verschlusstange von der Klinke abgefangen, während die mittlere Druckstange bis auf einen Abstand von ½ mm von der ersten zurückgeht; erfolgt nun die Auslösung, so schnellt die erste Stange zunächst 4 mm nach aufwärts, während die zweite noch von der Klinke festgehalten wird, erst nach dem zurückgelegten Wege von 4 mm hebt ein Ansatzstück die Klinke aus und es schnellt nunmehr auch die Verschlussstange in die Grundstellung.

Durch diese Zufügung ist eine denkbar leichte Auslösung des Sperrfeldes erreicht worden, die jetzt nur noch eine Stromstärke von 30 bis 40 Milliamp. erfordert.

Bezüglich der Schaltung ist die Anordnung des obersten Stromschlusshebels erwähnenswert; dieser sowie ein zweiter Hebel liegen in dem Stromkreis des Sperrfeldelektromagneten. Während der Zeit des Niederdrückens des Knopfes bleibt der oberste Stromschlusshebel unterbrochen und wird erst wieder geschlossen, wenn der Druckknopf bis auf den Rest von 5 mm in die Grundstellung zurück getreten ist, also erst dann, wenn eine Hilfsklinke an einer Auskerbung der Druckstange vorbei geglitten ist. Diese Anordnung ist deshalb geschaffen, damit bei gestörtem Schienenkontakte, also bei dauerndem Erdschluss, die Hilfsklinke während des Bedienens des Sperrfeldes unwirksam gemacht wird; das Feld wird in diesem Falle wieder frei, während im anderen Falle der Anker des Elektromagneten während des Druckweges angezogen sein würde und die Hilfsklinke würde eine dauernde Sperrung verursachen, die nur durch einen Eingriff in das Block werk beseitigt werden könnte.

Textabbildung Bd. 318, S. 432

Der zweite Stromschlusshebel dient dazu, den Stromkreis des Sperrfeldes nach erfolgter Wirkung, also nach geschehener Auslösung desselben, zu unterbrechen. Zugleich unterbricht der dritte Stromschlusshebel den Stromkreis der elektrischen Signalflügelkupplung, wobei der Signalflügel in die Haltstellung fällt.

Stosberg, Essen.

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