Titel: Fahrbare Treppenrostfeuerung von Otto Thost, Zwickau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 1 (S. 525–526)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi33_1

Fahrbare Treppenrostfeuerung von Otto Thost, Zwickau.

Als einen der ersten Grundsätze für den Bau wirtschaftlich und rauchfrei oder wenigstens rauchschwach arbeitender Feuerungen hat man die Forderung- aufgestellt, dass die Konstruktion des Hostes und des Feuerraumes der Natur des zur Verwendung kommenden Brennstoffes anzupassen ist. Insbesondere der Heizwert und die Stückgrösse des Brennstoffes müssen bei der Wahl der Feuerung, – ob Innen- oder Aussenfeuerung, ob Plan–, Schräg- oder Treppenrost, – sorgfältige Berücksichtigung finden. Während nun bei den meisten Kesselsystemen jede besondere Art der Feuerung fast gleich gut Anwendung finden kann, ist dies von der normalen Bauart des Lokomobilkessels nicht ohne weiteres zu behaupten. Die gewöhnliche Bauart des Lokomobilkessels mit Feuerbüchse und anschliessenden Heizrohren führt naturgemäss zurAnwendung einer Innenfeuerung mit einfachem Planrost. Diese Feuerungsart ist auch ganz zweckmässig, solange es sich um gute Steinkohlen von genügender Stückgrösse und um eine massige Beanspruchung des Rostes handelt.

Nun sind aber auch diejenigen Fälle nicht selten, wo man einerseits, um die Anschaffungskosten möglichst gering zu halten, einen Lokomobilkessel zur Aufstellung bringen muss, während man anderseits zur Verminderung der Betriebskosten gern minderwertigen, billig zur Verfügung stehenden Brennstoff anwenden möchte.

Textabbildung Bd. 318, S. 525

In diesen Fällen ist ein zweckmässiger Betrieb aber nur mit Hilfe einer Aussen- oder Vorfeuerung zu ermöglichen.

Die Firma Otto Thost in Zwickau hat nun für solche Fälle eine geeignete fahrbare Treppenrostfeuerung konstruiert, welche sich ohne Schwierigkeiten an jedem Lokomobilkessel anbringen lasst.

Wie obenstehende Figur erkennen lässt, ist der Treppenrost |526| mit einem Fülltrichter versehen, in welchem der Brennstoff aufgegeben wird. Durch ein Handrad kann mittels eines Schiebers die Oeffnung des Fülltrichters beliebig eingestellt und damit die Stärke der Rostbeschickung geregelt werden. Die Wände des Feuerraumes sind aus feuerfesten Steinen gebildet, wobei die Decke ziemlich nahe an den Rost gelegt wird, um die auf den oberen Roststufen entwickelten Kohlenwasserstoffgase mit Sicherheit in Berührung mit den hochglühenden Brennstoffteilen der unteren Roststufen zu bringen, wodurch eine vollständige und nahezu rauchfreie Verbrennung ermöglicht wird.

Da die Grösse der Rostfläche unabhängig vom Querschnitt der Feuerbüchse gewählt werden kann, so kann auch bei geringwertigem Brennstoff eine ausreichende Wärmeentwicklung erzielt werden, ohne den Rost zu stark anstrengen zu müssen.

Da ferner die ganze Feuerung auf einem Rollengestell ruht, also fahrbar ist, so kann die Feuerung bequem vom Kessel entfernt werden, sodass der Vorteil der Ausziehbarkeit des Röhrensystems für die Reinigung nicht im geringsten geschmälert wird.

Mit Hilfe der Thostschen Treppenrostfeuerung können Sage- und Hobelspäne, Holzabfälle, Lohe, Kohlenstaub und dergl. rauchfrei verbrannt werden. Diese Feuerung ist daher besonders Sägewerken, Möbelfabriken, Holzbearbeitungswerkstätten, Gerbereien, Lederfabriken u.s.w., welche Lokomobilbetrieb haben, sehr zu empfehlen. Auch wo billige Braunkohlen oder Kohlenabfälle billig zur Verfügung stehen, wird die Thostsche Feuerung wirtschaftliche Vorteile gegenüber der Verwendung teurer Steinkohlen erzielen lassen.

Die Anschaffungskosten der Feuerung betragen je nach Grösse der Lokomobile 500 bis 1500 Mk.

Hr.

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