Titel: Doppelschraubendampffähren für Eisenbahntransport.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 4 (S. 526–527)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi33_4

Doppelschraubendampffähren für Eisenbahntransport.

Eigenartige Spezialschiffe zur Ueberführung ganzer Eisenbahnzüge über die Ostsee hat die Schichausche Werft in Danzig erbaut. Die Hauptabmessungen einer dieser Fähren, der Doppelschraubendampffähre, „Mecklenburg“, die für Rechnung der Eisenbahndirektion „Schwerin“ angefertigt und zur Betonierung der Eisenbahnzüge auf der Linie Warnemünde-Gjedser bestimmt ist, sodass die Fahrgäste nicht mehr nötig haben umzusteigen, und das Gepäck wie die Güter nicht mein- umgeladen werden brauchen, sind folgende: Länge 86 m, Breite liber Spanten 14 m, grösste Breite über Scheuerleisten 17,7 m, Seitenhöhe mitschiffs 7 m, mittlerer Tiefgang voll beladen 4,12 m.

Das Schiff ist aus bestem Siemens-Martinstahl nach der höchsten Klasse des Germanischen Lloyd für grosse Küstenfahrt mit Eisverstärkungen erbaut und hat sieben wasserdichte, besonders verstärkte, bis zum Oberdeck reichende Querschotte. Auf dem Oberdeck befinden sich zwei Schienenstränge, die sich vorn und hinten zu einer Weiche vereinigen und zur Aufnahme der mitzunehmenden Eisenbahnwagen dienen. Zwischen den beiden Geleisen befinden sich mitschiffs die Maschinen- und Kesselschächte, seitlich zwei Deckshäuser, von denen das der Steuerbordseite den geräumigen Rauchsalon I. und II. Klasse, die Küche, Wirtschaftsräume und Kammern für Zollbeamte, das der Backbordseite, die Kammern für Kapitän und Offiziere sowie die Post- und Packeträume enthält.

Auf dem Verdeck sind zum Festlegen der Eisenbahnwagen starke, eiserne Ringbolzen, an den Enden der Geleise klappbare Puffer angebracht. Das vorn durch die Back abgeschlossene Oberdeck ist mit einer maschinell zu öffnenden Durchfahrt für die Eisenbahnwagen versehen.

In den seitlichen Häusern unter der Back sind Ankerlichtmaschinen und die Niedergänge zu den unter Deck gelegenen Mannschaftsräumen untergebracht. Auf dem Promenaden- und Oberdeck liegen dann ferner die zur Verpflegung und Unterbringung der Fahrgäste Erforderlichen Räumlichkeiten, die mit der bei solchen Schiffen üblichen Eleganz ausgestattet sind.

Die Fähre hat zwei dreifache Expansionsmaschinen von zusammen 2400 i. PS, die dem Schiff eine Geschwindigkeit von 13 ½ Knoten verleihen, der erforderliche Dampf wird in zwei Doppelenderkesseln aufgebracht. An Hilfsmaschinen sind vorhanden: „Zwei Dampfankerspille, ein Dampfsteuerapparat, die Backhebemaschine zum Oeffnen und Schliessen der Eisenbahndurchfahrt im Vorschiff, zwei Dampfverholspille, Dynamomaschinen für den Betrieb der elektrischen Beleuchtung und der beiden Scheinwerfer.“

Mit Rücksicht auf die beengten Hafenverhältnisse in Gjedser, die ein Drehen des Schiffes unmöglich machen und es daher zwingen, |527| diesen Hafen rückwärts zu verlassen, ist das Schiff ausser mit dem gewöhnlichen Heckruder noch mit einem grossen, kräftigen Bugruder vorsehen, das die Steuerfähigkeit der Fähre beim Rückwärtsfahren wesentlich verbessert.

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