Titel: Frankenbergs Schutzapparat zum Kaltvulkanisieren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 2 (S. 623)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi39_2

Frankenbergs Schutzapparat zum Kaltvulkanisieren.

Der Schutzapparat zum Kaltvulkanisieren von Gummiwaren von Eduard Frankenberg, Hannover, ist dem Bedürfnis entsprungen, den Bestimmungen des § 5 der Bundesratsverordnung vom 1. März 1902 nachzukommen. Dieser § schreibt vor, dass die zum Vulkanisieren langer Stoffbahnen dienenden Maschinen, um den Austritt von Schwefelkohlenstoffdämpfen zu verhindern, mit einer Ummantelung überdeckt sein müssen, aus welcher die Luft durch einen Ventilator kräftig abzusaugen ist.

Die Hindernisse, welche sich der Befolgung dieser Vorschrift entgegenstellen und welche hauptsächlich darin bestehen, dass infolge der kräftigen Ventilation der leichtflüchtige Schwefelkohlenstoff schnell verdampft und der Prozentgehalt an Chlorschwefel schnell zunimmt, infolgedessen die Stoffbahn beim Vulkanisieren leicht verbrannt wird, führte dazu, diese Vorschrift durch Anwendung von Benzin oder anderen Kohlenwasserstoffen zu umgehen. Da indessen letztere den Schwefelkohlenstoff nicht vollwertig ersetzen können und ausserdem ebenfalls in gesundheitsschädigender Weise auf den Organismus wirken, so sucht der Erfinder dem Uebelstande der zu schnellen Verdampfung dadurch zu begegnen, dass er den die Vulkanisierflüssigkeit enthaltenden Trog abschliesst, so weit dies die Notwendigkeit, die Stoffbahn ein- und auszuführen, zulässt. Zu diesem Zwecke wird der Trog mit einem Deckel f versehen, welcher nur zwei enge, die Stoffbahn hindurchlassende Längsschlitze enthält. Zur Absaugung der beim Austritt des Stoffes von der anhaftenden Flüssigkeit erzeugten Dämpfe dient ein abgeschlossenes Gehäuse A, welches sowohl den Vulkanisiertrog als auch die ganze Stoffbahn nebst Trockentrommel umschliesst und mit einem Ventilator verbunden ist. Das Abzugsrohr B ist direkt über der Trockentrommel angebracht, also da, wo naturgemäss die grösste Verdunstung stattfindet und stattfinden darf. Das Gehäuse besteht aus leicht abnehmbaren Rahmen, welche abwechselnd mit Glasscheiben und mit Webstoff bekleidet sind, erstere, um den Prozess jeder Zeit beobachten zu können, letztere um zu verhindern, dass sich explosibles Gemisch von Schwefelkohlenstoffdampf und Luft bilden kann, indem durch den Webstotf Luft in reichlicher Menge angesogen wird. Ein Zug von nur 5 mm Wassersäule im Rohr soll bereits genügen, um die Dämpfe vollständig abzusaugen.

Textabbildung Bd. 318, S. 623

Wie man sieht, ist durch den Abschluss des Vulkanisiertroges die Verdampfung der Vulkanisierflüssigkeit auf ein Geringes reduziert, da sich über ihrer Oberfläche stets gesättigter Schwefelkohlenstoffdampf befinden wird, während die bei dem Prozess des Trocknens entstehenden Dämpfe rasch abgesogen werden, ohne dass durch diese Saugwirkung die eigentliche Vulkanisierflüssigkeit alteriert wird, weshalb die Angabe, dass hierbei 40 v. H. Schwefelkohlenstoff, gegenüber dem bisherigen Verfahren, erspart werden, durchaus glaubhaft erscheinen muss.

Dr. K.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: