Titel: Sterilisationsapparat „System Forbes.“
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 4 (S. 704)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi44_4

Sterilisationsapparat „System Forbes.“

Der Apparat von Forbes, dessen Anordnung nebenstehende Figur im Schema zeigt, ist nach „Revue industrielle“ zum Sterilisieren von Trinkwasser für häusliche Zwecke bestimmt. Er bedient sich der Hitze als Mittel zur Unschädlichmachung pathogener Keime und besteht aus drei Hauptteilen: dem Reservoir 1 für Rohwasser,dem metallenen Kochgefäss 5 und der Einrichtung für Temperaturausgleich 4, 9. Die Wirkung des Apparates ist die folgende: das rohe, nicht sterilisierte Wasser tritt aus der Leitung 2 in den Behälter 1 ein, in dem mit Hilfe eines Ueberlaufes und eines Schwimmers das Niveau x-x konstant gehalten wird. Das Wasser fliesst dann durch das Rohr 3 in den erweiterten Raum 4, füllt den Kocher 5 teilweise und bleibt dann auf einer Höhe stehen, die infolge des Druckes der im oberen Teile des Kochers eingeschlossenen Luftmenge etwas niedriger ist, als die x-x im Behälter. Bringt man unter den Kocher eine Gasflamme oder Spirituslampe, so gerät das im Kocher befindliche Wasser bald in Wallung.

Textabbildung Bd. 318, S. 704

Unter dem Einflusse des Druckes, welcher nun im oberen Teile des Kochers entsteht, wird die Oberfläche des Wassers langsam weiter nach unten gedrückt, bis sie die Ausflussröhre 6 erreicht. In diesem Augenblicke steigt ein Gemisch von Wasser und Dampf, welches mehr als 100° heiss ist, durch die Röhre 6 und ergiesst sich in den Raum 9, von wo es weiter durch den Siphon 11 bis zum Ausfluss 12 gelangt. Dieses Spiel wiederholt sich immer von neuem. In dem Masse, wie das sterilisierte Wasser aus dem Kocher entweicht, wird vermöge des stets gleichbleibenden Niveaus x-x im Vorratsbehälter neues Rohwasser nachgedrückt. Die Zwischenwand zwischen den Räumen 4 und 9 ist gewellt, um so eine grössere Oberfläche zu erhalten und den Temperaturaustausch zwischen dem kalten nicht sterilisierten Wasser und dem heissen, sterilisierten welches sich im Raume 9 befindet, zu erleichtern. Der auf diese Weise erreichte Temperaturausgleich ist sehr vollständig, so dass das sterilisierte Wasser den Siphon kalt verlässt. Durch eine einfache Vorrichtung kann man die Kühleinrichtung ausschalten, wenn man heisses Wasser zu haben wünscht.

Der Apparat zeichnet sich durch Einfachheit der Anwendung und des Unterhalts, wie durch Billigkeit des Betriebes aus. Die Sterilisierung von 30 l Wasser verlangt etwa ¼ cbm Leuchtgas, was je nach Preis des Gases einen Betrag von 2,5-4 Pfg. ausmacht. Ueber die Wirkung des Apparates gibt das Laboratorium des „Comité consultatif d'hygiene publique de France“ das folgende Gutachten ab:

„Die Resultate der chemischen Analyse und der vorhergehenden bakteriologischen Prüfungen sind solche, wie man sie mit Recht bei der Sterilisation des Wassers mittels Hitze verlangt. Alle pathogenen Keime werden zerstört. Ein Wasser, welches, wie das in den Kanalisationsanlagen von Paris verteilte Seirewasser, sehr stark durch die verschiedenartigsten Produkte verunreinigt ist, wird im allgemeinen steril, nachdem es den Apparat durchlaufen hat, oder enthält allerhöchstens Sporen ganz ungefährlicher Art“.

Dr. Hgr.

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