Titel: Férys optisches Pyrometer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 1 (S. 717–718)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi45_1

Férys optisches Pyrometer.

Textabbildung Bd. 318, S. 717

Die Kenntnis der Temperatur, auf welche ein Körper erhitzt ist, hat für die Industrie immer grössere Bedeutung gewonnen und ist für einige Zweige derselben, insbesondere für die keramische Industrie und verwandte Gebiete, von der allergrössten Wichtigkeit. Die Folge davon ist, dass der Konstruktion von Apparaten, die hohe Temperaturen zu messen gestatten, grosse Aufmerksamkeit geschenkt worden und eine ganze Reihe von Apparaten entstanden ist, die diesem Zwecke dienen. Für niedere Temperaturen, etwa bis 500° C., kann diese Aufgabe als gelöst bezeichnet werden und auch die Temperaturen bis zu etwa 1600° C. kann man mit praktisch genügender Genauigkeit messen. Weiter darüber hinaus Temperaturen mit einiger Sicherheit festzustellen, war man indessen bis jetzt noch nicht in der Lage, weil alle gebräuchlichen Pyrometer, mögen sie nun auf der Ausdehnung eines Metalls oder der Sinterung des Tones, der Aenderung der elektrischen Leitfähigkeit eines Drahtes, der Ausdehnung eines Gases oder aber dem Auftreten von thermoelektrischen Strömungen zwischen zwei Metallen beruhen, das gemeinsam haben, dass sie an die Stelle gebracht werden müssen, deren Temperatur gemessen werden soll, und so ihrer Verwendbarkeiteine Grenze durch den Schmelzpunkt der angewandten Materialien gesetzt ist. Diesem Uebelstande unterliegen die in neuester Zeit konstruierten, optischen Pyrometer, die auf den Gesetzen der Strahlung eines erhitzten Körpers beruhen, nicht, da sie gestatten, die Temperatur eines Körpers zu messen, ohne dass das Messinstrument mit dem erhitzten Körper in Berührung kommt. Das von Wanner konstruierte Pyrometer, welches auf rein optischen Grundsätzen beruht, indem es photometrisch die Intensität der Strahlung in Rot eines hocherhitzten Körpers mit Hilfe eines Polarisationsapparates mit der einer Probeglühlampe vergleicht, erfordert einige Geschicklichkeit und Uebung in seiner Anwendung. Wesentlich geringere Anforderungen in dieser Beziehung stellt das von Féry konstruierte, optische Pyrometer mit thermoelektrischem Fadenkreuz.1)

Die prinzipielle Grundlage für dieses Pyrometer bietet das Stefansche Gesetz, „nach dem die von einem Körper abgestrahlte Wärmemenge der 4. Potenz der absoluten Temperatur proportional ist.“ Der in nebenstehendem Schema dargestellte Apparat besteht im wesentlichen aus einem Fernrohr, welches als Objektiv eine bikonvexe Linse c aus Flusspat enthält, durch welche die von dem erhitzten Körper ausgesandten Wärmestrahlen gesammelt werden. Im Brennpunkt befindet sich die Lötstelle a eines Fadenkreuzes aus sehr dünnen Drähten b, b1 von Eisen und Constantan, einer Legierung aus 40 v. H. Nickel und 60 v. H. Kupfer. Der infolge der eintretenden Erwärmung von der Lötstelle ausgehende thermoelektrische Strom wird bei Apparaten für wissenschaftliche Zwecke einem Spiegelgalvanometer nach Deprez zugeleitet und bringt dieses zum Ausschlagen. Die aus den beobachteten Ausschlägen berechneten Temperaturen stimmen auf etwa 1 v. H. mit den aus dem Stefanschen Gesetz hergeleiteten überein. –

Für technische Zwecke ist die eben beschriebene Ausführung des Pyrometers nicht gut verwendbar, weil Flusspatlinsen von der erforderlichen Grösse nicht leicht zu beschaffen sind und weil das |718| Deprez galvanometer für den Transport nicht besonders geeignet ist. Für technische Betriebe wurde deshalb ein Apparat konstruiert, bei dem die Flusspatlinse durch eine solche aus präpariertem Glas, und das Deprez galvanometer durch ein Millivoltmeter d, ähnlich dem bei dem Pyrometer von Le Châtelier, ersetzt wurde. Da das Glas einen nicht unerheblichen Teil der Wärme absorbiert, ist es nötig, die Skala des Apparates durch Vergleichung mit einem solchen der vorher beschriebenen Art zu eichen. –

Verwendet wird der Apparat derart, dass man das Fernrohr nach dem erhitzten Gegenstande richtet, resp. nach einer Oeffnung des Ofens etwa, dessen Temperatur gemessen werden soll und die Arretur des Millivoltmeters löst. Der Ausschlag der Nadel auf der geeichten Skala gibt dann unmittelbar die Temperatur des betreffenden Gegenstandes an. Mit Hilfe dieses Apparates wurde die Temperatur zwischen den Elektroden einer Bogenlampe, die etwa 3200° C. beträgt, gemessen, ebenso wurden interessante Regelmässigkeiten in der Temperatursteigerung bei der durch Destillation vorgenommenen Trennung von Kupfer und Zink beobachtet.

Dr. Hgr.

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Le Génie Civil 1903 No. 5.

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