Titel: Fallwerk für Schlagzugversuche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318/Miszelle 2 (S. 718)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/mi318mi45_2

Fallwerk für Schlagzugversuche.

Schlagzugversuche haben bisher im Materialprüfungswesen nur wenig Anwendung gefunden, hauptsächlich wohl weil es an geeigneten Versuchseinrichtungen fehlte. Einen recht sinnreichen Apparat für solche Versuche, der gleichzeitig auch die Ausführung gewöhnlicher Schlagversuche gestattet, finden wir im „Génie Civil“ 1903, S. 355 beschrieben. Er soll im Laboratorium der Universität Purdue (Ver. Staaten) in Benutzung sein und ist seiner ganzen Konstruktion noch wohl weniger für praktische Materialprüfung als zum Studium von Schlagzugwirkungen gebaut.

Textabbildung Bd. 318, S. 718
Textabbildung Bd. 318, S. 718

Die Versuche werden mit Stahldrähten von 13 mm Durchmesser und 20 cm Länge ausgeführt und die Gewichte der zur Wirkung kommenden Massen sind so gewählt, dass Drähte der genannten Abmessungen mit einem Schlage zum Bruch gebracht werden. Die normale Schlagarbeit beträgt etwa 500 mkg.

An Hand der Skizzen (Fig. 1-4) sei der Apparat in den Hauptzügen beschrieben. Die Enden des Versuchsstabes werden mit Hilfe von Beisskeilen in den Querhäuptern K und K1 (Fig. 1) aus Stahlguss festgespannt. Das obere Querhaupt K ist mit dem Haken Q (Fig. 1-4) in dem Gehänge J eingehängt. An dem unteren Querhaupt K1 ist mittels Schraubenbolzen das Gewicht P von 234 kg befestigt. Die Gleitbahn für Querhäupter und das Bärgewicht bilden zwei aus Profileisen hergestellte, etwa 3,60 m hohe Säulen, die auf einen Gusseisensockel von rund 2 t Gewicht aufgebaut sind. Ober- und Unterteil beider Säulen sind, wie ausFig. 1 ersichtlich, in der Querschnittsform verschieden; die Oberteile haben förmiges, die Unterteile förmiges Profil. Die Breitenabmessungen beider Profile hingegen sind gleich, damit die ganze Höhe für den Versuch ausgenutzt werden kann.

Das aus dem Gehänge J ausgelöste Querhaupt K, dessen seitliche Gleitflächen in das förmige Profil eingepasst sind, wird beim Herunterfallen an der Verbindungsstelle beider Profile auf die förmige Querschnittsfläche der unteren Säule aufschlagen, wodurch die lebendige Kraft des Gewichtes P als Zugkraft am Probestab zur Wirkung kommt. Der an dem Gewicht befestigte Schreibstift verzeichnet hierbei auf einer in Umdrehung gesetzten Schreibtrommel eine Schaulinie. Die Ordinaten der letzteren sind durch die Formänderung des Probestabes gegeben, die dieser vom Augenblick des Aufschlagens des Querhauptes K bis zu seinem Bruch erfährt, während die Abszissen von der Geschwindigkeit abhängig sind, mit der das Gewicht P im Vergleich zur Umdrehungsgeschwindigkeit der Schreibtrommel vom Augenblick des Stosses bis zum Bruch bewegt wird. Zur Messung der Umdrehungsgeschwindigkeit der Schreibtrommel, die mit grosser Genauigkeit geschehen muss, da es sich nur um Bruchteile von Sekunden handelt, ist an der Trommel eine Stimmgabel angebracht, deren einer Arm mit einer Kupferspitze auf dem Papier der sich drehenden Trommel die Schwingungen der Gabel aufzeichnet. Die Drehung der Trommel geschieht durch ein Räderwerk, dass durch ein angehängtes Gewicht angetrieben wird. Je nach der Länge des Versuchsstabes kann die Trommel auf ihrer Achse verschoben und befestigt werden.

Zur Ausführung des Versuchs wird zunächst die an der einen Gleitschiene verschiebbare Knacke M auf die beabsichtigte Fallhöhe eingestellt und dort befestigt. Durch Betätigung des Hebels L wird dann das Windwerk, welches auf dem oberen, gusseisernen Verbindungsstück der beiden Gleitschienen steht, in Betrieb gesetzt. Das Windwerk besteht aus einer Seilscheibe, die das Aufzugseil aufwickelt. Der Antrieb der Seilscheibe geschieht durch Schneckentrieb, auf dessen Spindelachse zwei Antriebscheiben H u. H1 für Rechts- und Linksgang des Windwerkes befestigt sind.

Textabbildung Bd. 318, S. 718
Textabbildung Bd. 318, S. 718

Das Gehänge J wird mit dem im Querhaupt eingespannten Probestab und dem daran hängenden Gewicht bis beinahe unter die Knacke M angehoben. Man setzt dann das Antriebswerk für die Schreibtrommel in Bewegung, lässt die Stimmgabel schwingen und hebt schliesslich das Gehänge soweit an, bis die Nase N (Fig. 1-4) gegen die Knacke M anschlägt, so dass das Gehänge J mit Probestab und Gewicht ausgelöst wird und herabfällt. Die Dauer eines Versuches einschliesslich Einspannen des Probestückes beträgt etwa 5 Minuten. Von Beginn der Schlagzugwirkung bis zum Bruch des Probestückes vergeht etwa 1/100 Sekunde.

Leider fehlen Angaben über Versuchsergebnisse und deren Deutung.

Mlr.

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