Titel: Die Neuanlage des Königlichen Materialprüfungsamtes in Gross-Lichterfelde, West.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319 (S. 593–597)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/ar319166

Die Neuanlage des Königlichen Materialprüfungsamtes in Gross-Lichterfelde, West.

Von K. Memmler, ständiger Mitarbeiter des Kgl. Materialprüfungsamtes.

(Schluss von S. 591 d. Bd.)

Die Abteilung 2 für Baumaterialprüfung hat ihre Räume (s. Fig. 25) in dem Westflügel des Gebäudes, der gleichartig dem eben beschriebenen Ostflügel ausgebaut ist, erhalten.

Im Gebäude Bl sind die Verwaltungsräume der Abteilung (Vorsteher- und Mitarbeiterzimmer, Registratur, technisches Bureau) sowie ein chemisches, physikalisches und mineralogisches Laboratorium untergebracht. Das chemische Laboratorium ist mit den gebräuchlichen Betriebsmitteln ausgestattet; das physikalische Laboratorium enthält die Apparate zur Bestimmung der Abbindezeit und Raumbeständigkeit der Bindemittel. Genannt sei ein nach dem Prinzip der Vicatschen Nadeln von Martens gebauter selbsttätiger Nadelapparat. Der Apparat wird durch ein Uhrwerk betrieben und lässt in bestimmten Zeiträumen die Nadeln in den Zementbrei, der in kleinen länglichen Rahmen angemacht wird, eintauchen, wobei die Eindringtiefe durch Schreibfedern, die am Oberende der Nadeln befestigt sind, aufgeschrieben wird. Zur Ermittlung der Längenänderung sind Bauschingersche Taster6) und Martenssche Zeigerapparate, vorhanden; ferner sind zu nennen Apparate zur Bestimmung des spezifischen und Raumgewichts, sowie ein Windsichtapparat nach Gary-Lindner, der zur Trennung feinster Pulver nach Korngrösse und Gewicht mittels Luftstromes benutzt wird.

Das mineralogische Laboratorium enthält Einrichtungen für geologische Arbeiten zur Herstellung von Dünnschliffen, Mikroskope und Trockenschränke.

Im Gebäude Bv ist ein grosser Teil der Räume durch die Probenvorbereitung und Probenbearbeitung in Anspruch genommen.

Raum 91 dient für den Probeneingang. Von hier gelangen die Gesteine zur Bearbeitung in die sog. Nasswerkstatt (93), die Bindemittel entweder zur Zerkleinerung nach der Staubkammer, oder nach der Formerei (97) zur Anfertigung der Zug- und Druckproben. Die fertig bearbeiteten Proben gehen entweder unmittelbar in die Prüfungshalle (83) oder für die Gefrierversuche nach Raum 94 oder aber sie kommen in den Probenerhärtungsraum 87.

Die Zerkleinerungsmaschinen in der Nasswerkstatt 93 sind zwei Horizontalsägegatter (No. 60 und 61), ein grosses zum Schneiden mit Diamanten besetzten Sägeblättern, das andere zum Schneiden mit Sand; ferner drei Kreissägen zum Schneiden mit Diamantstaub (No. 63 und 64). Zur Probenbearbeitungsind ferner zu verwenden eine alte Horizontalschleifscheibe (No. 65), eine kleine Hobelmaschine (No. 67), und eine kleine Endflächenschleifmaschine (No. 66) zum Anschleifen ebener, paralleler Druckflächen an Probewürfeln aus Hartgesteinsproben.

Die Einrichtung im Raum 94 zum wiederholten, meist 25 maligen Gefrieren der Gesteine besteht aus zwei von A. Borsig-Tegel gelieferten Schwefligsäure-Kompressoren, von denen jeder eine im Fussboden eingelassene, gut isolierte Kühlgrube durch ein dreifaches Kühlschlangensystem abkühlt. Jede der Gruben fasst etwa 100 Ziegelsteine, die in besondere eiserne Rahmen zu je zehn Stück eingespannt, mit Hilfe eines kleinen Laufkranes in die Grube eingesetzt und bei achtstündiger Betriebsdauer einmal durchgefroren werden. Zum Wiederauftauen werden sie in den Rahmen auf Tische und Regale gestellt.

Die Staubkammer 95 enthält an Zerkleinerungsmaschinen einen Kollergang (No. 82), einen grossen gusseisernen Mörser (No. 77), eine Porzellanbüchsenmühle zum Zerkleinern mit Flintsteinen in Hartporzellanbüchsen, sowie ein kleines Walzwerk (No. 87) und eine Kugelmühle (No. 81). Zum Sieben der zerkleinerten Materialien dient die Rüttelmaschine (No. 76). Die Siebe ruhen in einem von Federn getragenen Rahmen, der durch eine Daumenwelle bewegt wird.

Für Abnutzungsversuche sind ferner vorhanden: eine Bauschingersche Schleifscheibe (No. 78) in der bekannten Ausführung und ein Sandstrahlgebläse (No. 77). Später soll noch ein Rüttler für Schotter- und Pflastersteinprüfung aufgestellt werden. In der Probenformerei (Raum 97) sind auf einem gemeinsamen Fundamentsockel, zehn Böhmesche Hammerapparate (No. 87) mit Martensscher Festhaltung sowie drei Steinbrück-Schmelzersche Mörtelmischer (No. 86) und für die Betonformerei eine Mischmaschine (No. 85) aufgestellt.

Eine grosse, gut fundierte Steinplatte, ferner Tische mit Steinplatten sowie mehrere Regale mit den erforderlichen Formereigeräten bilden die weitere Ausstattung des Raumes.

Der Raum für die Probenerhärtung (87) enthält eiserne Regale mit Schieferkästen zur Aufbewahrung der Zement-Zug- und Druckproben unter Wasser, sowie drei grosse Bassins mit Monierwänden zur Aufnahme der Betonkörper. Im Raum 88 sind grosse Silos für den Normalsand und Mauersand an den Wänden befestigt. Der grösste Raum des Gebäudes Bv (No. 83) enthält die Prüfungsmaschinen (Fig. 26). Er wird von einem elektrisch betriebenen Laufkran mit 1,5 t Tragfähigkeit bestrichen.

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An Maschinen älterer Konstruktion sind hier aufgestellt: eine Amslersche Druckpresse für 33 t (No. 48) und zwei Amslersche Biegepressen (No. 50 und 51) für 5 bezw. 2 t Kraftleistung, ferner zwei Frühling-Michaelissche Zugfestigkeitsprüfer (No. 57) und ein von Charlottenburg überführter Wasserdurchlassprüfer (No. 56) nach Böhme. An neuen Prüfungseinrichtungen ist zunächst die Deckenprüfmaschine (Bauart Martens) zu nennen.

Textabbildung Bd. 319, S. 594

Die Maschine, von Borsig-Tegel geliefert, besteht in Anlehnung an das bereits früher geübte Belastungsverfahren nach Rudeloff mittels hydraulischer Presse aus zwei parallel stehenden, von Säulen getragenen Blechträgern mit je zwei verschiebbaren, abwärts wirkenden Pressen mit hydraulischem Kolbenrückzug. Die Säulen sind zwischenje zwei in Fundamenten verankerten ⊐-Eisen ebenfalls verschiebbar, sodass mit der ganzen Einrichtung Deckenfelder bis zu 3 m Breite und 6 m Länge geprüft werden können. Die Decken werden auf dem Hofraum in schmiedeeiserne Rahmen, die auf einem Schienenfeld gelagert sind, eingebaut und können nach Erhärtung von den Schienen auf Transportwagen geschoben und direkt unter die Deckenprüfmaschine gefahren werden. Die Druckübertragung von den Kolben der Pressen auf die ganze Fläche der Decke geschieht in der bekannten Weise durch pyramidenförmigen Aufbau von Bohlenstücken und Kreuzhölzern. Grössere Decken, Betoneisenkonstruktionen, Gewölbe, Brücken- und Dachträger können ausserdem unabhängig von diesen Einrichtungen in jeder Art und Grösse entweder durch hydraulische Kraftübertragung oder durch direkte Gewichtsbelastung geprüft werden. Zur Messung der Formänderungen mit jedem gewünschten Feinheitsgrade stehen zahlreiche Messapparate zur Verfügung.

Für die Prüfung von Zementrohren auf Scheiteldruck ist eine neue, ebenfalls von Borsig-Tegel nach Angaben von Martens gebaute Maschine No. 49 aufgestellt (Fig. 27). Die Maschine besteht aus einer hydraulischen Presse von 20000 kg Kraftleistung mit hydraulischem Kolbenrückzug, die an einem in beliebiger Höhe an den beiden Stützsäulen zu befestigenden Querbalken angehängt ist. Die Kraftmessung geschieht durch zwei Messdosen mit Gummimembran die unter der Grundplatte, auf der das Proberohr gelagert wird, eingebaut sind.

Für Ausführung von Druckversuchen mit Kraftleistungen bis zu 150 t ist die Maschine No. 46 von der Maschinenbaugesellschaft Nürnberg geliefert. Der Antrieb geschieht durch die im Unterteil liegende hydraulische Presse, die Kraftmessung durch die Messdose im oberen Querhaupt der Maschine (s. Fig. 28.)

Neben diesen Maschinen ist die bekannte 400 t-Betonprüfungspresse (No. 44) nach Martens aufgestellt.

Für Ausführung von Druckversuchen mit Zement- und Mörtelkörpern ist noch eine hydraulisch betriebene, 40 ton-Presse mit Messdose vorhanden. Die Maschine, die auf einem Tische Aufstellung gefunden hat, zeigt besonders, welche gedrungenen, wenig Platz erfordernden Maschinenkonstruktionen sich bei Verwendung der Messdose als Kraftmesser erzielen lassen. Ebenfalls mit Messdose als Kraftmesser und hydraulischem Antrieb versehen ist der 600 kg Zugprüfer (Fig. 29). Die drei zuletzt genannten Maschinen sind sämtlich nach Martensschen Entwürfen von der Maschinenbaugesellschaft Nürnberg geliefert. Die Maschinen haben durchweg Steuerungen nach dem zu Fig. 7 erläuterten Prinzip. Die Steuerungen sind mit den Messvorrichtungen, Manometern, Schreibmanometern auf Tischen montiert, die neben den Maschinen Aufstellung gefunden haben.

Als neu beschafft ist ferner noch zu nennen ein Zugprüfer für Zement nach Schopper mit mechanischem Antrieb und Kraftmessung durch Spiralfeder und Zeigerwerk. Ein kleines Fallwerk dient für Prüfung von Belagfliesen, Drehsteinen, Schiefertafeln sowie ein grosser Dampftrockenschrank zum Trocknen von Gestein- und Sandproben:

Für die Glüh- und Schmelzversuche der Abteilung ist in dem Anbau zum Kesselhaus ein Feuerlaboratorium eingerichtet, in dem drei Deville-, ein Seger- und ein Frühlingofen aufgestellt sind. Neben dem Kesselhaus und dem Gebäude Bv und Bl stehen grosse Felder für die Errichtung von Deckenproben und Aufführung von Häuschen für Brandproben zur Verfügung.

Auch die Abteilung für Baumaterialprüfungen plant Dauerversuche in grösserem Umfange; besonders sollen die Verwitterungserscheinungen an Gesteinen und Mauerwerken durch langjährige planmässige Versuche im Freien beobachtet werden. Zu dem Zwecke werden sowohl auf |595| den flachen Dächern der Versuchsstätten, als auch auf dem Deckenversuchsfeld Vorrichtungen wie Regale und dergl. zur Aufnahme von Probekörpern Aufstellung finden. Die Steine sollen auf trockenem und feuchtem Grunde mit rauhen oder polierten Flächen der Witterung ausgesetzt werden. –

Textabbildung Bd. 319, S. 595

Die dritte Abteilung, für Papierprüfung, ist im ersten Stockwerk des Gebäudes Ml untergebracht (s. Fig. 2). Sie umfasst (Fig. 30) Vorsteherzimmer (259), Registratur (257), sowie Mitarbeiterzimmer (256), das zugleich eine mikrophotographische Einrichtung und Dunkelkammer enthält. Der geräumige, mit besonders grossen Fenstern versehene Raum 248 dient als Mikroskopierraum. Die Nebenräume No. 244 und 245 sind als chemische Laboratorien entsprechend eingerichtet. Als neu besonders zu nennen ist eine elektrisch betriebene Vorrichtung zum Veraschen von Papier.

Textabbildung Bd. 319, S. 595
Textabbildung Bd. 319, S. 595

Das sog. Festigkeitszimmer No. 242 enthält die Festigkeitsprobiermaschinen. Dem sehr erheblichen Einfluss der Luftfeuchtigkeit auf die Festigkeit von Papier- und Faserstoffen ist durch Anbringung von zwei Körtingschen Luftbefeuchtern Rechnung getragen.

Für später ist noch eine Vorrichtung zum Trocknen der Luft geplant, wozu im Nebenraum (244) eine Eismaschine Aufstellung finden wird, die die Luft aus dem Festigkeitszimmer so stark abkühlt, dass sich ihr Wasserdampf niederschlägt; in erwärmtem Zustande wird sie dann wieder nach dem Raum 242 zurückbefördert. Neben den alten, jetzt nur noch wenig verwendeten Wendlerschen Festigkeits prüfern sind hauptsächlich Schoppersche Maschinenaufgestellt, die neuerdings sämtlich mit hydraulischem Antrieb und Steuerventil nach Martens ausgerüstet sind. Es sind Maschinen vorhanden für 1 kg Höchstleistung zur Prüfung von Haaren, Fasern und Federn, für 10 kg für Papier- und Garnprüfung, für 30 kg, für 100 kg zur Prüfung von Karton, Pappen und Zeugstoffen und für 500 kg zur Prüfung von festeren Stoffen und Segelleinen. Um die vielfach angefochtene Handknitterung zur Ermittlung der Knitterfähigkeit von Papieren nach Möglichkeit zu beseitigen sind vier elektrisch betriebene Falzapparate (Bauart Schoppers aufgestellt worden.7)

Textabbildung Bd. 319, S. 595
Textabbildung Bd. 319, S. 595

An weiteren Einrichtungen sind noch zu nennen ein Saugfähigkeitsprüfer nach Klemm-Winkler, der die Saugfähigkeit von Löschpapieren durch die Höhe bemisst zu der Wasser in bestimmter Zeit von 15 mm breiten, senkrecht aufgehängten Streifen angesaugt wird; ferner ein Apparat zur Ermittlung der Filtrierfähigkeit von Fliesspapieren |596| nach Herzberg (Fig. 31), mit dem die durch eine bestimmt bemessene Fläche des Papieres unter bestimmtem Druck hindurchgehende Wassermenge ermittelt wird.

Textabbildung Bd. 319, S. 596

Der Raum 252 dient ausschliesslich Lehrzwecken und enthält an den Laboratorientischen die Arbeitsplätze für die Volontäre, jungen Papiertechnikern, die sich die amtlichen Papierprüfungsverfahren zu eigen machen wollen. Eine kleine Versuchseinrichtung zum Mahlen und Schöpfen von Papier (Holländer, Knotenfänger) sowie eine hydraulische Presse zum Auspressen des Wassers aus Papier vervollständigen die Einrichtung des Raumes.

Auch in dieser Abteilung soll dem Gebiet der Dauerversuche mehr Aufmerksamkeit als bisher gewidmet werden, weswegen für die Lagerung von Papieren und Belichtung unter verschiedenen Umständen Einrichtungen vorgesehen sind. Die Zugänglichkeit des Daches des Gebäudes Mv vom Raum 252 aus ermöglicht der Abteilung auch Versuche im Freien vorzunehmen.

Zum grössten Teil neue Einrichtung erhält die Abteilung 4 für Metallographie. Ihre Räume befinden sich im zweiten Stockwerk des Mittelbaues (s. Fig. 32).

Die Proben für die metallographischen Arbeiten werden zunächst im Schleifraum No. 391 vorbereitet, der zu diesem Zwecke mit einigen Werkzeugmaschinen, Prehbank, Kaltsäge und Shapingmaschine ausgestattet ist. Das Schleifen und Polieren der Proben soll später auf besonderer kleiner Schleifmaschine mit senkrecht stehender Welle vorgenommen werden.

Der Raum 307 enthält die nötigen Einrichtungen zum Aetzen, Relief- und Aetzpolieren der Proben, während im Raum 305 der mikrophotographische Apparat,8) Bauart Martens und mehrere andere optische Instrumente fürMikroskopierzwecke sowie eine Sammlung von über 3600 mikrophotographischen Lichtbildern und von besonders kennzeichnenden Schliffen untergebracht ist. Weitere Räume der Abteilung sind No. 385 Spülzimmer mit der Dunkelkammer, 387 chemisches Laboratorium, 308 Wägezimmer sowie der sog. Glühraum No. 380 und 309 Feinmessraum. Letztere haben eine besonders wichtige Ausstattung an elektrischen Glüh- und Messinstrumenten erhalten. An Glühöfen sind die- bekannten Oefen Bauart Heräus (Porzellanrohr mit Platinfolieumwicklung) in Gebrauch, die mit Regulierwiderständen so ausgerüstet sind, dass die Wärme im Ofen auf ± 3° C. gleichmässig gehalten werden kann; die Wärmemessungen geschehen durch Le Chatelièr-Pyrometer. Zur Ermittelung von sog. Haltepunkten sind Einrichtungen vorhanden, mit denen die Probematerialien zunächst auf 1100° C. erwärmt werden, worauf der Heizstrom ausgeschaltet wird und bei der dann erfolgenden langsamen Abkühlung besonders durch ein Zeigergalvanometer nach Deprez-d'Arsonval diejenigen Wärmegrade aufgezeichnet werden, bei denen in dem Probekörper plötzliche Wärmeentwicklung eintritt.

Textabbildung Bd. 319, S. 596
Textabbildung Bd. 319, S. 596

Zur Ermittlung und Aufzeichnung von Erstarrungskurven von Legierungen sind ähnlich arbeitende Einrichtungen vorhanden. Durch eine besondere Drahtleitung vom Raum 389 nach Raum 309 können die in ersterem aufgestellten Apparate mit den Feinmessinstrumenten in 309 verbunden werden. Ein Lindeck scher Kompensationsapparat in Verbindung mit einem von der physikalisch-technischen Reichsanstalt geeichten Normalelement gestattet die Eichung und ständige Kontrolle aller Thermoelemente der Anstalt. Neben den Einrichtungen zur Ermittlung kleiner Potentialdifferenzen zwischen Metallelektroden in verschiedenen |597| Zuständen ist noch eine magnetische Wage nach Dubois zu nennen.

Textabbildung Bd. 319, S. 597

Für metallurgische Arbeiten stehen der Abteilung noch der Schmelzraum 142 und Vorratsraum 141 des Gebäudes F an der Ostwand des Kesselhauses zur Verfügung. In ihm sind aufgestellt: ein Reformtiegelschmelzofen nach Hammelrath, ein kleiner Gasschmelzofen (Rössler, Frankfurt a. M.), ein Gasgebläsemuffelofen und ein Gasgebläsetiegelschmelzofen nach Schober sowie ein Schmiedefeuer. Für die beiden letzteren Oefen ist ein von besonderem Elektromotor betriebenes Gebläse vorhanden, während der Ofen unter 1 und das Schmiedefeuer ihren Unterwind von dem Ventilator der Schmiede erhalten.

Das ganze erste Stockwerk des Mittelgebäudes und die Hälfte des zweiten Stockes sind der Abteilung für allgemeine Chemie eingeräumt. Die ungemeine Vielseitigkeit des Arbeitsgebietes dieser Abteillung macht einen grossen Raumaufwand erforderlich. Der beigegebene Grundriss (Fig. 33) zeigt die Anordnung der einzelnen Räume. Die Ausstattung ist die in modernen chemischen Laboratorien gebräuchliche; alle Hilfsmittel des Analytikers sind in zweckmässigster Ausführung vorhanden. Zu elektrolytischen Arbeiten dient ein besonderer Raum. Als Stromquelle dient eine im Keller aufgestellte Akkumulator-Batterie von 24 Zellen, von denen immer je12 entladen werden, während die übrigen 12 von der Zentrale aus geladen werden.

Die Batterie hat eine Kapazität von 216 Ampèrestunden und liefert 3 Stunden lang im Höchstfalle 72 Ampèren.

Die sechste Abteilung, für Oelprüfung, endlich ist in dem Gebäude Bl im ersten Stockwerk untergebracht. Fig. 34 veranschaulicht die Anordnung der Räume. Neben den beiden Laboratorienräumen 232 und 236 sind besonders zu nennen der Raum 226 für physikalische Arbeiten, in dem eine photometrische Einrichtung (ähnlich der in der physikalisch-technischen Reichsanstalt) Aufstellung finden soll, ferner das Flammpunktszimmer No. 233, in dem ausschliesslich die Bestimmung der Entflammungs-Temperaturen vorgenommen wird.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass in den Erdgeschossräumen des Hauptgebäudes die Verwaltungsräume, Direktorenzimmer, Bücherei, Material-, Betriebs- und Hausverwaltung, Kasse, Registratur und Kanzlei, sowie die Sammlungsräume untergebracht sind. Im obersten Stockwerk ist ein photographisches Atelier mit elektrischer Lichtpauseinrichtung vorhanden, sowie eine Destillieranlage aufgestellt, die die chemischen Laboratorien mit destilliertem Wasser versorgt.

Im Raum 103 des Maschinengebäudes ist die mechanische Werkstatt für die Herstellung von Versuchseinrichtungen sowie zur Ausführung kleinerer Reparaturen an Betriebseinrichtungen untergebracht, die zugleich der Abteilung 1 zur Bearbeitung ihrer Versuchsstücke dient. Neben mehreren Drehbänken, Fräs-, Hobel- und Bohrmaschinen, Stosswerken und sonstigen Hilfseinrichtungen sind auch Arbeitsmaschinen für die Tischlerei vorhanden. Der Antrieb sämtlicher Maschinen geschieht durch zwei Elektromotoren, die durch Riemenübertragung zwei Wellensträngen mit den Antriebsscheiben für die Maschinen treiben. Im Kesselgebäude ist ausser dem Kesselraum und dem schon oben erwähnten Schmelzlaboratorium auch eine Schmiede mit zwei Schmiedeherden, denen Unterwind durch elektrisch betriebenen Ventilator zugeführt wird, vorhanden.

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Mitteilungen aus d. mechan. techn. Laboratorium d. techn. Hochschule München. Jahrg. 1879, Heft 8, S. 14.

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D. p. J. 1903, 318, S. 732.

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Mitteilungen 1899, S. 73.

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