Titel: Die Spiritusbeleuchtung auf der internationalen Ausstellung für Spiritusverwertung usw.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319 (S. 598–602)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/ar319168

Die Spiritusbeleuchtung auf der internationalen Ausstellung für Spiritusverwertung und Gärungsgewerbe in Wien 1904.

Von Dr. Arthur Wiesler.

(Schluss von S. 585 d. Bd.)

Die Spiritusglühticht-Gesellschaft „Phoebus“ G. m. b. H. in Dresden hat eine dochtlose Spiritusglühlichtlampe ausgestellt (Fig. 15 u. 16), bei welcher durch den Hebel E der Zufluss des Spiritus aus dem Bassin G in die Vorwärmschale Q und gleichzeitig der Eintritt der im Vergaserrohr gebildeten Spiritusgase durch die Leitung IHN in den Brenner geregelt wird. Hierzu ist in der Mitte des Hebels E eine Spindel befestigt, welche das Zuführungsrohr (Fig. 16) der Spiritusgase aus dem Vergaser in den Brenner bei M luftdicht abschliesst und durch Drehung nach auswärts eine solche Stellung einnimmt, dass die Spiritusgase das Rohr passieren können und in den Brenner gelangen. Wird das Zuführungsrohr zum Zweck des Auslöschens der Lampe geschlossen, so werden die Gase nur in den Vergaser und den Spiritusbehälter gedrückt, wo sie sich infolge der niedrigeren Temperatur verdichten. Dadurch sind die sonst unangenehmenNachvergasungen ausgeschlossen. Der links von der Füllöffnung B an dem Spiritusbehälter G befindliche Verschlussautomat macht ein Nachfüllen von Spiritus während des Brennens der Lampe unmöglich und bedingt eine gewisse Feuer- und Explosionssicherheit. Der Deckel, welcher die Einfüllschraube B verschliesst, kann nämlich nur dadurch gelüftet werden, dass die Spindel nach einwärts gedreht wird und infolgedessen die Entwicklung der Spiritusgase aufhört. Die dochtlose Spiritus-Glühlicht-Lampe „Phoebus“ hat in der für Aussenbeleuchtung bestimmten Form eine Leuchtkraft von 120 Hefnerkerzen bei einem stündlichen Verbrauch von ⅙ Liter Spiritus von 90 v. H., was bei einem Spirituspreise von 30 Pfg. für ein Liter 5 Pfg. für die Brennstunde und 120 Hefnerkerzen Licht beträgt. Dieselbe Lampe wird auch für Innenbeleuchtung In einer kleineren Form ausgeführt, hat eine Lichtstärke von 60 Hefnerkerzen und verbraucht in |599| der Stunde 1/12 Liter Spiritus, was einem Preise von 2½ Pfg. für die Brennstunde und 60 Hefnerkerzen Licht entspricht.

Textabbildung Bd. 319, S. 599
Textabbildung Bd. 319, S. 599

In der Gruppe der dochtlosen Vergaserlampen ist noch besonders hervorzuheben das „Elektrusionlicht“ des Ingenieurs Emanuel Cerwenka, welches seinen Namen wegen der dem elektrischen Beleuchtungskörper ähnlichen Form führt. Die Erfindung des Elektrusionlichtes ist erst durch die Erfindung des hängenden Gasglühlichts (Invertlampe) möglich geworden, das ebenfalls von Cerwenka stammt. Bei der Invertlampe befindet sich die Zufuhr des Leuchtgases oberhalb des Brenners, so dass die Verbrennungswärme das zuströmende Gas vorwärmt. Die Bauart der Elektrusionlampe ist ähnlich. Oberhalb einer Gasinvertlampe wird im Bereiche der Verbrennungswärme ein ausserordentlich einfacher, bloss aus einem gewundenen Röhrchen bestehender Vergaser angebracht. Diesem Vergaser wird der Spiritus in flüssigem Zustand durch ein dünnes Rohr von einem irgendwo anders gelegenen Spiritusbehälter zugeführt. Der Spiritusbehälter befindet sich ungefähr 200–1000 Millimeter oberhalb der Gasdüse beliebig irgendwo zur Seite an der Wand, in welchem Falle die Zuleitung des Spiritus durch Schläuche oder Rohre stattfinden kann. Die Inbetriebsetzung geschieht dadurch, dass der dem Vergaser zuströmende Spiritus angezündet wird; von nun an bleibt die Verbrennung des Spiritus selbständig im Gang. Der Spiritusdampf strömt der Düse unter einem erheblichen Druck zu, da der Spiritusbehälter höher liegt. Die Trennung von Spiritusbehälterund -Brenner lässt sich auch beliebig erweitern, so dass schliesslich der Spiritusbehälter und der Beleuchtungskörper in ganz getrennten Räumen untergebracht werden. Auf diese Weise können mehrflammige Luster durch einen einzigen, in der Mitte angebrachten Spiritusbehälter gespeist werden. Die ungemein sinnreiche Verwendung des physikalischen Prinzips der Mariotteschen Flasche gestattet auch, den Spiritusbehälter während der Brenndauer des Beleuchtungskörpers in einem andern Raum zu füllen. Die Spiritusbehälter können aus dem Luster herausgenommen werden, ohne dass dieser seine Tätigkeit einstellt. Eine Sicherheitsvorrichtung in der Rohrleitung verhindert im Falle des Abreissens oder, falls die Lampe umgeworfen wird, ein Ausfliessen des Spiritus vollkommen. Die in der Wiener Ausstellung befindlichen Elektrusionlampen brannten mit einem Liter Spiritus durch 20 Stunden, was bei dem Preise von 30 Pfennigen für ein Liter Brennspiritus einem Verbrauche von 1,5 Pfennig für Lampe und Stunde entspricht, Die Zuleitung des Spiritus aus dem Behälter in die Brenner geschieht durch ein dünnes Bleirohr, welches mit Seide übersponnen einer elektrischen Leitung täuschend ähnlich sieht und ausreicht, um 20 Lampen gleichzeitig zu speisen. Dadurch, dass sich bei dem Elektrusionlicht zum Unterschiede von den übrigen Vergaserbrennern die Flamme und der Spiritusbehälter nicht mehr in unmittelbarer Nähe befinden, ist eine beliebige Freiheit der Behandlung möglich. Die Elektrusionslampe war auf der Spiritusausstellung in Wien zum ersten Male ausgestellt und ist bereits in Deutschland und anderen Staaten zum Patent angemeldet.

Textabbildung Bd. 319, S. 599
Textabbildung Bd. 319, S. 599

Die Firma G. Barthel in Dresden-A. hat eine Spiritusglühlichtlampe ausgestellt, bei welcher das Spiritusgas unter höherem Druck zur Verbrennung gelangt und infolgedessen eine heisse, stark leuchtende Flamme erzeugt. Die Lampe enthält einen Spiritusbehälter von 0,85 l Inhalt, welcher vor Gebrauch nach Abschrauben der Verschlusschraube 2 (siehe Fig. 17) mit ½ l Brennspiritus von 90 v. H. gefüllt wird, dann wird die Verschlussschraube |600| fest geschlossen und mit der Pumpe 3 ein Druck von 1¼ Atmosphären erzeugt. Die Anwärmeschale 7 wird mit Spiritus halb voll gefüllt und sobald die Anheizflamme erlöscht, wird die Regulierschraube 5 langsam aufgedreht und die unter dem Druck von 1¼ Atmosphären brennenden Gase werden am Glühstrumpf entzündet. Das Auslöschen der Flamme geschieht dadurch, dass die Regulierschraube zugedreht, und wenn der Apparat längere Zeit ausser Betrieb sein soll, die Schraube 1 geöffnet wird, um den Druck zu vermindern. Nach 150 bis 200 Brennstunden soll der im Vergasungsrohr sitzende Asbestwickel erneuert werden, da er durch die bei der Verdampfung zurückbleibenden Stoffe des Spiritus sich zu verstopfen beginnt und sich dann festsetzt, wodurch er schwer herausziehbar wird. Zu diesem Zwecke wird die Schraube 6 gelöst, und der alte Wickel herausgezogen und erneuert. Ebenso kann bei dieser Gelegenheit die Düse 4 herausgeschraubt und der darin befindliche verschmutzte Drahtwickel erneuert werden.

Die Lampe hat eine Lichtstärke von 250–300 Normalkerzen, und beträgt die Brenndauer einer Füllung (0,5 l) bei 1¼ Atm. Druck 2½–3 Stunden, sodass sie in einer Stunde 0.2 l Spiritus verbraucht, was einem Preise von 6 Pfennigen entspricht. Sie ist bestimmt zur Verwendung in Projektionsapparaten und für photographische Zwecke. Um die Hitze der brennenden Flamme möglichst unschädlich für die Kondensorlinse zu machen, setzt man einen mindestens 30 cm hohen Schornstein auf die Oeffnung des Projektionsapparates. Die beschriebene Lampe führt den Namen „Kryolitspir“ und steht unter Gebrauchs-Musterschutz.

Auf demselben Grundsatz, nämlich der Verbrennung des Spiritus unter Druck, beruht der Spiritus-Pressgasbrenner der Firma Schwarzhaupt, Spiecker u. Co., G. m. b. M. in St. Goar a. Rh. Die ausgestellten Brenner hatten eine Lichtstärke von 250 und 1000 Normalkerzen; die dadurch erzielt wird, dass man in einen Spiritusbehälter Pressluft einpumpt, welche dann den Brennstoff unter höherem Druck dem Brenner zuführt. Die Zuführung des Spiritusgases vom Spiritusbehälter nach dem Brenner geschieht durch metallene Leitungsröhren. Auf diese Weise erhält man ein Licht, welches an Stärke dem Bogenlicht nahekommt.

Bezüglich der Wirtschaftlichkeit dieser drei Systeme von Vergaserlampen wurden vom k. k. Gewerbe-Förderungsdienst des Handelsministeriums in Wien eingehende Dauerversuche mit Lampen verschiedener Bauart angestellt. Das Ergebnis war bei Verwendung von Spiritus, der 90 v. H. enthielt, folgendes:


Lampensystem

Lichtstärke
in HK
Dauer der
Vorwärmung
in Minuten
Verbrauch in
Minuten
in 10 HK
Kosten
in
Hellern
Spiritusglühlichtlampe mit
ständiger Hilfsflamme

42,5

1,5

24 g

1,16
Spintusglühlichtlampe mit
Wärmerückleitung

34,0

2,0

29 g

0,96
Spiritusaussenlampe 70,0 2,5 12 g 0,57
Petroleum-
Rundbrenner 16'''

9,5


43 g

1,55

Während die bisher geschilderten Spiritusglühlichtlampen nicht sofort Licht geben, sondern erst nach einem Zeitraum von 1½–2½ Minuten, bis der Vergaser soweit erwärmt ist, um den im Behälter befindlichen Spiritus verdampfen zu können, hat man versucht, den Spiritus vor der Entzündung nicht zu vergasen, sondern unmittelbar im Dochte brennen zu lassen. Bei diesen Spirituslampen, welche sofort Licht geben und in ihrer Handhabung ähnlich wie die Petroleumlampen sind, muss durch geeignete Luftzuführung sowohl von aussen als auch voninnen zu dem am Dochtrande brennenden Spiritus dafür gesorgt werden, dass die schwach leuchtende Flamme des Spiritus entsprechend entfleuchtet wird, um die für eine kräftige Lichtausstrahlung notwendige Temperatur zu erhalten, Diese Lampen haben den Nachteil, dass sie sich in ihrem Brennstoffverbrauch im allgemeinen höher stellen als die Vergaserlampen. Ein derartiger Brenner ist zuerst von der Aschner-Glühlicht- G. m. b. M.1) in Berlin auf den Markt gebracht worden. Eine ähnliche Bauart hat der ausgestellte „Jumala-Brenner“ der Firma Erich Henninges in Berlin (Fig. 18). Der Brenner enthält einen gewöhnlichen Lampendocht, dessen oberer Teil innen freiliegt, weil das innere Dochtrohr bis auf einige Verbindungsstege weggenommen ist. Das innere und äussere Dochtrohr trägt die grosse, dreieckige Oeffnung wie bei Petroleumlampen, um den Luftzutritt von innen nach der ringförmigen Flamme zu ermöglichen, und zündet man bei abgehobenem Oberteil den Docht an, so brennt die ganze Innenfläche des oberen Dochtteiles. Dadurch wird aber der obere Dochtrand erhitzt, so dass der Spiritus in ihm verdampft und man nach etwa 20 Sekunden den Oberteil mit Zylinder und Strumpf aufsetzen und die entwickelten Spiritusdämpfe von oben entzünden kann. Die Vergasung des Spiritus im obersten Teile des Dochtes durch die Flamme der inneren Dochtfläche geht während des Brennens weiter, bis man zum Zwecke des Auslöschens einen kleinen Hebel herumschiebt und damit die durch die erwähnte dreieckige Oeffnung nach dem Innern zu dringende Luft absperrt. Nach einigen Sekunden erlöscht dann die ganze Flamme. Der Docht des Brenners wird nicht höher oder niedriger geschraubt, sondern steht fest und braucht nur alle sechs Wochen etwas gekürzt und nachgezogen zu werden, falls man ihn nicht etwa durch völliges Ausbrennen des Bassins abkohlen lässt.

Textabbildung Bd. 319, S. 600

Das Nachziehen des Dochtes geschieht wie bei jedem gewöhnlichen Petroleumbrenner. Der Docht zieht 12 cm tiefe Bassins ohne Nachlassen der Leuchtkraft aus. Der Brenner verbreitet auch beim Auslöschen keinen Geruch, da die bis zum Erkalten nachentwickelten Gase verbrennen. Der Jumala-Brenner hat eine Lichtstärke von 45 bis 50 Hefnerkerzen und verbraucht in der Stunde 1/9 bis 1/10 Liter Brennspiritus von |601| 90 v. H. Für denselben kann jeder Normal-Gaszylinder und 30 mm Normal-Gasstrumpf verwendet werden.

Textabbildung Bd. 319, S. 601

Bei dem Spiritusbrenner „Exquisit“ der Firma Gustav Fuchs in Wien, stellt die Dochthülse einen Doppelzylinder dar, in dessen Zwischenraum der Docht eingeschoben wird. Die Dochthülse a (Fig. 19) durchdringt das Bassin b und mündet an dessen Unterseite. Hierbei verbleibt zwischen der Dochthülse und der Wand des Hohlraumes im Behälter ein ringförmiger Luftkanal c, welcher nach aufwärts gegen den Rand d der Zylinderkrone führt. Oberhalb der Zylinderkrone wird in irgend einer bekannten Art der Glühstrumpf aufgehängt, welcher durch eine verhältnismässig schwache Flamme d.h. bei geringem Verbrauch an Brennstoff in das stärkste Glühen versetzt wird. Im übrigen ist die Ausstattung des Exquisitbrenners die übliche. Die Brennerkrone enthält Zuglöcher. Das Bassin ist wie gebräuchlich mit hermetisch verschliessbaren Füllöffnungen versehen und zur Einstellung des Dochtes ist ein Wirbel angebracht. Zur Zuleitung des Spiritus zur Dochthülse dienen die Verbindungsröhrchen e, welche die Dochthülse mit dem Bassin verbinden. Am oberen Ende der Dochthülse a ist eine wärmeisolierende Hülse f eingeschoben, welche die Glühscheibe trägt, die entweder aus einer ganzen oder durchlochten Platte hergestellt ist. Der Luftweg im Brenner ist im wesentlichen der beschriebene, und wird durch das Zusammentreffen der durch die Dochthülse und den Ringraum c bezw. durch die seitlichen Zuglöcher g einströmenden und sich kreuzenden Luftströmungen eine heisse Bunsenflamme erzielt. Infolge der Wärmeisolierung der Dochthülse von der Glühscheibe wird erstere relativ sehr gering erwärmt, so dass beim Ablöschen der Lampe nur äusserst geringe Nachvergasungen stattfinden und daher der beim Ablöschen der Lampe sich sonst entwickelnde üble Geruch vermieden wird. Der Spiritusbrenner „Exquisit“ hat eine Leuchtkraft von ungefähr 360 Hefnerkerzen und verbraucht nach einer Mitteilung des k. k. technologischen Gewerbemuseums in Wien ein viertel Liter Spiritus i. d. Stunde, was einem Verbrauch von 10 ccm Spiritus für 10 Hefnerkerzen i. d. Stunde entspricht. Die10 Hefnerkerzenstunde kostet 0,4 Heller. Eine gewöhnliche Petroleumlampe von 24 Kerzen Leuchtkraft verbraucht nach (Hayduk) i. d. Stunde 100 ccm Petroleum, was einem Verbrauch von 40 ccm Petroleum für 10 Hefnerkerzen i. d. Stunde entspricht und einer Ausgabe von 174 Hellern gleichkommt. Die Vorzüge der Exquisit-Lampe bestehen darin, dass sie selbst bei rotierender Bewegung weder raucht noch russt, ausserdem gibt sie keinen Geruch ab und ist jede Explosion ausgeschlossen. Da die Lampe eine so grosse Leuchtkraft und Wärmeausstrahlungsvermögen besitzt, so wird sie in einer etwas veränderten Bauart auch als Heizofen benutzt.

Die Firma Jean Delamotte in Paris hat einen Brenner derselben Bauart ausgestellt, Fig. 20, bei welchem der Spiritusbehälter von den übrigen Teilen des Brenners vollständig getrennt ist, was dazu beiträgt, die Temperatur des Behälters verhältnismässig niedrig zu halten. Der flüssige Spiritus, der durch den Docht aufgesaugt wird, entzündet sich, nachdem ein mit Spiritus getränkter und glühender Zündpinsel in ein Loch der Gallerie eingeschoben worden ist und brennt mit einem Gemisch von Luft, welches genügt, eine vollständige Verbrennung herbeizuführen. Der Glühkörper des Brenners ruht auf einem beweglichen Gestellstengel.

Die grössere Form des Delamotte-Brenners hat eine Leuchtkraft von 70 Kerzen und einen Spiritusverbrauch von 1/12 Liter i. d. Stunde, die kleinere Form hat eine Leuchtkraft von 30 Kerzen und einen Spiritusverbrauch von 1/20 Liter i. d. Stunde.

Inbezug auf die Wirtschaftlichkeit steht das Spiritus-Glühlicht nur dem Gasglühlicht und dem Petroleum-Glühlicht nach, vor dem Gasglühlicht hat es den für viele Verhältnisse bedeutenden Vorzug, dass es unabhängig von besonderen Gasleitungen ist, welche stets einen besonderen Aufwand erfordern, und dass es an jeder beliebigen Stelle sofort benutzt werden kann. Das Petroleum-Glühlicht hat sich trotz seines billigen Preises wegen seines unangenehmen Geruches nicht einbürgern können. Ein Vergleich des Spiritusglühlichts mit anderen Beleuchtungsarten ergibt sich aus folgender Tabelle:


Einheitspreis

Lichtstärke
der Brenner
HK
Verbrauch
für Kerze
und Stunde
in Liter
Kosten einer
Flamme für
die Brenn-
stunde in Pfg.
Kosten
f. d. Licht-
einheit in
Pfg.
Petroleumglühlicht für l 20 Pfg. 40 0,00125 1,00 0,0253
Gasglühlicht für m3 16 Pfg. 30–60 2,00 0,96–1,92 0,032
Spiritusglühlicht für l 30 Pfg. 40 0,0019 2,28 0,057
Petroleum für l 20 Pfg. 20 0,0036 1,44 0,072
Leuchtgas für m3 16 Pfg. 25 10,00 4,0 0,160
Elektr. Glühlicht für die Kilo-
wattstunde
16 3,5 Watt 3,08 0,188
Bogenlicht 55 Pfg. 120 1,0 „ 66,0 0,055

Diese Tabelle gibt nur einen ganz ungefähren Ueberblick über die Brennkosten und kann keinen Anspruch auf Genauigkeit erheben.

Ein wesentlicher Vorzug der Spiritusbeleuchtung ist der, dass man erheblich stärkere Lichtquellen erzeugen kann, ohne den Verbrauch an Spiritus für die Lichteinheit zu steigern. Bei den Spiritus-Glühlichtlampen, welche in den gangbarsten Grössen mit Lichtstärken von 50 bis 70 Hefnerkerzen hergestellt werden, beträgt für die Leistung von 10 Hefnerkerzen der Spiritusverbrauch 15 bis 25 ccm Spiritus von 90 v. H. Es kostet also die zehn Hefnerkerzenstunde bei dem normalen Preise von 30 Pfg. für ein Liter Spiritus 0,45 bis 0,75 Pfg. Bei den Starklichtbrennern, wie sie für die Zwecke der Aussenbeleuchtung Verwendung finden, beträgt der Spiritusverbrauch für die 10 Hefnerkerzenstunde nur 11 ccm, was einem Preise |602| von nur 0,33 entspricht. Bei den Petroleumdochtlampen, welche über solche Lichtstärken verfügen, ist der Materialverbrauch ein viel grösserer. Während die Flamme einer guten Petroleumlampe eine Lichtstärke von 24 Hefnerkerzen zeigt und dazu etwa 100 ccm Petroleum verbrennt, verbraucht eine Spiritusglühlichtlampe von derselben Lichtstärke nur 50 ccm Spiritus, so dass sich der Materialverbrauch bei Spiritus und Petroleum wie 1: 2 verhält. Da der Preis für ein Liter Petroleum durchschnittlich 20 Pfg., der für ein Liter Spiritus 30 Pfg. beträgt, so ergibt sich, dass die Erzeugung einer Lichtstärke von 25 Kerzen bei der Petroleumbeleuchtung 2 Pfg., bei der Spiritusbeleuchtung 1,5 Pfg. kostet, es ist also die Spiritusbeleuchtung um ein Viertel billiger als die Petroleumbeleuchtung.

Ferner hat die Spiritusbeleuchtung gegenüber der Petroleumbeleuchtung noch den Vorteil einer erheblich geringeren Wärmeentwicklung und Luftverschlechterung. Während 1 kg Spiritus von 90 v. H. beim Verbrennen etwa 5500 Wärmeeinheiten entwickelt, erzeugt 1 kg Petroleum bei der Verbrennung 10000 Wärmeeinheiten. Es ist also die beim Verbrennen von Spiritus entstehende Wärmemenge nur halb so gross als die, welche beim Verbrennen einer gleich grossen Menge Petroleum entwickelt wird. Eine Spiritus-Glühlichtlampe von 25 Kerzen strahlt bei mittlerem Spiritusverbrauch 220 Wärmeeinheiten in die Umgebung aus, während eine Petroleumlampe von derselben Lichtstärke 750 Wärmeeinheiten abgibt. Es wird also der umgebende Raum durch eine Petroleumlampe dreimal so stark erwärmt als durch eine Spiritusglühlichtlampe von derselben Leuchtkraft, eine Erscheinung, die der Petroleumlampe zum grossen Nachteil gereicht und in geschlossenen Räumen, in welchen mehrere Petroleumlampen gleichzeitig brennen, sehr unangenehm empfunden wird.

Ein grosser Vorzug der Spiritusbeleuchtung gegenüber anderen Beleuchtungsarten ist die geringere Luftverschlechterung. Beim Verbrennen des Spiritusgases an der Luft entstehen Kohlensäure und Wasserdampf, welche in die Umgebung entweichen und sich in gesundheitlicher Beziehung sehr nachteilig fühlbar machen; daher ist man bestrebt, durch geeignete Lüftung die Luft in geschlossenen Räumen möglichst kohlensäurearm zu machen. Der absoluteAlkohol enthält 52,2 v. H. Kohlenstoff, der gewöhnliche Brennspiritus von 90 v. H. nur 44,6 v. H. Kohlenstoff, während das Petroleum im Mittel 85 v. H. Kohlenstoff enthält. Beim Verbrennen von 100 g Spiritus von 90 v. H. entstehen nur 163 g Kohlensäure, hingegen beim Verbrennen der gleichen Menge Petroleum 312 g Kohlensäure. Mit Rücksicht darauf, dass man von Spiritus bedeutend weniger braucht, als vom Petroleum, um die gleiche Lichtstärke zu erzielen, verschiebt sich dieses Verhältnis bedeutend zu ungunsten des Petroleums. Eine Spiritusglühlichtlampe von 25 Kerzen gibt in der Stunde 55 g Kohlensäure an die Umgebung ab, während eine Petroleumlampe von derselben Lichtstärke 234 g Kohlensäure, also beinahe viermal so viel Kohlensäure an die umgebende Luft abgibt. Es ist also die bei der Spiritusbeleuchtung eintretende Luftverschlechterung durch die entstehende Kohlensäure nur ein Viertel der bei Anwendung von Petroleumbeleuchtung. Zu diesen Vorteilen der Spiritusbeleuchtung kommt noch die einfache Art der Behandlung, da das Putzen der Dochte und Zylinder wegfällt, der Mangel des Russens und Blakens und des unangenehmen Geruchs, welcher bei den Petroleumlampen gewöhnlich auftritt.

Wenn auch das Gas und die elektrische Beleuchtung gegenüber dem Spirituslicht bedeutende Vorteile besitzen, namentlich dort, wo es sich um die Lichtversorgung grosser Städte und industrieller Grossbetriebe handelt, so eröffnet sich dem Spirituslicht im sogenannten Kleinbetrieb, bei der Beleuchtung kleinerer Ortschaften, die nicht in der Lage sind, eine elektrische Beleuchtungsanlage oder Gasanstalt zu errichten, ferner bei der Beleuchtung von vereinzelt gelegenen Gebäuden, Gehöften, Landstrassen und ganz besonders im Haushalt ein dankbares Arbeitsfeld. Im Gebiete der Eisenbahnverwaltungen, in Dörfern und namentlich in landwirtschaftlichen Betrieben sind alle Arten von Spirituslampen bereits in Gebrauch und haben sich in den meisten Fällen mit wenigen Ausnahmen sehr gut bewährt. Während vor 9 Jahren die erste Spirituslampe auf dem Markt erschien, ist gegenwärtig die Zahl der Spirituslampen bereits Legion und wird stets durch neue Lampen mit verbesserter Bauart ergänzt.

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s. D. p. J. 1903, 318, 15.

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