Titel: Die Kettenschaltgetriebe am mechanischen Webstuhle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319 (S. 669–672)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/ar319185

Die Kettenschaltgetriebe am mechanischen Webstuhle.

Von Prof. Siegm. Edelstein.

(Fortsetzung von S. 623 d. Bd.)

2. Technologische Wirkungsweise des kraftschlüssigen Warenbaumregulators.

Die technologische Bewertung dieser Regulatortype kann aus der blossen Feststellung seines technischen Aufbaues nicht erschlossen werden, da sie noch von ausserhalb desselben liegenden Umständen abhängig ist.

Offenbar wird sich seine Wirkungsweise verschieden äussern, je nachdem ob das ihm zugeordnete Kettenablassgetriebe ein aktives oder ein passives ist und ebenso wird für dieselbe von wesentlicher Bedeutung das Verhältnis sein, in welchem der der Kettenabwicklung sich darbietende Widerstand zu dem Zuge steht, welcher von dem Regulator auf das Gewebe ausgeübt wird.

Es werden sich in Anbetracht dieser Abhängigkeit drei Fälle seiner Betätigung unterscheiden lassen und zwar zunächst eine Alternative bezüglich seiner Zuordnung entweder zu einem aktiven oder zu einem passiven Kettenablassgetriebe und bei Anwendung des letztern wieder eine wesentliche Unterscheidung nach dem Verhältnisse der beiden oben angeführten Kräfte. Es ergibt sich sonach für die Behandlung nachstehende Gruppierung:

a) Wirkungsweise des Regulators bei aktivem Kettenablasse.

Wenn die Kettenabwickelung durch einen positiven Kettenbaumregulator stattfindet, so wird in gleichen Zeiten bezw. für gleiche Phasen des Webstuhlganges stets ein gleicher Betrag an Kettenlänge freigegeben und es ist natürlich, dass der an dem Warenbaumregulator wirkende Belastungszug diesen frei werdenden Betrag an Gewebelänge zur Aufwickelung bringt. Dem kraftschlüssigen Warenbaumregulator ist somit in diesem Falle jeder Einfluss auf die Schussanlage entzogen. Diese, sowie die Schussdichte werden vom Kettenablassgetriebe bestimmt; während der erstere als einfacher vom Schaltwerke des Kettenbaumregulators in seiner Tätigkeit abhängiger Wickelapparat funktioniert. Dagegen erlangt er die Einflussnahme auf die Grösse der Kettenspannung, deren Ausmaass durch den auf den Warenbaumdurchmesser reduzierten Zug des Belastungsgewichtes gegeben erscheint.

Eine umfassende technologische Bewertung dieser Gesamtanordnung wird anlässlich der systematischen Besprechung der Schaltwerkkombinationen gegeben werden; für die Kennzeichnung des Warenbaumregulators allein ist die Feststellung von Bedeutung, dass – veranlasst durch die gleichen Schaltbeträge – eine gleichstufige Schussanlage erzielt wird, ferner die Tatsache, dass die konstruktive Durchführung des Getriebes, die Grösse der Teilung am Schaltrade und die angewendete Uebersetzung technologisch von keinem Einflüsse sind; sie müssen nur in ihrem geometrischen Zusammenhange derart angeordnet sein, dass der Warenbaumregulator jederzeit in der Lage ist, die ihm für ein Bewegungsspiel des Webstuhles gelieferte Länge an Gewebe vollständig aufzunehmen.

Da der die Belastung tragende Schwinghebel nur einen gewissen höchsten Ausschlag erreichen kann, der von der Aufhelfevorrichtung abhängig ist und durch einen eventuellen Leergang der Klinke noch beschränkt wird, so muss dieser bei direkt wirkenden Warenbaumregulatoren gross genug gewählt werden, dass er bei leerem Warenbaume und der praktisch vorkommenden kleinsten Schussdichte noch hinreiche; in dem Maasse, in welchem sich der Baum bewickelt, verringert er sich selbsttätig durch das Anwachsen des Leerlaufes der Aufhelfevorrichtung.

Desgleichen erscheint es, da die Kettenspannung von dem auf den Warenbaum reduzierten Zuge der Regulatorbelastung abhängt, behufs Konstanterhaltung derselben bei direkt wirkendem Regulator, zweckmässig, durch den oben erwähnten Fühlkopfapparat die automatische Verschiebung des Belastungsgewichtes bei wachsendem Warenbaumdurchmesser anzuordnen, um stets den gleichen Warenanzug hervorzurufen.

β) Wirkungsweise des Regulators bei passivem Kettenablasse.

Wird der Kettenbaum durch eine der üblichen Kettenbaumbremsen zurückgehalten oder von einem negativen Kettenbaumregulator betätigt, so ergibt bei ersterer der Bremswiderstand, bei letzterem die Streichbaumbelastung die Notwendigkeit, auf die Kette einen gewissen Zug auszuüben, wenn eine Abwickelung von Kette bezw. eine |670| Aufwickelung von Ware stattfinden soll. Bezeichnen wir diesen etwa mit K, und wäre der vom kraftschlüssigen Warenbaumregulator durch seine Belastung ausgeübte, auf den gleichen Radius reduzierte Warenanzug etwa Z (Gleichung 51), so können zwei Fälle eintreten, entweder ist dieser Warenanzug grösser oder er ist kleiner als der zur Ueberwindung der Kettenspannung benötigte Betrag K.

Im ersten Falle ist ersichtlicherweise der Regulator allein imstande, die Kettenspannung zu überwinden, im zweiten Falle muss ihm hiezu noch eine ausserhalb derselben stehende Einwirkung zu Hilfe kommen. Dieses verschiedenartige Verhalten äussert sich technologisch in wesentlich hervortretender Weise, es sollen daher beide Fälle gesondert erörtert werden.

β 1 ) Der Warenanzug ist grösser als der Bremswiderstand oder die Streichbaumbelastung.

Wird Z > K ausgeführt, so wird das Triebwerk des Warenbaumregulators allein ohne äussere Beihilfe in der Lage sein, die Warenaufwickelung vorzunehmen und es wird daher der Belastungshebel insolange immer wieder die Schaltung herbeiführen, als er durch die wiederholte Neueinstellung hierzu Gelegenheit findet. Ist dies – wie üblich – regelmässig der Fall, dann arbeitet das Getriebe ganz in der gleichen Art wie etwa ein zwangläufiger Regulator, von dem es sich technologisch gar nicht und in technischer Beziehung nur dadurch unterscheidet, dass bei letzterem die Verkupplung zwischen Schalthebel und Ladenstelze durch eine zwangläufige mechanische Verbindung (Finger im Hebelschlitze angreifend) bei ersterem durch eine kraftschlüssige Verbindung (Schalthebel an Ladenstelzenfinger angepresst), stattfindet.

Die technologische Bewertung wird daher vollständig mit jener des zwangläufigen Warenbaumregulators übereinstimmen, er wird gleicherweise wie letzterer eine gleichstufige Schussanlage ergeben und je nach Ausmaass seiner Schaltgrösse die Schussdichte bestimmen. Bezüglich dieser Festsetzungen sei auf das bei den zwangläufigen Regulatoren Gesagte verwiesen, nur betreffs des direkt einwirkenden Regulators wäre noch hervorzuheben, dass auch hier, wie beim direkten zwangläufigen Warenbaumregulator, behufs Konstanterhaltung seines Schaltbetrages in das Getriebe eine veränderliche und durch einen Fühlkopfapparat beeinflusste Hebelübersetzung eingeschaltet werden muss, welche in dem Maasse den Schaltwinkel des Warenbaumes verkleinert, in welchem der Durchmesser desselben zunimmt.

Eine Einwirkung auf das Belastungsgewicht ist, sofern man dieses überhaupt gross genug wählt, nicht notwendig. Es muss dieses zumindest so gross angenommen werden, dass es bei vollbewickeltem Warenbaume noch sicher die Kettenspannung überwindet; dies ist umso eher zu erreichen, als eine Ueberschreitung dieses Mindestwertes nach oben von keinem störenden Einflüsse ist und nur in der Festigkeit der Getriebeteile allenfalls eine Grenze findet, ein zu geringes Belastungsgewicht hingegen den Regulator sofort technologisch wesentlich verändert.

Durch Anwendung eines Fühlkopfapparates zum selbsttätigen Herausschieben des Belastungsgewichtes bei wachsendem Warenbaumdurchmesser wird zwar technologisch keine Einflussnahme hervorgebracht, man kann aber in diesem Falle das Mindestgewicht nach dem kleinsten Warenbaumdurchmesser bemessen und so etwas an Gewicht sparen.

β 2 ) Der Warenanzug ist kleiner als der Bremswiderstand oder die Streichbaumbelastung.

Wenn der von der Regulatorbelastung auf das Gewebe ausgeübte Zug Z nicht hinreicht, die KettenspannungK zu überwinden, so ist der kraftschlüssige Warenbaumregulator nicht in der Lage, selbständig eine Schaltung vorzunehmen und seine Tätigkeit muss sich darauf beschränken, jenen Teil der Gewebelänge periodisch aufzuwickeln, welcher ihm durch die Vorwärtsbewegung der Lade, infolge der Vordrängung des letzt eingetragenen Schussfadens an den Warenrand, überwiesen wird.

Es fällt somit hier der Lade die Aufgabe zu, die zur Ueberwindung der Kettenspannung noch benötigte Kraftdifferenz

δ = K – Z . . . . . 52)

beizustellen, und dieser Wert δ ist es, der als Kammandruck auf den letzteingetragenen Schussfaden zur Wirkung kommt.

Diese letztere äussert sich nach zweierlei Richtungen; sie ergibt einerseits die tatsächliche Vorschaltung des Gewebes und andererseits bestimmt sie die besondere Form der Schussanlage. Es ist natürlich, dass die effektive Vorwärtsbewegung des Gewebes nur dann stattfindet, wenn der Kamm Gelegenheit hat, auf den Warenrand einzuwirken, die Uebertragung seines Andruckes erfolgt aber nur mittelbar durch den neu eingetragenen Schussfaden, sofern sich dieser nicht etwa über oder unter den vorangehenden einlegen kann und das Ausmaass der Fortrückung des Warenrandes ergibt sich nach dem jeweiligen effektiven Raumbedarfe des letzteingelegten Schussfadens, wofür die Dicke desselben und seine körperliche Beschaffenheit bestimmend sind. Durch die solcherart sich ergebende Notwendigkeit, den Kammandruck auf das Gewebe fortzuleiten, erfährt der Schussfaden eine entsprechende Anpressung und die einzelnen Fäden werden daher dicht aneinandergelegt und da die Schaltung selbsttätig nur dem jeweiligen Raumbedarfe angemessen wird, ergibt das Triebwerk eine anschliessende Schussanlage.

Die Grösse der sich ergebenden Schussdichte lässt sich wohl nicht rechnerisch feststellen, da sie von einer Reihe von Umständen abhängt, die sich nicht leicht zahlenmässig fassen lassen, immerhin können aber einzelne derselben bezüglich ihres Einflusses klargelegt werden.

Vor allem erscheint es einleuchtend, dass die Annäherung der einzelnen Schussfäden aneinander desto inniger erreicht wird, je grösser der resultierende Kammandruck δ hervorkommt. Da nun dieser als Differenz zwischen dem Bremswiderstande oder der Streichbaumbelastung und der Regulatorbelastung bezw. der Kettenspannung und dem Warenanzuge erscheint (Gleichung 52), so folgt daraus, dass ein Anwachsen der Kettenspannung und ein Abnehmen des Warenanzuges die Schussdichte vergrössern werden. Man wird daher in der Lage sein, durch Veränderung der Kettenspannung oder der Regulatorbelastung auf die Grösse der Schussdichte direkt Einfluss nehmen zu können; allerdings ist diese Abhängigkeit keine proportionale und auch keineswegs innerhalb beliebiger Grenzen sich einstellende, da eben auch andere Umstände eine wesentliche Rolle hiebei spielen. Insbesondere wird die körperliche Beschaffenheit der Schussfäden für die erzielbare Schussdichte einen Maximalwert ergeben, über den hinaus die weitere Erhöhung der Kettenspannung keinen praktischen Erfolg mehr aufweisen wird.

Wohl ist bei dem hier vorauszusetzenden ungleichen Schussmateriale die Einhaltung einer zahlenmässig gegebenen Schussdichte ausgeschlossen, immerhin wird man auf eine möglichste Gleichmässigkeit der Annäherung, auf Einhaltung eines Mittelwertes Bedacht nehmen müssen und daher die Kettenspannung und Regulatorbelastung möglicht konstant zu halten suchen.

Für die Herbeiführung einer möglichst gleichen Kettenspannung hat die Kettenablassvorrichtung Sorge zu tragen, ergibt die hier verwendete Anordnung Schwankungen derselben, |671| so werden sich dieselben in der Schussdichte wiederspiegeln. Gleicherweise muss die Regulatorbelastung derart zur Anwendung gelangen, dass die Getriebeanordnung des Regulators einen gleichbleibenden Zug auf das Gewebe ausübt. Diese Aufgabe verlangt die Berücksichtigung einiger in diesem Sinne störender Umstände.

Ein an einem Hebel direkt wirkendes Gewicht erzeugt je nach Stellung des Hebelarmes gegen die Horizontale eine veränderliche Zugspannung, so zwar, dass dieselbe bei horizontaler Einstellung des Belastungsarmes am grössten und in jeder anderen Stellung entsprechend der Verringerung des wirksamen Hebelarmes kleiner ausfällt. Ebenso wird auch die Federwirkung je nach der momentanen Dehnung der Feder einerseits und ihrem wirksamen Hebelarme andererseits eine andere sein. Zu diesen Umständen gesellt sich noch ein dritter, der dann eintritt, wenn die Gewebespannung am Hebelarme des Warenbaumes angreift. Ist der Regulator indirekt wirkend, so wird der durch die Gewichtsbelastung hervorgerufene Zug auf das Gewebe insolange konstant bleiben, als die Belastung oder deren Hebelarm nicht verändert werden. Wirkt dagegen das Schaltwerk direkt auf den Warenbaum, so erhöht sich mit der Zunahme des Warenbaumdurchmessers der Kraftarm der Gewebespannung und es muss daher in gleichem Verhältnisse auch der Kraftarm des Belastungszuges vergrössert werden, wenn nicht durch das sonst erfolgende Anwachsen des Warenbaumdurchmessers der von der Regulatorbelastung herrührende Zug verringert und infolgedessen die Differenzgrösse δ vergrössert werden soll. Da diese Veränderung aber nach dem oben Ausgeführten eine dichtere Schussanlage herbeiführen würde, so erscheint es nötig, den bereits erwähnten Verschub des Belastungsgewichtes entweder von Hand aus oder automatisch durch den Fühlwalzenapparat vorzunehmen.

Die Uebertragung des Verschubes durch das Gestänge ist bei der üblichen praktischen Ausführung keine vollkommene, da hier eine Reihe von Fehlerquellen zu tage treten; allerdings ist der Einfluss dieser Ungenauigkeit auf die erzielte Schussdichte auch kein wesentlicher. Bei Anwendung einer Federbelastung wird die automatische Verstellung meist weggelassen, wodurch natürlicherweise der angedeutete Uebelstand mehr oder weniger empfindlich zu tage tritt.

Es ist schon bemerkt worden, dass die eigentümliche Wirkungsweise des Regulators auch noch andere Momente auf die Schussdichte zur Wirkung kommen lässt, gleichartig wie bei den ebenfalls die anschliessende Schussanlage hervorrufenden Kompensationsregulatoren. Es sind dies die materiellen Eigenschaften des Schussfadens und die Art der Bindung.

Was die ersteren betrifft, so ist einleuchtend, dass die Fortschaltung des Gewebes um einen desto grösseren Betrag stattfindet, je dicker und widerstandsfähiger der Schussfaden ist, daher dicke, hart gedrehte und trocken eingelegte Schussfäden eine grössere Schaltung herbeiführen, als dünne und offene Schussgarne oder solche, die gefeuchtet zur Verwendung kommen. Aus dem gleichen Grunde ist ersichtlich, dass auch hier die Schaltung überhaupt unterbleibt, wenn kein Schussfaden zur Eintragung kommt oder wenn ein Schussfaden, der eingetragen wird, sich derart anlegen kann, dass er über oder unter seinen Vorgänger gelangt. Diese letztere Erscheinung hängt bekannterweise von der Art der Abbindung der Schussfäden ab und sie gestattet in einfacher Weise eine sichere Uebereinanderordnung mehrfacher Schusslagen, wie sie bei Geweben mit Unterschuss oder Füllschuss vorkommen. Die Tatsache, dass der Regulator nicht schaltet, wenn der Schussfaden ausbleibt, macht es auch hier wie beim Kompensationsregulator unnötig besondere Vorkehrungen für die Ausschaltung desselben bei Schussfadenbruch zutreffen, Ebenso ist es nach einem etwaigen Zurücknehmen von Kette nicht von Bedeutung, ob der Warenbaum beim neuerlichen Arbeitsbeginne etwas mehr oder weniger zurücksteht, da die genaue Einstellung nach wenigen Ladenanschlägen selbsttätig eintritt.

Im Vorstehenden sind jene Umstände angeführt, welche auf die Dichte der Schussanlage bezw. auf die Grösse der Schaltung Einfluss nehmen, und es mag besonders hervorgehoben werden, dass nach dieser Richtung hin weder die Vorgelegeübersetzung noch der Klinkenhub oder die Teilung des Sperrades irgendwie einzuwirken in der Lage sind. Diese letztgenannten Umstände bedingen wohl den technischen Aufbau des Zugwerkes und äussern sich technologisch höchstens in dem Ausmaasse jener Kettenschwankungen, die durch den relativen Leergang der Gegenklinke veranlasst werden.

Ist die Kettenbaumbremse durch ihr Spielvermögen geeignet, Kette selbsttätig etwas zurückzunehmen, oder ist ein schwebender Streichbaum angeordnet, so wird beim Rückgange der Lade der Warenbaum unter Ueberwindung der Regulatorbelastung so weit wieder zurückgehen, als die Sperrklinke gestattet. Das Ausmaass dieses Rücklaufes bezw. der im Arbeitsgange des Webstuhles stattfindenden Hin- und Herschwingungen der Kette kann daher höchstens den auf den Warenbaumdurchmesser reduzierten Betrag einer Teilung des Sperrades ausmachen und wenn eine Reduktion dieser durch Anwendung mehrfacher Klinken stattfindet, den entsprechenden Teil derselhen. Auch die elastische Zusammenziehung der Kette kann solche Schwingungen hervorrufen, weshalb für die untere Grenze ihres Ausmaasses kein rechnerisch einfach zu bestimmender Wert aufgestellt werden kann. Um sie auf ein praktisch zulässiges Maass zu beschränken, wird die bereits erwähnte Anordnung mehrfacher Klinken und zwar der Gegenklinken vorgesehen, während für die Anwendung einer mehrfachen Kupplungsklinke der Umstand spricht dass dann die den Belastungszug oder dessen Hebelarm verändernde Auslenkung des Belastungshebels auf einen geringeren Betrag reduziert wird.

Aus dem Dargelegten lässt sich die technologische Bewertung dieser Regulatortype dahin aussprechen, dass sie gleicherweise wie der Kompensationsregulator eine anschliessende Schussanlage ergibt, deren Dichte aber von der Differenz der Kettenspannung und der Regulatorbelastung und von den körperlichen Eigenschaften des Schussfadens sowie der Art der Gewebebindung abhängt, doch nur unter der Voraussetzung, dass der Kettenablass ein passiver und die Kettenspannung grösser als der Warenanzug ist, Entspricht er dieser Voraussetzung nicht, so verändert er seinen technologischen Charakter.

Wird der Belastungshebel zwangläufig mit der Aufhelfevorrichtung verbunden, so wandelt sich der Regulator in einen zwangläufigen um, dessen technologische Eigenschaften er auch erreicht, wenn das Belastungsgewicht genügend gross genommen wird, um eine stets stattfindende sichere Anlage des Belastungshebels an den Aufhelfefinger herbeizuführen.

3. Praktische Ausführung des kraftschlüssigen Warenbaumregulators.

Die eben ermittelten Feststellungen haben dargetan, dass der kraftschlüssige Warenbaumregulator an sich kein technologisch bestimmtes Verhalten aufweist, da seine Arbeitsführung je nach Maassgabe äusserer von ihm unabhängiger Verhältnisse veränderlich ist. Es hat sich gezeigt, dass er nach drei Richtungen hin ausgewertet werden kann, entweder als blosser auf die Art und Weise der Schussanlage und Grösse der Schussdichte ohne Einfluss bleibender Aufwickelapparat oder als Getriebe zur Herbeiführung einer gleichstufigen Schussanlage mit allen technologischen |672| Eigenschaften des zwangläufigen Warenbaumregulators und endlich als anschliessend schaltender daher auch kompensierender Regulator. Auf jedem dieser Anwendungsgebiete wird von ihm in der Praxis auch tatsächlich Gebrauch gemacht, wenn auch die drittangeführte Art seiner technologischen Wirkungsweise die vorherrschende ist.

Textabbildung Bd. 319, S. 672

Da sich diese Verschiedenheit des technologischen Charakters aus der Veränderlichkeit der äusseren nicht in ihm selbst liegenden Verhältnisse ergibt, so erscheint es einleuchtend, dass sein technischer Aufbau ein einheitlicher sein kann, und es nicht möglich ist, aus demselben seine technologische Bewertung vorzunehmen.

Aus dem gleichen Grunde ist es daher unrichtig, wenn die technologische Charakteristik einer seiner Anwendungsarten auf ihn in dem Sinne allgemein übertragen wird, dass die Kennzeichnung des ganzen Systems davon abgeleitet wird. Tatsächlich wird aber dieser Fehlgriff häufig angetroffen, Man bezeichnet den kraftschlüssigen Regulator als „negativen“ Warenbaumregulator und definiert ihn dahin, dass er nach Maassgabe der Schussfadenstärke schalte, also eine anschliessende Schussanlage ergebe, im Gegensatze zum „positiven“ Regulator, der für jeden Schuss gleich viel Schaltung ergebe und direkt angetrieben werde.

Besser ist hier schon die Bezeichnung „schwebender“ Regulator, die zumindest das für sich hat, dass sie die Beurteilung seiner Wirkungsweise nicht irre führt.

Was die praktische Ausführung dieser Regulatortype anbelangt, so sind heute die Anordnungen meist ähnlich jener in Fig. 92 und 93 S. 621 behandelten, nur bei einigen Seidenstuhlsystemen findet man den Belastungshebel durch Federn betätigt und mit einer Klemmkupplung auf das Antriebsrad wirkend.

Auch der Federschlagstuhl zeigt besondere Typen.

Fig. 95 stellt einen solchen von der Sächsischen Webstuhlfabrik gebauten Regulator dar, dessen eigentümliche Aufhelfevorrichtung unter Fig. 94 bereits erwähnt wurde. Der Regulator arbeitet mit einem Sandbaume, ist also indirekt wirkend, und wird durch eine Gewichtsbelastung betätigt.

Eine einfachere Ausführung eines ähnlich gebauten und mit Federbelastung ausgestatteten Apparates gleicher Herkunft zeigt die Fig. 96. Die Schlitzstange t wird durch den schwingenden Arm a hin- und hergeführt und umfasst den Bolzen p des Belastungshebels H. wodurch sie denselben wieder in die Arbeitsstellung zurückbringt, wenn er im Sinne des Warenabzuges genügend weit durch die Spannung der Feder F ausgelenkt wurde.

Textabbildung Bd. 319, S. 672
Textabbildung Bd. 319, S. 672
Textabbildung Bd. 319, S. 672

Eine moderne Type, gebaut von der Sächsischen: Maschinenfabrik Hartmann, ist in der Fig. 97 dargestellt Der Regulator ist indirekt wirkend, wie die beiden vorbeschriebenen, bedarf also gleicherweise keiner automatischen Verstellung des Angriffspunktes seiner Belastung. Die Kupplungsklinke ist hier als Zugklinke ausgeführt, die Aufhelfung findet durch die Ladenstelze unmittelbar statt.

In der Fig. 98 ist die Ausführungsform eines direkt wirkenden, daher mit Fühlkopf und Verschubvorrichtung ausgestatteten Regulators von der Webstuhlfabrik Guelcher & Schwabe skizziert, bei welcher der Belastungszug nicht nur durch das verschiebbare Gewicht, sondern auch noch durch die angeordnete Schraubenfeder F hervorgebracht wird. Diese Kombination, welche übrigens auch bei anderen Ausführungen gleicher Type angetroffen wird, erscheint mit Rücksicht auf das bezüglich der Konstanthaltung des Warenabzuges Gesagte nicht zweckmässig, weil nicht nur das Belastungsgewicht allein, sondern auch der Angriffspunkt der Feder, die dem Anwachsen des Warenbaumdurchmessers entsprechende Verschiebung erfahren müssten, wenn nicht trotz des Fühlkopfgetriebes eine Wertveränderung des Regulatoranzuges entstehen sol.

(Fortsetzung folgt.)

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