Titel: Die Kettenschaltgetriebe am mechanischen Webstuhle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319 (S. 691–695)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/ar319192

Die Kettenschaltgetriebe am mechanischen Webstuhle.

Von Prof. Siegm. Edelstein.

(Schluss von S. 688 d. Bd.)

2. Kettenablass passiv, Warenaufwickelvorrichtung zwangläufig intermittierend.

Die Fortbringung des Gewebes besorgt bei dieser Anordnung wohl der Warenbaumregulator, allein ohne technologischen Einfluss, da er erst dann schalten kann, wenn der Kamm beim Ladenanschlage genügend weit ausgelenkt wird, sonach, wenn ein bestimmtes Stück Gewebe erzeugt wurde. Die Schussanlage ist anschliessend. Die Schussdichte hängt im Wesentlichen von der Federspannung der Kammfeder ab, doch nehmen auch andere Umstände Kettenspannung, Bindung, Schussfadenmaterial auf dieselbe Einfluss.

Die anschliessende Schussanlage gewährt den Vorteil, dass auch ungleich starkes Schussmaterial ein gleichmässiges und schlüssiges Warengefüge ergibt, weshalb für dicht zu schlagende schlüssige Waren diese Anordnung gewählt wird und selbst dann beibehalten werden kann, wenn etwa grosse Figurierungen durch die Jacquardmaschine hervorgebracht werden, sobald nur das Schussmaterial genügend fein und die Musterung in verhältnismässig grossen Figuren angenommen wird, weil eine et Auge geringe Ungleichheit in der Figurengrösse für das Auge vollständig verschwindet, während eine schüttere Stelle, hervorgerufen durch einige dünne Schussfäden, sofort auffallen würde.

Die Kettenspannung wird durch die Kettenablassvorrichtung bestimmt. In der Regel werden leichte Gewichtsbremsen insbesondere Gegengewichtsbremsen als Kettenablassapparate für diese Gruppierung gewählt. Ihr eigentliches Anwendungsgebiet findet sie in der Seidenweberei, wo das ungleiche Schussmaterial einerseits und die zu erzielende Schlüssigkeit in der Ware andererseits auf anschliessende Schussanlage hinweisen und die Notwendigkeit, die Kette nicht zu sehr zu dehnen, verhältnismässig geringe Kettenspannungen verlangt. Wäre diese letztere Bedingung nicht vorhanden, so könnte statt des Kompensationsregulators, wohl auch der einfachere kraftschlüssige Warenbaumregulator Verwendung finden, allein er würde durch seine direkte Abhängigkeit von der Kettenspannung auch eine grössere Beanspruchung des Kettenmaterials herbeiführen.

3. Kettenablass passiv, Warenaufwickelvorrichtung kraftschlüssig.

Wird der Grundbedingung entsprochen, dass der Regulatoranzug kleiner ausfällt als der Bremswiderstand, so ergibt diese Anordnung eine anschliessende Schussanlage und die Schussdichte ist von der Kettenspannung, dem Regulatoranzuge, der Art der Bindung und den Eigenschaften des Schussfadens abhängig.

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Das Getriebe schaltet nur dann, wenn wirklich Schuss eingetragen wird und in dem Maasse, als der letzteingetragene Schussfaden Raum bedarf. Der Schussfaden wird an den Warenrand vorgedrängt und kann er, je nach Art der Bindung über oder unter den früheren Schuss gelangen, so wird die Fortrückung des Geweberandes unterbleiben. Durch diesen Umstand wird eine dichte Neben- und Uebereinanderlage des Schussmaterials herbeigeführt, deren Grad wesentlich durch die Kettenspannung beeinflusst und daher durch dieselbe reguliert wird.

Diese letztere selbst ist von der Kettenablassvorrichtung abhängig.

Die Anordnung wird für dicht zu webende, nicht mit Musterung versehene Schafwollgewebe, infolge des angewendeten ungleichen Schussmaterials (Streichgarnschuss) verwendet; insbesondere für Gewebe, welche durch die Appretur ein sehr dichtes Gefüge (Walken) oder durch eine besondere Bearbeitung der Oberfläche (Rauhen, Bürsten usw.) Strich oder ein pelzartiges Aussehen erhalten sollen. In diesen Fällen ist die quantitative Anhäufung von Schussmaterial gleichmässig auf die Längeneinheit der Kette zu verteilen.

Zur Herbeiführung einer sehr dichten Ware für technischen Bedarf (Säcke, Filtertuch usw.) wird gleichfalls von dieser Kombination des Schaltwerkes zweckmässig Gebrauch gemacht, so dass sie neben ihrer Anwendung für Tuchwebstühle auch bei Jute und Leinenstühlen angetroffen wird.

Bei der Verwendung für Streichgarngewebe muss auf die Empfindlichkeit der Schussdichte gegenüber den Schwankungen in der Kettenfadenspannung Rücksicht genommen werden, die sich als Blenden im Gewebe wiederspiegeln. Es ist notwendig, den Bremswiderstand möglichst gleichmässig zu halten, desgleichen natürlich auch die Grösse der Regulatorbelastung.

Wird diese letztere grösser als der zur Ueberwindung der Kettenspannung benötigte Zug gemacht, indem man die etwa vorhandene Belastungsfeder des Regulators genügend anspannt, oder das Gewicht vergrössert, so wandelt das Triebwerk seinen technologischen Charakter insofern um, dass es dann ganz in der gleichen Art arbeitet, wie die unter 1. behandelte Kombination und es gelten dann auch für dasselbe die an der bezogenen Stelle gegebenen Beziehungen.

4. Kettenablass aktiv und stetig wirkend, Warenaufwickelvorrichtung stetig und zwangläufig.

Wenn der Kettenablass durch einen positiven Regulator erfolgt und die Warenaufwickelung durch einen zwangläufig stetig wirkenden Warenbaumregulator, dann muss zwischen diesen beiden Getrieben bezw. der von beiden der Ketten erteilten Schaltgrösse eine Uebereinstimmung dahin herrschen, dass die Schaltung des Warenbaumes dem um den Betrag des Einwebens verkleinerten Ausmaasse der Kettenbaumschaltung gleich sei. Ist dieses nicht der Fall, so wird das Getriebe unbrauchbar, da entweder eine Lockerung und Anhäufung der Kette zwischen Waren- und Kettenbaum stattfindet oder die Kette bis zum Bruche angespannt wird.

Ersteres tritt erklärlicherweise ein, wenn der Kettenbaumregulator mehr Kette frei gibt, als der Warenbaum aufnimmt, letzteres, wenn das umgekehrte Verhältnis stattfindet.

Wegen dieser Empfindlichkeit des Getriebes ist seine Anwendung nur auf einzelne wenige Fälle beschränkt geblieben, bei denen entweder ein erfahrungsmässig genau bestimmter Schaltungsbetrag für beide Getriebe gewählt werden kann, oder wo eine etwaige Differenz in den Schaltbeträgen nicht auf den Arbeitsprozess störend einwirkt, sondern in anderer Art ausgeglichen wird, wie diesdann der Fall ist, wenn der Kettenbaumregulator eine Florkette schaltet, deren Noppenhöhe dann beeinflusst wird und die Aenderung aufnimmt. Die behandelte Zusammenstellung ergibt ersichtlicherweise eine gleichstufige Schussanlage, deren Dichte von der Schaltgrösse des Warenbaumregulators abhängt, und infolge der starren Festhaltung des Kettenbaumes einen harten Ladenanschlag, dem allenfalls durch einen nachgiebig gelagerten und durch Gewichte oder Federn nach aussen gedrängten „schwebenden Streichbaum“ begegnet werden kann, dessen Belastungszug gleichzeitig die Kettenspannung bestimmen würde.

Lässt man behufs Vermeidung einer Ueberschreitung der Kettenspannung über ein zulässiges Maass diesen Streichbaum etwa automatisch auf den Kettenbaumregulator einwirken, so übergeht das Getriebe an die unter 7 behandelte Anordnung.

Die Anordnung eines aktiven Kettenablasses bei zwangläufiger Warenaufwickelung findet man neben der schon erwähnten Florkettenschaltung für Plüsch-, Sammt- und Teppichstühle u. ähnl. nur noch ausnahmsweise bei Leinen- oder Jutestühlen für glatte Stapelartikel.

5. Kettenablass aktiv und stetig wirkend, Warenaufwickelvorrichtung zwangläufig intermittierend.

Eine derartige Zuordnung der Kettenschaltgetriebe kann nicht angewendet werden, da sie nicht betriebsfähig ist.

Der gleichmässig fortschaltende Kettenbaumregulator gibt ohne Rücksicht auf die andern Betriebsverhältnisse, also auch ohne Rücksicht darauf, ob die Ware aufgewickelt wird oder nicht, für jeden eingetragenen Schussfaden eine bestimmte Länge von Kette ab und da der Kompensationsregulator erst nach Herstellung eines entsprechenden Gewebestreifens die Aufwickelung vornimmt, so würde die Kette immer lockerer werden, um dann plötzlich die normale Anspannung zu erfahren, ein Vorgang, der ersichtlicherweise die Anwendung dieses Triebwerkes ausschliesst.

6. Kettenablass aktiv und stetig wirkend, Warenaufwickelvorrichtung kraftschlüssig.

Diese Gruppierung des Kettenschaltwerkes zeigt am treffendsten die Notwendigkeit die einzelnen Teilgetriebe in ihrem Zusammenhange zu erfassen, wenn der technologische Charakter mit Sicherheit erschlossen werden soll. Es tritt hier der eigentümliche Fall ein, dass die beiden Teilgetriebe, das Kettenschaltwerk und die Warenaufwickel-Vorrichtung, ihre Stellung bezüglich der technologischen Einflussnahme vollkommen austauschen, d.h. gegenseitig: wechseln.

Da der Kettenbaumregulator für jeden eingetragenen Schussfaden ohne Rücksicht auf andere Umstände ein bestimmtes, gleichbleibendes Stück an Kettenlänge frei gibt und der Warenbaumregulator, wenn die Anordnung; betriebsfähig sein soll, in der Lage sein muss, diesen Schaltbetrag aufzunehmen, so ergibt sich, dass die Grösse der Schaltung und die Schussanlage durch den Kettenbaumregulator bestimmt werden und die Tätigkeit des Warenbaumregulators auf die blosse Aufnahme des vom Kettenbaum gelieferten Kettenbetrages herabsinkt, ohne auf die Art der Schussanlage und Grösse der Schaltung: Einfluss nehmen zu können.

Dem Kettenablassgetriebe ist wiederum die Bestimmung der Kettenspannung entzogen und dem Warenbaumregulator durch die Grösse des von ihm hervorgerufenen Gewebeanzuges überantwortet.

Es zeigt sich somit ein Austausch der den Getrieben im allgemeinen zugedachten Rolle, so dass die Anordnung |693| förmlich eine Umkehrung der unter 1 gegebenen Kombination vorstellt.

Auch hier ist die Schussanlage gleichstufig und die Schussdichte durch Veränderung der Schaltgrösse des Kettenbaumregulators zu variieren.

Nur bezüglich eines Punktes zeigt die Anordnung eine Abweichung.

Da der Kettenbaum durch das Regulatorgetriebe starr gehalten wird, so wird der Ladenanschlag hart ausfallen, und es ist leichter möglich grosse Schussdichten zu erzielen, während bei der unter 1 gegebenen Anordnung bei hohen Schussdichten die Nachgiebigkeit des Ketten-Baumes hinderlich wird, indem das Gewebe vorarbeitet und bei jedem Ladenanschlage durchsackt.

Webstühle für schwere Kettenspannungen und grosse Schussdichte werden daher zweckmässig mit dieser Kombination, trotz deren gewiss grösseren Kosten ausgestattet werden; insbesondere Kammgarnstühle mit hohen Einstellungen, Jutestühle, Segeltuchstühle, Stühle zur Herstellung von Gurten, Filtertuch u. ähnl.

7. Kettenablass durch intermittierend wirkenden (negativen Kettenbaumregulator, Warenaufwickelvorrichtung stetig, zwangläufig.

Die Schaltung des Gewebes und der Schussanlage sind bei dieser Kombination vom Warenbaumregulator abhängig, da der jeweilige Kettenbedarf durch den Kettenbaumregulator nur nach Maassgabe des Abwebens und der dadurch hervorgerufenen Stellungsänderung des schwebenden Streichbaumes erfolgt.

Die Schussanlage ist daher gleichstufig und die Grösse der Schussdichte durch Auswechseln des Wechselrades oder Veränderung des Klinkenhubes beim Warenbaumregulator einzustellen.

Der negative Kettenbaumregulator hat auf die Grösse der Kettenspannung, insolange er überhaupt betriebsfähig gehalten wird, keinen Einfluss. Diese letztere wird durch die Belastung des schwebenden Streichbaumes bestimmt.

Der Ladenanschlag ist ganz gleichartig wie bei Anwendung von Kettenbaumbremsen, es ergibt sich sonach, dass diese Kombination denselben technologischen Charakter aufweist, wie die unter 1 beschriebene, ohne für die grössere Kompliziertheit gegenüber derselben irgend welchen nennenswerten Vorteil zu bieten. Man hat sie früher für schwere Tuchwebstühle in Anwendung gebracht, ist indessen heute ziemlich davon abgekommen.

8. Kettenablass durch intermittierend wirkenden (negativen) Kettenbaumregulator, Warenaufwickelvorrichtung zwangläufig intermittierend.

Die Anordnung eines negativen Kettenbaumregulators in Kombination mit einem Kompensationsregulator wird in der Praxis nicht verwendet, da sie gegenüber, der unter 2. besprochenen keine technologische Abweichung zeigt, hingegen den Nachteil grösserer Kompliziertheit mit sich brächte. Die Schussanlage wäre wieder anschliessend und die Schussdichte wieder von den gleichen Umständen abhängig, wie dort, nur die Kettenspannung wäre auch hier dem Einflüsse des Kettenablasses entzogen und von dem Belastungsgewichte des Streichbaumes abhängig.

9. Kettenablass durch intermittierend wirkenden (negativen) Kettenbaumregulator, Warenaufwickelvorrichtung kraftschlüssig.

Auch bezüglich dieser Kombination erkennt man die Uebereinstimmung des technologischen Charakters mit der ihr entsprechenden Gruppe 3, von der sie sich nur dadurch unterscheidet, dass sie die Kettenspannung nicht direkt dem Kettenablassgetriebe, sondern dem Belastungszuge des schwebenden Streichbaumes überantwortet.

Diese Anordnung hat bei breiten Tuchwebstühlen praktische Verwertung gefunden; doch ist man heute hiervon ziemlich abgekommen, nichtsdestoweniger hat man in letzter Zeit wieder versucht, diese Kombination für schmale Stühle anzuwenden.

b) Auswertung des Kettenschaltgetriebes.

Fasst man die Arbeitstätigkeit der Kettenschaltgetriebe vom Standpunkte der an dieselben in der Praxis herantretenden Aufgaben zusammen, so ergeben sich folgende Gesichtspunkte:

Behufs Herbeiführung einer gleichstufigen Schussanlage zur Herstellung von Geweben mit Bindungseffekten, Musterung und Zeichnung durch die Art der Verflechtung von Kette und Schuss, muss zumindest eines der beiden Schaltgetriebe zwangläufig oder derart kraftschlüssig angetrieben werden, dass sein die mechanische Verbindung zwischen dem Schaltwerke und dem übrigen Stuhlgetriebe herbeiführender Kraftschluss vollkommen ausreiche, um ihm einen selbständigen, unabhängigen Antrieb zu sichern. Ist daher der Kettenablass passiv oder intermittierend aktiv wirkend, so muss der Warenbaumregulator zwangläufig oder wenn kraftschlüssig, der erwähnten Bedingung entsprechend angeordnet sein, bei positivem Kettenablassapparate erreicht man stets die gleichstufige Schussanlage.

Die effektive Schaltung kann hierbei entweder beim Ladenvorgange oder beim Ladenrückgange, wenn sich das Fach zu öffnen beginnt, stattfinden; die letztere Anordnung ist die üblichere, sie hat den Vorteil, dass der Ladenanschlag intensiver zur Wirkung kommt. Die Grösse der bei dieser Art von Schaltung erzielten Schussdichte ist rechnerisch bestimmbar und kann innerhalb der durch die praktischen Verhältnisse gezogenen Grenzen beliebig gewählt und durch entsprechende Auswechselung von Uebersetzungsrädern oder Aenderung des Klinkenhubes eingestellt werden.

Für schwächer zu spannende empfindliche Ketten empfiehlt sich zum Kettenablasse eine Gegengewichtsbremse, für stärkeres Kettenmaterial eine Seilbremse, bei kräftigeren Spannungen eine Kettenbremse oder Bandbremse und für breite Stühle mit hoher Einstellung die Anwendung von Muldenbremsen. Die Warenaufwickelung findet dann durch einen Stirnrad- oder Warenradregulator, letzterer in Anwendung bei breiten Stühlen, statt. Soll die gleichstufige Schussanlage bei harter Spannung erzielt werden, so wird, da die genannten Anordnungen den Kettenbaum nachgiebig halten, für den Kettenablass ein positiver Kettenbaumregulator gewählt, dem dann ein kraftschlüssiger, mitunter auch ein zwangläufiger in seiner Schaltgrösse übereinstimmender Warenbaumregulator zugeordnet wird. In diesen Fällen ist der Ladenanschlag hart und gestattet eine hohe Schussdichte, ohne dass die Ware vorarbeitet.

Für gemusterte Baumwoll-, Leinen- und Kammgarngewebe, für lanzierte oder broschierte Gewebe, Teppiche, ferner für Baumwolldruckware und nach der Schusszahl kalkulierte Stapelartikel usw. finden diese Kombinationen zweckmässige Verwendung; die den Bremsen gleichartig wirksamen aber komplizierten negativen Kettenbaumregulatoren hat die Praxis ziemlich zurückgestellt.

Soll ein Gewebe mit anschliessender Schussanlage gewebt werden, so dass Schuss an Schuss dicht anliegt und, wenn dies die Bindung gestattet, eine sichere Ueber- und Unterordnung von einzelnen Schussfäden hervorgebracht wird, wie dies für Gewebe mit Unterschuss, Füllschuss usw. notwendig erscheint, dann wird, wenn man wieder von dem in einem Falle ganz unbrauchbaren, sonst höchstens gleichwertigen aber viel komplizierteren negativen Kettenbaumregulator absieht, stets eine Bremse zum Kettenablasse angeordnet und die Warenaufwickelvorrichtung

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Tabelle über die technologische Wirkungsweise und Anwendung der Kettenschaltgetriebe.

Textabbildung Bd. 319, S. 694
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durch einen kraftschlüssigen aber abhängigen Regulator oder durch einen Kompensationsregulator vorgenommen.

Verträgt die Kette eine kräftige Spannung, dann wird das wesentlich einfachere Getriebe des erstem verwendet, bei Seidenketten tritt an dessen Stelle der auch bei schwächeren Spannungen gut wirkende Kompensationsregulator.

Die anschliessende Schussanlage gibt durch ihre enge Aneinanderreihung der einzelnen Fäden eine schlüssige und dichte Ware und gleicht quantitativ etwaige Ungleichheiten der einzelnen Fadenstärken aus. Aus diesen Gründen werden Gewebe mit Streichgarnschuss, die keinen Rindungseffekt sondern eine glatte durch die Appretur weiter zu gestaltende Oberfläche aufweisen sollen, in dieser Art hergestellt; desgleichen Gewebe mit Seidenschuss und wegen der notwendigen dichten Schussanlage auch Säcke Filtertuch und ähnliche technische Bedarfsartikel. Bei Schafwollgeweben, dann bei den letztangeführten Kammgarn-, Baumwoll- oder Leinengeweben wird zum Kettenablasse eine Muldenbremsung, zur Warenaufwickelung ein kraftschlüssiger mit Gewichtszug ausgestatteter Stirnradregulator angeordnet; für Seidenketten dient eine leichte Gegengewichtsbremse und zumeist der Kompensationsregulator, wenn auch mitunter der einfache kraftschlüssige und dann mit Federbelastung und Klemmschaltwerk ausgestattete Warenbaumregulator angetroffen wird. Selbstverständlich ist der Belastungszug dieses letztern in allen diesen Fällen kleiner zu halten als ein zur selbständigen Ueberwindung des Bremswiderstandes benötigter, damit es erst des Eingreifensdes Ladenanschlages bedürfe, um eine Vorschaltung des Gewebes herbeizuführen.

Eine rechnerische Vorausbestimmung der Schussdichte ist bei dieser Anordnung des Schaltgetriebes nicht möglich; man muss durch probeweises Einstellen der Kettenspannung bezw. der Blattfederspannung zu Beginn des Webens nach der sich einstellenden Schussdichte das jeweilige Ausmaass der genannten Spannungen für die gewünschte Gewebedichte zu ermitteln suchen, was bei einiger Erfahrung leicht gelingt.

Mit diesen Feststellungen erscheint der Zweck der vorliegenden Untersuchungen1) erreicht, das wesentliche Ergebnis derselben möge in der Tabelle auf Seite 694 übersichtlich zusammengefasst werden.

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Einige eingeschlichene Versehen und Druckfehler, soweit sie sinnstörend sind, mögen hier richtiggestellt werden: Bei Fig. 2 hat W, wie sich aus dem Texte offenbar ergibt, links statt rechts einzugreifen; S. 229 Z. 17 soll statt C richtig H stehen, S. 263 Z. 7 soll statt k0 = C richtig und dementsprechend, wie Fig. 7 angibt, Z. 10 statt: 1: richtig: : stehen; in Gleichung 16 ist im Zähler efa = 1 zu lesen; S. 296 Z. 11 ist zu lesen p > q, ebenso S. 298 Z. 9 efa statt efa; S. 315 Z. 9 von unten ist dem Klammerausdrucke ein + vorzustellen; S. 406 Z. 40 soll || statt =, S. 475 Z. 6 v. u. richtig δ statt λ, desgl. S. 476 Z. 2 v. o. , statt , Z. 13 v. o. (m + n) l anstatt (m + l) und Z. 17 v. o. statt v stehen; S. 586 Z. 10 v. u. ist s anstatt x und S. 622 Z. 14 u. 17 v. u. n an Stelle von i1 zu setzen.

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