Titel: Professor Rateau: Theorie und Wirkungsweise der Strahlkondensatoren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319 (S. 807–811)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/ar319222

Professor Rateau: Theorie und Wirkungsweise der Strahlkondensatoren.

(Schluss von S. 788 d. Bd.)

Die Wirksamkeit der Strahlkondensatoren wird durch die mit dem Einspritzwasser und dem Auspuffdampf hineingelangende Luft stark beeinträchtigt. Die Luft vermindert die Druckhöhe, die der Kondensator überwinden kann, sie allein ist schuld daran, dass man im Innern des Kondensators nicht einmal bis in die Nähe der vollkommenen Luftleere gelangen kann. Das Einspritzwasser enthält im allgemeinen 1,7 v. H. Luft bei 15° C, mehr noch als dieses enthält der Auspuffdampf, denn nicht nur im Speisewasser ist Luft enthalten, sondern sie gelangt auch noch durch die Hähne der Injektoren, durch alle Stangenführungen und Flanschenverbindungen in das Innere der Maschine, so dass der Luftgehalt des Auspuffdampfes auf mindestens 4 v. H. angesetzt werden muss.

Zur Wirkung der Luft gesellt sich aber ausserdem noch die des nicht vollständig kondensierten Dampfes, denn es muss stets vorausgesetzt werden, dass noch nicht aller Dampf kondensiert ist, wenn das Gemisch den engsten Querschnitt der Mischdüse durchströmt. Und zwar wird die Menge des nicht kondensierten Dampfes um sogrösser sein, je mehr Luft im Kondensator vorhanden ist, weil diese die Luftleere stört, und je geringer das Temperaturgefälle zwischen dem Dampf und dem endgültigen aus der Mischdüse strömenden Flüssigkeitsgemisch ist. Es muss beachtet werden, dass sich die Luft im Strahlkondensator keineswegs ansammelt, sondern infolge der grossen Geschwindigkeit des Dampfstromes mit nach aussen getrieben wird. Da das mehr oder weniger gleichförmige Gemisch von Wasser, Dampf und Luft ohne Stauung den engsten Querschnitt, den „Hals“ des Gehäuses durchströmen muss, so wird notwendigerweise dieser Querschnitt grösser sein müssen, als der endgültig zur Ableitung von Wasser allein bestimmte. Deshalb soll auch der Rauminhalt der gasförmigen Bestandteile des Gemisches nicht zu gross sein. Nimmt man als Mittelwert der Spannung im Innern des Kondensators 0,05 bis 0,10 kg/qcm an, so wird es normalen Verhältnissen entsprechen, wenn der Rauminhalt der Gase etwas grösser ist als jener des Wassers.

Da der Druck an der engsten Stelle des Kondensators |808| nur sehr gering ist, so genügt schon eine verhältnismässig geringe Luftmenge, um das spezifische Gewicht si der Mischung und damit auch den Druck

zu vermindern, den der aus der Fangdüse austretende Strahl noch überwinden kann.

Solange sich die in den Kondensator eindringende Luftmenge unterhalb einer gewissen Grenze hält, kann der Kondensator als in einer Art Beharrungszustand arbeitend angesehen werden, der von der Luftmenge, von dem Verhältnis m zwischen Dampf und Einspritzwasserverbrauch, von der Endtemperatur t1 des Gemisches und von dem Ueberdruck He des Einspritzwassers abhängig ist. Wenn jedoch die Luftmenge diese Grenze überschreitet, tritt eine vollständige Störung der Arbeitsweise des Kondensators ein. (Ueber die Höhe dieser Grenze sollen weiter unten noch Angaben gemacht werden.)

Für die Untersuchung des Vorganges im Kondensator unter Berücksichtigung der Luft kann die Gleichung natürlich nicht mehr als genau angesehen werden, denn das mittlere spezifische Gewicht wechselt mit der Aenderung des Druckes, die eine Verminderung des Rauminhaltes des Gemisches – eine Folge der Verdichtung der Luft und der fortschreitenden Kondensation des Dampfes – mit sich bringt. Ist E der räumliche Anteil der Luft und des nicht kondensierten Dampfes an dem gesamten Rauminhalt des Gemisches, reduziert auf den Vergleichsdruck von 1 kg/qcm und entspricht das Volumen des Dampf-Luftgemisches u während der Verdichtung der Gleichung pγ . u = konst = E, so ist γ = 1, wenn nichts als Luft in dem Gemisch vorhanden ist. Wegen der Anwesenheit von Dampf, der allerdings beim Durchfliessen durch die Fangdüse schnell kondensiert, wird man γ etwas grösser als 1 annehmen müssen. Bei einem beliebigen Druck p hat man:

Nach dem Satz von der Erhaltung der lebendigen Kraft kann man unter der Annahme, dass der Wirkungsgrad j für alle Punkte der Fangdüse konstant bleibt, schreiben:

. . . VII)

oder, wenn man für sx den Wert einsetzt:

. . . VIII)

Diese Gleichung lässt sich leicht integrieren. Für γ = 1 gibt sie

und für γ > 1

.

Auf der rechten Seite kann man die Werte w12 (Ausflussgeschwindigkeit des Gemisches aus dem Kondensator) gegenüber w02 (Eintrittsgeschwindigkeit des Dampfes) vernachlässigen, oder nur bei der Bemessung des Koeffizienten j berücksichtigen, es verbleibt dann dort .

Um den Einfluss des Ausdruckes kennen zu lernen, welcher den Wert E enthält, kann man am besten zueinem Zahlenbeispiel greifen: Es sei und γ = 1. Das Diagramm Fig. 4 stellt dann die Enddrucke p1 (welche der Kondensator überwinden kann) als Funktion der Luftmenge E dar, und zwar für Anfangsdrucke p0 im engsten Querschnitt des Kondensators von 0,10 bis 0,25 kg/qcm. Aus dem starken Gefälle der p1-Kurven kann man schliessen, wie wenig Luftüberschuss nur erforderlich ist, um den Kondensator betriebsunfähig zu machen. Auch diese Untersuchungen sind nur angenähert, denn nicht alle aus dem Diagramm ersichtlichen Werte von E lassen sich in Wirklichkeit erzielen. Die Festsetzung des Verhältnisses zwischen Wasser und Dampf-Luftgemisch muss im Gegenteil Erfahrungssache bleiben.

Textabbildung Bd. 319, S. 808

Wie schon früher erwähnt, hat man bei normalem Gang mindestens auf 4 v. H. zu rechnen. Diese Ziffer kann auf dem Versuchswege ziemlich sicher ermittelt werden. Die Versuche zeigen überdies, eine wie grosse Luftmenge allein im Dampf enthalten ist und dass die Gesamtmenge der Luft fast proportional mit der Temperatur des aus der Fangdüse austretenden Wassers, also ungefähr proportional mit der Leistung der Maschine zunimmt. Man kann versuchsweise auch jene Luftmenge bestimmen, die ein weiteres Arbeiten des Kondensators verhindert, indem man in den Mischraum mittels einer Hilfsleitung Luft einströmen lässt. Die Ergebnisse dieser Versuche sind indessen sehr verschieden je nach dem Verhältnis m zwischen Dampf und Einspritzwasser und dem Querschnitt f1 der Dampfleitung. Immerhin kann man annehmen, dass der Raumanteil der Luft (zurückgeführt auf 1 kg/qcm Druck) bis zu 3 v. H. des Einspritzwassers betragen darf, mitunter aber sogar auch bis 25 v. H.

Während des Durchganges durch den Strahlkondensator erwärmt sich das Einspritzwasser von der Anfangstemperatur t0 auf die Endtemperatur t1, indem es im Verhältnis den mehr oder weniger wasserhaltigen Dampf kondensiert. Diese Kondensation geht sehr schnell vor sich, denn für den Durchgang des Wassers durch die Mischdüse stehen nur 1/50 Sek. zur Verfügung. Damit die Kondensation überhaupt stattfinden kann, ist notwendig, dass die vorhandene Luft eine bestimmte Grenze nicht überschreitet und dass ein gewisses Gefälle zwischen den Temperaturen tv des Dampfes und t1 besteht. Die Wärmegleichung für diesen Vorgang lautet:

x = m (t1 – t0),

wenn x die in einem Kilogramm Dampf enthaltene Wärmemenge darstellt. Diese ist die Verdampfungswärme bei der Temperatur t1 (rd. 580 Kal.), wenn es sich um vollkommen trockenen Dampf handelt. Im allgemeinen wird sie jedoch um 12 bis 15 v. H. zu vermindern sein, mit |809| Rücksicht auf das bereits im Dampf enthaltene Wasser. Man kann also die Wärmemenge ungefähr auf 500 Kal. veranschlagen. Die gesamte Erwärmung des Einspritzwassers wird demnach von nur wenig verschieden sein, beträgt also, wenn man im Mittel m = 25 annimmt, rd. 20°.

Es verlohnt sich, auf dem Versuchswege festzustellen, wie gross der Unterschied tv – t1 ist, zwischen der Temperatur des Dampfes im Innern des Kondensators und der des austretenden Wassers. Die in den später folgenden Zahlentafeln enthaltenen Ergebnisse der von Rateau angestellten Versuche gestatten, diese Werte unmittelbar abzunehmen. Dabei zeigt sich die ebenso einfache als bemerkenswerte Beziehung, dass dieser Unterschied für einen unter sonst gleichen Verhältnissen arbeitenden Strahlkondensator bei jeder beliebigen Dampfmenge, die zu kondensieren ist, unverändert bleibt.

Textabbildung Bd. 319, S. 809

Dieses Gesetz ist durch das Diagramm Fig. 5 veranschaulicht, in dem die Kurve A den absoluten Dampfdruck im Innern des Kondensators als Funktion der Austrittstemperatur t1 des Wassers darstellt. Die Kurve C ist die Kurve der den gleichen Wassertemperaturen t1 entsprechenden Drücke des gesättigten Wasserdampfes. Es ist sofort ersichtlich, dass diese beiden Kurven den gleichen Verlauf haben und nur um einen bestimmten Betrag parallel zur Abszissenachse gegeneinander verschoben sind, was die Richtigkeit der obigen Folgerung beweist. Unter der Dampftemperatur im Innern des Kondensators ist dabei jene Temperatur des gesättigten Dampfes zu verstehen, die dem Gesamtdruck im Kondensator, einschliesslich dem Druck der darin befindlichen Luft, entspricht.

Im vorliegenden Falle beträgt der praktisch unveränderliche Unterschied zwischen Dampf- und Wassertemperaturen rd. 21° (die Versuche haben Schwankungen von 20,7 bis 21,4° ergeben.)1) Auch bei anderen Versuchen ist dieser Unterschied ziemlich unabhängig vom Dampfverbrauch der Maschine gefunden worden und hat 18 bis 20° betragen. Allerdings muss man sagen, dass bei sehr starkem Wasserzufluss, wenn also die Hilfswassermengemitverbraucht wird, der Unterschied grösser ausfallen wird, wahrscheinlich weil der Dampf weniger ins Innere des Wasserstrahles eindringen kann. Die diesbezüglichen Versuche haben z.B. 26° für den genannten Temperaturunterschied ergeben. Je grösser die Wasseroberfläche ist, die vom Dampf bespült werden kann und je länger die Berührung zwischen Wasser und Dampf dauert, desto geringer wird auch der Unterschied tv – t1 ausfallen. Wenn man also einen Kondensator haben will, der eine gute Luftleere ergibt, so braucht man nur die Mischdüse recht lang zu konstruieren und den Wasserstrahl in möglichst viele Teile zu zerlegen, ohne aber dabei den richtigen Eintritt des Wassers in die Diffusionsdüse zu verschlechtern. Vergleichende Versuche mit verschiedenen Wasserstrahlformen haben ergeben, dass weder der zylindrische volle Strahl noch der zylindrische hohle Strahl dem in der Einleitung erwähnten Strahl von sternförmigem Querschnitt gleichkommt.

Textabbildung Bd. 319, S. 809

Für die Versuche, welche mit dem in Fig. 1 und 2 abgebildeten Strahlkondensator durchgeführt wurden, hat die in Fig. 6 dargestellte Einrichtung gedient. Der Kondensator J, der senkrecht angeordnet war, erhielt den Auspuffdampf durch die Leitung A von einer stehenden Verbundmaschine, die einen Stromerzeuger antrieb und deren Belastung daher sehr schnell geändert werden konnte. Das Einspritzwasser wurde einem in 10 m Höhe über dem Kondensator aufgestellten Behälter durch Leitung B entnommen, während das warme Wasser durch das Rohr C in eine Grube von 4 m Tiefe abgelassen wurde, bevor es weiter in den Kanal gelangte. Die Anordnung der erforderlichen Messgeräte ist aus der Zeichnung ersichtlich: Das Manometer D zeigt den Druck im Kondensator an, das Manometer M0 den Druck des Einspritzwassers in der Leitung B, der mit Hilfe eines Hahnes R0 mehr oder weniger gedrosselt werden kann. Die Temperatur des Einspritzwassers wird mittels Thermometers t0, jene des abfliessenden Wassers mittels Thermometers t1 gemessen. Eine mit Frischdampf gespeiste und durch Hahn r absperrbare Leitung gestattet, das Einspritzwasser vor dem Eintritt in den Kondensator zu erwärmen, und so mit Anfangstemperaturen t0 zwischen 12 und 40° zu arbeiten. Auch in die Abflussleitung C ist ein Hahn R1 eingebaut; dieser dient zum Regeln des Unterdruckes, der sogar bis zum Ueberdruck gesteigert werden kann.

Die Versuche bestanden im wesentlichen darin, bei gewöhnlichem Betrieb und unter den nach Belieben veränderten Betriebsverhältnissen zu bestimmen:

1. Die von der Maschine abgegebene Leistung (mittels Volt- und Ampèremeters).

2. Die Luftleere im Kondensator.

3. Die Temperaturen t0 und t1 des Wassers.

4. Den wirklichen Ueberdruck des Wassers H0 beim Eintritt und die Saughöhe H' beim Austritt aus dem Kondensator.

|810|

Bei den Versuchen (Tab. 1) zur Ermittlung des Einflusses von wechselndem Dampfverbrauch bei 15° Anfangstemperatur des Einspritzwassers und mit einfachem Kondensator ohne Hilfswassermenge sind die grossen Schwankungen der Luftleere beachtenswert. Dagegen zeigt sich, dass die Grösse des Wasserdruckes auf die Anwärmung des Einspritzwassers keinen wesentlichen Einfluss übt, Die Ergebnisse sind in dem Diagramm Fig. 7 veranschaulicht, wo die Kurve A den Verlauf der Luftleere, die Kurven B und C bezüglich den Verlauf der Werte t1 – t0 bei Wasserdrücken von 6 und 10 m und die Kurve D den Verlauf der Wasserdrücke zeigen, bei welchen der Betrieb des Kondensators unmöglich wird. Für die normale Einspritzwassererwärmung von 20°, also für 25fache Einspritzwassermenge, ergibt sich eine Luftleere von im Mittel 63 cm.

Textabbildung Bd. 319, S. 810

Tabelle 1.

No.
Des
Ver-
suches
Wasser-
druck
He

m
Belastung
der
Machine

KW
Luft-
leere


cm
Erwärmung
des Einspritz-
wassers
t1t0
°C
1 6 52 60 23,8
2 31 67 14,8
3 23,5 69 11,8
4 15 71 8,5
5 50,3 60,5 23,5
6 6,20 65 53,5 30,8
7 6,30 74 45 40,3
8 7,0 5,5 72
9 9,4 0 73,5 2,6
10 9,6 3,8 73,2 3,3
11 10 0 72,5 2,6
12 4,2 71,5 4,2
13 12,0 69,5 7
14 21,6 68 10,7
15 29,7 66 13,6
16 39 63,5 17,3
17 48 61 20,8
18 60 57 26,3
19 67,6 53 29,3
20 73 49 33,9

Tab. 2 enthält die Ergebnisse einer Versuchsreihe, die mit einem mit Hilfswassermenge arbeitenden Kondensator angestellt worden ist. Aus diesen Versuchen ist die Rolle, welche die Hilfswassermenge spielt und ihr Einfluss auf den Ausgleich der Wassertemperaturen deutlichzu erkennen. Auch die Schwankungen der erzielten Luftleere bei Aenderungen der Belastung und ohne Verwendung der Hilfsdüse zeigen eigenartiges Verhalten. Fig. 8 zeigt die Versuchungsergebnisse aus Tab. 2 in Schaulinien. Der abschwächende Einfluss der Hilfswasserdüsen ist an dem Verlauf der Linien B und B1 zu verfolgen, welche die Anwärmung t1 – t0 des Einspritzwassers als Funktion der Leistung darstellen. Die Linien A und A1 geben den Verlauf der Luftleere bei verschiedenen Belastungen an. Bei einer Maschinenleistung von 50 KW z.B. beträgt die Luftleere mit Hilfsdüsen 63, ohne diese nur 56 cm.

Textabbildung Bd. 319, S. 810

Tabelle 2.


No. des
Versuches

Wasser-
Druck He
Unterdruck
beim Austritt
aus dem Kon-
densator H'

Belastung
der
Maschine

Luft-
leere
Anfangs- End-

t1t0
Temperatur des
Einspritzwassers
t 0 t 1
m m KW cm °C. °C. °C.
1 5,5 3,8 0 70 12,4 17 4,6
2 3,3 6,3 68 19,7 7,3
3 3,5 13 69 23,3 10,9
4 3,6 19,5 68 26,5 14,1
5 3,3 25,8 66 30 17,6
6 3,3 32,5 64 35 22,6
7 3,3 39,2 61 38 25,6
8 3,1 44,8 59 41,5 29,1
9 3,1 51,5 55 46 33,6
10 3,1 61,5 48 53 40,6
Hilsswasserdüse
offen
11
12
13
14
15
16
5,0




5,7
2,8
2,8
2,8
2,5
2,5
3,1
74,5
60,5
54
47
38,6
28
54
59,6
62
64
66
67
12,5

12,7


41,5
36
33
30
26,7
23
29,0
23,5
20,3
17,3
14
10,3
17 3,3 39,6 52,5 13 51,5 38,5
18 3,3 34,0 58,5 44,0 31
19 3,3 27,5 63,5 37,5 24,5
20 3,6 21,3 66 32,0 19
21 0,7 3,3 14,0 64 27,5 14,5
22 0,9 3,3 11,3 62,5 26,0 13
23 0,5 3,3 11,0 62 26,5 13,5
24 0,7 3,3 6,9 59 24,5 11,5
25 0,9 3,1 0 57 20,5 7,5

Die Erwärmungen des Einspritzwassers |811| betragen dementsprechend 18,5° und 32,5°. Für eine gegebene Erwärmung von 20° C. des Einspritzwassers ergibt sich natürlich bei geöffneten Hilfsdüsen eine schlechtere Luftleere, 62 cm, als bei geschlossenen Düsen, 65 cm.

Die Verwendung der Strahlkondensatoren ist die denkbar einfachste. Die lassen sich in jeder beliebigen Lage anordnen, wenngleich die senkrechte Anordnung am vorteilhaftesten sein wird. Das Eindringen von Luft in den Kondensator ist keineswegs sehr gefährlich für die Aufrechterhaltung des Betriebes. Man stellt den Kondensator am besten 3 bis 4 m über dem Abflusswasserbehälter auf und hebt, wenn man den Kondensator nur auf dem Erdboden unterbringen kann, unter ihm eine Grube aus, von wo das Wasser mittels einer Pumpe entfernt wird. Man kann im übrigen die gleichen Betriebsbedingungen dadurch herstellen, dass man das Einspritzwasser unter Druck zuführt. Die allenfalls hierzu erforderliche Kreiselpumpe, welche Wasser mit 5 m Druck liefert, bildet nur eine geringe Mehrbelastung der Anlage. Angenommen, es handle sich um eine Maschine von 1000 PS Leistung, welche 10 kg/PS Dampf stündlich verbraucht, so ist für m = 25 eine Kreiselpumpe erforderlich, welche stündlich 250 cbm auf 5 m fördert. Bei einem mechanischen Wirkungsgrad dieser Pumpe von 65 v. H. sind zu ihrem Betriebe nicht mehr als 7 PS, d. i. 1 v. H. der Maschinenleistung, und selbst wenn die Pumpe aus einer 4 m unter dem Kondensator liegenden Grube saugt, keinesfalls mehr als 1,5 v. H. der Maschinenleistung erforderlich. Diese Werte liegen aber noch weit unter jenen Leistungen, die beim Betriebe der gewöhnlichen Kondensationen mit nassen Luftpumpen verbraucht werden. Dazu kommt, dass der Strahlkondensator bedeutend weniger Raum einnimmt und viel billiger in der Anschaffung ist. Trotzdem leidet er viel weniger unter Betriebsstörungen, als eine Luftpumpe.

Fig. 9 zeigt die Anwendung des Kondensators bei einer Dampfturbine von 500 PS Leistung. Mehrere solche Turbinen können nebeneinander aufgestellt werden und nehmen dennoch unverhältnismässig wenig Raum ein. An ihrer Seite wird je ein Kondensator angeordnet, welche alle ihr Einspritzwasser an einen gemeinsamen Wassergraben von 4 m Tiefe abgeben. Zwei elektrisch betriebene Kreiselpumpen versorgen den Dienst der Kondensatoren. Die eine führt ihnen Einspritzwasser unter Druck zu, die zweite entleert die Grube von warmem Wasser und leitet dieses fort oder nach einem Rückkühlwerk.

Wegen ihrer Einfachheit lassen sich die Strahlkondensatoren auch bei Maschinen von ganz geringen Leistungen, 10–15 PS, ebenso wie bei Maschinen von grössten Abmessungen verwenden; sie sind imstande, 10–20000 kg Dampf stündlich zu kondensieren. Sie sind daher in gleichem Masse wie Einspritz- oder Oberflächenkondensatoren für Zentralkondensationen von Fabriken und Eisenhüttenwerken zu empfehlen. Gewöhnlich wird ein einzelner Strahlkondensator für eine Fördermaschine genügend sein. Doch unterliegt es keiner Schwierigkeit, auch mehrere hintereinander zu schalten, wenn der Dampfverbrauch der Maschine zeitweilig zu gross wird.

Man kann die Strahlkondensatoren mit Vorteil auch an gewöhnliche oder an barometrische Kondensatoren anschliessen.Wie bekannt, bestehen die letzteren aus einer Kammer, die etwas mehr als 10 m über dem Wasserspiegel eines Beckens angeordnet und mit diesem durch ein senkrechtes Fallrohr verbunden ist. In der Kammer treffen Auspuff dampf und Einspritzwasser zusammen. Die Luftleere wird durch die Höhe der Wassersäule stets erhalten, wenn nur die Luft durch eine Kolbenpumpe entfernt wird. Diese Pumpe braucht man indessen nicht, wenn man die Kammer durch einen Strahlkondensator ersetzt, wobei der Querschnitt des Fallrohres richtig bemessen werden muss, um das Mitreissen der Luft durch die Geschwindigkeit des Wassers zu sichern.

Textabbildung Bd. 319, S. 811

Bei Hüttenwerksbetrieben und anderen Anlagen, die viele nicht ununterbrochen arbeitende Maschinen enthalten, wird es sich empfehlen, zwischen die Maschinen und den Strahlkondensator einen Dampf Sammler anzuordnen, um dem Kondensator den Dampf in gleichmässigerem Strome zuzuführen. Diese Anordnung gewährt den Vorteil, dass der Auspuffdampf noch nebenbei in Niederdruckturbinen zur Ausnutzung gelangen kann,2) wodurch die Wirtschaftlichkeit gerade dieser Anlagen, ohne ihre Betriebssicherheit zu beeinträchtigen, ganz wesentlich gefördert wird.

|809|

Die in dem gleichen Diagramm enthaltene Kurve B entstammt Versuchen an einer mit einem gewöhnlichen Einspritzkondensator arbeitenden Corliss-Maschine. Der Vergleich ergibt, dass die Wirkung der beiden Kondensatorbauarten bei den gewöhnlichen Wassertemperaturen von 30 bis 35° ziemlich dieselbe ist und der gewöhnliche Einspritzkondensator erst bei höheren Wassertemperaturen ernstlich geschlagen wird.

|811|

Das Verfahren, den Abdampf von Förder- und Hüttenwerksmaschinen auf diese Weise auszunutzen, ist seither von Prof. A. Rateau praktisch erprobt und durchgebildet worden. Die Ausführung von solchen Anlagen im Deutschen Reich und in Luxemburg hat die Firma Balcke & Co. in Bochum übernommen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: