Titel: Wasserhebung vermittelst komprimierter Luft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 5 (S. 224)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi14_5

Wasserhebung vermittelst komprimierter Luft.

In einem Vortrage vor der British Association of Water Works Engineers beschreibt William H. Maxwell ein Verfahren der Wasserhebung vermittels komprimierter Luft und eine auf diesem Prinzip basierende Anlage in Tunbridge Wells.

Da der Erfinder dieser Methode mit keinem Worte erwähnt wird, vielmehr der Eindruck erweckt wird, dass man es hier mit einer amerikanischen Erfindung zu tun habe, so sei hier gesagt, dass Werner Siemens der erste war, der dieses Prinzip empfahl und praktisch verwendete. Wie er selbst in seiner Mitteilung im Verein zur Beförderung des Gewerbefleisses vom 2. März 1885 (Werner Siemens, Techn. Arbeiten S. 483 ff.) sagt, hat er die in Geysern, Sprudelquellen, Petroleumfontänen usw. von der Natur selbst so vielfach benutzte Methode der Flüssigkeitshebung durch Gasentwicklung in der Tiefe nachgebildet, indem er durch Einführung komprimierter Luft einen künstlichen Geyserbrunnen herstellte. Das Prinzip der Methode ist folgendes:

Textabbildung Bd. 319, S. 224

Einem in das zu hebende Wasser eingesenkten Rohr a wird von unten durch das Rohr b komprimierte Luft zugeführt. Die Luftblasen steigen in dem Rohr a in die Höhe und so entsteht in demselben ein Gemisch von Luft und Wasser, dessen spezifisches Gewicht geringer ist als das des Wassers, infolgedessen wird dieses Gemisch durch den Druck des aussen befindlichen luftfreien und daher spezifisch schwereren Wassers in dem Rohr a steigen und zwar um so höher, je tiefer dieses Rohr in das Wasser eintaucht und je mehr Luft zugeführt wird. Die dabei geleistete Arbeit setzt sich zusammen aus der Kompression der Luft und der dabei auftretenden Erwärmung und dem Verhältnis der Geschwindigkeit, mit welcher die Luftblasen im ruhigen Wasser aufsteigen zu der Geschwindigkeit, mit welcher sie in dem strömenden Wasser aufsteigen.

Die Beschreibung der Anlage von Tunbridge Wells zeigt, dass diese Methode der Wasserhebung bereits eine ausgedehnte praktische Verwendung gefunden hat und in vielen Fällen grösseren Vorteil und mehr Bequemlichkeit bietet, als gewöhnliche Pumpen.

Dr. K.

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