Titel: Die elektrische Leitungsfähigkeit von Stahl
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 7 (S. 352)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi22_7

Die elektrische Leitungsfähigkeit von Stahl

betitelt sich ein in „Engineering“ vom 19. Februar 1904 wiedergegebener Vortrag vor dem American Institute of Mining Engineers (New York) von J. A. Capp. Die bemerkenswerten Untersuchungen des Vortragenden entsprangen dem Bedürfnis nach bestleitendem Stahl für die dritte Schiene elektrischer Bahnen. Sowohl Querschnitt als auch spezifische Leitungsfähigkeit der bisher aus Opportunitäts-Rücksichten verwendeten normalen ⊤-Schienen entsprechen nicht den Anforderungen, welche in elektrischer Beziehung an eine solche als Leiter dienende Schiene gestellt werden müssen. Es wird daher zur Vergrösserung des Querschnittes ein rechteckiges Profil vorgeschlagen und ein Stahl, dessen Beimengungen von Kohle, Mangan, Phosphor, Schwefel und Silicium derartig bemessen sind, dass zwar das Moment der Festigkeit, welches hierbei belanglos ist in den Hintergrund tritt, dafür aber ein Material erzielt werden soll, welches in Beziehung auf spezifische Leitungsfähigkeit und Wohlfeilheit ein Optimum aufweist. Es ist ja eine bekannte Tatsache, dass der elektrische Widerstand eines Metalles durch relativ geringe Verunreinigungen bedeutend beeinflusst wirdund so hat sich auch hier gezeigt, dass dies beim Stahl in hohem Maasse der Fall ist. So z.B. zeigen 45 Stahlproben mit wechselndem Gehalt an oben erwähnten Stoffen spezifische Widerstände, die von 23 bis 11 Mikrohm cm/qcm variiren. Die Zusammensetzung der Materialien, die diese Versuchsreihe begrenzen, sei hier angeführt:

C Mn P S S i Total-Nichteisen
0,33 v. H. 1,27 v. H. 0,09 0,05 0,05 1,79
0,05 0,19 0,054 0,059 0,03 0,383
Spec. Wast. Mikrohm cm/qcm
22,72
11,01

Die angeführten Kurven zeigen, dass im allgemeinen die Leitungsfähigkeit mit zunehmender Reinheit wächst.

Es werden dann noch die Untersuchungen mitgeteilt über den Einfluss des Mangans und der Kohle für sich und festgestellt, dass der Einfluss des Mangans ein überwiegend schädlicher ist, so dass der Mangangehalt bei Material für den in Rede stehenden Zweck bedeutend geringer gehalten werden muss, als dies bei gewöhnlichem Schienenmaterial der Fall ist, während alle übrigen der besagten Beimengungen in dem Prozentgehalt, wie sie in käuflichem Stahl vorkommen, fast einflusslos sind.

Zum Schluss macht der Verfasser Angaben über die Zusammensetzung eines Stahles, der bei 13,8 Mikrohm cm/qcm bei 20° C. allen gerechten Anforderungen genügen dürfte und zwar

C höchstens 0,15 v. H.
Mn 0,30
P 0,06
S 0,06
S i 0,05

Dieser Stahl soll gut walzbar sein, so dass eine Bearbeitung keine Schwierigkeiten bereiten würde, da sich derselbe sogar noch gut zu Blechen von 0,014 Zoll Dicke auswalzen liess.

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