Titel: Harters biegsame Dampfleitungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 1 (S. 366–367)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi23_1

Harters biegsame Dampfleitungen.1)

Bekanntlich leiden die gewöhnlichen Stopfbüchsen in Frischdampfleitungen, welche deren Ausdehnung und Zusammenziehung infolge von Temperaturänderungen aufnehmen sollen, an manchen Mängeln. Sie machen schwere und teure Verankerungen nötig und sind ohne Beeinträchtigung ihrer Wirksamkeit schlecht dichtzuhalten. Die ausserdem zu gleichem Zweck gebrauchten Doppelbogen, meist aus Kupfer oder anderem biegsamen Material hergestellt, werden sehr gross und teuer und sind namentlich aus dem ersteren Grunde im Schiffbau, wo man ja mit sehr beschränktem Raum zu rechnen hat, unbrauchbar, abgesehen davon, dass sie leicht hohe Spannungen in den Rohrleitungen und dadurch Undichtigkeiten in deren Verbindungen hervorrufen. Dem sucht Harter, Philadelphia, durch seine patentierten Kugelverbindungen abzuhelfen, von denen Fig. 1 bis 9 zwei Konstruktionen erläutern.

Fig. 1–4 stellen ein Universalgelenk dar, das Beweglichkeit in jeder beliebigen Richtung gestattet. Zwei Bolzen, die fest in das Kugelstück A geschraubt sind, sind durch Zapfen mit dem Stahlring CC verbunden und nehmen den ganzen Schub in Richtung der Leitung auf. Der Ring CC selbst ist um Zapfen D der Kugelpfanne B drehbar, die Achsen aller vier Zapfen schneiden sich im Mittelpunkt der Kugel.

Die Konstruktion Fig. 5 bis 7 gestattet grössere Bewegung nur in einer Richtung und zwar parallel zur Bildfläche von Fig. 6, indem sich die hier paarweise ausgebildeten Bolzen mit Hilfe eines Querstückes um Zapfen legen, die unmittelbar an der Kugelpfanne sitzen, während in der Ebene senkrecht dazu, Fig. 5, nur kleine Bewegungen dadurch möglich sind, dass die Zapfen kugelige Oberfläche erhalten haben. Fig. 8 und 9 geben den Einbau zweier Verbindungen der letztgenannten Art in eine Frischdampfleitung wieder, und es dürfte ohne weiteres ersichtlich sein, wie durch die grössere jener beiden Bewegungen die Ausdehnung der Rohrleitung selbst, durch die kleinere eine Ausdehnung des Kessels in senkrechter Richtung ausgeglichen werden soll.

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Als Vorteile der gekennzeichneten Konstruktionen sind zu betrachten:

Die in Richtung der Rohrachse auftretende Kraft wird unmittelbar aufgenommen, so dass alle für die Dichtheit der Verbindungen und der Rohre so schädlichen Spannungen aus der Leitung selbst ferngehalten werden.

Diejenigen Teile, welche zur Aufnahme dieser Kraft dienen, liegen vollkommen offen, können daher jeden Augenblick ohne weiteres auf ihren ordnungsgemässen Zustand geprüft werden, ferner haben diese Teile in keiner Weise zu der Dichtung der Verbindung beizutragen.

Tetxabbildung Bd. 319, S. 367

Diese Dichtung erfolgt dadurch, dass man kleine Nuten in der Kugelpfanne oder einer besonders eingesetzten Büchse anbringt, wie bei E (Fig. 1), in denen sich Wasser sammelt, sowie durch eine Stopfbüchse mit Weichpackung. Vorausgesetzt, dass das Kugelstück eine wirkliche Kugelgestalt hat, ist diese deshalb deicht dicht zu halten, weil der Packungsraum in radialer Richtung überall die gleiche Stärke hat, ein seitliches Spiel also nicht eintreten kann.

Schliesslich hat eine nach Fig. 8 und 9 verlegte Leitung nur in einer Ebene liegende Teile, alle vertikalen Krümmer usw. sind vermieden, so dass nennenswerte Wasseransammlungen an keiner Stelle eintreten können.

Die Konstruktionen sind in der britischen Marine bei mehreren Torpedobootzerstörern und neuerdings auch bei einem Kreuzer erster Klasse in Verwendung gekommen, gewiss ein beweis dafür, dass man gute Erfahrungen damit gemacht hat.

F. Mbg.

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Nach Engineering. 22. Jan. 1904.

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