Titel: Benoid-Gas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 3 (S. 367–368)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi23_3

Benoid-Gas.

Die Frage der zentralen Beleuchtung kleinerer Orte, oder aber grösserer, von Städten weit abliegender Gebäude, wie Villen, Restaurationen, Fabriken usw. beschäftigt schon seit langer Zeit eine grosse Anzahl von Beleuchtungstechnikern. Es kommt dabei hauptsächlich die Verwendung der Elektrizität, des Azetylens und der karburierten Luft, des sog. Luftgases in Frage. Während nun, wenn nicht besonders günstige Verhältnisse für billige Besorgung der Betriebskraft vorliegen, die hohen Kosten der elektrischen Beleuchtung ihre Anwendung nicht immer rätlich erscheinen lassen, spricht gegen die Beleuchtung mit Azetylen der Umstand der recht erheblichen Feuergefährlichkeit, sowie die verhältnismässig häufigen Explosionen bei Verwendung dieses Gases. Die Anwendung des Luftgases ist auch noch zu keiner erheblichen Bedeutung gelangt, wohl hauptsächlich infolge der Mängel, der zu seiner Herstellung konstruierten Apparate. – |368| Das Prinzip der Fabrikation von Luftgas beruht darauf, dass man atmosphärische Luft mit Dämpfen leichtflüchtiger Substanzen etwa Benzol, Benzin usw. beladet und das so erhaltene Gemisch zur Verbrennung bringt. Die Nachteile der meisten gebräuchlichen Apparate bestanden hauptsächlich darin, dass sie nicht ein Gas von annähernd gleichbleibender Heiz- und Leuchtkraft lieferten, so dass Schwierigkeiten bezüglich der verwandten Brenner auftraten. Ein anderer Nachteil war der, dass das oft mit Dämpfen der verwandten Flüssigkeit, etwa Benzol oder benzinartige Kohlenwasserstoffe, bei höherer Temperatur gesättigte Gemisch, beim Abkühlen auf gewöhnliche Temperatur einen Teil der Dämpfe in tropfbar flüssiger Form abscheidet, wodurch besonders im Winter leicht Veranlassung geboten werden kann, dass sich die Rohrleitung ganz oder teilweise zusetzt. Diese Nachteile zeigt das mit dem von Thiem & Löwe in Halle konstruierten „Benoid-gasapparat“ (Fig. 1), dessen Beschreibung wir „Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen No. 642, 1904“ entnehmen, hergestellte Gas nicht. Der Apparat, der ebenso sinnreich wie zweckmässig ausgeführt ist, verwendet zur Herstellung des Luftgases das sog. „Hexan“, das bei der Destillation des Rohpetroleums erhaltene Flüssigkeitsgemisch, welches ein spezifisches Gewicht von 0,640 bis 0,720 zeigt. Die Mengen des zur Verdampfung gebrachten Hexans werden so bemessen, dass die karburierte Luft noch ziemlich weit von der Sättigungsgrenze entfernt ist, so dass auch bei Temperaturerniedrigung an eine Kondensation von Flüssigkeit nicht zu denken ist. Die Erfahrung lehrte, dass 250 g auf 1 cbm Luft auch in der Kälte mit Leichtigkeit verdampft werden und dass sich diese Mischung, sowohl was Betriebssicherheit als auch Wirtschaftlichkeit anbetrifft, als sehr vorteilhaft erwies. – Die Einrichtung der Apparatur ist die folgende. Ein durch ein Gewicht betätigtes Gebläse drückt Luft durch eine Gasuhr, mit deren Achse ein Becherwerk gekuppelt ist, welches entsprechend der durch die Uhr gegangenen Luft Hexan in die Karburiervorrichtung bringt, wo sich die Luft mit den Dämpfen der Flüssigkeit beladet und dann nach dem Passieren eines kleinen als Regulator dienenden Gasometers in die Leitung tritt. Wird dieser kein Gas entnommen, so hebt sich der Gasometer und betätigt hierbei mittels Hebelübersetzung eine Stahlbandbremse, die die Wirkung des Gewichtes aufhebt. Sinkt dann der Gasometer infolge Gasentnahme, so wird das Triebwerk wieder freigegeben und die Gaserzeugung setzt selbsttätig wieder ein. Die Bedienung, die die Apparate verlangen, ist eine sehr geringe; Nachfüllen des Hexans und Aufziehen des bei grösseren durch Motoren zu ersetzenden Gewichtes, was ohne Betriebsunterbrechung geschehen kann, ist alles, dessen es bedarf. Die Betriebskosten sind nicht erheblich; 1 cbm Gas kostet rund 10 Pfg. und die Anlagekosten sind gering. Es würde sich beispielsweise eine Anlage für einen Bedarf von 1000 Flammen die Anschaffungskosten für Apparate einschliesslich der Errichtung der Gebäude auf rund 25000 M. belaufen; eine Anlage für 20 bis 30 Flammen kostet rund 700 M. – Die Kosten für 50 Hefnerlichtstunden werden mit 1,2 Pfennig angegeben.

Textabbildung Bd. 319, S. 368

Dr. Hgr.

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