Titel: Greens Ausgleichventil.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 2 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi25_2

Greens Ausgleichventil.1)

Die Schwierigkeiten, welche durch Absperrventile normaler Konstruktion in Frischdampfleitungen von grossem Durchmesser verursacht werden – einsitzige Ventile werden unhandlich, |400| zweisitzige sind schwer dauernd dicht zu halten, – haben Green zur Konstruktion seines patentierten Ausgleichventils geführt, das durch die Firma Holden & Brooke, Manchester hergestellt wird. Es besteht, wie aus den Fig. 1 bis 3 ersichtlich ist, aus zwei Ventilen, von denen das grössere M durch den Dampfdruck auf seinen Sitz gepresst wird, während er das kleinere L zu öffnen bestrebt ist. Die Spindeln beider Ventile sind gelenkig mit Hebeln verbunden, deren feste Stützpunkte so gelegt wurden, dass bei entgegengesetzt gerichteter Bewegung der Hebel die Ventile entweder beide gehoben oder beide gesenkt werden. An den freien Enden sind die Hebel als Schraubenmuttern, der eine mit links-, der andere mit rechtsgängigem Gewinde ausgebildet, durch die eine gemeinsame, an einem Ende mit Handrad versehene Spindel geht.

Textabbildung Bd. 319, S. 400
Textabbildung Bd. 319, S. 400
Textabbildung Bd. 319, S. 400

Nehmen wir an, beide Ventile seien geschlossen (Fig. 1). Bei Linksdrehung des Handrades wird zunächst das obere Ventil infolge des auf ihm lastenden Dampfdruckes geschlossen bleiben, das untere sich heben, bis der Hebel sich gegen einen Anschlag am Gehäuse legt (Fig. 2). Fährt man nun mit Drehen des Handrades im gleichen Sinne fort, so muss jetzt Heben des oberen Ventiles M erfolgen, bis dieses in seine höchste Lage gelangt ist, womit dann weiteres Drehen des Handrades unmöglich wird. (Fig. 3.)

Unsere Quelle spricht der Konstruktion die folgenden Vorzügegegenüber normal gebauten Absperrventilen zu:

Die Oeffnung des kleinen Ventils ist mit einer grösseren Kraftanstrengung nicht verbunden, und das gleiche gilt auch bei bei dem grösseren, da dieses erst dann in Bewegung gesetzt wird, wenn der Druck über und unter ihm, sich wenigstens zum grössten Teile, ausgeglichen hat.

Gewöhnliche Doppelsitzventile werden bekanntlich meist durch Ausdehnung infolge der Temperaturveränderung undicht, da ja bei diesen die Entfernung der beiden Kegel unbedingt immer gleich der der beiden Sitze bleiben muss, wenn dauernde Dichtheit erzielt werden soll. Das fällt bei der Greenschen Konstruktion fort, da die beiden Ventile vollständig unabhängig voneinander sind.

Die zum Oeffnen und Schliessen des Ventils erforderliche Zeit ist sehr kurz, z.B. genügen 12 Umdrehungen des Handrades bei einem Ventil für eine Leitung von 250 mm Durchmesser. Das kleine Ventil kann allein geöffnet werden, was dann z.B. von Vorteil ist, wenn kleine Dampfmengen zum Manövrieren und dergleichen gebraucht werden.

Die Ventile schlagen nicht, selbst wenn sie nur ganz schwach geöffnet sind, während das bei allen sonstigen entlasteten Ventilen unvermeidlich ist. Die Lage des Dampfein- und Auslasstutzens kann ganz beliebig nach den jeweilig vorliegenden örtlichen Verhältnissen gewählt werden.

F. Mbg.

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Engineering 19, II. 1904.

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