Titel: Die Magnetit-Bogenlampe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 2 (S. 542–543)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi34_2

Die Magnetit-Bogenlampe.

In jüngster Zeit ist man bestrebt, die Lichtwirkung der Bogenlampe dadurch zu verbessern, dass man den bisher wenig ausgenutzten Lichtbogen selbst zur Leuchtwirkung heranzieht, indem man die Kohlenelektroden mit gewissen Metallsalzen, hauptsächlich] Kaliumverbindungen, imprägnierte, welche bei der hohen Temperatur der Elektroden verdampfen, den Lichtbogen färben und so seine Leuchtwirkung erhöhen. Diese Lampen haben indessen verschiedene Nachteile, welche hauptsächlich darin bestehen, dass sie wegen der auch nach aussen hin sich bemerkbar machenden Verdampfung nicht in geschlossenen Räumen verwendet werden können und dass sie ein mehr oder weniger rötlich gelbes Licht liefern, welches sich hauptsächlich nur für dekorative Zwecke eignet, dem Tageslicht aber sehr unähnlich ist.

Um diese Methode zur Verbesserung des Bogenlichtes zu studieren, wurde bei der General Electric Company vor einigen Jahren ein elektrochemisches Laboratorium eingerichtet, und eines der Resultate dieses Laboratoriums ist die Magnetit-Bogenlampe, über welche Charles Proteus Steinmetz in Electrical World and Engineer Vol. X L III No. 21 berichtet.

Verfasser setzte sich das Ziel, eine Bogenlampe zu konstruieren von sehr langer Brenndauer, hoher Wirtschaftlichkeit und weissem Licht, dessen Strahlen ungefähr gleichförmig über das ganze Spektrum verteilt sind. Er fand durch sorgfältige Versuche mit verschiedenen Elektrodenmaterialien, dass die Materie, welche die Lichtbogenflamme unterhält, von der negativen Elektrode ausgeht wie eine Gebläseflamme von ausserordentlich hoher Geschwindigkeit, welche, wenn sie die positive Elektrode trifft, durch die Energie des Stosses Hitze erzeugt; ist die Elektrode schlecht leitend, so kann diese Hitze nicht abgeleitet werden; |543| die positive Elektrode wird also wärmer als die negative. Dies ist der Fall in der gewöhnlichen Kohlenbogenlampe und deshalb brennt auch die positive Elektrode schneller ab. Ihre höhere Temperatur ist auch der Grund, weshalb die bogenfärbenden Substanzen dieser einverleibt werden, weil eben die höhere Temperatur eine bessere Verdampfung gewährleistet. Im Grunde genommen, speist also nicht die positive Elektrode, wie allgemein angenommen, den Bogen, sondern die negative vermittels der positiven; auch ist das Bogenspektrum dasjenige der negativen Elektrode ausser in den Fällen, wo Substanzen von niedrigerem Siedepunkt als der Temperatur des Lichtbogens entspricht, in den Bogen eingeführt werden.

Wird nun die positive Elektrode gross genug gemacht und gut leitend, so nutzt sie sich nicht nur nicht ab, sondern es lagert sich sogar Materie von der negativen Elektrode auf ihr ab; man muss also die Grösse und Leitungsfähigkeit so wählen können, dass keine Abnutzung und keine Ablagerung stattfindet. Dies geschieht in der Magnetit-Bogenlampe, in welcher die positive Elektrode durch einen geeignet bemessenen Kupferstab gebildet wird, der der Abnutzung nicht unterworfen ist. Als negative Elektrode erwies sich Magnetit, das schwarze Eisenoxyd (Magneteisenstein) am vorteilhaftesten, da es die Bogenflamme gut unterhält, ein vorzüglicher Leiter ist, hohen Temperaturen widersteht, sehr häufig in der Natur vorkommt und einen weissen Lichtbogen von grosser Lichtstärke erzeugt.

Bei reinem Magnetit war der Verbrauch i. d. Stunde ⅛ Zoll (3,2 mm). Um diesen noch weiter herabzudrücken wurde das Magnetit einem teilweisen Reduktionsprozess unterworfen, wodurch es dichter wird und noch langsamer verbrennt. Besser noch bewährte sich der Zusatz von inaktiven Stoffen, die die Verbrennung zurückhalten, und es wurde auf diese Weise mit kleinen Opfern in der Oekonomie eine Brenndauer von 150 bis 200 Stunden für 8 Zoll (203 mm) lange Elektroden erzielt. Auf weitere nicht erhebliche Kosten der Oekonomie soll sich eine Brenndauer von 500 bis 600 Stunden für derartige Elektroden erzielen lassen, d.h. die Elektrode einer solchen Bogenlampe würde ungefähr dieselbe Lebensdauer wie eine Glühlampe besitzen. In der Magnetitlampe geht alles Licht vom Bogen aus, welcher eine Länge von ¾ bis 1⅛ Zoll (19 bis 29 mm) besitzt.

Leider wird über die Lichtstärke und ihr Verhältnis zur aufgewendeten Energie nichts erwähnt, so dass man über die Oekonomie dieser Lampe völlig im Unklaren bleibt. Die ganz zwecklosen Abbildungen wären besser durch diesbezügliche Tabellen ersetzt worden.

Dr. K

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