Titel: Zuschrift an die Redaktion!
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 2 (S. 704)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi44_2

Zuschrift an die Redaktion!

(Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion).

Diesel-Motor.

Die Notiz des Herrn Dr. K Schreber auf S. 479 Ihrer geschätzten Zeitschrift „Dinglers Polytechnisches Journal“ vom 23. Juli 1904 unter der Ueberschrift „Die neueren Kraftmaschinen, ihre Kosten und ihre Verwendung“ von Otto Marr enthält die Bemerkung:

„Dass hierbei Diesel sehr gut wegkommt, ist wohl zum grössten Teil darin begründet, dass Leipzig in unmittelbarer Nähe des Vertriebsortes des für die Dieselmaschine günstigsten Brennstoffes, des Paraffinöles liegt. In grösserer Entfernung von Halle wird der Preis wohl höher sein.“

Wir gestatten uns daraufhin nachstehendes anzuführen:

In dem fraglichen Werk von Herrn Otto Marr ist der Preis für Paraffinöl mit M. 8.25 f. d. 100 kg angegeben; derselbe beträgt seit Anfang dieses Jahres M. 7.50 f. d. 100 kg, sowohl für grosse wie für kleine Bezüge. Die Verfrachtung erfolgt nach Spezialtarif III und kosten sonach 100 kg frei Bahnhof Augsburg M. 7.50 + M. 1.12 Fracht = 8.62.

Paraffinöl hat einen Entflammungspunkt von über 130° C und kann deshalb überall ohne Gefahr in beliebigen Mengen gelagert werden.

In erdölreichen Ländern, wie Amerika, Russland, Oesterreich, Rumänien usw., ferner auch in solchen Ländern, in denen kein oder nur geringer Einfuhrzoll auf schwere Mineralöle besteht, wie England, Belgien, Schweiz, Dänemark, Schweden, Balkanländer usw. ist der Preis für geeigneten Brennstoff zum Betrieb des Diesel-Motors noch viel geringer; z.B. in England kostet Rohöl nur etwa M. 3.50 f. d. 100 kg, bei grossen Bezügen noch weit weniger.

Die angegebenen Brennstoffverbrauchsziffern enthalten einen Garantiezuschlag von 10 v. H. Nach allen bisherigen Messungen verbraucht der Diesel-Motor im praktischen Betrieb erheblich weniger Brennstoff als garantiert. Es ist nachgewiesen, dass der Diesel-Motor schon in Deutschland noch billiger arbeitet, als in dem Werk des Herrn Marr angegeben und sonach in demselben keineswegs zu gut wegkommt.

Augsburg, 28. Juli 1904.

Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und

Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A. G.

Marr gibt S. 34 den Preis von 100 kg Oel ab Werk zu 8,25 M. und setzt S. 48 den Preis an der Leipziger Verbrauchsstelle mit 9,50 M. in Rechnung, welcher Preis ungefähr mit dem mir gelegentlich der Städte-Ausstellung im vorigen Jahre hier genannten Preis von rund 10 M. bis auf den Hof übereinstimmt.

Der Unterschied zwischen 8,25 M. ab Werk und 9.50 M. an der Leipziger Verbrauchsstelle ist also wesentlich auf Anfuhr zu rechnen, die überall ähnliche Kosten verursacht. Nehmen wir nun irgend einen Hafen der deutschen Ostseeküste, die im Mittel 500 km von Halle und dem Erzeugungsgebiet des Paraffinöles entfernt sind, dann haben wir, da nach Marr (S. 62) die Fracht für 500 km 1,22 M. beträgt (Augsburg gibt die Fracht im Brief noch höher) einen Preis von rund 10,75 M. an der Verbrauchsstelleanzusetzen. Andererseits sind in den Ostseehäfen der englische Anthrazit sowohl wie die schlesischen Steinkohlen billiger als in Leipzig wegen der infolge der Schiffsfracht billigeren Transportkosten. Während also für die Dieselmaschine die Kosten des Brennstoffes wesentlich höher sind als in Leipzig, sind sie für Dampfmaschinen und Sauggasmotoren billiger. Marr war somit nicht berechtigt, sich beim Vergleich der verschiedenen Maschinengattungen nur auf seinen Wohnort Leipzig zu beschränken und das in meiner Besprechung hervorzuheben, hielt ich für meine Pflicht.

Dass während der Drucklegung des Marrschen Buches der Preis für Paraffinöl heruntergesetzt ist, ist für die Verfertigerin der Zugmaschinen zwar recht vorteilhaft, darf mich aber zu keinem Vorwurf für Marr veranlassen. Will die Augsburger Maschinenfabrik diese Preisherabsetzung bekannt machen, so wird der Verleger von „D. p. J.“ ihr jedenfalls gern den Anzeigenteil zur Verfügung stellen. An meiner Besprechung von Marr eine Aenderung vorzunehmen, fühle ich mich nicht veranlasst.

Dresden, August 1904.

Dr. K Schreber.

Zur Begründung unseres Standpunktes, dass der Diesel-Motor in der Betriebskosten-Aufstellung von Marr nicht zu gut wegkommt, ist noch folgendes anzuführen:

Die Kosten an der Leipziger Verbrauchsstelle sind mit M. 9.50 f. d. 100 kg schon in dem Marrschen Werke zu hoch angegeben; dieselben haben bis Februar 1904 M. 8.63 f. d. 100 kg betragen, wie die nachfolgende Berechnung ergibt:

Preis ab Erzeugungsgebiet Halle a. S. M. 8,25
Frachtkosten nach Leipzig 33 km Spez.-Tar. III 0,20
Anfuhr vom Bahnhof zur Verwendungsstelle 0,18
––––––––
M. 8,63

Für 500 km von Halle a. S. entfernte Orte ergibt sich:

Preis ab Erzeugungsgebiet Halle a. S. M. 8,25
Fracht für 500 km Spez.-Tarif III 1,22
Anfuhr vom Bahnhof zur Verwendungsstelle 0,18
––––––––
M. 9,65

und nicht M. 10.75, wie von Herrn Dr. Schreber berechnet.

Dass sich die Kosten des Paraffinöles im Verhältnis der Frachtkosten für näher oder weiter entfernte Verbrauchsorte ändern, ist wohl ohne weiteres klar.

Die von uns angegebenen Frachtkosten sind amtlichen Angaben entsprechend.

Die angenommenen Anfuhrkosten von 18 Pfg. f. d. 100 kg sind tatsächlichen Verhältnissen entnommen und eher zu hoch, als zu niedrig.

Unsere vorstehenden Angaben beziehen sich auf Waggonbezug, denn tatsächlich werden 9/10 des Bedarfes an Paraffinöl für Dieselmotoren in Kesselwagen bezogen; dass seit Februar 1904 der Preis für Paraffinöl ab Halle von M. 8.25 auf Mk. 7.50 ermässigt wurde, ist in vorstehendem ausser Berücksichtigung geblieben.

Augsburg, 3. September 1904.

Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und

Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A. G.

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