Titel: Neue gepanzerte Schnellrotationsapparate aus Ton.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 2 (S. 782–783)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi49_2

Neue gepanzerte Schnellrotationsapparate aus Ton.

Nachdem es gelungen war, Schnellrotationsapparate (Exhaustoren, Ventilatoren, Zentrifugalpumpen) aus Ton herzustellen, trat das Bedürfnis nach erhöhter Leistungsfähigkeit mehr und mehr hervor. Nun konnte die Leistungsfähigkeit zwar durch genaueres Arbeiten und dadurch dichteres Anliegen der rotierendenTeile an den feststehenden gesteigert werden, trotzdem kam man aber um die Vergrösserung der Umdrehungsgeschwindigkeit nicht herum. Räder aus mit besonderer Sorgfalt gemischtem und fehlerfrei gebranntem Ton vermögen erhebliche Umdrehungsgeschwindigkeiten zu ertragen, z.B.

Bei 40 cm Durchm. 2700 Umdrehung i. d. Min.
60 2000
80 1500

Diese Geschwindigkeiten übertreffen die Normalgeschwindigkeit um etwa 50 v. H. und werden als Prüfungsgeschwindigkeit angewendet. Hierbei hat sich ergeben, dass Schnellläuferräder, wenn sie 24 Stunden lang mit den angegebenen erhöhten Geschwindigkeiten gelaufen haben, später durch die infolge der normalen Geschwindigkeit erzeugten Zentrifugalkraft nicht mehr auseinanderfliegen.

Angewendet werden solche schnellaufende Räder sowohl in Zentrifugalpumpen für Flüssigkeiten als auch in Ventilatoren (Exhaustoren) für Gase.

Bei Zentrifugalpumpen wird durch das Hochfördern der Flüssigkeit auf die rotierenden Scheiben ein Druck ausgeübt, der proportional der Höhe und dem spezifischen Gewicht der zu hebenden Flüssigkeit ist. Dieser Druck lastet naturgemäss auch auf der Aussenwand der Zentrifugalpumpe. Da diese nun, soweit Zentrifugalpumpen für Säuren in Betracht kommen, eben falls aus Ton sein muss, so entstand die Aufgabe, bei Erzeugung dieser Pumpen Sicherheit zu schaffen, dass der äussere Mantel vom inneren Druck nicht gesprengt werde. Zu diesem Zweck werden Zentrifugalpumpen, namentlich für hohen Druck, nach dem patentamtlich geschützten Verfahren der Deutschen Ton- und Steinzeug-Werke, A.-G., Charlottenburg, mit einem aussen umgelegten, aus Gusseisen bestehenden Panzermantel versehen, welcher durch genügendes Zusammenschrauben den von innen nach aussen herrschenden Druck paralysiert. Diese Anordnung ist namentlich auch für solche Fälle vorteilhaft, wo nach Stillstellen der Zentrifugalpumpe die in der Leitung stehende Säure, falls kein Rückschlagventil in der Steigleitung vorhanden ist, nunmehr in ihrer vollen Höhe auf dem Gehäuse ruht und dieses dauernd beansprucht.

Da die Mäntel mit der Säure nicht in Berührung kommen, so halten sie ausserordentlich lange Zeit und haben sich vorzüglich bewährt.

Auch bei den Exhaustoren bedeutet die Ummantelung der Gehäuse einen wesentlichen Fortschritt. Wenn auch hier der innere Druck durch das bewegte Gas keine so grosse Rolle spielt dass seinetwegen eine Panzerung notwendig wäre (der höchste durch Tonventilatoren erzeugte Druck beträgt etwa 15 cm Wassersäule, wogegen ein gewöhnlicher Exhaustorenmantel aus Ton unter allen Umständen genügende Sicherheit bietet) so tritt doch hier besonders die Frage der Betriebssicherheit in den Vordergrund. Die normalen Umdrehungszahlen für die im Handel befindlichen

Tonexhaustoren von 40 60 80 cm Flügelraddurchmesser
Sind 1800 1200 1000 Falls einmal durch das

Hineingeraten von festen Stoffen in solche Exhaustoren der Grund zum Auseinanderfliegen gegeben sein, oder durch einen unvorsichtigen Betrieb Grund zum Springen vorliegen sollte, so ist durch einen gusseisernen Panzermantel jede Gefahr für Menschenleben und in der Nähe des Exhaustors befindliche Materialien durchaus ausgeschlossen. Der Mantel schliesst sich von aussen her fest an das Tongehäuse an, der Zwischenraum ist durch einen geeigneten Kitt ausgegossen, und die beiden Metallhälften sind fest mit einander verschraubt und mit der Grundplatte zusammen montiert. Sollte trotzdem ein Auseinanderfliegen des |783| Rades eintreten, so kann nur der innere Tonmantel zerspringen. Ein Auseinanderfliegen des Apparates ist nicht mehr möglich.

Die Tonexhaustoren sind wegen ihrer ausschliesslichen Benutzung von säurefestem Ton für alle Zwecke, wo Säuregase befördert werden sollen, ausserordentlich stark in der chemischen Industrie eingeführt und zwar nicht nur in der Pulverindustrie zum Absaugen der nitrosen Gase aus den Nitrierhäusern, Nitrierzentrifugen und Nitrierkapellen, sondern auch bei Beizereien, in Schwefelsäurefabriken, Salzsäurefabriken zum Entlüften von Räumen, in denen giftige und gesundheitschädliche Gase entstehen, in Chlorkalkfabriken zum Einführen des Chlors in die Kammern und dergl. Auch die gepanzerten Exhaustoren sind gesetzlich gegen Nachahmung geschützt.

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