Titel: Druck- und Saugpumpe „Hydraulik“.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 3 (S. 783–784)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi49_3

Druck- und Saugpumpe „Hydraulik“.

In chemischen Fabriken, die Säure erzeugen oder weiter verarbeiten, bedeutet die Bewegung von Säuren oder Gas durch Drücken oder Absaugen einen wichtigen Zweig des Fabrikationsbetriebes. Mittels Dampf betriebene Injektoren haben Verdünnung der Säure im Gefolge, die Bewegung wird daher in der Hauptsache durch Montejus oder Pumpen bewerkstelligt.

Textabbildung Bd. 319, S. 783

Manche Betriebe, bei denen die verarbeiteten Säuren gewisse Metalle nicht angreifen, können mit Metallpumpen, z.B. mit Blei für Schwefelsäure, auskommen, evtl. können auch Pumpen aus anderen Materialien, wie z.B. Hartgummi für Salzsäure, zur Anwendung gelangen. Bevorzugt müssen aber immer Pumpen aus solchen Materialien werden, die gegen Säuren aller Art eine in ihrem Material begründete Widerstandsfähigkeit besitzen. Als solche werden in den meisten Fällen Tonpumpen gebraucht. Für Flüssigkeiten sind Tonpumpen seit längerer Zeit bekannt. Sie wurden zuerst von der Firma Ernst March Söhne in Charlottenburg in den Handel gebracht und haben sich in den etwa 20 Jahren seit ihrer Einführung gut bewährt. Sie sind nach Art der Plungerpumpen konstruiert, wobei alle Teile, die mit der Säure in Berührung kommen, das Gehäuse, der Kolben, die Ventile und die Stopfbüchsen aus Ton hergestellt sind.

Die Ventile waren früher Plattenventile. Seit einer Reihe von Jahren werden aber die Pumpen nur noch mit Kugelventilen gebaut. Letztere haben sich infolge der Drehbarkeit beim Spielen viel besser bewährt als die Plattenventile, die nur von obennach unten gehen konnten und sich daher, sobald sie eine schiefe Lage einnahmen, leicht festklemmten. In der neuesten Zeit werden die Tonpumpen auch mit abnehmbaren Ventilen geliefert, so dass beim Bruch eines einzigen Ventils nicht gleich der ganze Pumpenkörper erneuert zu werden braucht, sondern der Ersatz durch ein Reserveventil leicht bewerkstelligt werden kann.

Erwähnt mag noch sein, dass die Stopfbüchsen durch ein geeignetes Material wie graphitierter Asbest, Gummiringe, Talg und Hanf und dergl. abgedichtet werden.

Eine Erweiterung haben nun diese Pumpen dadurch gefunden, dass sie auch zum Saugen und Drücken von Gasen benutzt werden. Kolbenpumpen aus dem spröden und zur nachträglichen Bearbeitung wenig geeigneten Tonmaterial anzufertigen, ist vorläufig noch nicht gelungen. Man ist daher einstweilen auf die Verwendung von Plungerpumpen angewiesen. Bei ihnen ist der Kolben bekanntlich nur oben in der Stopfbüchse abgedichtet. Zwischen Kolben und Gehäuse bleibt ein Zwischenraum, der sog. schädliche Raum. Er macht sich bei Gasen besonders unangenehm fühlbar, da alle Gase stark komprimierbar sind.

Man hat damit zu rechnen, dass das zu fördernde Gas den vom Kolben freien Raum des Gehäuses ausfüllt, und dass beim Arbeiten der Pumpe diese ganze Gasmenge erst auf den Druck zusammengepresst werden muss, der in dem Druckbehälter herrscht, in den das Gas hineingepresst werden soll, ehe das Druckventil sich überhaupt öffnet. Bei geringeren Drucken tritt der „schädliche Raum“ hierbei nicht so stark in die Erscheinung, sobald aber ein einigermassen erheblicher Druck herrscht, z.B. schon bei zwei Atm., fängt das Ventil erst sehr spät an zu spielen und der Wirkungsgrad der Pumpe wird ausserordentlich stark herabgesetzt. Aehnlich ist es beim Saugen. Die Beseitigung dieses Mangels ist den Deutschen Ton- und Steinzeug-Werken, Aktien-Gesellschaft, Charlottenburg, nun dadurch gelungen, dass bei ihren Pumpen (s. Figur) der „schädliche Raum“ durch ein unzusammendrückbares Medium, also durch irgend eine für das betreffende Gas indifferente Flüssigkeit ausgefüllt wird. Derartige Druck- und Saugpumpen für Gas nach dem Plungersystem in Ton hergestellt, erzeugen jetzt ein Vakuum bis zu 68 cm Quecksilbersäule und einen Druck bis 3 Atm. Es liegt aber kein Grund vor, die Pumpen für höhere Drucke noch stärker zu bauen. Die Konstruktion dieser Pumpen ist folgende:

An das eigentliche Pumpengehäuse für den Plungerkolben schliesst sich ein zweites Gehäuse für die Ventile an. Das Druckventil liegt über dem Saugventil. Beide sind so dicht wie möglich zusammengedrängt im oberen Teil angeordnet. Beide Gehäuse sind mit der indifferenten Flüssigkeit, die aus Schwefelsäure, Wasser, Oel und dergl. bestehen kann, gefüllt. Beim Herausgehen saugt der Kolben diese Flüssigkeit nach, das Ventilgehäuse entleert sich von dieser Flüssigkeit, das Säugventil wird geöffnet und das zu saugende resp. zu pressende Gas tritt in das Ventilgehäuse ein. Beim Hineingehen in das Gehäuse presst der Kolben die Flüssigkeit wieder aus dem Plungergehäuse heraus, die Flüssigkeit tritt in das Ventilgehäuse zurück, schiebt das Gas vor sich her und drückt es zum Druckventil hinaus. Die Menge der Flüssigkeit ist nun so bemessen, dass sie nicht nur den schädlichen Raum in dem Plungergehäuse, sondern, wie gesagt, auch das ganze Ventilgehäuse bis oben hinauf zum Druckventil vollkommen ausfüllt. Hierdurch ist der „schädliche Raum“ völlig beseitigt, das Saugventil öffnet sich schon zu Beginn der Saugperiode und infolgedessen ist auch der Wirkungsgrad der Pumpe der höchstmögliche.

Um nun mit Sicherheit immer genügend Flüssigkeit, die also gleichsam einen „flüssigen Kolben“ bildet, in der Pumpe zu haben, kann man die Flüssigkeit bis über das Druckventil einfüllen. Die überspritzende Flüssigkeit wird dann durch einen Flüssigkeitsfänger sofort wieder aufgenommen und in den Pumpenkörper zurückleitet, so dass das Gas trotzdem ohne mitgerissene Flüssigkeitsteilchen weiterströmt. Auch bei dieser Art der Konstruktion sind selbstverständlich alle Teile, die mit der Säure in Berührung kommen, aus Ton hergestellt.

Im übrigen werden diese Pumpen einfach und doppeltwirkend |784| gebaut, wobei sich die doppeltwirkenden Pumpen natürlich als die für den Betrieb bequemeren erwiesen haben, da sich durch das abwechselnde Ein- und Ausströmen eine sehr grosse Gleichmässigkeit besonders in dem Saug- und Druckstrom der Gase einstellt. Die Pumpe findet Verwendung als Vakuumpumpe beimDestillieren, ferner zum Absaugen von Chlor und anderen Gasen, die durch die modernen elektrolytischen Betriebe gewonnen werden und zum Drücken als Einpresspumpen für saure metallangreifende Gase in Absorptionsbottiche oder zum Komprimieren von Gas zu anderen Zwecken und dergl.

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