Titel: Spannungsregulierung in ausgedehnten Kraftübertragungsanlagen mittels Tyrrell-Regulatoren und Synchronmotoren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1904, Band 319/Miszelle 2 (S. 800)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj319/mi319mi50_2

Spannungsregulierung in ausgedehnten Kraftübertragungsanlagen mittels Tyrrell-Regulatoren und Synchronmotoren.

Der Tyrrell-Regulator (E. T. Z. 1903, S. 795) wirkt in der Weise, dass ein im Erregerkreis der Erregermaschine liegender Widerstand fortwährend kurzgeschlossen und wieder eingeschaltet wird. Dies geschieht durch die Zunge eines Steuerapparates, der durch ein an das zu regulierende Netz angeschlossenes Relais betätigt wird. Das Relais wird hauptsächlich von der Netzspannung, zum Teil auch vom Netzstrom beeinflusst. Die Frequenz des Spieles der Zunge schwankt zwischen 50 und 1000 i. d. Sekunde. Durch die veränderte Netzspannung wird die Zeitdauer des Kurzschlusses entsprechend abgeändert. Steigt die Spannung, so bleibt der Widerstand etwas länger eingeschaltet; sinkt sie, bleibt er etwas länger kurzgeschlossen. Da es sich bei dem Spiel der Zunge nur um Bruchteile einer Sekunde handelt, erfolgt die Regulierung ausserordentlich schnell.

Dieser hervorragende Regulator wird nun dazu verwendet, die Erregung eines Synchronmotors zu beeinflussen, der an einen bestimmten Punkt der Leitungsanlage angeschlossen ist. Wird nämlich der Synchronmotor übererregt, dann wird ein voreilenderStrom von grösserer Stärke erzeugt; bei normaler Erregung ist die Phasenverschiebung gleich Null und der Strom ein Minimum. Bei schwächerer Erregung tritt Phasennacheilung des Strome ein. (K-Kurve.) Als Synchronmotoren werden in Unterstationen mit Reserve-Generatoren diese benutzt, indem man sie von ihrer Antriebsmaschine loskuppelt. Wenn eine Reservemaschine nicht vorhanden ist, so ist die Aufstellung von besonderen Synchronmotoren empfehlenswert. Diese können verhältnismässig klein dimensioniert werden. Es wird angegeben, dass man mit einem Synchronmotor von etwas mehr als ½ der Kapazität der Unterstation bei einem Leistungsfaktor von cos φ = 0,8 eine 20 v. H. Regulierung erreicht. Der Leistungsfaktor wird durch den voreilenden Strom von 0,8 auf 0,9 verbessert. Bei 20 v. H.-Regulierung arbeitet der Tyrrell-Regulator auf einen mittleren Leistungsfaktor von 0,9; bei 10 v. H. auf cos φ = 0,95, damit er nach beiden Seiten einen Regulierspielraum behält. (Würde bei cos φ = 1 am Synchronmotor die Spannung noch steigen, so könnte sie nicht mehr herunterreguliert werden; die Rückwirkung des Netzstromes auf die Primärmaschine ist dabei nicht berücksichtigt.)

In einer 167 km langen Kraftübertragungsanlage erzeugte ein 300 PS-Aufzugsmotor sehr bedeutende Schwankungen in der Lichtstärke der Lampen; nach Anbringung der beschriebenen Reguliermethode sind die Schwankungen fast völlig verschwunden.

E. T. Z. 1904, S. 923.

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