Titel: Elektrischer Vollportalkran mit Selbstgreifer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 86–88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322030

Elektrischer Vollportalkran mit Selbstgreifer der Maschinenfabrik Joh. Wilh. Spaeth auf der Bayrischen Landesausstellung in Nürnberg 1906.

Von K. Drews, Ingenieur.

(Schluß von S. 68 d. Bd.)

Drehwerk. Das Drehen des Kranes wird durch einen Elektromotor bewirkt, der bei 630 minutlichen Umdrehungen 8 PS leistet.

Er treibt mittels eines Schneckengetriebes ein Ritzel an, das mit dem festen Zahnkranz kämmt (Fig. 3).

Die Gesamtübersetzung beträgt 1 : 304.

Rädertabelle des Drehwerkes.


Vorgelege

Teilung in
mm

Zähnezahl
Teilkreis-
durchm. in
mm
Zahn-
breite
in mm
Schnecke
Schneckenrad
t = 31,75 2gängig
48

485
Ritzel
Zahnkranz
16 π 12
152
192
2432
120
100

Die vier zylindrischen Laufrollen haben einen Durchmesser von 400 mm.

Auf der Schnecken welle sitzt eine Keilnutenbackenbremse, die durch das Pedal u und Gestänge v betätigt wird.

Ist der Kran außer Betrieb, so kann das Drehwerk festgebremst werden, indem man die Oese w über das Pedal legt.

Motor- und Schneckenwelle sind durch eine elastische Kupplung verbunden, deren eine Hälfte die Bremsscheibe bildet.

Nach Fig. 8 sind in der letzteren vier Löcher ausgespart, die durch Lederscheiben ausgefüllt sind, während diese auf den Mitnehmerbolzen sitzen.

Da bei ungeschicktem Steuern infolge des großen Arbeitsvermögens der herumschwenkenden Massen, wenn alle Triebwerkteile mit einander in starrer Verbindung stehen, leicht Brüche zu befürchten sind, so ist stets eine gewisse Nachgibigkeit im Drehwerk wünschenswert.

Bei dem vorliegenden Kran ist dies nach Fig. 9 dadurch bewirkt, daß das Schneckenrad a nicht fest auf seine Welle gekeilt ist, sondern nur durch Reibung mitgenommen wird.

Das Schneckenrad b bildet einen Hohlkegel, in den ein Vollkegel, der auf der Schneckenradwelle mittels Feder und Nut befestigt ist, durch eine kräftige Feder gepreßt wird. Diese Feder kann nun so eingestellt werden, daß bei Ueberschreiten eines gewissen zulässigen Drehmomentes ein Gleiten zwischen den Reibflächen stattfindet. Diese Nachstellbarkeit ist ein Vorzug vor anderen gleichartigen Konstruktionen, bei denen sie in der Regel nicht vorhanden ist Der Achsialschub der Schneckenwelle wird durch ein doppeltes Kugellager aufgenommen. Schnecke und Schneckenrad befinden sich in einem staubdicht abgeschlossenen Oelkasten. Die Schnecke ist aus Tiegelstahl, der Schneckenradkranz aus Phosphorbronze, der Schneckenradkörper aus Gußeisen hergestellt.

Die Halslager der Schneckenradwelle sind als Ringschmierlager ausgebildet.

Textabbildung Bd. 322, S. 86

Alle Lager des Drehwerkes haben Rotgußbuchsen. Hub- und Drehwerk sind auf einer gemeinsamen gußeisernen Grundplatte montiert.

Fahrwerk. Für das Verfahren des Kranes ist, wie |87| in Fig. 1 erkennbar, ein besonderer Elektromotor von 8 PS bei 680 minutlichen Umdrehungen vorhanden.

Wie schon oben erwähnt, befindet sich der Motor außerhalb des Führerhauses in der Mitte des seitlichen Laufsteges; er steht auf einem gußeisernen Untersatz, der zwei Ringschmierlager für die Längswelle von 50 mm Durchmesser enthält.

Der Fahrmotor treibt mittels eines Stirnradvorgeleges eine Längswelle an, deren Bewegung durch Kegelräder auf zwei senkrechte Wellen übertragen wird.

Textabbildung Bd. 322, S. 87

Von diesen wird mittels je eines weiteren Kegelräderpaares und zwei Stirnradvorgelege ein Laufrad des hinteren Radkastens und zwei Laufräder (Fig. 10–12) des vorderen Radkastens angetrieben. Der ganze Kran ruht auf sechs Laufrädern, wovon, wie aus Fig. 1 ersichtlich, der Radkasten an der Auslegerseite vier enthält. Je zwei sind hier durch einen Balanzier wegen der gleichmäßigen Verteilung des Raddruckes vereinigt.

Diese ganze Anordnung hat den Zweck, den Raddruck an der Auslegerseite möglichst niedrig zu halten, damit der Kran auch auf einem nicht untermauerten Schienenwege laufen kann.

Rädertabelle des Fahrwerkes.


Vorgelege

Teilung in
mm

Zähnezahl
Teilkreis-
durchm. in
mm
Zahn-
breite
mm
Motorritzel
Rad
7 π 16
80
112
560
65
65
1. Kegelräderpaar
doppelt
12 π 16
25
192
300
75
75
2 Kegelräderpaar
doppelt
12 π 16
25
192
300
75
75
Trieb doppelt
Rad „
10 π 16
50
160
500
80
80
Trieb doppelt
Rad dreifach.
10 π 30
50
300
500
80
80

Durchmesser der Laufräder: 550 mm.

Alle Zahnräder, mit Ausnahme des Motorritzels, dessen Material Bronze ist, sowie die Laufräder sind aus Stahlguß hergestellt.

Die Zahnräder haben gechnittene Zähne.

Auch hier sind alle Lager mit Rotgußschalen versehen.

Das Gewicht des ganzen Kranes ohne Greifer beträgt ungefähr 32000 kg.

Elektrische Ausrüstung. Diese ist von den Siemens-Schuckertwerken geliefert worden.

Die Motoren sind gekapselte Hauptstrommotoren für 220 Volt Spannung.

Es sind nur zwei Steuerschalter vorhanden, die durch einen einzigen Hebel mittels Universalantriebes betätigt werden1).

Dreh- und Fahrmotor haben eine gemeinsame Steuerwalze, deren Verbindung mit dem jeweilig arbeitenden Motor durch einen Umschalter hergestellt wird.

Für die Hubbewegung ist ein Endausschalter vorgesehen, der durch eine Wandermutter auf einer Verlängerung der Hubtrommelwelle betätigt wird und ein Zuhochziehen der Last verhindert.

Das Schaltbrett enthält Strom- und Spannungsmesser, Hebelschalter, Schmelzsicherungen und außerdem einen Maximalausschalter. Dieser arbeitet besser als die Sicherungen; außerdem bietet er Schutz gegen Zufälligkeiten, die die Stabilität des Kranes gefährden könnten.

Eine Ueberschreitung der Höchstlast wird in der Regel nicht so sehr zu befürchten sein, wie ein Sichfestsetzen der zu hebenden Last oder des Hakens unter einem festen Gegenstand, etwa der Schiffsluke.

Ehe die Schmelzsicherungen durchbrennen, kann das Unglück schon geschehen sein.

Der Maximalausschalter kann indes so eingestellt werden, daß der Stromkreis unterbrochen wird, ehe der Ankerstrom eine die Stabilität des Kranes gefährdende Höhe erreicht hat.

Fig. 13 zeigt das Schaltungsschema des Kranes.

An dem Portal befindet sich ein Stöpselkontakt a, an den das Zuleitungskabel angeschlossen wird. Von a führt ein Kabel durch den hohlen Königszapfen an die beiden Schleifringe + und –.

Von dort über den Hebelschalter zu den Verteilungsschienen am Schaltbrett, von denen wiederum zwei Leitungen zu den beiden Steuerwalzen führen.

In den Stromkreis des Hubmotors ist der Endausschalter eingefügt, der für gewöhnlich geschlossen ist.

In der Hubperiode ist der Stromverlauf dann nach Fig. 13 folgender: von der Plus-Schiene des Schaltbretts an den Kontakt P der Hubwalze, von Kontakt I über den Endausschalter zur Klemme I des Motors; von Klemme II zu Kontakt II. Dann durch die Leitungen V–V und VI–VI über den Motor zurück zur Hubwalze und in die Minus-Schiene des Schaltbrettes. Der Stromkreis des Bremsmagneten zweigt von der Leitung V–V ab, geht zurück über den Endausschalter zum Kontakt B und von dort über VI in die Minus-Leitung. Die Kontakte Ia und Ba bleiben hierbei tot.

Der Bremsmagnet liegt also im Nebenschluß. Wird nun der Endausschalter von dem Auslösmechanismus betätigt, so wird sowohl der Stromkreis des Motors wie |88| derjenige des Bremsmagneten unterbrochen: die Last wird selbsttätig ohne Zutun des Führers festgebremst.

Textabbildung Bd. 322, S. 88

Dies ist auch der Grund für das Vorhandensein der elektromagnetischen Bremse, die sonst zu entbehren wäre.

Durch Umsteuern des Motors auf Senken erhalten Motor und Bremsmagnet auch bei geöffnetem Endausschalter Strom, indem nun der Strom anstatt über I und B, über Ia und Ba geht.

Durch Zurückgehen der Wandermutter beim Senken wird dann der Endausschalter wieder selbsttätig geschlossen.

Die Stromverbindung zwischen dem Fahrmotor und seiner Steuerwalze erfolgt durch den Umschalter über die vier Schleifringe am Königszapfen.

Es sind vier Zuleitungen nötig, da der Motor reversierbar ist.

Die sechs Schleifringe befinden sich über dem Fußboden des Führerhauses auf dem Königszapfen und sind durch einen Schutzkasten gegen zufällige Berührung geschützt. Die Stabilität des drehbaren Teiles, die durch ein Gegengewicht von 5000 kg erhöht ist, ist noch bei einer Nutzlast von 4500 kg gewahrt, ohne daß der Königszapfen auf Biegung beansprucht wird.

Die Stabilität des ganzen Kranes ist noch bei einer Last von 6000 kg am Haken gesichert.

Der Kran macht nach Formgebung, Anordnung und Ausführung aller seiner Teile einen vortrefflichen Eindruck.

Die reichlichen Abmessungen und genaue Bearbeitung der laufenden Teile gewährleisten geringen Verschleiß und ruhigen Gang.

Erschütterungen, denen ein Kran bei knappen Abmessungen, namentlich der Eisenkonstruktion ausgesetzt ist, machten sich beim Arbeiten mit der Höchstlast nur in ganz geringem Maße bemerkbar, wobei noch in betracht zu ziehen ist, daß der Kran bei der Vorführung in Nürnberg überlastet war, indem der Greifer nicht Kohlen, sondern Sand faßte.

Die Einleitung aller Bewegungen ging in sanfter, stoßloser Weise vor sich.

Auf wirksame Schmierung und leichte Zugänglichkeit aller Teile ist besondere Sorgfalt verwandt worden.

|87|

D. p. J. 1906 321, S. 36.

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