Titel: Zeitschriftenschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 188–191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322068

Zeitschriftenschau.

Apparate.

Chronograph. Zum Aufzeichnen der Geschwindigkeitsänderungen bei Gas- und anderen Maschinen dient eine mit der Welle der zu prüfenden Maschine durch eine besondere, jeden Totgang ausschließende Kupplung verbundene Trommel mit berußtem Papier. Eine Stimmgabel, die auf der Trommel eine Wellenlinie |189| aufschreiben soll, wird mittels eines Wagens an der Trommel entlang bewegt, die an einem Ende eine Teilung besitzt. Zum Einstellen der Stimmgabel und zum Ablesen der Teilung sind Lupen angebracht. (The Electrician 1906 und 1907, S. 367 u. 368.)

Pr.

Spiegel-Galvanometer. (Paul.) Das auf der Ausstellung der Physical Society gezeigte Campbellsche Normal-Instrument mit beweglicher Spule hat eine Bifilaraufhängung mit großem Fadenabstand, um eine genaue Einstellung der Nullage zu gewährleisten. Der Magnet ist ziemlich groß und erzeugt im Luftraum eine Magnetisierung von B = 2000. Die Spule kann durch einen drehbaren Kopf eingestellt werden. Ihre Nullage hatte sich bei tagelanger starker Ablenkung um weniger als 1 : 2000 verändert.

Bei einem anderen Instrument, welches besonders brauchbar ist, falls Erschütterungen zu befürchten sind, wird die Aufhängung durch Federn gespannt gehalten. Es soll besonders für Kabelmessungen auf Schiffen dienen. (The Electrician 1906/1907, S. 367–368.)

Pr.

Dampfmaschinen.

Tandem-Ventildampfmaschine, Baurat Lentz. (Merk) Die Tandemzylinder für Maschinen bis 1000 PS sind aus einem Stück gegossen. Damit ist kurze Baulänge und geringer Raumbedarf verbunden. Lentz läßt die Laterne zwischen beiden Zylindern mit den schwer zugänglichen Stopfbüchsen fortfallen und wählt packungslose Stangenabdichtung und Zusammenziehung der beiden Zylinder zu einem einzigen. Einlaß- und Auslaßwege liegen einander diametral gegenüber. Es werden flachsitzige Doppelrohrventile durch Lentzsche Schwingdaumensteuerung betätigt. Der Dampf strömt unten in den Hochdruckzylinder und unten aus dem Niederdruckzylinder wieder aus. Ueber beiden Zylindern liegt der Aufnehmerkanal. Der Hochdruckzylinder liegt nach dem Rahmen hin und ist mit ihm verschraubt. Die Maschine ist sowohl mit Gabelrahmen als auch mit Bajonettrahmen durchgeführt. Der Lentzsche Regler zeigt Vereinfachungen gegen früher. Der Dampfverbrauch einer kurzhübigen 245 PS-Maschine stellte sich auf 6,19 kg i. d. PS/Std. und der Wirkungsgrad auf 93 v. H.

Die Maschine zeichnet sich durch einfache Getriebe und Gußteile von guter Form, hohe Wirtschaftlichkeit und Regelfähigkeit, Betriebssicherheit und übersichtliche Anordnung bei kleinem Gewicht und geringem Raumbedarf aus. (Zeitschr. d. Vereins d. Ing. 1907, S. 144–147.)

F.

Eisenbahnwesen.

Bahnhofanlagen in Neu-Orleans. (O. Blum.) Die Illinois-Zentralbahn verbindet den Süden der Vereinigten Staaten mit St. Louis, Chicago, dem Seengebiet und dem Industriebezirk von Pennsylvanien. Sie vermittelt den größten Teil der Einfuhr von Neu-Orleans, im Werte von etwa 360 Millionen M jährlich, bestehend hauptsächlich in tropischen Früchten, und der Ausfuhr, etwa 600 Millionen M, bestehend in Zucker, Reis, Wolle, Häuten, Tabak und vor allem Baumwolle. Das Empfangsgebäude des Personenbahnhofs ist mit besonderer Rücksicht auf das tropisch heiße Klima gebaut und besitzt getrennte Räume für Farbige, denen das Betreten der für Weiße bestimmten Räume bei Strafe verboten ist. Die im Erdgeschoß liegenden Aufenthaltsräume für die Reisenden sind durch eine vorliegende überdachte Halle gegen unmittelbare Sonnenstrahlung geschützt, der Fußboden ist, um möglichst kühl zu halten, aus Zement gebildet, alle Türen stehen ständig offen, die Zwischenwände der einzelnen Räumlichkeiten reichen nur bis zu halber Deckenhöhe, so daß überall ungehinderter Luftzug vorhanden ist. Die Bahnsteighalle reicht bis an das Empfangsgebäude heran, die Bahnsteige sind mit Holz abgedielt und liegen in Schienenhöhe. Die dreischiffige Bahnsteighalle ist seitlich offen und über den Seitenbahnsteigen mit Wellblech, über den beiden mittleren mit Glas eingedeckt. Der für die Bewältigung des Ortsgüterverkehrs und den größten Teil des Umschlagverkehrs dienende Güter- und Hafenbahnhof liegt am Ufer des Mississippi. Er besteht aus folgenden Güterschuppen: Zunächst eine Reihe von Empfangsschuppen, eingefaßt von mehreren Ankunftsgleisen jederseits, sodann eine Reihe von Versandschuppen mit überdachter Ladestraße, dann folgen überdachte offene Hallen, die nur zur Zeit der Baumwollenernte für den außerordentlich starken Baumwollenverkehr benutzt werden. Am Fluß entlang liegen die Hallen für Verladung von Gemüse und Früchten; für den Bananenverkehr z.B. sind besondere Züge mit durchgehenden Sonderwagen eingerichtet. Der Umschlag aus den Schiffen in die Züge geht außerordentlich schnell vor sich; als Beispiel wird angeführt, daß die aus großen Früchten bestehende Ladung eines Seeschiffes in vier Stunden von 200 Mann entladen, gesichtet und in 65 Eisenbahnwagen von je 25 t verladen wurde. (Organ f. d. Fortschritte des Eisenbahnwesens 1906, Bd. 43, S 244–247.)

S.

Elektrotechnik.

Amalgamieren von Zinkelektroden galvanischer Elemente. (Brandt.) Für das Amalgamieren einer größeren Anzahl Zinkelektroden empfiehlt Verfasser die Verwendung einer Säurelösung, der Quecksilber beigemischt wird. Die gebrauchsfertige Säure besteht in einer Mischung von 250 g Salpeter- und 750 g Salzsäure, in welcher nach vorheriger, geringer Anwärmung 200 g Quecksilber gelöst worden sind. Diesem Gemisch werden weitere 1000 g Salzsäure zugesetzt. Die Elektroden werden in diese Flüssigkeit einige Sekunden eingetaucht, in Wasser, abgespült und mit feingesiebten Sägespänen trocken gerieben, wobei darauf zu achten ist, daß zur Erzielung eines schönen silberartigen Glanzes das Spülwasser öfter gewechselt wird und die zum Trockenreiben benutzten Sägespäne nicht zu feucht werden. Ist der Quecksilberniederschlag stellenweise zu stark oder nicht erfolgt, so genügt es, die Säure etwas anzuwärmen und umzurühren. (Elektropraktiker, Beilage zur Helios Exportzeitschrift f. Elektrot. 1906, No. 52, S. 103.)

Br.

Lokomotiven.

Kesselspannung bei Lokomotiven. In der „Carnegie Institution of Washington“ wurden Versuche ausgeführt, um den Wert der Kesselspannung bei Lokomotiven festzustellen. Der Dampfdruck war dabei durchschnittlich 17, 15,6, 14,0, 12,7, 11,3 und 8,5 kg/qcm. Die eine Versuchslokomotive machte dabei im ganzen etwa 3 Mill. Umdrehungen, welche einer zurückgelegten Strecke von 23000 km entsprechen würden. Die Schwierigkeiten, genaue Versuche mit solchen Lokomotiven auszuführen, nehmen mit dem Anwachsen der Dampfspannung sehr schnell zu, da dann der Kesselstein sehr fest an den Heizröhren haftet. Bei der ersten Versuchslokomotive betrug die Dampfspannung bis 10 kg, bei der zweiten bis 16 kg und mehr. Nachdem diese Lokomotive so lange gearbeitet hatte, daß die Umdrehungszahl einer Strecke von 48000 km entsprach, entstanden Risse in den Seitenwänden des Kessels, so daß dieser undicht wurde. Bei einem Druck von 17 kg/qcm war die Temperatur des Wassers so groß, daß die Injektoren schon nach zweistündiger Arbeitszeit versagten. Das Speisewasser wurde bei späteren Versuchen der Warmwasserheizung entnommen und so konnte mit fast destilliertem Wasser gearbeitet werden. Damit wurden die Versuche mit 17 kg/qcm zu Ende geführt. Diese haben dann ergeben, daß die Verdampfungsfähigkeit des Kessels durch die Drucksteigerung innerhalb 8,5 bis 17 kg/qcm wenig beeinflußt wird. Die Rauchkammertemperatur lag zwischen 310 und 460° C, und zwar entspricht die kleinere Temperatur einer Verdampfung von 20 kg Wasser für 1 qm Heizfläche i. d. Std., die größere Temperatur einer solchen von 70 kg. Die Rauchkammertemperatur C wird nur wenig beeinflußt durch die Aenderung des Dampfdruckes. Dieselbe kann dann aus folgender Gleichung bestimmt werden:

T = 254 + 2,86 H.

|190|

Dabei bedeutet H die Wassermenge von 100° C in kg, welche für 1 qm Heizfläche i. d. Stunde in Dampf von 100° C verwandelt werden kann. Tabelle 1 zeigt die Abhängigkeit des Kohlenverbrauchs von der Dampfspannung.

Tabelle 1.

Dampfspannung
kg/qcm
Kohlenverbrauch
für 1 PSi
Mehrverbrauch
in v. H.
17,0 3,25
15,5 3,30 1,5
14,0 3,34 1,2
12,5 3,40 1,8
11,0 3,47 2,0
10,0 3,60 3,8
8,5 3,77 4,7

Der Dampfverbrauch ergab bei normalen Verhältnissen die aus Tab. 2 ersichtlichen Werte.

Tabelle 2.

Dampfverbrauch
kg/PS und Std.
Kesseldruck
kg/qcm
13,0 8,5
12,3 10,0
11,9 11,0
11,6 12,5
11,2 14,0
11,1 15,5
11,0 17,0

Hieraus folgt, daß mit dem Anwachsen des Dampfdruckes der Dampfverbrauch nicht dementsprechend abnimmt. Beim Anwachsen des Druckes von 11,0 auf 14 kg beträgt die Dampfersparnis 0,7 kg/PS und std., bei derselben Aenderung von 14 auf 17 kg beträgt diese Ersparnis aber nur mehr 0,2 kg.

Wenn die Lokomotive sich nicht im vorzüglichen Zustande befindet und das Speisewasser nicht sehr rein ist, dann soll der Betriebsdruck 13,0 kg/qcm absol. nicht überschreiten, und keine ökonomische Erwägung läßt die Anwendung einer Dampfspannung größer als 15,5 kg/qcm Ueberdruck rechtfertigen. (The Rail Road Gazette 1906, S. 489–492.)

W.

Materialienkunde.

Elektrische Kraft und Durchschlagfestigkeit in zwei hintereinander geschalteten Isolierstoffen. (Benischke.) Zur Isolierung sehr hoher Spannungen empfiehlt sich die Anwendung zweier verschiedener Isolationsschichten, die in bezug auf die Richtung der elektrischen Kraftlinien hintereinander geschaltet sind, was sich besonders bei Porzellandurchführungen bewährt hat. Sind so zwei Isolierstoffe von verschiedener Dielektrizitätskonstante hintereinander geschaltet, so ist die elektrische Kraft in dem Stoffe mit kleinerer Dielektrizitätskonstante größer, in dem Stoffe mit der größeren Dielektrizitätskonstante kleiner und die gesamte Durchschlagfestigkeit größer als wenn der ganze Raum von einem einzigen Stoff ausgefüllt ist. Bei Kabeln, die konzentrische Schichten verschiedener Dielektrizitätskonstante enthalten, wird die durch die geometrische Form bedingte Ungleichheit der elektrischen Kraft kleiner, wenn der Stoff mit der größeren Dielektrizitätskonstante innen liegt und umgekehrt. Hat einer der beiden Isolierstoffe ein merkliches Leitungsvermögen, so tritt eine erhebliche Verschlechterung der gesamten Durchschlagfestigkeit ein, weil dann das ganze Potenzialgefälle auf den anderen Stoff kommt, und dadurch die elektrische Kraft größer wird als wenn der ganze Raum von diesem Stoff ausgefüllt ist. Eine Folge dieser Erfahrungen ist es, daß bei der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in gewissen Fällen ineinander geschobene Mikanit- und Porzellanzylinder verwendet und die Porzellandurchführungen bei Stromwandlern und Oelschaltern für sehr hohe Spannungen in Stabilitbuchsen eingesetzt werden, oder die ganze Deckplatte aus Stabilit angefertigt wird. (Elektrot. Zeitschrift, Jahrgang XXVIII, 1907, Heft 5, S. 95–97.)

Br.

Straßen- und Kleinbahnen.

Verankerung der Straßenbahngleise in Asphaltstraßen. (Dietrich.) Um das Hochgehen der Schienen beim Einstampfen in Beton, oder bei Wärmeausdehnung zu verhindern, werden seit einiger Zeit Monierplatten verwendet, in denen Ankerbolzen zum Festhalten der Schienen mittels Muttern und Klemmplatten eingelassen sind. Einfacher ist ein neues Verfahren, bei dem Ankereisen ⌶-Profil in etwa 3–4 m Abstand quer unter dem Gleis in der Betonbettung angeordnet werden; auf diesen wird die Schiene durch Klammereisen festgehalten und in ihrer Höhenlage durch Keile ausgerichtet. Wesentlich ist neben der Einfachheit, daß die Ankereisen bei Schienenauswechselungen in ihrer Lage verbleiben und weiter verwendet werden können. (Eisenbahntechnische Zeitschrift 1906, S. 1018–1019.)

Pr.

Transportanlagen.

Elektrische Spille. (E. Herrmann.) Früher wurde zum Betrieb von Spillen meist Druckwasser oder Dampf als Kraftmittel verwandt. Der hydraulische Betrieb ist hier indes fast gänzlich dem elektrischen gewichen. Dampfspille findet man jedoch noch vielfach auf den Schiffen der Handelsmarine. Motor, Triebwerkteile und Anlasser der elektrischen Spille befinden sich gewöhnlich in einem wasserdichten gußeisernen Kasten. Dieser wird bis zum Deckel in den Erdboden eingelassen; als Fundament dient eine 20 cm hohe Stampfbetonschicht. Der Deckel ist aufklappbar, um Motor und Triebwerkteile untersuchen zu können.

Als Uebersetzungsmittel dient meist ein Schneckengetriebe; das Schneckenrad sitzt auf der Welle der Spilltrommel. Bei größeren Zugkräften wird noch ein Stirnradvorgelege eingeschaltet.

Die Seilgeschwindigkeit schwankt je nach den Zugkräften von 0,1 bis 1 m/Sek. Größere Geschwindigkeiten sind unzweckmäßig, weil dann das Ablegen des ablaufenden Trums besondere Handfertigkeit des Arbeiters erfordert.

Der Berechnung der Antriebskraft kann man bei ebener Strecke und gut verlegtem Gleis eine Zugkraft von 10 kg für je 1 t Wagengewicht zugrunde legen. Auf Schiffswerften findet man Spille bis 10000 kg Zugkraft.

Je nach der Stromart des Netzes werden Gleichstrom- und Drehstrommotoren verwandt. Bei Gleichstrom ist der Hauptstrommotor wegen seines großen Anzugsmomentes und seiner Selbstregulierung der gebräuchlichere. In manchen Fällen werden auch Kompoundmotoren verwandt.

Die Spillmotoren sind nicht reversierbar, da eine Aenderung der Bewegungsrichtung des Seiles durch Rechts- oder Linksumlegen erzielt werden kann. Es sind zwei Anlaßverfahren im Gebrauch, durch Steckschlüssel und Fußtrittsteuerung.

Bei dem ersteren Verfahren steuert der Führer den Motor wie im Kranbetrieb durch einen Kontroller; an Stelle des Steuerhebels tritt hier jedoch ein Steckschlüssel, der auf einen Vierkant der Anlasserwelle gesetzt und nach erfolgtem Gebrauch abgezogen wird. Bei diesem Verfahren muß der Arbeiter einige Uebung in der Betätigung des Anlassers besitzen. Diese ist nicht erforderlich bei der Fußtrittsteuerung; hierzu kann jeder beliebige Arbeiter verwandt werden, da er nur mit dem Fuße einen Kolben niederzudrücken hat, aber auf den normalen Anlauf des Motors weiter keinen Einfluß ausübt.

Durch Freigeben des Fußtrittes geht der Anlasserkolben in seine Ruhelage selbsttätig zurück, wodurch der Motor ausgeschaltet wird.

Eine Geschwindigkeitsregelung ist bei diesem Anlaßverfahren nicht gut durchführbar; man kann diese indes durch zwei Spillköpfe von verschiedenem Durchmesser auf derselben Welle erreichen.

|191|

Das Ingangsetzen des Spills durch Unberufene wird durch besondere Vorrichtungen verhindert. Für Gleichstrommotoren über 15 PS werden auch Selbstanlasser verwandt. Das Abschalten der Widerstandsstufen ist hier von der Umlaufzahl der Motorwelle abhängig gemacht; je nach der Spillbelastung wird daher der Anlauf kürzere oder längere Zeit in Anspruch nehmen. Bei Ueberlastung und auch beim Verschwinden des Netzstromes kommt das Spill selbsttätig zur Ruhe. Der Führer hat bei diesem Anlasser nur den Kolben eines Hilfsstromschalters niederzudrücken.

Bremsen sind bei Spillen meist nicht erforderlich, da das Abwerfen des Seiles von der Trommel genügt, um die Last zum Stillstand zu bringen. Nur wo ein schnelles Anhalten des Triebwerkes verlangt wird, wendet man eine Bandbremse mit Bremsmagneten an. (E. T. Z. 1907, S. 51–55.)

Ds.

Turbinen.

Pelton-Turbine. Eine der größten bis jetzt in Großbritannien ausgeführten hydraulischen Turbinen wurde kürzlich von der Firma W. Günther & Sons in Oldham an die Britisch-Indische Regierung zur Erweiterung der Kraftzentrale der Wellington Cordite Factory geliefert. Es handelt sich um eine einrädrige Pelton-Turbine, welche bei 630 Fuß Druckhöhe und 400 Umdrehungen i. d. Minute 900 PSe leistet. Die lichte Weite der einfachen runden Zufuhrdüse wird bei verminderter Belastung durch eine spießförmige Zange, welche mehr oder weniger in die Düse hineingeschoben wird, verringert. Die Düse selbst ist aus Stahl, die Zangenspitze aus Phosphorbronze hergestellt. Die Regulierung (d.h. also die Verschiebung der genannten Stange) wird durch einen Servomotor bewerkstelligt, obwohl ebenfalls Bewegung von Hand vorgesehen ist. Als Druckwasser für den Servomotor kann entweder der volle Wasserdruck der Hauptzufuhrleitung oder, da das Betriebswasser zeitweilig viel Sand führt, reines Wasser aus einer besonderen Leitung mit etwa 233 Fuß Druckhöhe verwendet werden. Die lichte Weite des Absperrschiebers unmittelbar vor der Turbine hat 24 inch. Mittellinie. Um bei plötzlicher Entlastung der Turbine Wasserstößen in der Leitung vorzubeugen, ist ein selbsttätiges Entlastungsventil auf dem Zufuhrrohr aufgestellt, welches sich bei Druckzunahme plötzlich öffnet, sich jedoch nur langsam wieder schließt. Dies wird dadurch erreicht, daß der Gegendruck nicht wie gewöhnlich durch eine Feder, sondern durch Wasserdruck erzeugt wird. Die 16 Pelton-Schaufeln sind einzeln je mittels zweier Bolzen mit der gußstählernen Radscheibe verschraubt. (The Engineer 1907, S. 143.)

Ky.

Wasserkraftanlage.

Wasserkraftanlage. Die Juniata Hydro-Electric Co. erbaut am Juniata River in den Vereinigten Staaten von Nordamerika (Pa) zwei Wasserkraftwerke. Das Hauptwerk liegt bei Warriors Ridge und wurde am 1. Oktober 1906 begonnen und Ende Januar fertiggestellt. Das vereinigte Dampf- und Wasserkraftwerk soll 8000 PS leisten, wovon zunächst 4000 PS durch Wasserkraft und 1500 PS durch Dampfkraft gewonnen werden. Die Wasserkraftanlage besteht aus vier liegenden Doppelturbinen von Morgan Smith mit je 990 mm Laufraddurchmesser; sie leisten je 1000 PS bei 200 Umd./Min. und 8,23 m Gefälle. Sie sind in einer 8,30 m breiten Wasserkammer aufgestellt und besitzen je ein gußeisernes 3,96 m langes Saugrohr von 2,44 m oberem bezw. 2,74 m unterem Durchmesser. Die Turbinenwelle geht durch die Abschlußwand der Wasserkammer in den Dynamoraum, wo sie mit je einem 500 KW-Drehstromgenerator direkt gekuppelt sind. Zwei Doppelturbinen gleicher Bauart von je 381 mm Laufraddurchmesser und je 150 PS Leistung bei 550 Uml./Min. sind mit je einer 75 KW-Erregerdynamo gekuppelt. Das angebaute Aushilfsdampfkraftwerk enthält vier stehende Curtis-Turbodynamos für je 500 KW Leistung bei 1800 Uml./Min., von welchen erst zwei aufgestellt wurden. Die Gesamtanlagekosten des Kraftwerkes betragen 1785000 M. (Engineering Record 1906, S. 678–681.)

A. M.

–––––

Werkzeugmaschinen.

Kraftverbrauch von Fräsmaschinen. (Streiff.) Verfasser gibt Versuchsresultate auf einer in Hobelmaschinenform ausgeführten Spezialfräsmaschine mit kräftigem Bett und durch Spindel sich selbsttätig darauf vorschiebendem Tisch. Die Ständer, namentlich der antriebseitige, waren der stärksten Beanspruchung entsprechend äußerst kräftig. Der Antrieb erfolgt durch Stufenscheibe und Schneckenrad. Der Versuchsfräser aus Schnelldrehstahl war 600 mm breit und aus vier Teilen hergestellt, die außer der Befestigung auf dem Dorn noch verkuppelt waren. Der Durchmesser des Fräsers war 150 mm, die Zähne (20 am Umfang) waren im Winkel von 13° geneigt, hinterdreht und durch einen Gewindegang von 20 mm Steigung getrennt. Sie waren derart ausgearbeitet, daß sie fast nur von der Seite schnitten. Die folgende Tabelle führt nur solche Versuche auf, bei denen der Kraftverbrauch mit Sicherheit abzulesen war und die Maschine gut arbeitete. Das Material der Arbeitsstücke hatte 60–95 kg Festigkeit.


No.
Touren-
zahl des
Fräsers
i. d. Min.
Vorschub Schnittge-
schwind.
d. Fräsers
i. d. Min.
m
Span
Kraftver-
brauch

PS

Span-
gewicht
f. d. Std.
kg

Kraftver-
brauch
f. d. kg/Std.
PS
i. d. Min.

mm
f. d. Um-
drehung
mm
Tiefe

mm
Breite

mm
1 24 6,25 2,6 11,3 6,5 600 25 111 0,225
2 24 89,0 3,7 11,3 6,5 260 17 68 0,25
3 24 110,5 4,6 11,3 3,5 250 17 44,2 0,382
4 24 89,0 3,7 11,3 12,5 250 27 222 0,121
5 19 110,0 5,8 9,0 7,0 236 17 150 1,113
6 23 106,0 4,6 10,9 7,0 520 27 175 0,154
7 23 106,0 4,6 10,9 7,0 250 20 83 0,241
8 40 48,0 1,2 19,5 6,0 260 17 33,6 0,51
9 40 100,0 2,6 19,5 9,5 350 21 150 0,14
10 40 147,0 3,7 19,5 4,0 420 17 55,6 0,306

Es ergab sich, daß bei den hohen Leistungen, für die der Schneckenantrieb gerechnet war, der Kraftverbrauch nicht höher als bei Stirnrädern ist. Bei kleineren Leistungen war der Natur des Schneckenantriebes gemäß der Kraftverbrauch entsprechend höher. Für 1 kg Späne wird der Kraftverbrauch in der Stunde desto geringer, je kleiner das Verhältnis von Schnittbreite zur Schnittiefe ist; um so größer, je geringer der Vorschub ist. (Werkstattstechnik 1907, S. 21–22.)

Br.

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