Titel: Hammerwerke mit Kraftantrieb.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 292–295)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322098

Hammerwerke mit Kraftantrieb.

Von Professor Pregél, Chemnitz.

(Fortsetzung von S. 275 d. Bd.)

Longworth' Lüftfederhammer.

In Fig. 57 sind nach „Engineering“ 1900. I, S. 290 die Einrichtungen dieses Hammerwerkes gezeigt. Am Gestell lagert die Kurbelwelle a mit Fest- und Losscheibe b. Der Antriebriemen ist mittels Riemengabel c zu verlegen. Mit der Schubstange d wird ferner der Doppelhebel f (s. Fig. 7) betätigt, an dessen vorderer Gabel zwei Zugstangen g angelenkt sind, die den geschlossenen Zylinder h in Hubbewegung versetzen, in dem der Kolben i schwebt.

An seiner Kolbenstange ist in fester Lage noch ein zweiter Kolben k angebracht, welcher im Hauptzylinder l läuft und samt der unteren Kolbenstange den eigentlichen Hammerbär m (Fig. 5 u. 6) bildet, welcher auf den Amboßstock n wirkt.

Der obere Zylinder h ist durch zwei Lochkränze 1 u. 2 in drei Räume abgeteilt. Beim Anheben des Hammerbärs m wird die Luft im unteren Raum abgefangen und verdichtet, so daß sie als elastisches Zwischenpolster dient. Im Niedergange des Zylinders h expandiert diese Luft und hält vorerst den Hammerbär schwebend, worauf im weiteren Niedergang die untere Lochreihe 2 die Unterkante des Kolbens i überschreitet, so daß die bisher unter dem Kolben abgefangene Luft entweichen kann. Dies hat den freien Fall des Hammerbärs zur Folge, der so lange anhält, bis durch den rascher niedergehenden Zylinder h dessen oberer Lochkranz 1 die Oberkante des Kolbens überschreitet. Nun wird die im oberen Zylinderraum abgeschlossene Luft verdichtet und wirkt in diesem Zustande als Triebkraft.

Weil das Hebelwerk eine zwangläufige Hubbewegung des Zylinders h bedingt, das Schmiedestück jedoch eine veränderliche Höhe besitzt, so wäre ohne dieses obere |293| Luftpolster der gezeigte Hebelbetrieb nicht angängig. Am Hauptzylinder l sind ferner das Saugventil o und der seitliche Regulierschieber p vorgesehen, der eine fächerförmig ausstrahlende Gruppe von Ausströmkanälen q überdeckt. Die während des Aufhubes des Hammerkolbens k angesaugte und durch das Ventil o eingetretene Außenluft muß nun während des Hammerniederganges ins Freie entweichen können. Ist der Luftaustritt jedoch gehindert, so bildet sich unter dem Kolben k ein Luftpolster, welches unbedingt die Stärke des Hammerschlages abmindert. Dadurch nun, daß die Ausströmkanäle q in verschiedenen Höhenlagen der Zylinderwand sich befinden, hat man ein bequemes Mittel, die Schlagkraft abzuändern. Steht die Oberkante des Regulierschiebers p in der Tiefstellung, läßt dieser daher sämtliche Ausströmkanäle q frei, so verläuft der Hammerschlag ganz ungehemmt. Diese Einstellung des Regulierschiebers p geschieht mittels Handhebel r, oder durch den Tritthebel t, welcher am Zwischenhebel s angreift, wobei eine die Zugstange umlaufende Spiralfeder u den Regulierschieber p stets in die Hochlage drückt, sobald der Tritthebel frei wird.

Textabbildung Bd. 322, S. 293
Textabbildung Bd. 322, S. 293

In dieser Lage des Tritthebels wird daher bei fortlaufendem Kurbelwerk der Hammerbär in der Luft arbeiten, so daß nur bei größeren Arbeitspausen eine Abstellung des Werkes durch Riemenverlegung auf die Losscheibe erforderlich und ein Bremswerk überflüssig wird. Durch eine passend gewählte Kröpfung des Doppelhebels f und durch eine bestimmte Lage des Kurbelzapfenkreises zur Bogenbahn des rechten Hebelauges werden Hubgeschwindigkeiten ermöglicht, die beim Aufhube des Zylinders h möglichst konstant 2 m/Sek., dagegen im Niedergang wachsen und im Augenblick der tiefsten Hublage den größten Wert von 3,3 m/Sek. erlangen.

Masseys elektrisch betriebener Luftfederhammer.

Von der Firma B. u. S. Massey in Opdenshaw, Manchester, werden Luftfederhämmer gebaut, deren Einrichtungen nach Engineering 1904 I, S. 267 in den Fig. 8 bis 16 vorgeführt sind.

Am Hammerzylinder a ist in schräger Achsenlage ein zweiter Pumpenzylinder b unmittelbar angegossen, wobei zwischen beiden (Fig. 10 und 11) der obere freie Verbindungskanal 1, der Mittelkanal 2 und ein unterer doppelter Kanal 3 und 4 vorgesehen sind.

Durch den Drehschieber c (s. a. Fig. 12), welcher das Saugventil 5 und das Druckventil 6 trägt, kann die Verbindung zwischen den einzelnen Kanälen entsprechend abgeändert und damit die Menge der überströmenden Luft bezw. die Schlagstärke des Hammers geregelt werden.

Ist das Steuerungswerk d in die Lage II eingestellt (Fig. 13) und der Ventilkörper, wie Fig. 10 es zeigt, so gedreht, daß eine freie Ueberleitung durch 1, 2, 3 vom Raum oberhalb nach dem Raum unterhalb des Pumpenkolbens hergestellt ist (s. a. Fig. 14), so wird der bewegte Luftpumpenkolben keine Einwirkung auf den Hammerkolben ausüben.

Textabbildung Bd. 322, S. 293
Textabbildung Bd. 322, S. 293
Textabbildung Bd. 322, S. 293

In dieser Lage II ist das den vorderen unteren Kanal 3 überdeckende Ventil 5 vollständig ausgerückt, während das Ventil 6 den hinteren unteren Kanal 3 überdeckt. Dieser Kanal stellt die einzige Verbindung der unteren Räume beider Zylinder a und b vor.

Soll der Hammerkolben steigen, so wird durch Rechtsdrehung des Steuerhebels d in die Lage I (Fig. 13), die |294| Verbindung 2, 3 gehemmt, während nun untere Preßluft durch Ventil h nach a überströmen kann (s. a. Fig. 16).

Textabbildung Bd. 322, S. 294
Textabbildung Bd. 322, S. 294

Da beim Niedergang des Pumpenkolbens b unten Druckluft gebildet, oberhalb des Kolbens Saugwirkung hervorgebracht wird, so muß in dieser Lage I des Drehschiebers c der Hammerkolben a steigen. Wird nach II zurück gesteuert, so bleibt der Hammerkolben in der Hochstellung.

In der Seitenwand des Pumpenzylinders b sind in schräger Lage zwei Reihen Löcher 7 vorgesehen, durch welche beim Ueberschreiten des Pumpenkolbens frische Außenluft eindringt.

Textabbildung Bd. 322, S. 294
Textabbildung Bd. 322, S. 294
Textabbildung Bd. 322, S. 294
Textabbildung Bd. 322, S. 294
Textabbildung Bd. 322, S. 294

Wird das Steuerwerk nach III gedreht, so stellt sich 5 als Druckventil im Kanal 2 für die oberen Zylinderräume ein, während das Ventil 6 eine Zwischenlage einnimmt und den Verbindungskanal 4 der beiden unteren Zylinderräume frei läßt.

Steigt der Pumpenkolben b, so wird die oberhalb gebildete Preßluft den Hammerkolben a niedertreiben, wobei die unterhalb desselben befindliche Luft durch die freigelegten Seitenöffnungen 7 ungehindert ins Freie austreten kann.

Im Niedergang des Pumpenkolbens b entsteht im Zylinderraum oberhalb desselben Saugwirkung, unterhalb aber Druckluft, so daß der Hammerbär gehoben wird.

Jedem Doppelspiel des Pumpenkolbens b entspricht daher ein Doppelhub des Hammerkolbens a im fortlaufenden Arbeitsgange. Soll jedoch mit dem Hammer das Schmiedestück an den Amboß gedrückt werden, so wird das Steuerwerk in die Lage IV eingestellt, wobei 6 als Saugventil für den unteren Zylinderraum a wirkt, während 5 Druckventil für die beiden oberen Zylinderräume bleibt, und als Saugventil wirkt, sobald der Pumpenkolben b niedergeht. Hiernach ist nach oben zu jede Saugwirkung auf den Hammerkolben ausgeschlossen.

Für diese Arbeitsperioden sind Zahnschnitte im Stellbogen f für den Steuerhebel vorhanden, so daß dadurch ein fortlaufender Schmiedebetrieb ermöglicht wird. Die Hauptkurbel g ist an das Schwungrad h angeschlossen, an welches das Stirnrad i geschraubt ist, in welches das Getriebe k eingreift, welches an der Dynamowelle sitzt.

Der Elektromotor ist auf einem Seitenkonsol l aufgestellt, während die Lager für die Kurbelwelle und die Führungen für den Hämmerbar den üblichen Bau aufweisen.

Players Lüftfederhammer.

Die Firma W. u. J. Player in Birmingham baut nach „Engineering“ 1903, II, S. 688, den in Fig. 17–22 dargestellten Schmiedehammer mit Luftpumpenbetrieb, welcher mit dem vorbeschriebenen Hammerwerk von Massey in der Anordnung des Luftpumpenzylinders b zum Hammerzylinder a übereinstimmt, während die Steuerung wesentlich anders durchgeführt ist.

Textabbildung Bd. 322, S. 294
Textabbildung Bd. 322, S. 294

Die oberen Zylinderräume a und b stehen durch den Kanal 1 (Fig. 19) in stetiger Verbindung, so daß bei fortlaufendem Betrieb des Pumpenkolbens b auch der Hammerbetrieb durch a in gleichbleibender Kraftstärke vor sich geht, wobei die am Zylinderdeckel angeordnete Feder c den Auftrieb des Hammerkolbens d aufnimmt und denselben nach abwärts treibt. Dieser Niedergang des Hammerkolbens entspricht dem Aufhube des Luftpumpenkolbens b.

Zur Regelung des Hammerbetriebes ist zwischen beiden Zylindern a und b der kleine Zylinder f vorgesehen, in welchem der Steuerkolben g vermöge des Steuerhebels h wechselnde Höheneinstellung erhalten kann.

Der Steuerkolben g schließt in der Hochstellung (Fig. 21) den Kanal 2, der von a ins Freie führt, während er in seiner Mittellage die Verbindung ins Freie gewährt, indem ein eingedrehter Hals sich in die Richtung der Kanäle 2, 2 einstellt. In der Tieflage wird außerdem durch |295| den schrägen Kanal 3 eine Verbindung der Kanäle 4, 4 herbeigeführt, die vom unteren Zylinderraum a ins Freie leiten.

Textabbildung Bd. 322, S. 295

Dafür wird in der Zwischenstellung von g, zwischen Hoch- und Mittellage, der Kanal 5 (Fig. 22) mit dem oberen Luftpumpenzylinder b eine Verbindung ins Freie ermöglichen, so daß Preßluft zum Teil nach a übertritt und zum Teil ins Freie gestoßen wird. Ebenso wird beim Niedergang des Hammerkolbens d die Preßluft aus dem oberen Zylinderraum a durch die Kanäle 6, 6 ins Freie übertreten können, ebenso wie die Luft unter dem Hammerkolben vor dessen Ueberschreiten dieser Oeffnungen 6, 6 den Ausgang ins Freie gewinnt. Eine stärkere Kompression der unteren Luft wird aber, wie bereits erwähnt, durch die Kanal Verbindung 4, 3, 4 erzielt, welche in der Tiefstellung des Steuerkolbens g erreicht wird, wobei auch die Verbindung durch 5 ins Freie besteht.

Je nach der Einstellung des Steuerkolbens g verläuft der Hammergang mit voller Kraft der vom Pumpenkolben b gelieferten Preßluft und starker Kompression der unter den Hammerkolben abgefangenen Luft, so daß dadurch beim Ansaugen durch b der Auftrieb des Hammerkolbens d unterstützt und ein Schnellbetrieb ermöglicht wird. In der Zwischenstellung von g wird Luft durch 5 aus dem Freien angesaugt und dadurch die Hebewirkung des Hammers ermäßigt, und weil auch Preßluft durch 5 entweicht, auch die Schlagstärke des Hammers abgemindert. In der Tieflage von g findet keine Kompression der Luft unter dem Kolben und Ansaugen von Luft aus dem Freien statt, so daß keine Hebekraft auf den Hammerkolben wirksam sein kann. Hiernach wird bei fortlaufendem Luftpumpenbetrieb der Hammer d am Amboß liegen bleiben.

(Fortsetzung folgt.)

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