Titel: Aus der Praxis.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 363)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322122

Aus der Praxis.

Wirbelstrom-Ueberhitzer von H. Kopplin-Dresden.

Dieser durch Patent geschützte Dampfüberhitzer besteht aus mehreren natlosen ∪-förmig gebogenen Stahlrohren, die in geschweißte Sammelkammern eingewalzt sind. In diesen Rohren stecken schraubenflächenartig gewundene Querstege, die an einem Längsstreifen in gleichen Abständen strahlenförmig angeordnet sind und mit der Rohrwand in wärmeleitender Verbindung stehen. Der Zweck dieser Einrichtung ist der, das Wasser, welches im Dampf mitgerissen wird, mit der heißen Rohrwand in Berührung zu bringen und dadurch zu verdampfen. Es ist ja genug bekannt, daß wegen der schlechten Wärmeleitungsfähigkeit von überhitztem Dampf im Kern des Dampfstromes noch Wassertröpfchen vorhanden sein können, auch bei hoher Ueberhitzung. Diese Tröpfchen werden an den eingebauten Querstegen anprallen, an die Rohrwand geschleudert und dort verdampfen. Durch den regen Wärmeaustausch, der dadurch entsteht, werden die heißen Rohre wirksam gekühlt, ihre Lebensdauer verlängert. Man erreicht mit diesen Rohren eine höhere Ueberhitzung oder erhält für gleiche Ueberhitzung eine kleinere Ueberhitzerheizfläche; die Blecheinsätze erhöhen das Gesamtgewicht nur unwesentlich.

Textabbildung Bd. 322, S. 363
Textabbildung Bd. 322, S. 363

Zur Prüfung der Wirksamkeit der Kopplinschen Ueberhitzerrohre wurde ein 1,5 m langes Rohr von 33 mm Durchm. von außen geheizt und die Temperaturzunahme der Luft, welche durch einen Ventilator durch das Rohr gedrückt wurde, bestimmt. Die Messung wurde einmal mit, ein andermal ohne den Kopplinschen Einsatz bei gleicher durchtretender Luftmenge ausgeführt und ergab im ersten Falle eine Temperaturzunahme von 265°, im letzten von 163°, somit eine Wärmeübertragung, die infolge der energischen Durchwirbelung der Luft durch die Einsätze um mehr als 60 v. H. höher war als beim glatten Rohr.

Zur Erprobung des neuen Ueberhitzers im Betriebe wurde derselbe in einen vorhandenen Rauchröhrenkessel von 144 qm Heizfläche eingebaut. Der Versuchsüberhitzer hatte im Ganzen 4,68 qm äußere Heizfläche. Ein Teil der Heizfläche lag so nahe am Mauerwerk, daß sie nur unvollständig mit den Heizgasen in Berührung kam. Nach dem Herausnehmen des Ueberhitzers zeigte der an das Mauerwerk grenzende Teil starken Rußbelag, während der übrige Teil (etwa 3,3 qm) blanke Flächen zeigte. Das i. d. Stunde verdampfte Wasser betrug 942 kg, die obere Heizgastemperatur 583°, die untere 386°. Die erreichte Dampftemperatur betrug bei einem Kesseldrucke von 10,6 kg/qcm 246°, die Ueberhitzung demnach 64° entsprechend einer Wärmeaufnahme im Ueberhitzer von 30,7 Wärmeeinheiten f. 1 kg Dampf. Im ganzen wurden vom Ueberhitzer 28900 WE in der Stunde aufgenommen, also 6180 WE f. 1 qm Heizfläche bezw. 8690 WE, wenn nur der von den Heizgasen wirklich bestrichene Teil der Ueberhitzerheizfläche in Rechnung gestellt wird. Die mittlere Temperaturdifferenz zwischen Heizgasen und Ueberhitzer betrug 270°, somit der Wärmeübergang f. 1 qm und 1° Temperaturdifferenz 23 bezw. 32, ein Wert, der fast das Doppelte des für glatte Rohre gefundenen beträgt.

Textabbildung Bd. 322, S. 363

Fig. 1 zeigt den Einbau eines Kopplin-Ueberhitzers von 10 qm Heizfläche in einen kombinierten Cornwall-Röhrenkessel von 125 qm Heizfläche. Der Ueberhitzer liegt mit seinen Rohrschlangen wagerecht; 4 qm der Ueberhitzerheizfläche werden durch glatte Rohre gebildet; der übrige Teil besitzt die Blecheinsätze. Es wird durchschnittlich eine Dampftemperatur von 300° erreicht. Der Ueberhitzer, der seit Oktober 1905 in Betrieb ist, beanspruchte für seinen Einbau keine Erhöhung des Kessels und vergrößerte die Wärmeausstrahlungsfläche des Kesselmauerwerks nicht. Fig. 2 und 3 veranschaulichen den Einbau eines Ueberhitzers von 4,5 qm Heizfläche in einen Zweiflammrohrkessel von 40 qm Heizfläche. Die erreichte Dampftemperatur betrug etwa 350°. Durch die stehend angeordneten Klappen wird der Ueberhitzer aus dem Heizgasstrom ausgeschaltet.

M.

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