Titel: Neue Untersuchungen an landwirtschaftlichen Maschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 369–373)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322124

Neue Untersuchungen an landwirtschaftlichen Maschinen.

Von Professor Dr. Gustav Fischer, Berlin.

Die mit jedem Jahr wachsende Menge landwirtschaftlicher Maschinen und die Unmöglichkeit für den einzelnen Landwirt, sich über Wert und Bedeutung der neuen Konstruktionen durch eigene Versuche ein Urteil zu bilden, haben die Gründung einer Reihe von Versuchs- und Prüfungsanstalten für landwirtschaftliche Maschinen veranlaßt, die teils im Anschluß an eine Landwirtschaftskammer, teils an den landwirtschaftlichen Universitätsinstituten und Hochschulen bestehen. Die Anstalten, die mit einem Lehrstuhl an den Hochschulen verbunden sind, haben meistens die doppelte Aufgabe, praktisch durchgeführte Prüfungen anzustellen und wissenschaftlich zu forschen. Der zweite Teil ihrer Bestimmung ist erst in den letzten Jahren einigermaßen in Angriff genommen, während Prüfungen im regelmäßigen Betriebe auch früher schon oft durchgeführt worden sind. Da aber eigene Anstalten für die Prüfungen fehlten, wenigstens in Deutschland, so waren die Verfahren, nach denen die Versuche angestellt wurden, außerordentlich verschieden und in vielen Fällen unzureichend; vor allem aber fehlte jede Möglichkeit, die Ergebnisse, die an verschiedenen Stellen gewonnen worden waren, miteinander zu vergleichen. Hierin beginnt erst jetzt ein Wandel einzutreten. Die Vorsteher von sieben deutschen und einer österreichischen Versuchsanstalt haben sich vor einem Jahr zu einem Verbände zusammengeschlossen, der u.a. auch den Zweck verfolgt, die Prüfungsverfahren einheitlich durchzubilden. Noch weitergehende Bestrebungen verfolgt der II. internationale Kongreß für landwirtschaftliches Maschinenwesen, der vom 21.–25. Mai d. J. im Anschluß an den VIII. internationalen landwirtschaftlichen Kongreß in Wien stattfand, und in mehreren Sitzungen auch über die „Schaffung einheitlicher, international geltender Normen für die Prüfung landwirtschaftlicher Maschinen“ beraten hat.

Dieses rege Leben auf dem noch wenig beackerten Felde des landwirtschaftlichen Maschinenprüfungswesens ist ein Beweis dafür, daß dessen Bedeutung bei Landwirten und Ingenieuren immer besser erkannt wird, gleichzeitig aber auch dafür, daß die maschinellen Hilfsmittel der Landwirtschaft so mannigfaltig und verwickelt geworden sind, daß nur ein besonders dafür vorgebildeter Fachmann alle Einzelheiten zu erfassen vermag.

In Berlin besteht seit 1½ Jahren eine Versuchs- und Prüfungsanstalt für landwirtschaftliche Maschinen, die der Landwirtschaftskammer untersteht und von dem Fachvertreter an der Landwirtschaftlichen Hochschule geleitet wird. Im folgenden wird vorzugsweise über die Arbeiten dieser Anstalt berichtet werden, ohne daß aber die Ausführungen auf sie allein beschränkt werden sollen.

Die Bearbeitung des Bodens durch den Pflug erfolgt bekanntlich in der Weise, daß der durch das Schar abgetrennte Erdstreifen an dem schrägen, gebogenen Streichblech emporgeschoben und dabei gewendet wird. Bei lockeren Böden findet gleichzeitig eine Krümelung und Mischung des Erdstreifens statt, die durch die übliche steile Form des Streichblechs wesentlich gefördert wird. Bei bindigen Böden verwendet man flachere, längere und meistens etwas gewundene Streichbleche, die ohne wesentliche Krümelung den Boden umkippen. Man war mit der Tiefe der Bodenbearbeitung immer weiter gegangen, namentlich unter dem Einfluß des Zuckerrübenbaues, der eine Bearbeitung auf 35–40 cm wünschenswert machte. Dampfpflüge und vierspännige Pflüge wurden für diese Tiefen gebaut. Die Tiefkultur muß aber vorsichtig und allmählich eingeführt werden, weil bei der früher allein üblichen Flachpflügung nur die oberste Bodenschicht die für die Pflanzenernährung zuträgliche Beschaffenheit angenommen hat und bei dem Tiefpflügen eines derartigen Ackers eine Mischung dieser Krume mit dem unterliegenden „toten“ Boden, also eine Verdünnung der Nährstoffe eintritt, die nachteilig ist. Um diesen Schaden zu vermeiden, gleichzeitig aber den Wurzeln der Pflanzen das Eindringen in tiefere Bodenschichten zu ermöglichen, die immerhin doch auch Nährstoffe besitzen und vor allem auch in trockenen Zeiten noch Wasser enthalten, wird der Untergrundlockerer benutzt. Die Erkenntnis von dem Nutzen dieses Gerätes hat sich in den letzten Jahren sehr verbreitet, ja, vielleicht ist sogar teilweise von einer Ueberschätzung zu sprechen; der Pflugbau ist willig den Anregungen der Ackerbaulehre gefolgt und hat sich bemüht, dem keineswegs neuen Untergrundlockerer neue, zweckmäßigere Formen zu geben.

Die Wirkung des Untergrundlockerers im Unterschied vom Pfluge ist die, daß der Boden in einer gewissem Tiefe unter der Pflugsohle von einem Schar abgeschnitten, und zerbröckelt, aber nicht nach oben gebracht und mit der Krume gemischt wird. In seiner einfachsten Ausführung ähnelt das Gerät einem einscharigen Pfluge, dessen Schar und Streichblech durch ein blattförmiges, nach hinten ansteigendes Schar ersetzt sind; es wird von zwei Ochsen oder Pferden hinter dem Pflug in der Furche; gezogen und hat den Nachteil, daß ein Zugtier auf Umgepflügten Lande geht, dort also den gelockerten Boden wieder festtritt. Das wird vermieden, wenn man bei einem; Zweischarpflug den vorderen Pflugkörper durch den Untergrundlockerer u ersetzt und so pflügt, daß der Untergrund der letzten Pflugfurche gelockert wird, während der hintere Pflugkörper p eine neue Furche zieht. Dann geht das Sattelpferd auf ungepflügtem Lande, das Handpferd in der Furche f (Fig. 1).

Im Herbst 1906 wurden vergleichende Versuche mit |370| drei Untergrundpflügen der oben beschriebenen Bauart durch die Berliner Maschinenprüfungsanstalt angestellt. Zwei von ihnen, nämlich die von Ed. Schwartz & Sohn in Berlinchen und von der Akt.-Ges. H. F. Eckert in Berlin, sind schon länger im Gebrauch, der dritte, von E. Bippart in Arnstadt, ist neu.

Textabbildung Bd. 322, S. 370
Textabbildung Bd. 322, S. 370

Bemerkenswert an dem Schwartzschen Pflug ist die sog. Momentanstellung, die den Handgriff zum Einsetzen und Ausheben des Pfluges vollständig von dem zur Tiefenregelung dienenden trennt. In Fig. 2 ist der Gleitbogen für den Ausrückhebel über dem Pflugschar sichtbar, von dem Hebel erscheint nur das vorderste Stück neben dem scheinbaren oberen Schnittpunkt der beiden Vorderräder. An dem Ausrückhebel, der nur in zwei Lagen, ausgehoben oder eingesetzt, liegen bleibt, sitzt der Zahnbogen für den einklinkbaren Stellhebel zur Tiefenregelung. Auf den Zahnbogen kann ein Kloben so aufgesetzt und mit einer Schraube gesichert werden, daß der Pflugführer ohne den passenden Schlüssel nicht imstande ist, die Furche flacher zu nehmen; die Einstellung auf größere Tiefe ist ihm dagegen möglich, damit er bei harten Stellen im Boden das Flachlaufen des Pfluges verhindern kann. Am Ende der Furche wird der Pflug ohne Aenderung der Tiefenstellung ausgehoben, so daß am Anfang der nächsten Furche die gleiche Tiefe sofort wieder gesichert ist. Das Untergrundschar kann durch einen besonderen Handgriff ausgehoben werden.

Textabbildung Bd. 322, S. 370

Bei dem Pflug von Eckert ist die Differentialstellung „Ideal“ (Fig. 3) benutzt, deren Handgriff h für das Landrad L als einarmiger Hebel, für das Furchenrad F als zweiarmiger Winkelhebel wirkt. Die Längen und Lagen der Gestänge sind so bemessen, daß 1. bei dem Einsetzen (bezw. Ausheben) des Pfluges das Furchen- und das Landrad sich gleichmäßig heben (bezw. senken), 2. in der Arbeitsstellung bei weiterer Bewegung des Handgriffs das Furchenrad annähernd in der Ebene der Pflugsohle bleibt, während das Landrad gehoben oder gesenkt wird, um die Arbeitstiefe zu regeln. Für das Untergrundschar ist auch hier eine besondere Aushebevorrichtung (s. Fig. 4), vorhanden.

Der Bippartsche Untergrundlockerer (Fig. 5) zeigt die schon erwähnte einfache Bauart ohne Pflug. Neu an ihm ist, daß der zu lockernde Erdstreifen wagerecht und senkrecht scharf abgeschnitten und auf der schiefen Ebene des Schares gehoben wird, um hinter ihm wieder herunter zu fallen; die älteren Untergrundschare arbeiten dagegen mehr als Wühler.

Textabbildung Bd. 322, S. 370
Textabbildung Bd. 322, S. 370

Die Prüfung ergab bei durchschnittlich 18 cm tiefer Pflugfurche und noch 18 cm tieferer Lockerung einen Zugwiderstand von rd. 400 kg für die Geräte von Schwartz und von Eckert; der Bippartsche Lockerer hatte 180 kg Widerstand, der voraufgehende Pflug 220 kg, so daß die Summe auch hier 400 kg beträgt. Der Bippartsche Lockerer, der eine ebenso große Arbeitsbreite hat wie der voraufgehende Pflug, lockert den Untergrund vollständig; die Lockerer von den anderen beiden Geräten ließen dagegen in festem Boden einzelne Streifen oder Nester ungelockerten Bodens stehen. Das Untergrundschar von Eckert ist nur 16 cm breit, während die Pflugfurche bis zu 25 cm breit gezogen werden kann. Die Nachgrabungen ergaben, daß bei sandigem Boden auch seitwärts neben dem Wühlschar die gewünschte Lockerung erreicht war, daß aber lehmige Stellen fest bleiben. Bei dem Schwartzschen Gerät ist das Untergrundschar nur 3 cm schmaler als der Pflug, die Lockerung daher auch in festem Boden ziemlich vollkommen.

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Die von Bippart herrührende neue Form des Untergrundlockerers erweist sich also, da sie ohne Erhöhung des Widerstandes eine völlige Lockerung erreicht, als zweckmäßig. Ein anderes Gerät, das einen Pflug und einen Bippartschen Lockerer ähnlich wie die von Eckert und von Schwartz vereinigt, ist bei der Prüfung ebenfalls benutzt worden. Dieser Teil der Versuche muß aber noch fortgesetzt werden.

Textabbildung Bd. 322, S. 371

Mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung, die der Kartoffelbau in der deutschen Landwirtschaft und besonders auf dem überwiegend leichten Boden der Mark Brandenburg besitzt, ist von der Berliner Prüfungsanstalt eine umfangreiche Prüfung der dazu verwendeten Maschinen eingeleitet worden, die erst in einigen Jahren zum völligen Abschluß kommen wird. Da die jährliche Ernte von Kartoffeln in Deutschland ungefähr 43 Millionen Tonnen, die Anbaufläche etwa 3⅓ Millionen Hektar beträgt, und da die Kartoffeln gelegt, gehäufelt, gerodet und gesiebt werden müssen, so ist leicht ersichtlich, welchen wirtschaftlichen Wert arbeitsparende Maschinen hierbei haben. Unerfüllt ist bis jetzt das Bedürfnis nach einer Kartoffellegemaschine und nach einer wirklich guten Erntemaschine. Allerdings ist im Jahre 1905 von der Prüfungsanstalt in Halle ein Kartoffelpflanzer „Sillcox“ von Geo. W. Sillcox, Brüssel geprüft worden, dem ein gutes Zeugnis zugesprochen wurde. Seine Arbeitsweise beruht darauf, daß ein dreiarmiger Stern mit scharfen umgebogenen Spitzen auf einem Teil seiner Drehung durch den als Viertelzylinder gestalteten Kartoffelkasten hindurchgeht, so daß an jeder Spitze eine Kartoffel stecken bleibt. Ueber der oberen Oeffnung des in die Furche führenden Rohres wird die Kartoffel abgestreift. Es erscheint aber zweifelhaft, ob auf diese Weise die Abstände zwischen den Kartoffeln in den Reihen im feldmäßigen Betrieb stets gleichmäßig erhalten werden.

Schon früher hat Verfasser in dieser Zeitschrift1) eine Kartoffelpflanzlochmaschine von Unterilp beschrieben. Diese Maschine, die inzwischen verschiedene Veränderungen erfahren hat, wurde jetzt mit der von Gebr. Lesser in Posen gebauten Sarrazinschen zusammen geprüft. Wie Fig. 6 zeigt, hat Unterilp die allgemeine Anordnung der Spatensterne und die Belastung der Sternhebel durch Federn beibehalten, sonst aber vieles völlig geändert. Durch die Anwendung des von den Drillmaschinen her bekannten Vordersteuers hat er die Sicherheit der Führung erhöht. Die Hebel, an denen die Spatensterne sitzen, sind gelenkig an den Hebelköpfen befestigt, die mit Schellen auf der hohlen Welle gehalten werden. Da die Schellen Stifte tragen, mit denen sie in Bohrungen in der Welle eingreifen, sind sie gegen Drehungen und Verschiebungen gesichert und die Einstellung auf den gewünschten Reihenabstand zwischen 52½ cm und 63 cm (20 und 24'') ist leicht zu erreichen. Die Lochspaten sind dachförmig und haben an den Spitzen Füllbleche an der hohlen Seite. Der Druck, mit dem sie in den Boden eindringen, wird durch gebogene Blattfedern verstärkt, deren Spannung durch eine im Scheitel des Bogens wirkende Druckschraube geregelt werden kann. Die Abstände der Löcher jeder Reihe voneinander werden durch Verschiebung der Lochspaten auf ihren Stielen in radialer Richtung verändert; und da in jedem Stiel drei Bohrungen für die Befestigungsschraube angebracht sind, denen Spitzenkreise der Spaten von beispielsweise 740, 820 und 900 mm Durchm. entsprechen, so ergeben sich bei fünf Spaten an jedem Stern Lochabstände von 44½, 49¾ und 55 cm (17, 19 und 21''). Je nach Wunsch werden auch andere Lochabstände vorgesehen.

Textabbildung Bd. 322, S. 371

Bei Maschinen, deren arbeitende Teile zwischen den Rädern sitzen, ist es leicht, den seitlichen Anschluß an die bei einer Fahrt bearbeitete Ackerfläche bei der Rückfahrt dadurch zu gewinnen und inne zu halten, daß das bei dem Umwenden innen laufende Rad in seiner eigenen Spur zurückfährt. Das ist bei der Unterilpschen Pflanzlochmaschine deshalb nicht möglich, weil ihre Spurweite nur gleich der halben Arbeitsbreite ist. In der hohlen Hinterachse ist deswegen ein Ausleger mit einem Furchenzieher auf beiden Seiten verschiebbar angebracht, der die Spur für die Rückfahrt zieht.

Die zweite der geprüften Maschinen (s. Fig. 7) zieht vor jedem Spatenstern eine flache Furche, so daß ein genügend tiefes Loch entsteht, ohne daß die Spaten sehr tief in den Boden einzudringen brauchen. Nach dem gleichen System arbeitet übrigens auch die Maschine von Osterland. Wie aus Fig. 8 ersichtlich ist, kann sich jeder Scharhebel an einer Parallelogrammführung unabhängig von den Spatensternen heben, während seine Abwärtsbewegung |372| durch die Nase begrenzt ist, die sich auf einen Querbolzen in einem auf dem Rahmen des Spatensterns ruhenden Bügel auflegt und bei tieferem Eindringen des Schars in den Boden auch den Spaten hinunterdrückt. Der Spitzenkreis der Spatensterne ist mit 660 mm Durchm. nur klein, er wird bei verschiedenen Lochentfernungen nicht verändert, sondern diese werden durch Aenderung der Zahl der Spaten (6,5 oder 4) zwischen 31½ und 47 cm verändert. Die Spaten stehen nicht radial, sondern unter rd. 30° in der Drehrichtung rückwärts gegen den Radius geneigt, so daß sie ziemlich steil, bei fünf Spaten z.B. etwa um 20° gegen die Senkrechte geneigt, aus den Pflanzlöchern heraustreten.

Textabbildung Bd. 322, S. 372

Der Zweck dieser Anordnung ist offenbar die Erzielung scharf markierter Löcher, die Prüfung hat aber gezeigt, daß dazu ein größerer Spitzenkreis nötig ist, wie ihn ja auch die Unterilpsche Maschine besitzt. Während die letztere nämlich spitze, genau begrenzte Löcher mit einer scharf ausgeprägten tiefsten Stelle liefert, in denen die hineingeworfenen Kartoffeln von selbst an den richtigen Platz rollen, findet bei der Sarrazinschen Maschine infolge der Kleinheit des Spitzenkreises kein reines Drehen um die jeweils im Boden stehende Spitze statt, sondern diese gleitet etwas, und so entstehen lang gezogene Mulden mit flachen Neigungen in der Längsrichtung.

Textabbildung Bd. 322, S. 372

Die Aushebung der Spatensterne erfolgt bei der Maschine von Unterilp durch Drehung der Achse mittels Händel und Winkelhebel, die beweglichen Spatensternhebel stützen sich dabei mit einem Anschlag auf die auf der Achse befestigten Hebelstücke. Bei der Maschine von Lesser wird der in Fig. 8 sichtbare, um die Sternachse drehbare Bügel vom Handhebel aus durch eine Kette gedreht, bis er mit einem Anschlag einen zweiten, schon oben erwähnten Bügel mitnimmt, der seinerseits durch den Querbolzen das Schar aushebt. Erst bei dem weiteren Zug an der Kette wird auch der Spatenstern ausgehoben. Diese Einrichtung ist gewählt worden, um trotz des verschieden großen Abstandes von der Drehachse Schar und Spatenstern gleich hoch auszuheben.

Textabbildung Bd. 322, S. 372

Die Zugkraftmessungen ergaben, daß die von Lesser verwendeten Vorschare den Widerstand erhöhten, und zwar bei flacher Stellung um 8 v. H., bei tieferer um 16 v. H. im Mittel; dabei schwankte der Widerstand mit dem Wechsel der Bodenbeschaffenheit ziemlich stark, während der Widerstand derselben Maschine ohne Vorschare fast gleichmäßig 140 kg betrug. Die Maschine von Unterilp hat nur einen Widerstand von 115–125 kg, was wieder auf dem größeren Durchmesser des Spitzenkreises der Spaten zu beruhen scheint.

Textabbildung Bd. 322, S. 372

Die in die Löcher der Pflanzlochmaschine gelegten Kartoffeln werden durch Erddämme bedeckt, für deren Herstellung Zudeckmaschinen benutzt werden. Die in Fig. 9 dargestellte Zudeckmaschine von Unterilp hat gewölbte, schräg gegen die Fahrtrichtung gestellte Scheiben von 500 mm Durchm., die in den Boden eindringen und durch ihre Drehung parweise die Erde zu einem Damm zusammenwerfen. Der allgemeine Bau der Maschine, die Befestigung der Scheiben und Hebel und die Anbringung der Druckfedern ist aus der Abbildung ohne weiteres erkennbar. Das Hintersteuer schleift auf einem Bügel, an dem es durch eine kurze Drehung um seine Längsachse mittels eines Hakens festgeklemmt werden kann, der am Steuerhebel sitzt und sich von unten fest gegen den Bügel legt. Das Festklemmen des Steuers schützt den Arbeiter |373| gegen die kleinen Erschütterungen bei der Fahrt.

Die Scheiben an der Lesserschen Zudeckmaschine (s. Fig. 10) haben nur 300 mm Durchm., sie werden in schwererem Boden durch Gewichte, die an die Enden der Hebel gehängt werden, niedergedrückt. Die Kleinheit der Scheiben ist bei großer Reihenweite nachteilig, weil in der Furche ein Streifen unbearbeitet bleibt, auf dem sich das Unkraut ungestört entwickeln kann. Sehr zweckmäßig ist die Anordnung der Druckwalzen, die hinter den Scheiben auf der Dammkrone laufen und die Erde fest an die Kartoffeln drücken; dadurch wird das Aufgehen der Pflanzen beschleunigt und gleichmäßig gemacht. Die Steuerung ist besonders mit Rücksicht auf schwierigere Verhältnisse, wie hügeliges Land, entworfen. Der Vorderwagen wird wie bei einer Drillmaschine gesteuert, unabhängig von seinem Gang kann der Hinterwagen noch besonders gesteuert werden. Die Stange, die ihn mit dem Vordergestell verbindet, hat nämlich ein Gelenk (vgl. Fig. 11) und der vordere Teil der Stange, der seinerseits gelenkig am Vorderwagen sitzt, ist in Form eines Handgriffs nach hinten bis über die Zudeckschare hinaus starr verlängert. Mittels dieses Handgriffs kann also der Drehpunkt der Stange seitwärts verschoben werden, und das Hintergestell mit den Zudeckern folgt dieser Verschiebung.

Nach einer Mitteilung der Firma vom 11. Mai d. J. führt sie ihre Maschine jetzt mit Zudeckscheiben von 350 mm Durchm. aus und gestaltet die Hebel so, daß zwei Gewichte angehängt werden können. Beide Aenderungen werden ohne Zweifel die Wirkung bei den Anhäufeln verstärken.

Die Zudeckmaschinen zeigten bei der Prüfung auf gut vorbereitetem mildem Boden 170 kg Zugwiderstand, die von Lesser bei Anwendung der Druckwalzen noch 30 kg mehr.

(Schluß folgt.)

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D. p. J. 1904, Bd. 319, S. 68.

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