Titel: Aus der Praxis.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 380–381)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322128

Aus der Praxis.

Glasbausteine.

Die ältesten Glasbausteine sind die nach dem Patent von Falconnier1) hergestellten, geblasenen, hohlen Glasbausteine, die bis auf eine kleine Oeffnung ringsum geschlossen sind und von den Adlerhütten in Penzig hergestellt werden. Neuerdings bringen die Deubener Glaswerke einen Glasbaustein Marke Faust in den Handel, der einige recht zweckmäßige Eigentümlichkeiten aufweist. Sie sind, abgesehen von besonderen Formsteinen, im Format der Normalsteine gehalten, so daß sie im Verband mit gewöhnlichen Mauersteinen in jeder Wand zur Herstellung von Lichteinlässen Verwendung finden können. Wichtig ist, daß solche Lichteinlässe nach einer neueren oberinstanzlichen Entscheidung nicht als Fenster im baupolizeilichen Sinne angesehen werden, daher also auch in Brandmauern angebracht werden können. Die Steine sind nicht aus ordinärem, sondern aus weißem oder nach Wunsch gefärbtem Glase durch Pressen hergestellt und sorgfältig gekühlt, so daß sie nicht spröde wie manche ältere Fabrikate sind. Durch eine einfache Ornamentierung der Kopffläche ist dafür gesorgt, daß sie bei voller Lichtdurchlässigkeit doch undurchsichtig sind. Sie ertragen eine Belastung von durchschnittlich 9000 kg und ihre Gestalt ist so, daß sie ohne Mörtel oder dergl. aufgebaut einen festen Verband ergeben. Zum Abdichten der Fugen hat sich am besten Zement bewährt.

Textabbildung Bd. 322, S. 380

Fig. 1 zeigt einen solchen Stein in Seitenansicht, Kopfansicht von rechts und im Grundriß. Der einzelne Stein bildet einen an der Grundfläche offenen Kasten. Auf der oberen Seite befinden sich zwei quadratische Erhöhungen c, deren Umriß dem lichten Querschnitt des Hohlraumes entspricht. Die beiden Erhöhungen lassen zwischen sich einen Raum d frei, in welchem die nebeneinander liegenden Kopfwände zweier zusammenstoßender Steine hineinpassen. Außerdem greifen die an den Kopfwänden befindlichen Nasen und Nuten ineinander.

Textabbildung Bd. 322, S. 380

Die auf der Lichtfläche vorspringenden Augen dienen teils der Verzierung, teils dem Zwecke, die Wand undurchsichtig zu machen. Vielfach wird indessen ein Wellenrelief an der Kopfseite (s. Fig. 2) bevorzugt. Wichtig ist die Frage der Ausbesserung, falls durch ungewöhnliche Gewalt einzelne Steine einer Wand zertrümmert sind. Für diesen Fall werden besonders geformte Ersatzsteine hergestellt, welche nach Entfernung der Trümmer in die Lücke eingefügt werden.

Die allgemeinen Vorzüge der hohlen Glasbausteine sind bekannt, Lichtdurchlässigkeit, Wetter- und Säurebeständigkeit, Isolierungsvermögen gegen Wärme, Kälte, Schall. Aus demselben Glase stellen die sächsischen Glaswerke auch Biberschwänze, und zwar auch mit Drahteinlage und Falzziegel in verschiedenen gangbaren Formaten her, die ohne weiteres mit den gewöhnlichen Dachziegeln eingedeckt werden können und daher statt der Dachfenster unter wesentlicher Kostenersparnis angewendet werden können.

Endlich werden auch Fußboden- und Wandbelagplatten hergestellt, mit durch Relief gerauhten bezw. verzierten Sichtseiten und unterschnittenen Vorsprüngen an der Rückseite, die in den Mörtel eingebettet werden und der Platte Halt geben.

Betonrandsteine mit Hartgußeisenschutz.

Seit drei Jahren werden in München Versuche mit Betonrandsteinen mit Eisenarmierung gemacht, die sich ausgezeichnet bewährt haben.

Die sonst zur Verwendung gekommenen Kurvensteine aus Granit an Straßenkreuzungen, welche einen lebhaften Verkehr aufzuweisen haben, waren schon nach wenigen Jahren derart abgenutzt, daß ihr Ersatz sich unumgänglich notwendig erwies.

Die häufige Auswechselung der Randsteine verteuert sie ganz wesentlich, und dies ist noch mehr bei den mit Holz und Asphalt gepflasterten Straßen der Fall, weil der Aufbruch und die Wiederherstellung des Pflasters längs der zu erneuernden Kurvensteine ganz erhebliche Kosten verursacht, welche nahezu den halben Kosten der Granitsteine gleichkommen.

Da sowohl diese Kosten, als auch die für den Ersatz der neuen Granitsteine zumeist von den Gemeinden bestritten werden müssen, lag die Notwendigkeit vor, ein besseres und dauerhafteres Material für Kurvenrandsteine zu gewinnen, um so mehr, als dies vom Standpunkt der Verkehrssicherheit geboten war. ganz abgesehen von der ästhetischen Rücksichtnahme.

Diese mit Hartgußeisen (aus dem Berg- and Hüttenwerk Achthal, Oberbayern) armierten Betonrandsteine stellen sich allerdings bei erstmaliger Verwendung etwas höher als die Granitrandsteine, doch besteht nach den bisherigen Erfahrungen sicher kein Zweifel, daß sie eine erheblich längere Dauer als die Granitrandsteine haben. Nach den in München gemachten Erfahrungen dürfte sich bezügl. der Kosten im Lauf der Jahre das Verhältnis 1 : 3 ergeben, was bezügl. der Kosten wesentlich zugunsten der Betonrandsteine spricht.

Die Konstruktion der Eisengerippe ist derart, daß selbe vollständig in Beton eingehüllt sind, so daß eine möglichst innige Verbindung zwischen Eisen und Beton ermöglicht ist. Bekanntlich ist ja die Verbindung des Eisens mit dem Beton eine sehr innige, der Anheftungskoeffizient wird gewöhnlich mit 7,5–15 kg f. d. qcm mit absoluter Sicherheit angenommen. Eine Lockerung des Eisens und der Betonhülle hindert die äußerst feste Bauart, wie dies auch die bisher ausgeführten Randsteinsetzungen bewiesen haben.

Die durch Anfahren und Aufsteigen der Räder – selbst schwerster Fuhrwerke – verursachten heftigen Erschütterungen haben keinerlei Beschädigungen und Abnutzungen hervorgerufen, die Randsteine zeigten ein vollkommen sicheres Verhalten.

In Straßen mit größeren Steigungen empfielt es sich, für die geraden Strecken ebenfalls armierte Betonrandsteine |381| zu verwenden, weil die Randsteine in solchen Straßen zum Bremsen der Räder schwerer Fuhrwerke – ganz besonders im Winter bei Glatteis (Rutschen der Räder an die Randsteine) – benutzt und die gewöhnlichen Granitrandsteine erfahrungsgemäß schon in kurzer Zeit sehr stark abgenutzt werden.

In der Magistratssitzung vom 5. März 1907 wurde seitens des Vorstandes des Stadtbauamtes das beste Zeugnis über die Dauerhaftigkeit der armierten Randsteine ausgestellt.

Die Herstellung des Betons kann jeweilig am Orte der Verwendung betätigt werden.

München, im April 1907.

E. Z.

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s. D. p. J. 1896, Bd. 302, S. 275.

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