Titel: Ueber Preßluft-Ausrüstungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 474–477)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322160

Ueber Preßluft-Ausrüstungen.

Von Ingenieur H. Grimmer.

(Fortsetzung von S. 459 d. Bd.)

Wenn die Luft auch vor dem Ansaugen durch den Kompressor von den mitgerissenen Verunreinigungen gereinigt worden ist, so führt die abgehende Preßluft doch eine gewisse Menge Wasser und Schmieröl mit sich. Die Feuchtigkeit der Luft ruft an den Leitungsrohrwänden die Bildung von Zunder hervor, wodurch die Werkzeuge leicht verschmutzt werden und einem schnelleren Verschleiß ausgesetzt sind. Ferner entstehen dadurch die störenden und die Werkzeuge schädigenden Wasserschläge. Das mitgeführte Oel aber greift bei Verwendung von Gummischläuchen die innere Gummischicht an und führt eine rasche Zerstörung derselben herbei.

Textabbildung Bd. 322, S. 474

Um diese Uebelstände zu beseitigen, baut die Firma Oetling zwischen das Abschlußorgan der Abzweigleitung und den Schlauchanschluß ein Bürstenfilter nach Fig. 8 ein. Dasselbe besteht aus einem Zylinder A, in den die Bürste B eingesetzt ist. Die bei C eintretende Preßluft geht durch die Bürste hindurch und setzt hier den mitgeführten Zunder und Staub ab. Wasser und Schlamm sammeln sich im Raum E, von wo das Gemisch durch einen Ablaßhahn abgezogen werden kann. Der Austritt der gereinigten Luft zur Verwendungsstelle erfolgt bei D.

Der Apparat kann in wenigen Minuten auseinandergenommen und gereinigt werden. Die schmutzige Bürste wird am besten in heißem Sodawasser gewaschen. Dieselbe ist vor dem Einsetzen in das Filtergehäuse ganz wenig mit dickem Zylinderöl zu bestreichen, so daß die Borsten nicht zusammenkleben.

Bei dem in Fig. 9 dargestellten Oel- und Wasserabscheider der Firma Fuchssteiner & Froning in Dortmund-Cörne durchdringt die Preßluft von außen nach innen Schlauchwände aus Bronzegase, deren Anzahl je nach der Leistung verschieden ist. Der Druckverlust durch den Einbau eines solchen Abscheiders in die Preßluftleitung beträgt etwa 1/1000 at.

Textabbildung Bd. 322, S. 474

Um bei längeren Leitungen den Spannungsabfall |475| kontrollieren zu können, ist es zweckmäßig, an den Filtern ein Manometer anzubringen.

Fig. 10 zeigt ein Staubfilter der Internationalen Preßluft- und Elektrizitäs-Ges. m. b. H., Berlin, das zum Einschalten in die Rohrleitung bestimmt ist und mit ¾'', 1'' und 1 ¼'' Gasgewinde hergestellt wird. Das Filtertuch, ein dichtmaschiges Gewebe, ist zwischen die beiden Flanschen von 175 mm Durchmesser eingespannt.

Textabbildung Bd. 322, S. 475

Die aus dem Kompressor austretende Preßluft wird je nach der Leistung des ersteren in einem Luftbehälter aufgespeichert.

Bei der Beschaffung eines solchen Luftbehälters ist darauf zu achten, daß die Oeffnungen für die Zuführung und die Entnahme der Preßluft nicht direkt nebeneinander liegen. Die Zuführung geschieht am besten in geringer Höhe vom Boden an einer Seite, die Entnahme gegenüber womöglich an der höchsten Stelle.

Dadurch wird erreicht, daß die Luft vom Eintritt bis zum Austritt den längsten Weg zurücklegt und dabei Zeit findet, die beigemengte Oel- und Wassermenge abzuscheiden, welche von Zeit zu Zeit durch einen Ablaßhahn am Boden abgezogen wird.

Die Zu- und Ableitungen müssen am Kessel selbst durch Ventile oder Hähne abgesperrt werden.

An dem Kessel ist ein Sicherheitsventil, sowie zur Kontrolle an geeigneter Stelle ein Manometer anzubringen.

Manche Betriebsleiter suchen die Wirtschaftlichkeit ihrer Anlage dadurch zu erhöhen, daß sie die sonst verloren gehende Wärme des Abdampfes oder der Abgase von Gasmotoren durch die Vorwärmung der Preßluft vor dem Eintritt in die Werkzeuge vorteilhaft ausnutzen. Sie gewinnen dadurch 10–20 v. H. Energie wieder, da durch Erwärmung der Preßluft der Druck ein höherer und damit der Luftverbrauch ein geringerer wird. Außerdem wird durch die Vorwärmung dem Einfrieren der Leitungen und feststehenden Werkzeuge und Maschinen vorgebeugt.

Textabbildung Bd. 322, S. 475

In Fig. 11 ist ein solcher Vorwärmer der Firma Oetling in Strehla dargestellt.

Die zur Vorwärmung bestimmten Abgase des Gasmotors oder der Abdampf der Dampfmaschine treten durch das Rohr C in das Blechgehäuse J. Hier verzweigt sich das Rohr C in zwei oder mehrere Rippenheizrohre C1, welche die Abgaswärme an die durch das Rohr A und die Verteilungsstutzen B eintretende und sie umspülende kalte Preßluft abgeben. Der Austritt der Abgase erfolgt bei D.

Zur weiteren Ausnutzung der bei Gasmotoranlagen durch das erforderliche Kühlwasser verloren gehenden Wärme legt man in den freien Raum des Gehäuses J mehrere Schlangenrohre R, durch welche das bei E eintretende warme Abwasser hindurchgeht und bei F austritt. Auf diesem Wege gibt das Abwasser den größten Teil seiner Wärme an die vorbeistreichende Preßluft ab.

Durch die Sammelstutzen G wird die angewärmte Luft dem Rohr H und durch dieses der Verwendungsstelle zugeführt.

Rohrleitungen.

Bei jeder Neuanlage ist den zur Fortleitung der Preßluft dienenden Rohrleitungen ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Vor allen Dingen nehme man die Rohre nicht zu eng, da dort, wo einmal Preßluft verwendet wird, bald nach Inbetriebsetzung der Anlage weitere Anschlüsse gewünscht werden. Sind die Leitungen nun auch noch lang, so wird es sich bald zeigen, daß namentlich den Abzweigstellen an den Enden der Rohrleitung nicht mehr genug Preßluft zuströmt bezw. daß der Druck zum Betriebe dort nicht mehr ausreicht.

Ferner wird es sich im Interesse der Lebensdauer lohnen, wenn verzinkte Rohre zur Verwendung gelangen, da die der Luft stets beigemengte Feuchtigkeit in den rohen Rohren Rost erzeugt.

Bei der Montage ist scharf darauf zu achten, daß die Rohrleitungen stets etwas Gefälle von der Maschine nach den Verbrauchsstellen zu haben.

Zum Ablassen des kondensierten Wassers sind an geeigneten Stellen Ableitungen mit Zapfhähnen anzubringen.

Um Verluste an Preßluft zu vermeiden, müssen die Leitungen vollständig dicht und dabei doch in ihren einzelnen Teilen leicht lösbar sein. Denn sobald sich das Bedürfnis nach neuen Anschlüssen zeigt, müssen dieselben ohne längere Betriebsstörungen hergestellt werden können.

Gewöhnliche Gasrohrleitungen sind wohl am billigsten, erfüllen aber den angegebenen Zweck nicht, da sie im geschlossenen Rohrstrang sehr schwer zu lösen sind. Häufig wird es bei ihnen sogar notwendig, den betr. Rohrteil herauszuschneiden.

Besser eignen sich Flanschenverbindungen, welche leicht zu verlegen, zu verdichten und wieder zu lösen sind. Aber auch sie haben ihre Nachteile, da sie wegen der vorstehenden Flanschen nicht überall montiert werden können. Beim Auseinandernehmen zeigt es sich häufig, daß die Muttern festgerostet sind und abgehauen werden müssen. Die Dichtungen werden oftmals durch den Druck herausgetrieben. Im übrigen muß stets ein großer Vorrat an Dichtungen und Schrauben vorhanden sein.

Um die Nachteile der Muffen- und Flanschenverbindungen zu vermeiden, ihre Vorteile aber auszunutzen, stellt das Röhrenwerk Zwickau Paul Richter die in Fig. 12 gezeigte einfache Muffenverbindung her, bei der in der Muffe ein Dichtungsring derart angeordnet ist, daß er in den Gewindegängen der Muffe geführt wird.

Der innere Durchmesser des Dichtungsrings entspricht genau der lichten Weite des Rohres. Diese Verbindung ist sehr leicht zu lösen durch Hinüberdrehen der Muffe, die über den Dichtungsring wegläuft und so das Rohrende freigibt. Auf Wunsch können auch beide Rohrenden mit Langgewinde versehen werden, um die Muffe auf die eine oder andere Seite hinüberschieben zu können.

Einige Formstücke derselben Konstruktion sind in Fig. 13a–13c dargestellt.

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Der Vorteil dieser und der folgenden Verbindungen besteht darin, daß die Abdichtung, nicht wie bei den gewöhnlichen Muffenleitungen, durch das strammgehende Gewinde, sondern durch Stirnseitendichtung wie bei eingedrehten Bunden erfolgt. Die Gewindegänge können deshalb sehr leichtgängig sein und es wäre verkehrt, dieselben durch beigepacktes Dichtungsmaterial mitzudichten, da man dann nicht mehr fühlen würde, wann der Dichtungsring an der Stirnseite des Rohres anliegt, und so keine Gewähr für eine sichere Dichtung haben würde.

Textabbildung Bd. 322, S. 476

Für Hochdruckleitungen eignen sich Anordnungen nach Fig. 14–19. Dieselben vereinigen den Vorteil der vom Gewinde unabhängigen Dichtung mit den Vorzügen des Rechts- und Linksgewindes.

Die Muffe hat in der Mitte einen festen Ansatz in Rohrwandstärke; vor dem Ansatz ist von beiden Seiten ein Dichtungsring eingebracht und in einer Aussparung festgehalten. Die Dichtungsringe entsprechen in ihrem inneren Durchmesser der lichten Rohrweite.

Die beiden Flächen, an die sich die Ringe anlegen, sind ein wenig schräg gehalten und zwar derart, daß die Ringe, wenn sie gedrückt werden, nach der Aussparung zu gehen und nicht nach dem inneren Rohrdurchgang.

Diese Anordnung unterstützt auch das Dichtbleiben der Leitungen bei Wärmeschwankungen.

Da die durch die Rohre geleitete Luft bezw. die darin enthaltene Feuchtigkeit infolge der Abdichtung zwischen den Röhrenden mit dem Gewinde nicht in Berührung kommt, so kann dasselbe nicht festrosten; die Verbindung ist also, weil die Muffe nur auf den nach innen liegenden Gewindegängen der Rohrenden läuft, stets leicht lösbar, selbst wenn von außen der Rost anfressen oder die Muffe ganz verschmutzt sein sollte.

Für besonders schwierige Verhältnisse oder für Leitungen unter der Erde oder dergl. ist die Muffe der zuletzt beschriebenen Rohrverbindung außer durch die Innendichtung auch durch eine Außendichtung durch Gegenbunde vollständig dicht eingebettet (Fig. 20–23). Die nach außen gegen diese Gegenbunde abschließenden Dichtungsringe liegen jeder in einer Einfräsung an den Stirnseiten der Muffen und sind |477| derart eingebracht, daß sie genau wie die Innendichtung festliegen. Die Außenbunde schützen außerdem das Gewinde des Rohrendes ohne Muffe vor Beschädigung beim Transporte der Rohre. Die Muffen werden entweder außen zylindrisch gefertigt oder mit Sechskant versehen, so daß sie alle mit einem Schlüssel bedient werden können.

Textabbildung Bd. 322, S. 477

Bei den in vorstehendem beschriebenen vier Arten von Rohrverbindungen kommt die sonstige Empfindlichkeit der Gewinde nicht mehr in Frage. Bei einer Wiederverwendung ausgebauter alter Rohre können die Gewindegänge einigermaßen schadhaft, verschmutzt oder angerostet sein, sie lassen sich dennoch ohne Nachschneiden in den meisten Fällen wieder zusammenbauen, da das Gewinde leichtgängig ist.

Textabbildung Bd. 322, S. 477

Wenn man ferner im Flansch das Gewinde nicht durchschneidet (Fig. 24), sondern einen Ansatz in Rohrwandstärke stehen läßt und diesen ähnlich wie bei der beschriebenen Muffenverbindung ausbildet und mit Dichtungsring versieht, hat man einen Flansch, der, auf jedes passende Gewinderohr aufgeschraubt, ohne weiteres dicht sitzt.

Lange Erdleitungen verlangen wegen der Bodenbewegungen elastische Rohrverbindungen. In Fig. 25 ist eine derartige Verbindung von C. Oetling in Strehla dargestellt. Die auf die Rohrenden aufgeschraubten oder aufgelöteten Flanschen a pressen beim Anziehen der Flanschenschrauben je einen Gummiringe c gegen den Ring b. Hierdurch wird vollständige Dichtigkeit erzielt, zugleich aber auch durch die weitere Zusammendrückbarkeit der Gummiringe noch eine gewisse Beweglichkeit ermöglicht.

Textabbildung Bd. 322, S. 477

Um Spannungsverluste zu vermeiden, ist es zweckmäßig, bei Richtungsänderungen oder Abzweigungen von Leitungen mit unverändertem Querschnitt keine gewöhnlichen Knie- - und andere Formstücke zu verwenden, sondern nur solche mit erweitertem Querschnitt. Hierzu dienen Kugelzweiweg- oder Dreiweg-Eckstücke (Fig. 26) und Kugel--Stücke (Fig. 27). Bei Abzweigung engerer Leitungen soll die Querschnittsabnahme allmählich erfolgen. Einige hierzu geeignete Formstücke sind in Fig. 28–34 dargestellt.

(Fortsetzung folgt.)

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