Titel: Neuere Herstellungsweisen der Transmissionsseile.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 582–585)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322193

Neuere Herstellungsweisen der Transmissionsseile.

Von Ernst Schulz in Schwelm.

(Schluß von S. 569 d. Bd.)

Die Seilfäden werden heute noch fast allgemein auf der Seilbahn, die bis zu 1000 m lang zu sein pflegt, in der bekannten Weise mittels eines Austreibewagens zu Litzen oder Schenkeln vereinigt, wobei der Wagen durch ein Pferd oder durch ein die ganze Seilbahn entlang laufendes Antriebsseil, seltener durch einen auf dem Wagen selbst befestigten Elektromotor in Bewegung gesetzt wird. Gleichzeitig erhält die an dem Austreibewagen befestigte Seillitze durch eine geeignete Räderübersetzung die erforderliche Drehung in der Weise, daß auf jede Längeneinheit, um die der Wagen voranschreitet, eine sich stets gleichbleibende Anzahl von Drehungen der Seillitze kommt. Die einzelnen Fäden wickeln sich entsprechend dem Voranschreiten des Wagens von einem Spulengestell ab; durch ein Paar Preßbacken, die sie beim Beginn der Seilbahn durchlaufen, ist dafür Sorge getragen, daß sich die ihnen vom Wagen erteilte Drehung nicht weiter nach rückwärts überträgt. An dieser Einrichtung hat sich lange Zeit hindurch wenig geändert, und erst in den allerletzten Jahren ist man in größeren mechanisch betriebenen Seilereien dazu übergegangen, die Litzen nicht mehr auf der Seilbahn, sondern auf besonders dafür gebauten Maschinen (horizontal formers) herzustellen, von denen in Fig. 7 und 8 die gebräuchlichsten Bauarten wiedergegeben sind.

Textabbildung Bd. 322, S. 582
Textabbildung Bd. 322, S. 582

Die in Fig. 7 dargestellte Konstruktion dient zur Anfertigung schwächerer Seillitzen, die nicht mehr als 15 mm Durchm. haben, während auf der Maschine (Fig. 8) Litzen von größerem Durchmesser hergestellt werden können.

Bei der Ausführung (Fig. 7) sind zwei Spindeln nebeneinander angeordnet und fällt die Achse der Aufnahmespule mit der Spindelachse zusammen, genau wie dies bei den selbsttätigen Spinnmaschinen der Fall war, mit denen diese Konstruktion auch noch sonst mancherlei Aehnlichkeit besitzt. Die durch zwei mit Federdruck gegeneinander gepreßte Walzen laufenden Seilfäden gelangen zunächst durch eine Büchse, in der sie auf den Durchmesser der fertigen Litze zusammengedrückt werden und alsdann durch die hohle Spindelachse zu zwei vierrilligen Transportwalzen, von denen sie den Spulen zugeführt werden. Die Spindel wird bei dieser Konstruktion nicht durch Zahnräder, sondern durch einen kräftigen Riemen angetrieben, während die Spulen auch hier mittels eines in der Figur deutlich wahrnehmbaren Schleppriemens in Bewegung gesetzt werden. Die auflaufende Seillitze wird nicht wie der Seilfaden bei den selbsttätigen Spinnmaschinen in der Längsrichtung der Spule hin- und hergeführt, sondern es bewegt sich umgekehrt die Spule auf der Spindelachse vor und zurück, während die Auflaufstelle der Seillitze stets in der gleichen Vertikalebene liegt. Um die Spule trotzdem bremsen zu können, ist die Breite der auf der Hauptwelle befestigten Antriebsscheibe für den Schleppriemen gleich dem Spulenhub zuzüglich der Riemenbreite gewählt worden, so daß der Schleppriemen der Spulenbewegung ungehindert folgen kann.

Um eine Litze von möglichst gleichmäßigem Gefüge zu erhalten, läßt man die einzelnen Seilfäden in konzentrischen Ringen in die Spindel einlaufen und bringt zu diesem Zweck vor der Maschine eine sog. Registerplatte an, die ebensoviele in konzentrischen Kreisen liegende Löcher hat, wie Seilfäden zu einer Litze vereinigt werden sollen. Zwei solcher Platten sind in Fig. 7 neben der Maschine liegend erkennbar.

Bei Maschinen, auf denen stärkere Litzen angefertigt werden sollen, lagert man in der Regel die Spule senkrecht zur Spindelachse, wie dies auch bei der in Fig. 8 abgebildeten Litzenmaschine (former) geschehen ist, auf der man Litzen bis zu 25 mm Durchm. herstellen kann. An Stelle der Spindel ist hier ein rahmenartiges Gestell getreten, das mit seinen beiden Zapfen in zwei kräftigen Lagerböcken frei drehbar gelagert ist. Die einzelnen Seilfäden laufen durch zwei Registerplatten und durch eine auswechselbare Büchse, in der sie kräftig zusammengepreßt und dadurch gleichsam poliert werden, zu der Spindel, deren Achse auch hier durchbohrt ist. Den Transport bewirken zwei kegelförmig gedrehte Scheiben, um welche die Litze, die an dieser Stelle bereits ihre Drehung erhalten hat, mehrere Male herumgeschlungen wird. An Stelle der kegelförmigen Scheiben treten häufiger noch die auch bei den selbsttätigen Spinnmaschinen angewendeten Rillenscheiben. Bevor die Litze zur Spule gelangt, durchläuft sie eine gabelförmige Führung, die auf einer von der Spulenachse aus angetriebenen Welle hin- und hergeführt wird in der Weise, daß in die Welle eine sich kreuzende Spiralnut eingearbeitet ist, in die eine an der Führung befestigte Stahlzunge eingreift.

Bevor die Fäden durch die Büchse zusammengepreßt werden, kann man sie auch noch einen heizbaren Imprägnierkasten durchlaufen lassen und sie mit Fett tränken. Durch den hinteren hohlen Zapfen der Spindel hindurch ist eine Welle geführt, die an ihrem äußeren Ende eine Bremse trägt und an dem inneren Ende ein Kegelrad, |583| das vermittels weiterer Uebertragungsräder mit der Spule in Verbindung gebracht ist. Würde nun die Bremse ganz fest angezogen werden, so würden die in dem hohlen Spindelzapfen gelagerte Welle und das auf dieser befestigte Rad stehen bleiben, so daß sich das folgende Rad – vorausgesetzt daß es die gleiche Größe hätte – bei einer Spindelumdrehung einmal um sich selbst drehen würde; diese Bewegung würde alsdann durch die anderen Räder auf die, Spule übertragen werden. Durch entsprechendes Lösen oder Anziehen der Bremse kann man erreichen, daß die Litze immer mit einer gewissen Spannung auf die Spule aufgewickelt wird. Uebersteigt diese Spannung ein bestimmtes Maß, so wird die durch die Bremse erzeugte Reibung überwunden und die Spule bleibt so lange in bezug auf ihre Lage zur Spindel stehen, bis die Spannung geringer geworden ist.

Der Antrieb der Spindel selbst ist aus der Figur ohne weiteres ersichtlich. Die kegelförmigen Transportscheiben werden in ganz ähnlicher Weise in Bewegung gesetzt wie die Rillenscheiben der selbsttätigen Spinnmaschinen, nur bedarf es bei den Litzenmaschinen der Zwischenschaltung von ein Paar Kegelrädern.

Die entweder auf der Seilbahn oder auf einer der soeben beschriebenen Maschinen hergestellten Seillitzen müssen alsdann noch zu dreien oder mehreren vereinigt werden, um das fertige Seil zu erhalten. Es geschieht dies durch Zusammenschlagen, wie der fachmännische Ausdruck lautet, oder durch Zusammenflechten. Das Zusammenschlagen besonders der schwereren Transmissionsseile wird heute noch allenthalben auf der Seilbahn vorgenommen; indessen hat man vereinzelt auch Spezialmaschinen (sogenannte layers) gebaut, welche die Seilbahn überflüssig machen.

Um die Beschreibung einer solchen Spezialmaschine verständlicher zu machen, ist es erforderlich, mit einigen Worten auf den Vorgang, den man als „Zusammenschlagen“ bezeichnet, selbst einzugehen. Befestigt man drei Litzen, die zum Seil vereinigt werden sollen, an ihrem einen Ende gemeinschaftlich an einem um seine Längsachse frei drehbaren Haken und dreht man dann diese Litzen an ihrem anderen Ende noch schärfer zusammen, so wird sich diese Bewegung auch auf den Haken übertragen, der sich alsdann im entgegengesetzten Sinne drehen wird, indem er bestrebt ist, den den Litzen erteilten schärferen Drall aufzuheben. Dabei werden sich die Litzen selbst um einander legen und zu einem Ganzen vereinigen. Da das so entstehende Seil für Transmissions- und sonstige Zwecke zu lose sein würde, so dreht man den Haken, an dem die Litzen aufgehängt sind, noch weiter in dem gleichen Sinne, in dem er sich bereits von selbst zu drehen bemüht ist, bis man die gewünschte schärfere Drehung des Seiles erhält.

Werden die Litzen auf der Seilbahn zusammengeschlagen, so hängt man sie an ihrem einen Ende einzeln an die von Hand oder auf mechanische Weise drehbaren Haken eines feststehenden Seilgeschirrs, während sie mit ihrem anderen Ende gemeinsam an dem Haken einer auf den Schienen der Seilbahn stehenden Seilschlagmaschine befestigt werden. Die Haken des Seilgeschirrs und der Haken der Schlagmaschine werden alsdann in der soeben beschriebenen Weise in Umdrehung versetzt. Damit nicht das ganze Seil mit einem Mal zusammengeschlagen wird, wodurch Ungleichmäßigkeiten entstehen könnten, wird eine Lehre, welche die Litzen auseinanderhält, von der Seilschlagmaschine aus allmählich zum Seilgeschirr hingeführt. Auf die beim Zusammenschlagen des Seiles eintretende Verkürzung wird in der Weise Rücksicht genommen, daß die auf Schienen laufende Schlagmaschine sich dem Seilgeschirr – entsprechend der zunehmenden Verkürzung des Seiles – nähern kann, wobei durch eine Bremse dafür gesorgt ist, daß das Seil immer unter angemessener Spannung bleibt.

Bei den feststehenden Seilschlagmaschinen kommt es darauf an, daß sie die soeben beschriebenen Bewegungen ebenfalls auszuführen vermögen, ohne daß sich einer ihrer Teile von der Stelle bewegt. Diese Aufgabe wurde in zweierlei Weise gelöst. In beiden Fällen läßt man die Litzen von den Spulen, auf die sie in der Austreibemaschine aufgewickelt worden sind, ablaufen, während gleichzeitig das fertig zusammengeschlagene Seil auf eine größere Spule aufläuft.

Bei der ersten in Fig. 9 wiedergegebenen Bauart, bei der die auf der Seilbahn übliche Herstellungsweise nachgeahmt wird, sind die Spulen, auf denen die Litzen aufgewickelt werden, in drehbaren Rahmen gelagert, die ihrerseits in einem feststehenden Gestell ruhen. Es kann daher den Litzen die schärfere Drehung, der sogenannte Vordraht in ähnlicher Weise gegeben werden, wie es auch auf der Seilbahn geschieht, nur müssen hier die Spulen diese Drehung mitmachen. Die Litzen, von denen eine jede durch die hohle Achse ihres Rahmens hindurch geführt wird, gelangen zunächst zu der Vereinigungsstelle, an der eine Lehre, ähnlich wie sie auch auf der Seilbahn angewendet wird, sie zwingt, regelrecht zusammenzulaufen.

Textabbildung Bd. 322, S. 583

Das so gebildete Seil muß, um die nötige Härte zu erhalten, noch weiter zusammengedreht werden; es geschieht dies durch einen Flügel, in dem die Aufnahmespule gelagert ist. Die Mitnehmerrollen für das Seil sind hier in einem besonderen Kopf untergebracht, der die gleiche Drehbewegung wie der Flügel ausführt. Die Führungsgabel, die das fertige Seil an der Aufnahmespule hin und herführt, gleicht ebenso wie die Bremse, welche die Bewegungen der Spule beeinflußt, den entsprechenden bereits bei Fig. 5 und 6 beschriebenen Teilen.

Bezeichnend für die Eigenart dieser Seilschlagmaschinen ist der Umstand, daß die Litzenspulen sowohl wie auch die Aufnahmespule je zwei Drehbewegungen ausführen. Die eine dieser Bewegungen, die zugleich mit der des Rahmens erfolgt, in welchem die betreffenden Litzen ruhen, hat den Zweck, den Litzen bezw. dem Seil die erforderliche Drehung zu geben, während die andere, die um die eigene Hauptachse vor sich geht, das Ablaufen der Litzen bezw. das Ablaufen des fertigen Seiles ermöglicht.

Anders verhält es sich bei der zweiten Ausführungsform, die in Fig. 10 schematisch dargestellt ist. Hier steht das Gestell, in dem die Aufnahmespule für das fertige Seil gelagert ist, fest und dreht sich die letztere nur um ihre eigene Achse, wogegen die Litzenspulen drei Bewegungen ausführen, wie dies aus der Zeichnung auch ohne weiteres ersichtlich ist. Es ist nämlich jede der drei Litzenspulen wieder in einem um seine eigene Achse drehbaren Rahmen gelagert; die drei Rahmen stehen geneigt zu einander auf einer als Drehscheibe ausgebildeten Plattform, an deren senkrechte Achse sie sich mit ihren oberen Zapfen anlehnen. Die von vier Lauf rädern getragene Plattform ruht außerdem mit ihrem unteren Zapfen |584| in einem Spurlager, und ist ihre nach oben verlängerte senkrechte Achse nochmals von einem zwischen zwei U-Eisen befestigten Lager gehalten.

Die Drehscheibe wird angetrieben durch ein besonderes gleichfalls an zwei U-Eisen aufgehängtes Vorgelege und durch ein Kegelräderpaar, während die Rahmen, die die Litzenspulen tragen, von einer wagerecht gelagerten unterirdischen Welle aus ebenfalls durch Kegelradübersetzung angetrieben werden. Die Spulen selbst drehen sich außerdem noch um ihre eigene Achse, werden aber nicht besonders angetrieben, sondern sie werden durch den Zug der ablaufenden Litze in Bewegung gesetzt. Damit die einzelnen Litzen stets mit der nötigen Spannung zur Vereinigungsstelle gelangen, haben die Spulen an ihren Seiten Bremsscheiben, durch die sie je nach Bedarf gebremst werden können.

Textabbildung Bd. 322, S. 584

Bei einigen Ausführungen – so z.B. bei der von G. Stein in Berlin – wird die von der Spule ablaufende Litze innerhalb des Spulenrahmens über besondere stets mit der gleichen Geschwindigkeit angetriebene Transportrollen geführt, wodurch eine vollkommen regelmäßige Zuführung gewährleistet ist. An der Vereinigungsstelle der Litzen ist wieder die übliche Lehre angeordnet. Von hier aus geht das nunmehr fertig zusammengeschlagene Seil über zwei durch ein Schneckenradvorgelege angetriebene Transportwalzen zu der Aufnahmespule, die mittels eines Schleppriemens, wie ein solcher bereits mehrfach erwähnt wurde, von der die Schnecke tragenden Welle aus in Bewegung gesetzt wird.

Man nennt derartige Seilschlagmaschinen ihrer eigenartigen Bauart wegen wohl auch „Karousselmaschinen“. Bei ihnen erhalten die Litzen stets durch die Drehung der einzelnen Spulenhalter den Vordraht, und werden dieselben sofort auch durch die Drehung der Drehscheibe auf die richtige Härte zusammengeschlagen, so daß die Aufnahmespule nur das Aufwickeln des fertigen Seiles zu besorgen hat.

Der Durchmesser der stärksten Seile, die man mit solchen Karousselmaschinen anfertigt, dürfte 50 mm selten übersteigen. Alle Seile von noch größerem Durchmesser sowie besonders die schweren Schiffstaue werden auch heute noch ausschließlich auf der Seilbahn oder „Reeperbahn“, wie man sie an der Küste nennt, zusammengeschlagen.

Außer durch Zusammenschlagen vereinigt man die Litzen auch noch durch Flechten zum fertigen Seil. Die betreffenden Maschinen gleichen im Prinzip vollständig den hauptsächlich in Barmen gebauten und in Anwendung befindlichen Flechtmaschinen, nur sind die einzelnen Teile entsprechend kräftiger konstruiert.

Am bekanntesten unter den geflochtenen Seilen sind die Quadrat- und in neuerer Zeit auch die Dreikantseile geworden. Die Quadratseile werden auf zweiläufigen mit acht Klöppeln arbeitenden zweiflechtigen Maschinen hergestellt, und ist die Bahn, welche die einzelnen Klöppel durchlaufen, in Fig. 11 schematisch wiedergegeben. Die in zwei Gruppen zu je vier geteilten acht Litzen kreuzen sich unter einem gemeinsamen Flechtpunkt derart, daß jede Litze mit ihrem Klöppel eine geschlossene Bahn durchläuft. Die Bahn der ersten vier Litzen ist durch Doppellinien angedeutet und sind die entsprechenden Klöppel schwarz gezeichnet, während die Klöppel 5, 6, 7 und 8 weiß geblieben sind.

Im Jahrgang 1898 der „Zeitschr. d. Ver. D. Ing.“ hat Prof. Keller auf S. 373 ff. nachgewiesen, daß sich die Quadratseile theoretisch niemals genau in die Rillen einer normalen Seilscheibe mit einem Rillenwinkel von 45° hineinlegen können. Man suchte diesem Uebelstande abzuhelfen und stellte die sog. Dreikantseile her, deren Querschnitt der üblichen Rillenform besser angepaßt ist.

Textabbildung Bd. 322, S. 584

Der Name „Dreikantseil“ ist ungenau gewählt, denn es handelt sich nicht um Seile von einem dreikantigen, sondern von einem trapezförmigen Querschnitt, der durch die Wahl ungleich großer Flügelräder erreicht wird. Es erhalten nämlich zwei Flügelräder je 6 und die beiden anderen je 4 Flügel, so daß die zehn Klöppel die in Fig. 12 angedeutete Bahn beschreiben müssen. Die fünf ersten Klöppel sind wieder schwarz und ist ihre Bahn durch Doppellinien hervorgehoben. Legt man an je zwei Teilkreise der vier Flügelräder die gemeinsame Tangente, so schließen diese vier Tangenten ein Trapez ein, das annähernd dem Querschnitt des fertigen Seiles proportional ist (Fig. 13). Verlängert man die beiden nicht parallelen Seiten des Trapezes, bis sie sich schneiden, so findet man durch eine einfache Rechnung, daß der von ihnen eingeschlossene Winkel nur wenig mehr als 46° beträgt, und daß derselbe damit dem üblichen Rillenwinkel der Hanfseilscheiben sehr nahe kommt. Von diesem Gesichtspunkt aus allein betrachtet würde das Trapezseil das vollkommenste Transmissionsseil sein, denn es paßt sich wie kein anderes dem Rillenquerschnitt an, und es hat, da die Litzen zwei in sich geschlossene Bahnen durchlaufen haben, an und für sich nicht die geringste Neigung sich zu drehen. Trotzdem aber kommt es auch bei Dreikantseilen vor, daß sie besonders im oberen Trum sich mit der breiteren |585| der beiden parallelen Seiten nach unten legen und in dieser Lage auf die zweite Seilscheibe auflaufen. Es haben deshalb die geflochtenen Seile trotz ihrer vielen Vorzüge die durch Zusammenschlagen der Litzen gebildeten Seile noch nicht zu verdrängen vermocht.

Die geflochtenen sowohl wie auch die auf der Seilbahn oder mit einer Seilschlagmaschine hergestellten Transmissionsseile müssen noch gereckt werden, damit sie während des Betriebes sich möglichst wenig dehnen. Das Recken kann auf der Seilbahn selbst erfolgen, indem man das fertige Seil durch Zurücklaufenlassen der Seilschlagmaschine bis zu einem gewissen Grade anspannt und unter Spannung erhält.

In neuerer Zeit erwärmt man auch das zusammengeschlagene Seil in einer besonderen mit Dampf geheizten Kammer und läßt es dann über zwei Trommeln laufen, von denen die zweite eine etwas größere Umfangsgeschwindigkeit besitzt wie die erste. Von der zweiten Trommel aus wird das Seil unter der gleichen Spannung auf einen einfachen Holzhaspel aufgewickelt, auf dem es alsdann zum Versand gelangt.

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