Titel: Bemerkenswerte technische Neuerungen auf dem Gebiete der Zuckerfabrikation usw.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 635–638)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322210

Bemerkenswerte technische Neuerungen auf dem Gebiete der Zuckerfabrikation im ersten Halbjahr 1907 (s. d. Bd. 8. 278).

Von k. k. landw. techn. Konsulent A. Stift (Wien).

(Fortsetzung von S. 617 d. Bd.)

Schon vor ungefähr 26 Jahren tauchte zuerst der Gedanke auf, die Diffusion mit der Pressung zu vereinigen, und zwar in der Weise, daß die Schnitzel vor dem Verlassen der Diffusionsbatterie einer teilweisen Pressung unterworfen werden sollten. Dieser ersten Erfindung folgten noch andere Konstruktionen, die sich aber in der Praxis nicht bewährten, so daß die ganze Frage in Vergessenheit geriet, bis anfangs unseres Jahrhunderts die Idee einer ununterbrochenen, mit teilweiser Pressung verbundenen Diffusion wieder von den Technikern aufgenommen wurde. Von den vorgeschlagenen Verfahren wurde nur eines mit glücklichem Erfolge in die Praxis übertragen, nämlich das Preß- Diffusionsverfahren von Hyroß-Rak. Die ersten Versuche wurden mit einem kleinen Apparat ausgeführt und die gemachten Erfahrungen sodann auf die Konstruktion eines Apparates für den Großbetrieb übertragen, welcher in der Kampagne 1906/07 in der Zuckerfabrik Böhmisch Brod in Betrieb gesetzt wurde, von Anfang bis zum Ende derselben tadellos und ohne jedwede Störung arbeitete und allen gehegten Erwartungen vollständig entsprach. Referent hatte Gelegenheit, das Verfahren in genannter Zuckerfabrik zu besichtigen und darüber zu berichten18). Die Fabrik verarbeitete täglich 12000 Meterzentner Zuckerrüben, zu welchem Zwecke zwei Diffusionsbatterien zur Verfügung standen. In einem Seitenraume, neben der Dampftrockenanlage (System Sperber), und unweit der Schnitzelmaschine stand die Batterieanlage Hyroß-Rak, welcher die zur Verarbeitung dienenden Schnitzel mittels eines Rechentransporteurs von der Schnitzelmaschine zugeführt wurden. Der Grundgedanke des Verfahrens ist der, nach dem bewährten Prinzip der Robertschen Batterie die Auslaugung in einzeln aufeinander folgenden Räumen nacheinander und getrennt auszuführen, und behufs Erhöhung des Effektes nach jeder einzelnen Auslaugung zu pressen. Da die bestehenden Diffusionsbatterien für den beabsichtigten Zweck nicht verwendet werden können, so ist daher die Aufstellung einer neuen Konstruktion notwendig, die durch die Deutsche Patentschrift No. 156592 geschützt ist. Fig. 2 ist ein senkrechter Längsschnitt durch den ersten Diffuseur und Fig. 3 zeigt den Grundriß einer Batterie von vier Diffuseuren in schematischer Darstellung. Die Diffusionsbatterie besteht ähnlich wie die üblichen Diffusionsbatterien aus einer Anzahl von Diffuseuren, in welchen unter Wasserdruck diffundiert wird, jedoch mit dem Unterschied, daß hier die Schnitzel nicht in demselben Diffuseur während des ganzen Diffusionsvorganges verbleiben, sondern aus einem Diffuseur in den nächstfolgenden übergehen und dabei ausgepreßt werden. Infolgedessen entfällt jedes Oeffnen und Schließen von Diffusionsdeckeln und jede damit verbundene Unterbrechung der Diffusion. Alle Diffuseure sind gleich groß, von gleicher Gestaltung und parallel nebeneinander aufgestellt. Ihre Lage kann entweder wagerecht (wie in der Zeichnung), senkrecht (wie in Böhmisch Brod) oder auch geneigt sein. In Böhmisch Brod bestand die Versuchsbatterie, die täglich 3000 Meterzentner Rüben verarbeitete, aus vier Diffuseuren, und die Anlage war insofern nicht vollständig, als zu einer normalen Entzuckerung sechs Zylinder nötig sind; aus diesem Grunde hat die Aussüßung der Schnitzel nicht den gewünschten Grad erreicht, was mit sechs Diffuseuren aber sicher geschehen kann, so daß die Entzuckerung dann eine normale wird.

Textabbildung Bd. 322, S. 635
Textabbildung Bd. 322, S. 635

Das Gehäuse des Diffuseurs I (Fig. 2) ist am breiten Ende vollwandig und zylindrisch; in der Mitte verengt es sich nach dem linken Ende zu, wo das Sieb C1 einen Teil des konischen Mantels bildet. Dieses Sieb befindet sich jedoch nicht ganz am Ende des Diffuseurs, sondern hinter dem Siebe ist noch ein Teil des Diffusionsgehäuses vollwandig ausgebildet. In diesem Teil hat der Diffuseur den kleinsten Durchmesser. Die frischen Schnitzel werden durch einen Füllrumpf bei A' in den Diffuseur I befördert und gelangen zu der Förderschnecke, welche sie in der Pfeilrichtung gegen das verengte Ende D' zu bewegt.

|636|

Die Diffusionsflüssigkeit (Rübensaft) wird bei C2 (Fig. 3) aus dem Diffuseur II durch Oeffnen des Ventils abgezogen und strömt mit Hilfe der Pumpe L und des Vorwärmers H heiß durch die mit einem Siebe versehene Oeffnung m' in den Diffusionsteil A' ununterbrochen ein und in gleicher Richtung mit der Schnitzelbewegung im Diffuseur weiter. Da im ersten Diffuseur der beste Saft bei C' abgezogen wird und den in dem Diffuseur II geförderten Schnitzeln außerdem ärmerer Saft zugemischt wird, so ist klar, daß der aus dem Diffuseur II abgezogene Saft bedeutend dünner ist als der ursprüngliche Rübensaft in den frischen Schnitzeln, weshalb nach dem Zusammenmischen im Diffuseur I eine sehr wirksame Diffusion vor sich geht. Da der Diffuseur ständig enger wird und die Schnitzel mit Hilfe der Schnecke ununterbrochen vorwärts geschoben werden, muß sich die Flüssigkeit im gleichen Verhältnis von den Schnitzeln trennen und entweichen, was in dem Diffusionsteil C' bewirkt wird. Dieser Teil ist, wie aus Fig. 2 ersichtlich, mit doppelter Wandung versehen; die innere Wandung bildet ein Sieb, welches in der Fortsetzung der Wandung der übrigen Mantelteile des Diffuseurs liegt, während die äußere Wandung nicht durchlocht ist. Die Flüssigkeit fließt durch die gelochte Blechwand und durch das an der Außenwand bei C angebrachte Abflußrohr in das Maßgefäß P, während die stark zusammengepreßten Schnitzel mit Hilfe der Schnecke in den letzten Diffuseurteil D' gedrückt werden, wo die Flüssigkeit einen vollständigen und dauernden Abschluß findet. Dieser Vorgang im Diffuseur I geht ununterbrochen vor sich und es lassen sich dabei vier Phasen deutlich unterscheiden, welche an bestimmte Stellen gebunden sind, so daß man den ganzen Raum dieses Diffuseurs in vier charakteristische Zonen einteilen kann: Vereinigungszone A', Diffusionszone B' Trennungszone C' und Abschlußzone D'. Derselbe Vorgang mit den vier charakteristischen Zonen wiederholt sich in allen nachfolgenden Diffuseuren, nur mit dem Unterschiede, daß diese Diffuseure ihre Schnitzel nicht von außen, sondern von dem jeweilig vorhergehenden Diffuseur erhalten, und daß die Diffusionsflüssigkeit mittels eines Uebersteigrohres aus der Trennungszone des nächstfolgenden Diffuseurs in die Vereinigungszone des betreffenden Diffuseurs direkt übertritt. So tritt z.B. aus der Trennungszone C4 die Flüssigkeit, welche ihre Auslaugungsarbeit im Diffuseur IV vollbracht hat, durch das Uebersteigrohr C4 und den Stutzen m3 in die Vereinigungszone A3, wo sie mit den aus dem Diffuseur II kommenden ausgepreßten Schnitzeln zusammenkommt. Ventil Q, Pumpe L und Vorwärmer H finden nur beim Diffuseur I Anwendung. In den Fig. 2 und 3 bezeichnen die voll ausgezogenen Pfeile die Flüssigkeitsrichtung, die punktierten Pfeile die Schnitzelrichtung. Der Flüssigkeitsübertritt aus einem in den anderen Diffuseur geschieht dadurch, daß man das Wasser unter namhaftem Druck durch Stutzen m4 in den letzten Diffuseur eintreten läßt (Fig. 3) und aus Diffuseur II durch Ventil Q abzieht. Der gesamte Druckunterschied zwischen den Diffuseuren II und IV verteilt sich wie bei der üblichen Diffusion in der Weise, daß auch zwischen je zwei benachbarten Diffuseuren eine bedeutende Druckdifferenz entsteht, welche den Uebertritt der Flüssigkeit bewirkt. Um den nötigen Flüssigkeitsdruck im letzten Diffuseur erhalten zu können, wird an seinem Ende ein Regulierverschluß G bekannter Bauart angebracht, mit dessen Hilfe die Bildung der Abschlußzone D4 bewirkt wird. Der Wasserverbrauch im Verhältnis zur Schnitzelmenge wird nur mit dem Ventil Q geregelt. Der Uebertritt der Diffusionsflüssigkeit durch die Uebersteigrohre, dann die von Gefäße zu Gefäße stufenweise vor sich gehende Diffusion unter Wasserdruck, sowie die einfache Regulierung des Wasserverbrauches wird durch die Einschaltung der Abschlußzonen D', D2, D3 usw. erzielt. Der gleichmäßig ununterbrochene Gang der Diffusion ist aber in zweiter Linie auch von der ununterbrochenen Fortbewegung der Schnitzel abhängig. Diese Bewegung geht allerdings mittels des Schraubentransporteurs in bekannter Weise im Innern des Diffuseurs vor sich, notwendig erscheint es aber auch, die Schnitzel von einem in den anderen Diffuseur zu befördern, d.h. den Uebertritt von einer zur nächstfolgenden Schnecke zu ermöglichen. Dies geschieht durch eine neue Anordnung, welche einen weiteren Bestandteil der vorliegenden Erfindung bildet und die in den Uebergangskammern A2, A3, A4, welche die einzelnen Diffuseure untereinander verbinden, angebracht ist. Sie besteht in einer sehr sinnreich konstruierten Schaufelvorrichtung, welche ohne jedwede Aufsicht und mit erstaunlicher Genauigkeit die Schnitzel von einem Diffuseur in den anderen befördert und aus den Fig. 4–7 ersichtlich ist.

Textabbildung Bd. 322, S. 636
Textabbildung Bd. 322, S. 636

Die durch die Abschlußzone D' (Fig. 3) ununterbrochen hindurchgeführten Schnitzel treten in den plötzlich erweiterten Raum A2, durch welchen die Transporteurwelle W' durchgeführt ist. Auf dieser Welle ist die Schaufel M2 aufgekeilt, welche sich mit der Welle dreht und bis an den zylindrischen Mantel von A2 reicht. Zwischen den beiden Wellen W' und W2 ist außerdem noch eine zweiarmige Zwischenschaufel N2 angeordnet, die um ihre Achse O drehbar ist. Diese Achse O ist in der Mitte zwischen den beiden Wellen in die Seitenwände der Uebergangskammer eingelagert. Die Drehung der Zwischenschaufel N2 um ihre Achse O ist nur zwischen den beiden in den Figuren gezeichneten Grenzlagen möglich, weil ihr größerer Arm in der ersten Grenzlage auf die Welle und in der zweiten auf die Wand der Uebergangskammer schlägt. Diese hin- und hergehende Bewegung der Zwischenschaufel N2 bezw. N4 ist nur von der Drehung der Schaufel M2 bezw. M4 abhängig, so daß diese während ihrer Bewegung im Viertelkreis a – b die Zwischenschaufel N2 bezw. N4 von deren erster Grenzlage aus (Fig. 5) in der Richtung des Pfeiles verschiebt. Im Viertelkreis b – c bringt die Schaufel M2 bezw. M4 sie zuerst in die zweite Grenzlage (Fig. 7), in welcher sie so lange verbleibt, bis die Schaufel M2 bezw. M4 auf den kurzen Arm c drückt, wodurch diese dann mittels der Zwischenschaufel N2 bezw. N4 in die ursprüngliche Lage (Fig. 4) zurückgebracht wird. Während der Bewegung der Schaufel M2 bezw. M4 durch die Quadranten c – d und d – a verbleibt die Zwischenschaufel N2 bezw. N4 ruhig in derselben Lage, und da die beiden Schaufeln M2 bezw. M4 und N2 bezw. N4 fast die ganze lichte Breite der Uebergangskammern einnehmen, müssen die durch die Schaufel M2 bezw. M4 vorgeschobenen Schnitzel in der Pfeilrichtung allmählich durch die Zwischenschaufeln N2 bezw. N4 in die ersten Schneckengewinde des nachfolgenden |637| Transporteurs übergehen. Durch diese Anordnung ist die ununterbrochene Fortbewegung der Schnitzel mit Hilfe der Schneckentransporteure in Verbindung mit dieser neuen Schaufelvorrichtung sichergestellt. In Böhmisch Brod gehen die ausgelaugten Schnitzel aus dem letzten Diffuseur unmittelbar in den Dampftrockenapparat, System Sperber. Während nun bei der üblichen Diffusionsarbeit die ausgelaugten Schnitzel, bevor sie in den Dampftrockenapparat gelangen, durch Passieren einer Fleischhackmaschine die zum glatten Trocknen notwendige Struktur erhalten müssen, ist dies bei dem vorliegenden Verfahren nicht notwendig, da die Schnitzel durch die Fortbewegung und das Pressen im Apparat unmittelbar zur Trocknung vorbereitet sind.

Die vorliegende Erfindung verdankt ihr Entstehen der Hauptsache nach der schwierigen Wasserfrage, an der viele Fabriken leiden und zwar in der Richtung hin, daß entweder ein Mangel an Betriebswasser herrscht, oder aber die Fabrik mit der Reinigung ihrer Abwässer große Schwierigkeiten hat und mit den Nachbaren im steten Kampfe liegt. Diesem großen Uebelstande suchten die Erfinder abzuhelfen und kamen bei ihren Versuchen schließlich zu der Ueberzeugung, daß die übliche Diffusionsarbeit den größten Teil des Wassers dazu verbraucht, um die ausgelaugten Schnitzel aus dem letzten Diffuseur zu entfernen. Das viele jetzt notwendige Wasser dient daher nur als Schwemme für die die Diffusionsbatterie verlassenden Schnitzel. Bei der jetzigen Arbeitsweise werden etwa 100 bis 120 v. H. Diffusionssaft vom Rübengewicht abgezogen, oder m. a. Worten, man verbraucht tatsächlich bei diesem Saftabzug höchstens etwa 70 v. H. vom Rübengewicht an Wasser. Alles übrige Wasser, welches angewendet werden muß, um den Saft in den ausgelaugten Schnitzeln zu ersetzen und als Schwemmwasser beim Schnitzeltransport sich zu betätigen, ist reiner Ballast. Gegenwärtig dauert die Entzuckerung der Schnitzel etwa 70 Minuten und der ständige Schnitzel Vorrat in der Batterie selbst beträgt etwa 6 v. H. der täglichen Rübenverarbeitung. Die Erfinder richteten daher ihr Hauptaugenmerk darauf, die Diffusionsdauer abzukürzen und die in der Batterie verbleibende Schnitzelmenge zu verringern. Beide Bestrebungen sind ihnen auch durch den neuen Saftgewinnungsapparat gelungen, in dem 1. die auszulaugenden Schnitzel sich in dünnen Schichten unter innigster Berührung mit der Auslaugeflüssigkeit bewegen, 2. der Saft und die ganze Batterie stets heiß gehalten und 3. in jedem Diffuseur die Abpressung des Saftes von den Schnitzeln vorgenommen wird. Durch diese Arbeitsweise gelang es, die Auslaugungsdauer auf 25 bis 35 Minuten herabzusetzen und die in der Batterie verbleibende Schnitzelmenge auf 1,5 bis 1,7 v. H. der in 24 Stunden verarbeiteten Menge zu vermindern. Da die mechanisch-konstruktive Durchführung der neuen Batterie behufs Erlangung der genannten Vorteile vollkommen gelungen ist, und diese Batterie ferner nur so viel Wasser bedarf, als zum Auslaugen der Rübenschnitzel unbedingt nötig ist, so entfällt das unangenehme Diffusionswasser gänzlich und die ausgelaugten Schnitzel verlassen die Batterie mit einem hohen Gehalt an Trockensubstanz. Die Erfinder garantieren bei ihrem Verfahren eine Reihe von Vorteilen, nämlich: 1. normale, tadellose und sichere Funktion des Apparates; 2. normale Auslaugung der Schnitzel; 3. hohe Saftdichte bei mindestens 0,5 v. H. höherem Quotienten als bei der üblichen Diffusionsarbeit; 4. ausgelaugte Schnitzel von mindestens 20 v. H. Trockensubstanz; 5. Wasserverbrauch höchstens 40 v. H. Rübengewicht; 6. Arbeiterersparnis und billige Arbeit und 7. vollständiger Wegfall der Abwässer.

Der Apparat hat während der ganzen Kampagne 1906/07 ohne Unterbrechung und tadellos gearbeitet, obgleich mit dem Rübenmaterial allerhand Eisenstücke und andere unliebsame „Verunreinigungen“ in den Apparat eingeführt worden sind; die Bewegungsvorrichtungen hatten dabei nicht Schaden gelitten, ein Beweis von der Solidität und der sicheren Funktion der Anlage. Der anstandslose Betrieb bedurfte nur einer geringen Aufsicht seitens des leitenden Beamten, und mit einem Arbeiter und einem jugendlichen Hilfsarbeiter konnte der ganze Betrieb mühelos durchgeführt werden, Auf Grund der bisherigen glänzenden Erfolge wird in der nächsten Kampagne eine sechs- und eine achtgliedrige Batterie aufgestellt werden, um durch vergleichende Versuche den erreichbaren Grad der Auslaugung der Schnitte und die höchste Leistungsfähigkeit festzustellen. Die Aufarbeitung des verbleibenden Tagesquantums an Rüben besorgt noch eine alte Diffusionsbatterie, damit sich die sehr konservativ veranlagten Landwirte durch Augenschein von dem höheren Werte der durch das neue Verfahren erhaltenen ausgelaugten Schnitzeln überzeugen können.

Die Vorteile des Verfahrens sind, außer den mitgeteilten Garantien, verschiedener Natur; Geringerer Dampfverbrauch bei der Verdampfstation infolge der dichteren Diffusionssäfte, Wegfall der Schnitzelpresse und des Schnitzelaufzuges, Förderung und Verbilligung der Schnitzeltrocknung und Gewinnung stark abgepreßter Schnitzel ohne Nachpressung, wobei die Schnitzel in ihrem Nährwert den anderen Trockenschnitzeln nicht nachstehen, ja sich vielleicht durch einen höheren Nährwert auszeichnen und schließlich, was unbedingt der Hauptvorteil und nach welchem der Wert des Verfahrens zu beurteilen ist: 1. Wegfall der Abwässer, wodurch die ganze unleidige und heikle Frage der Abwässerreinigung in Fortfall kommt, und 2. die Möglichkeit, mit wenig Betriebswasser das Auskommen finden zu können, welcher Vorteil namentlich in trockenen Jahren von großer Bedeutung werden kann. Der geringe Wasserverbrauch, eigentlich nur zum Schwemmen und Reinigen der Rüben, würde eventl. auch den Bau von Zuckerfabriken in wasserarmen Gegenden ermöglichen. Die Unannehmlichkeit der Abwasserfrage ist jedem Industriellen, der darunter zu leiden hat, in so unangenehmer Weise bekannt, daß darüber keine weiteren Worte mehr zu verlieren sind. Die einfachste Lösung dieser Frage liegt wohl darin, daß die betreffende Industrie überhaupt kein Abwasser mehr abgibt und so die ganze Kalamität mit einem Schlage beseitigt. Diese Lösung ist der Zuckerindustrie nach verschiedenen Richtungen hin gelungen, wie dies das Brühverfahren von Steffen, die Diffusionsverfahren von Pfeiffer und Claassen und schließlich das Preßdiffusionsverfahren von Hyroß-Rak beweisen. Für letzteres Verfahren kann auch der Ausspruch Claassens gelten, daß das Verfahren der Zukunft kein Brüh- oder Preßverfahren (im Sinne Steffens), sondern das Diffusionsverfahren bleiben wird, in seiner einfachsten Art der Ausführung, aber verbessert durch die Wiedergewinnung der in den Abwässern enthaltenen Zucker- und Nichtzuckerstoffe. Eine einfachere Durchführung des Diffusionsprozesses als bei Hyroß-Rak läßt sich kaum denken, die Arbeit und das Funktionieren der Batterie sind erstaunlich sicher, und auch hier hat man es in der Hand, den Zuckergehalt der auszulaugenden Schnitzel je nach dem beabsichtigten Zwecke zu verändern, um nicht nur ein zuckerreicheres, sondern auch durch Anreicherung mit Eiweißstoffen gehaltreicheres Futter zu gewinnen, und, was schließlich die Hauptsache ist, die Abwässerfrage erscheint ebenfalls vollständig beseitigt, mit der unter Umständen wertvollen Zugabe, auch bei Wassermangel ungestört arbeiten zu können. Jedenfalls verdient das Verfahren von Hyroß-Rak das vollste Interesse der Zuckertechniker, da es zu den aussichtsreichsten Verfahren der Zukunft gerechnet werden kann, ja vielleicht dazu berufen ist, eine Umwälzung in der bisherigen Arbeitsweise herbeizuführen.

|638|

Auch andere Fachmänner sprechen sich über das Verfahren günstig aus. Andrlik, Stanek und Urban19) haben das Verfahren von Hyroß-Rak in chemischer Beziehung einer eingehenden und vergleichenden Prüfung gegenüber dem üblichen Diffusionsverfahren unterzogen, wobei sie zu dem Schluß kommen, daß die von den Erfindern garantierten Vorteile (siehe oben) ohne Schwierigkeiten erreicht und eingehalten werden können, und ihrer Ansicht über die Zukunft des Verfahrens dahin Ausdruck geben, daß dasselbe in der Zuckerindustrie allem Anscheine nach eine wichtige Reform herbeiführen wird.

Herzfeld20), welcher das Verfahren von Hyroß-Rak in Böhmisch Brod besichtigt hat, hebt ebenfalls als Vorzug desselben gegenüber dem Steffenschen Brühverfahren hervor, daß man es hier in der Hand hat, soviel Zucker aus den Schnitzeln herauszuholen, wie man will, d.h. je nach schneller oder langsamer Arbeit, entweder Zuckerschnitzel zu erzeugen oder aber die Schnitzel vollständig auszulaugen. Herzfeld betrachtet es auch als Fortschritt, wenn dieses Verfahren, welches im wesentlichen ein Diffusionsverfahren ist, sich bewähren würde, da man dann beliebig arbeiten könne. Vom technischen Standpunkte aus ist es zu bewundern, daß es mit dem geschlossenen Apparate gelungen ist, mehrere Monate ohne Störungen zu arbeiten. Allerdings liegen auch mancherlei Bedenken vor. Wenn z.B. zu stark gepreßt wird und sich dann die Siebe zusetzen, dann entsteht wohl die Frage: was tut man jetzt mit einem solchen Apparat? Ferner ist nicht die Möglichkeit aus dem Auge zu lassen, daß der Apparat zu stark beschickt sein könnte. Es scheint daher die Reinigungsfrage doch eine ganz besonders schwierige zu sein, wie ferner auch die Frage einer Regulierung der Temperatur in der Batterie. Wie sich die Durchführung des Verfahrens bei der Arbeit mit einer Batterie im großen Maßstabe gestalten wird, muß die Zukunft lehren. Immerhin bezeichnet Herzfeld das Verfahren aber als hoch interessant und bemerkt noch, daß die Erfinder zwar ein deutsches Reichspatent auf den Apparat haben, aber nicht auf das Verfahren, mit dem Apparat zu arbeiten.

Saillard21) hat das Verfahren von Hyroß-Rak ebenfalls an Ort und Stelle studiert und kommt zu dem Resultat, daß dieses Verfahren, trotz der bisher provisorischen Anlage, schon jetzt die größte Beachtung verdient. Rüben mit einem Zuckergehalt von 16,5 bis 16,7 v. H. lieferten ungefähr 90 l Diffusionssaft von 1,0742 Dichte und 88,5 bis 89,5 scheinbarer Reinheit. Die ausgelaugten Schnitte enthielten ungefähr 22 v. H. Trockensubstanz mit 2,6 bis 3,9 v. H. Zucker. Von 100 kg Rüben wurden etwa 30 kg Schnitte erhalten. Der Wasserverbrauch für 100 kg Rüben betrug 25 bis 30 l.

(Fortsetzung folgt.)

|635|

Die Deutsche Zuckerindustrie 1907, 32. Jahrgang, S. 57.

|638|

Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen 1907, 31. Jahrgang. S. 284.

|638|

Die Deutsche Zuckerindustrie 1907, 32. Jahrgang, S. 37 und 237, ferner Zeitschr. d. Vereins d. Deutschen Zuckerindustrie 1907, 57. Band, S. 366.

|638|

Circ. hebdom. du Syndicat 1907, No. 931.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: