Titel: Der Einphasen-Wechselstrommotor.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 690–694)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322228

Der Einphasen-Wechselstrommotor.

Bauart, Wirkungsweise und Eigenschaften der bisher angegebenen Konstruktionen.

Von Dipl.-Ing. A. Linker.

(Fortsetzung von S. 676 d. Bd.)

Zur Erzeugung einer Kunstphase werden wie bei Tesla von M. Hutin und M. Le Blanc (75) zwei um eine halbe Polteilung gegeneinander verschobene Feldwicklungen benutzt, von denen die eine an Stelle des dort angegebenen induktiven Widerstandes einen Kondensator erhält, um in diesem Zweige eine Phasenvoreilung des Stromes gegenüber der Spannung zu erzeugen. Der rotierende Anker trägt außerdem eine zweiphasige Wicklung, in welche durch Schleifringe und Bürsten Widerstände zur Regulierung der Geschwindigkeit eingeschaltet werden. Abgesehen von der praktischen Unvollkommenheit des Kondensators hat dieser Motor infolge der Polwicklung dieselben Nachteile wie die Motoren von N. Tesla, bei denen in einer späteren24) Konstruktion (77) die Hilfspole |691| durch eine auf den Hauptpolen befindliche Sekundärwicklung erregt werden, welche außerdem zur Erzeugung einer großen Phasenverschiebung zwischen beiden Feldern einen besonderen induktionsfreien Widerstand enthält.

Fig. 27 zeigt eine ähnliche Ausführung (81, 82) mit der Modifikation, daß die Enden der hintereinander geschalteten vier Ankerspulen zu zwei Schleifringen geführt sind, um einen Kondensator C2 einschalten zu können. Zur Vergrößerung der Phasenverschiebung kann auch in die durch eine Sekundärspule II gespeiste Hilfswicklung III ein Kondensator C1 (95) aufgenommen werden.

Textabbildung Bd. 322, S. 691

J. Sahulka (84) ordnet Fig. 27. zwei räumlich gegeneinander auf mechanischem Wege verstellbare Magnetsysteme an, die von phasenverschobenen Strömen erregt werden. Das eine System ist mit der Primärwicklung eines passenden Transformators in Reihe geschaltet, während das andere an den Sekundärklemmen liegt.

Bemerkenswert ist eine Konstruktion von L. Gutmann (88, 90), bei welcher ein Anlaufmoment und eine kontinuierliche Drehung des Ankers (Fig. 28) durch eine besondere Schaltung der Spulen mit Hilfe der Verbindungen a, b, c erzielt werden soll. Dabei trägt das Joch Sekundärspulen (II), die z.B. nach Art einer offenen Wicklung mit einem feststehenden Kommutator K verbunden sind. Mit der Welle rotieren die Bürsten B und schließen abwechselnd je zwei diametrale Sekundärspulen kurz, so daß durch deren Einwirkung auf das von der Primärwicklung (I) erzeugte Hauptfeld ein fortschreitendes Feld entsteht. Außer dieser Schaltung sind noch eine große Anzahl von Modifikationen (94) angegeben, die jedoch praktisch von geringer Bedeutung sind.

Textabbildung Bd. 322, S. 691

Zur Hervorbringung eines rotierenden Feldes mit Hilfe einer Kunstphase schaltet E. Thomson (98) die Wicklung sämtlicher Pole hintereinander und zu den um eine doppelte Polteilung auseinander liegenden Polen Kondensatoren parallel. Damit sind aber die früher (S. 675) angegebenen Nachteile dieser Typen nicht beseitigt.

W. Stanley jr. und J. F. Kelly (100, 106, 108) vergrößern bei Motoren mit Kunstphase die Phasenverschiebung der beiden Feldsysteme durch Einschaltung eines Kondensators C (Fig. 29) in die eine Magnetwicklung, welche an den Sekundärkreis eines Transformators T angeschlossen ist.

Abweichend von den bisher geschilderten Konstruktionen ist von H. A. Wagner & F. Schwedtmann (101) ein auf dem Prinzip der magnetischen Hysteresiswirkung beruhender Motor gebaut. Er besteht aus einer mit Plankommutator und achsial angeordneten Bürsten versehenen Trommelarmatur, welche in einem ringförmigen Magnetfeld ohne Polansätze drehbar gelagert ist. Durchfließt ein Wechselstrom den Anker, so erzeugt er in der Richtung der Bürstenlinie ein Feld im äußeren Eisenring, welches in dem Moment, wo der Strom seine Richtung ändert, gleiche Polarität mit dem Ankerfeld besitzt, so daß auf diesen eine abstoßende Kraft ausgeübt wird. Zur Verstärkung der Wirkung enthält der Ring in zwei achsialen Nuten eine kurzgeschlossene Spule, deren Windungsebene senkrecht zur Bürstenrichtung steht. Der Motor besitzt jedoch trotzdem nur eine geringe Leistungsfähigkeit.

Textabbildung Bd. 322, S. 691
Textabbildung Bd. 322, S. 691

In ähnlicher Weise wie Thomson (s. vorstehend) schaltet O. T Blathy (109) bei einem Motor25), der mit Ferrarisschem Drehfeld arbeitet, in den einen Zweig einen Kondensator, in den anderen einen induktiven Widerstand, wodurch die zeitliche Phasenverschiebung der beiden räumlich um 90° gegeneinander verschobenen Wechselfelder so eingestellt werden kann, daß sie nahezu 90° beträgt.

Von der Maschinenfabrik Oerlikon, Schweiz (112, 114) wurde der mit Kunstphase anlaufende Asynchronmotor erst dadurch praktisch brauchbar gemacht, daß die zwei Systeme der Feldwicklung nicht wie bei Tesla auf körperliche Pole, sondern gleichmäßig verteilt in Nuten des ringförmig ausgebildeten Feldeisens als Spiralen gewickelt wurden, wie Fig. 30 zeigt. Wicklung I besteht aus vielen, II aus wenigen Windungen. Da nun die Wicklung II ein stärkeres Feld als I erzeugen würde, ist noch ein induktionsfreier Widerstand R (oder ein Kondensator) eingeschaltet, durch den außerdem die Phasenverschiebung des Stromes im Zweig II gegen die Klemmenspannung verkleinert oder sogar negativ und damit die gegenseitige Verschiebung der beiden Felder vergrößert wird. Auf diese Weise kann sich ein gleichförmiges Drehfeld ausbilden, welches auf den mit Kurzschlußwindungen versehenen Rotor A ein ziemlich starkes Drehmoment beim Anlauf ausübt. Beim Lauf wird die Wicklung II nach Abschalten von R entweder in Reihe mit der Wicklung I geschaltet oder in sich kurzgeschlossen oder abgeschaltet. In ähnlicher Weise wie die Maschinenfabrik Oerlikon hat auch C. E. L. Brown (119, 120) einzelne Konstruktionen26) angegeben, die der Fig. 30 entsprechen. Zum Anlauf mit Kunstphase wird dabei eine Hilfswicklung verwendet, deren Feld um 90° räumlich gegen das Hauptfeld und zeitlich ebenfalls um einen gewissen Winkel in der Phase verschoben ist. Sie besitzt nämlich als Trommelwicklung eine kleinere Induktanz wie die gleichmäßig verteilte Ring-Hauptwicklung. Zur Verstärkung der Wirkung konnte noch ein Kondensator irr die Hilfswicklung eingeschaltet werden.

Um einen Motor ohne besondere Hilfsmittel zum Anlauf zu bringen, werden von R. Lundell & Johnson (127) die einzelnen Pole des Feldes zweiteilig angeordnet und mit zwei gegeneinander versetzten Wicklungen a und b versehen. Durch einen zwischengeschalteten Transformator wird das Feld der Wicklung b gegen das von Wicklung a erzeugte Hauptfeld verschoben, so daß ein Drehfeld auftritt. Ist der Motor angelaufen, so wird durch Umlegen eines Schalters die Wicklung b ausgeschaltet. Diese Anordnung |692| hat jedoch dieselben Nachteile wie die Konstruktionen von Tesla.

Auf andere Weise gelangt die Maschinenfabrik Oerlikon, Schweiz (122) nach einer von E. Arnold (116, 151) angegebenen Konstruktion (Fig. 31) zu einem selbstanlaufenden Motor27). Erteilt man nämlich dem Anker A eines Asynchronmotors eine kleine Anfangsgeschwindigkeit, so kann er dadurch unbelastet allmählich seine normale Umdrehungszahl erreichen. Die Möglichkeit des selbsttätigen Anlaufs hängt also lediglich nur von einer relativen Anfangsgeschwindigkeit zwischen Feld und Anker ab. Anstatt nun den beweglichen Teil durch eine mechanische Antriebsvorrichtung in Umdrehung zu versetzen, ist es bequemer, dem magnetischen Feld eine fortschreitende Bewegung zu erteilen. Zu dem Zweck sind in gleichen Abständen von der nach Art eines Grammeringes ausgeführten Feldwicklung F Abzweigungen (1 – 8) nach den gleichartig nummerierten Lamellen eines Stromverteilers V geführt, über den je nach der Polzahl des Motors zwei Bürsten B oder ein Vielfaches davon mit Hilfe eines Armes H bewegt werden können. Dadurch ruft der den Bürsten zugeleitete Wechselstrom in dem Ring ein Feld hervor, welches fortschreitende Pole besitzt, so daß unter ihrem Einfluß der Anker A in Rotation gerät. Da nun die Grenze der relativen Bewegung zwischen Anker und Feld durch den synchronen Gang gegeben ist, so wird der Motor eine solche Umdrehungszahl anzunehmen suchen, welche zusammen mit der regulierbaren Bürstenumdrehungszahl den synchronen Lauf darstellt. Der Motor kann demnach bei verschiedenen Umdrehungszahlen entsprechend der Bürstengeschwindigkeit eine gleich günstige Wirkungsweise zeigen, wie in der Nähe des Synchronismus.

Textabbildung Bd. 322, S. 692
Textabbildung Bd. 322, S. 692

Ausgehend von der Erscheinung, daß die Sekundärwicklung eines Transformators ein dem Primärfeld entgegenwirkendes erzeugt und dadurch auf dasselbe dämpfend zurückwirkt, hat A. Kolbe (136) einen Motor konstruiert, bei welchem entsprechend Fig. 32 der Wechselstrom dem Ringanker A durch Bürsten und Kommutator zugeführt wird (vergl. auch Fig. 28). Dieser erzeugt in dem Eisenring E ein Feld, dessen Pole in der Bürstenachse liegen. Infolge der auf dem äußeren Ring angebrachten kurzgeschlossenen Spulen S wird ein Sekundärfeld erzeugt, welches mit dem primären ein resultierendes ergibt, dessen Pole von b nach a wandern, wodurch analog der Wirkung eines Drehfeldes der kurzgeschlossene Anker A in Rotation versetzt wird. Das Feld wirkt hier also im Gegensatz zu den Konstruktionen von Tesla und Ferraris auf den primären Teil ein.

Später ist noch diese Schaltung dahin abgeändert (157), daß 2p Verzögerungsspulen zwischen den Polen gleichmäßig verteilt angeordnet werden, die einen in sich geschlossenen Stromkreis bildeten. Durch Bürstenverstellung konnte Rechts- oder Linksdrehung, oder bei Mittelstellung Stillstand herbeigeführt werden.

Um den Kommutator und die Bürsten bei der in Fig. 32 angegebenen Konstruktion zu vermeiden und einen höheren Wirkungsgrad zu erzielen, ändert A. Kolbe (149, 149) die Anordnung etwas ab, ohne jedoch die Wirkungsweise des Motors wesentlich zu verbessern.

Unter Benutzung des von Ferraris ausgesprochenen Satzes, daß man ein Wechselfeld in zwei nach entgegengesetzten Richtungen umlaufende Drehfelder28) zerlegen kann, ist von der Société Anonyme Pour la Transmission de la Force par L' Electricité, Paris (142) ein Wechselstrommotor konstruiert, wie ihn Fig. 33 zeigt. In dem von der Wechselstromquelle gespeisten Feldmagnetsystem F ist frei drehbar ein aus Eisenblechen hergestellter Hohlzylinder D angeordnet, dessen achsial hindurchgehende Verbindungsbolzen B aus Bronze bestehen und in seitlichen, gut leitenden Ringen R endigen. Bewegt man durch irgend einen Mechanismus oder von Hand den Zylinder D in einer Richtung, so wird das inverse Drehfeld gegenüber D eine große Relativgeschwindigkeit besitzen und in den Bolzen B und Ringen R Ströme induzieren, die auf das Drehfeld dämpfend zurückwirken und es nahezu aufheben. Es bleibt dann nur das in der Richtung des Dämpfers D umlaufende synchrone Drehfeld übrig, welches auf den mit Zweiphasenwicklung und Schleifringen S versehenen Anker A induzierend einwirkt. Durch Einschalten der Widerstände R1 und R2 in den Rotorstromkreis entstehen Ströme und dadurch ein Drehmoment, durch welches der Anker in Rotation versetzt wird. Unter dem Einfluß der in den Dämpferbolzen B induzierten Ströme läuft der Ring D ohne äußeren Antrieb mit geringem Energieverbrauch von selbst weiter.

Textabbildung Bd. 322, S. 692

Auf demselben Prinzip, wie es von Kolbe in Fig. 32 angegeben ist, beruht ein von der E. A. vorm. Schuckert & Co., Nürnberg, (148) angegebener Motor.

Erwähnt sei noch ein ebenfalls auf dem Prinzip der magnetischen Schirmwirkung beruhender Motor29) von G. Benischke (150).

In ähnlicher Weise wie Tesla benutzt C. S. Bradley (153) mit einigen Abänderungen einen induktiven Widerstand und einen Kondensator zur Zerlegung des Stromes in zwei phasenverschobene Komponenten.

Textabbildung Bd. 322, S. 692
Textabbildung Bd. 322, S. 692

Durch Verbreiterung der Bürsten an einem Motor mit Kommutator und Weglassen der Erregerwicklung erzielt R. Lundell (156) nach Fig. 34 ein Drehmoment, indem immer diejenigen Pole des Ankers A, welche vor den feststehenden unbewickelten Polansätzen F vorbeigehen, unerregt |693| bleiben. Auf diese Weise entsteht eine ungleichmäßige Feldverteilung im Anker, welche in F Pole entgegengesetzter Polarität erzeugt, so daß eine Drehung in der Pfeilrichtung auftritt.

Auf andere Weise erhält F. A. Haselwander (161) ein Anlaufmoment, indem er die Impedanz eines aus einzelnen Windungen bestehenden Kurzschlußankers an diametralen Punkten (bezogen auf zwei Pole) schräg zur Achse des Hauptfeldes durch in die Nähe gebrachte Eisensegmente vergrößert. Die Folge davon ist, daß der Kraftfluß im Anker unsymmetrisch zum Hauptfeld verläuft und hierdurch ein Drehmoment im Sinne der Verschiebung der Eisensegmente gegen die Polachse auftritt.

A. Heyland (162) modifiziert die Konstruktionen von Tesla bezw. der Maschinenfabrik Oerlikon in der Weise, daß er nach Fig. 35 das Feld mit größerer Phasenverschiebung der Spule I stärker macht, als das mit geringerer der Wicklung II. Zu dem Zweck ordnet er30) die aus wenigen Windungen bestehende Spule I in einer großen geschlossenen Nut an, während die Wicklung II gleichmäßig über den inneren Umfang des Feldes F verteilt und möglichst nahe der Oberfläche des Ankers A gerückt wird.

Zum Anlassen eines Asynchronmotors vereinigt die Société Anonyme pour la Transmission de la Force par L' Electricité (163) die Wicklung desselben mit dem Anker eines nach Fig. 33 konstruierten und im Feld mit Gleichstrom gespeisten Synchronmotors. Die Anordnung ist jedoch zu kompliziert, um eine praktische Bedeutung erlangen zu können.

C. P. Steinmetz (164) benutzte einen normalen Zwei- oder Dreiphasenmotor31) und speiste die Wicklungen mit phasenverschobenen Strömen, die er einem Einphasen-Wechselstromnetz unter Zwischenschaltung von Induktionsspulen und Kondensatoren entnahm. (Monocyclisches System.) Auf diese Weise konnte dieselbe Type für verschiedene Stromarten Verwendung finden.

Textabbildung Bd. 322, S. 693

Hauptsächlich wurden jedoch Dreiphasenmotoren mit einem Käfiganker von hohem Widerstände benutzt. Das Anlassen geschieht dabei nach einer in den Fig. 41 u. 42 dargestellten Methoden. Das Anlaufmoment beträgt dann ungefähr 150 v. H. des Drehmoments beim Lauf, der Anlaufsstrom ist doppelt so groß, wie bei Vollast. Die normalen Typen werden für 110 und 220 Volt Klemmenspannung und 40 – 60 Perioden bis zu 15 PS Leistung gebaut. Fig. 36 zeigt die Betriebskurven32) eines vierpoligen Motors neuerer Bauart (Type I S, Form K G) von 3 PS Leistung, 220 Volt, 60 Perioden, der General Electric Co., Schenectady, N. Y.

Um einen leichteren Anlauf zu ermöglichen, ordnet A. Soames (156) zwei Wicklungen auf dem primären Teil des Motors an33). Beide bestehen aus je einer dick- und dünndrähtigen Wicklung, sind jedoch so ausgeführt, daß die eine doppelt so viel Pole als die andere erzeugt. Der Motor, dessen Anker eine oder zwei geschlossene Wicklungen enthält und zur Regulierung der Umdrehungszahl mit Anlaßwiderständen verbunden werden kann, wird durch die Wicklung mit höherer Polzahl zum Anlauf gebracht, welche dann bei normalem Lauf durch die Wicklung mit niedriger Polzahl ersetzt wird.

In ähnlicher Weise wie Steinmetz hat die Firma The Langdon-Davies Motor Company Ltd., Clerkenwell (London) (169) eine Konstruktion34) angegeben, bei welcher eine Hauptwicklung und eine gegen sie um eine halbe Polteilung verschobene, dünndrähtige Hilfswicklung im Stator angeordnet waren. Fig. 37 zeigt die Form eines Statorbleches nebst den beiden Wicklungen I für die Hauptphase und II für die Hilfsphase.

Textabbildung Bd. 322, S. 693
Textabbildung Bd. 322, S. 693

Während Heyland (s. Fig. 35) eine Hilfswicklung im Nebenschluß zur Hauptwicklung des Feldes anordnet, schaltet L. B. Atkinson (175) beide hintereinander. Damit nun der Kurzschlußanker von selbst zum Anlauf kommt, ist das Statoreisen in der Richtung des Hilfsfeldes stark ausgeschnitten, wodurch die Selbstinduktionswirkung in dieser Richtung anders ist als in der dazu senkrechten. Oder die Hilfswicklung ist in bedeutend größeren Nuten verlegt als diejenigen, welche die Hauptwicklung enthalten. Praktische Vorteile hat diese Konstruktion nicht gezeigt, so daß sie keine Bedeutung erlangt hat.

Im allgemeinen besaß der nach den beschriebenen Grundsätzen konstruierte Asynchronmotor im primären Teil zwischen Strom und Spannung eine gewisse Phasenverschiebung wegen des für das Feld erforderlichen Magnetisierungsstromes. Besonders bei Motoren mit Kunstphase und körperlichen Polen war dann der Leistungsfaktor verhältnismäßig niedrig.

Diesen Uebelstand beseitigt C. P. Steinmetz (179, 180) bei seinem Kondensatormotor35) durch folgende Verbesserungen.

Die Hauptwicklung I (Fig. 38) ist eine in Dreieck geschaltete Dreiphasenwicklung, deren Punkte A und B an das Netz angeschlossen sind. Ueber einer der beiden hintereinander geschalteten Phasen 1 oder 2 ist eine Sekundärwicklung II angebracht. Da sie aber durch einen Kondensator C geschlossen ist, entstehen in ihr Ströme, welche gegenüber der induzierten Spannung um einen gewissen Winkel voreilen. Dadurch entsteht einerseits ein gegen das Hauptfeld phasenverschobenes Hilfsfeld, so daß die Resultierende beider ein Drehfeld ergibt, andererseits kann man sich den nacheilenden primären Magnetisierungsstrom durch einen entsprechend dem Uebersetzungsverhältnis von der Hauptwicklung aufgenommenen voreilenden |694| Kondensatorstrom kompensiert denken, so daß der Leistungsfaktor dadurch verbessert und sogar gleich der Einheit gemacht werden kann. Die Wicklung R ermöglicht es außerdem, durch Anwendung einer großen Windungszahl infolge der hohen Spannung einen kleinen Kondensator benutzen zu können. Dieser Motor besitzt speziell für stationäre Betriebe große Vorzüge, da man ihn für normale Belastung mit einem Leistungsfaktor nahe der Einheit arbeiten lassen kann. Um bei der hierfür verwendeten Größe des Kondensators das geringe Anlaufsmoment zu vergrößern sind beim Anlassen mitrotierende Widerstände in den dreiphasig gewickelten Rotorkreis geschaltet, die ungefähr bei halber Synchrongeschwindigkeit durch einen Zentrifugalapparat kurzgeschlossen werden. Das Drehmoment ist beim Anlauf nur 30 v. H. des normalen, der Anlaufstrom ist gleich dem doppelten Betriebsstrom. Die Motoren sind deswegen mit einer Leerscheibe versehen, welche bei nahezu synchroner Umdrehungszahl durch eine Zentrifugalkupplung mit der Welle verbunden wird.

Textabbildung Bd. 322, S. 694

Fig. 39 zeigt die Betriebskurven36) eines von der General Electric Co. Schenectady, N. Y. gebauten vierpoligen (Form L) Motors für eine Leistung von 10 PS bei 220 Volt Spannung und 60 Perioden, aus denen besonders die gute Phasenkompensierung ersichtlich ist, weswegen daß der Motor vielfach Verwendung findet.

Zur Erreichung eines starken Drehmoments aus der Ruhelage heraus werden nach Fig. 40 von F. A. Haselwander (181) auf dem Schlußanker eines Asynchronmotors37) die induzierten (i) und motorisch (m) wirksamen Leiter nicht direkt untereinander parallel, sondern unter Zwischenschaltung von mitrotierenden Drosselspulen D miteinander verbunden. Durch die Wirkung eines festen Eisenkerns I zur Vergrößerung der Impedanz der davorliegenden Spulen D1 gegenüber den anderen Spulen D2 wird der Strom der Spule i1 so beeinflußt, daß er hauptsächlich durch m1 fließt, während i2 einen Strom durch m2 schickt. Die in m1 und m2 vorhandenen Ströme ergeben nun mit dem Hauptfeld F zusammen ein Drehmoment, wodurch der Motor aus der Ruhelage anläuft. In ähnlicher Weise kann auch mit verschiedenen Modifikationen die Schaltung bei einem Trommelanker ausgeführt werden.

Textabbildung Bd. 322, S. 694
Textabbildung Bd. 322, S. 694

Zur Verbesserung des Leistungsfaktors eines mit Kunstphase anlaufenden Motors schaltet C. S. Bradley (182) in den als Ringwicklung ausgebildeten und mit drei Schleifringen versehenen Rotor Kondensatoren ein, deren Kapazität entsprechend der Geschwindigkeit regulierbar ist. Die Anordnung besitzt jedoch mit Rücksicht auf den Preis und die Bauart der Kondensatoren keine praktische Bedeutung.

(Fortsetzung folgt.)

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E. T. Z., 20. März 1891, S. 155.

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Z. f. E. 1892, S. 365.

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The Electrician, 27. Januar 1893, Bd. 30, S. 358.

E. T. Z., 17. Februar 1893, S. 81.

El. Rev., Bd. 34, S. 52.

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E T. Z. 1894, S. 435 und S. 528. El. Anz. 1894, S. 1017 und S, 1164. The Electrical World, 18. Mai 1895, Bd. 25, S. 593.

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E. T. Z., 14. Juni 1900, S. 484.

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E. T. Z., 13. Juni 1895, S. 368.

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E. T. Z., 26. August 1897, S. 523.

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Transactions of the American Institute of Electrical Engineers, New York, 23. Februar 1898, Bd: 15, S. 63.

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General El. Co. Schenectady, Bulletin No. 4455, August 1906.

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Engineering, Bd. 66, S. 63.

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The Electrician, 19. Juni 1896, Bd. 37, S. 247.

|693|

Transactions of the American Institute of Electrical Engineers, New York, 24, Januar 1900, Bd, 17, S. 25.

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E. T. Z., 20. Oktober 1094, S. 900. General E. Co., Schenectady, N. Y., Bulletin No. 4353, Mai 1905.

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Z. f. E. 1901, S. 169.

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