Titel: Zeitschriftenschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 781–784)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322256

Zeitschriftenschau.

Apparate.

Indikator. (Wagener.) Um bei Kurbelweg- oder Zeitdiagrammen die den bestimmten Lagen des Triebwerkes entsprechenden Punkte einzutragen, werden bisher besondere meist elektromagnetisch gesteuerte Schreibzeuge verwendet, die gleichzeitig dazu dienen können, mit Hilfe eines besonderen Stromsenders Zeitmarken in die Diagramme einzutragen.

Bei dem neuen Markenschreibzeug des Verf. wird ein an dem Anker eines Elektromagneten federnd aufgehängter Schreibhebel verwendet. Wird hierbei mittels eines an der Hauptoder der Steuerwelle der zu untersuchenden Maschine angebrachten Stromsenders der Elektromagnet erregt, so wird nicht nur eine Ortmarke, sondern dahinter in einer wellenförmigen Linie das Bild einer gedämpften Schwingung aufgezeichnet. Aus diesem Linienzuge kann dann die Geschwindigkeit ermittelt werden, mit der sich die Schreibfläche während des Indizierens bewegt hat. Die Auswertung dieses wellenförmigen Linienzuges sowie die Feststellung der Nacheilungsdauer des Markenschreibzeuges wird ausführlich erläutert. (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1907, S. 1365–1374.)

Pr.

Elektrotechnik.

Elektrolytische Zinkabscheidung. (Snowdon.) Untersucht wurden die Bedingungen der Zinkabscheidung an rotierender |782| Kathode, durch Aenderung des Gehaltes der Lösung an Zink, Säure oder Alkali, Reduktionsmittel, sowie der Stromdichte und Temperatur. Die obere Grenze in der Stromdichte, bei welcher der Niederschlag schlecht zu werden beginnt, hängt mehr von der Rührgeschwindigkeit als von allen anderen Einflüssen ab.

Gute Zinkniederschläge kann man aus alkalischen, wie aus sauren Lösungen erhalten, auch wenn die Stromdichte 60 Amp. auf den Quadratdezimeter beträgt, vorausgesetzt, daß die Kathode sich rasch genug dreht

Da Zink sich aus stark alkalischen Lösungen schnell abscheidet, so kann man den Widerstand der Lösung und damit die Badspannung für jede gegebene Stromdichte sehr niedrig machen. Die Stromausbeute ist bei alkalischen Lösungen hoch.

Aus alkalischen Lösungen erhält man feiner kristallinische Niederschläge als aus sauren Lösungen. Die Größe der Kristalle wächst mit der Temperatur und dem Zinkgehalt der Lösung und nimmt ab mit steigender Stromdichte. (Electrochemical and metallurgical Industry 1907, S. 222–223.)

A.

Materialienkunde.

Legierungen. (Tammann.) Im anorganisch-chemischen Institut der Universität Göttingen sind unter Leitung von G. Tammann neuerdings eine Anzahl Legierungen metallographisch untersucht worden. R. S. Williams hat die Legierungen von Antimon mit Mangan, Chrom, Silicium und Zinn, von Wismut mit Chrom und Silicium, von Mangan mit Zinn und Blei untersucht, E. Isaac diejenigen des Eisens mit Platin.

Es mischen sich in flüssigem Zustande vollständig: Sb–Mn, Sb–Cr, Sb–Si, Sb–Sn, Mn–Sn. Flüssiges Blei nimmt nicht mehr als 12 v. H. Mangan und umgekehrt geschmolzenes Mangan nicht mehr als 10 v. H. Blei auf. In flüssigem Wismut lösen sich nur 2 v. H. Silicium; Silicium löst kein Wismut auf. Wismut und Chrom lösen einander gar nicht.

Als Verbindungen wurden festgelegt Sb2Mn3, SbMn2; Sb2Cr, SbCr; SnMn4, SnMn2; unsicher sind SbSn und SnMn. Keine Verbindungen bestehen zwischen Sb und Si, Bi und Cr, Bi und Si, Mn und Pb.

Mischkristalle werden gebildet zwischen Sb und Mn (von 50–60 Atomprozent und 65–69 Atomprozent Mn), zwischen Sb und Cr (50–52,5 v. H. und 95–100 v. H. Cr), zwischen Sb und Si (0–0,3 und 99,0–100 Gewichtsprozent Si), zwischen Sb und Si (0–8,0 Atomprozent, 50,0–53,0, 99,0–100,0 v. H. Sb, zwischen Bi und Si (0–0,8 Gewichtsprovent v. H. Si), zwischen Mn und Sn (96–100 Atomprozent Mn).

Es werden keine Mischkristalle gebildet von Bi mit Cr und von Mn und Pb.

Die Abkühlungsgeschwindigkeit hat bekanntlich oft Einfluß auf die Struktur der Legierungen. Besonders augenfällig ist dieser Einfluß bei der Legierung etwa gleicher Atomprozente von Zinn und Antimon. Während die rascher abgekühlte Legierung bei 24facher Vergrößerung, geätzt mit alkoholischer Eisenchloridlösung, große helle Mischkristalle auf dunklem Grunde zeigt, ist nach 36 stündigem Erhitzen auf 400° die Fläche ganz gleichmäßig geworden. Die antimonreicheren Mischkristalle haben sich mit der dunklen zinnreicheren Masse zu einer einheitlichee Kristallart umgesetzt, die der Formel SbSn entspricht.

Eisen und Platin bilden bei höheren Temperaturen eine lückenlose Reihe von Mischkristallen. Bei tieferen Temperaturen treten Umwandlungen ein, durch welche diese Reihe in zwei weitere Reihen von Mischkristallen zerfällt, von denen die eine von 0 bis etwa 50 v. H. Platin und die andere von 60–100 v. H. Platin reicht.

In dem geschmolzenen Eisen löste sich das Platin auffallend schnell. (Z. f. anorgan. Chemie, 55, S. 1–33 und 63 bis 71.)

A.

Verbrennungswärme von Silizium. H. N. Potter verbrannte Silizium, das frei von Karborundum war, in einem Kalorimeter, das aus zwei konzentrischen Bomben bestand, und fand 7595 Grammkalorien als Verbrennungswärme von 1 g Silizium. Daraus berechnete sich 28,4 × 7595 = 215692 Grammkalorien für 1 Grammäquivalent. (Electrochemical and metallurgical Industry 1907, S. 229.)

A.

Motorwagen.

Gillet-Lehmann-Regler. (von Eicken.) Bekanntlich kommt die Gemischbildung im Spritzvergaser dadurch zustande, daß beim Saughube infolge Luftverdünnung im Ansaugrohr eine gewisse Menge Brennstoff aus dem Schwimmergehäuse durch eine im Vergaserraum sitzende Düse emporgetrieben wird. Hierbei zerstäubt der Brennstoff, und mischt sich mit dem den Vergaser durchstreichenden Luftstrom.

Nun ist aber je nach der Geschwindigkeit des Saughubes die Luftverdünnung im Ansaugrohr verschieden und zwar ist sie um so größer, je schneller der Saughub erfolgt, weil das Nachströmen der Luft in den Vergaser nicht so schnell geschieht, wie das Absaugen. Hieraus folgt, daß auch die Menge des durch die Düse angesaugten Brennstoffes mit der Geschwindigkeit des Motors wächst, und zwar schneller als die Luftgeschwindigkeit im Vergaser, so daß bei hoher Umdrehungsgeschwindigkeit des Motors ein bedeutend brennstoffreicheres Gemisch wie bei geringer Umdrehungszahl erzeugt wird.

Diesem Umstände tragen die verschiedenen Vergaserkonstruktionen dadurch Rechnung, daß sie bei höherer Umdrehungszahl des Motors den Zylindern außer dem Gemisch atmosphärische Luft zuführen. Die Regulierung dieser Luftzuführungsvorrichtung erfolgt teils von Hand, teils selbsttätig durch Zentrifugalregulator oder durch Schnarchventil. Die Handregulierung erfordert abergroße Aufmerksamkeit und eingehende Sachkenntnis und erreicht dennoch bei weitem nicht den Ausgleich, den eine selbsttätige Regulierung bewirken kann. Erfolgt letztere durch den Regulator, der auf Kolbenschieber, Drehschieber oder eine zweite Drosselklappe wirkt, so arbeitet sie meist richtig, versagt aber vollständig, wenn der Motor durch größere Beanspruchung in langsameren Gang kommt. Der Eintritt der Zusatzluft, der in diesem Falle ganz geschlossen sein sollte, ist geöffnet, was zur Folge hat, daß das Gemisch zu dünn wird und die Kraftentfaltung gerade im Augenblick der höchsten Beanspruchung vermindert. In dieser Hinsicht arbeiten die Schnarchventile, gleichviel, ob sie als Federventile oder als Kugelventile ausgebildet sind, richtiger, weil ihre Tätigkeit von der Ansauggeschwindigkeit abhängig gemacht ist. Ihre Schwäche besteht in dem Mangel an Empfindlichkeit den Schwankungen der Ansauggeschwindigkeit gegenüber, weil die Regulierung auch hier durch Bewegung maschineller Teile erfolgt, welche durch ihre Trägheit die Einwirkung der Drehschwankungen verzögern.

Der Gillet-Lehmann-Regler bezweckt ohne maschinelle Einrichtung, unabhängig von der Umdrehungszahl des Motors, ein stets gleichbleibendes Gemisch im Vergaser zu erzielen, indem er den Druckunterschied im Schwimmergehäuse und in der Düse so beeinflußt, daß die Austrittsgeschwindigkeit des Brennstoffes der Durchschnittsgeschwindigkeit der durch den Vergaser gehenden Luft proportional bleibt.

Die jeweilige Verminderung des Druckunterschiedes auf dasjenige Maß, welches für die richtige Zusammensetzung des Gemisches bei den verschiedenen Umlaufzahlen erforderlich ist, wird dadurch erreicht, daß der Regler nicht den vollen Druck der Atmosphäre auf die Brennstoffoberfläche im Schwimmergehäuse wirken läßt, sondern die Luft bei jedem Saughube zum Teil durch Absaugen aus dem oberen Teil des Schwimmergehäuses vermindert.

Das Absaugen geschieht mittels Rohrleitung, die zwischen der Saugleitung des Motors und dem Luftraum über dem Brennstoff im Schwimmergehäuse eingeschaltet ist.

Durch Einstellung des Reglers hat man es nun in der Hand, den Einfluß der Druckminderung in der Saugleitung auf den Druck im Schwimmergehäuse so zu regeln, daß die Austrittsgeschwindigkeit |783| des Brennstoffes aus der Düse bei wechselnder Umdrehungszahl des Motors der Luftgeschwindigkeit im Vergaser proportional bleibt.

Textabbildung Bd. 322, S. 783

In der Hauptsache besteht der Apparat (Fig. 1) aus dem bei B an das Schwimmergehäuse angeschlossenen Rohraufsatze A, von dem zwei Rohrleitungen C und D zur Saugleitung des Motors führen, und zwar ist die eine vor, und die andere hinter der Drossel angeschlossen. Beide Rohre können nun mittels des in die obere konische Bohrung des Rohraufsatzes A eingepaßten Hahnkükens K, dessen unteres Ende in Höhe der Rohröffnungen C1D1 schräg abgeschnitten ist, ganz oder nur zum Teil abgeschlossen werden. Je nach Drehung des Hahnkükens ist man in der Lage, entweder der Luftverdünnung vor der Drossel, oder derjenigen hinter der Drossel, einen stärkeren Einfluß auf die Luftdruckregulierung im Schwimmergehäuse zu geben. Bei geöffneter Drossel ist die Druckminderung an beiden Stellen gleich, dagegen ist sie bei geschlossener Drossel hinter derselben, also zwischen ihr und den Zylindern, naturgemäß größer.

Das Hahnküken ist mit achsialer Bohrung versehen, die mit der Querbohrung F in Verbindung steht. Durch Herunterschrauben der Stellschraube G wird beim Einregulieren des Apparates die Zusatzluft vollständig abgeschlossen. Der Motor, welcher vor Abschluß der Zusatzluft angedreht wird, bleibt infolgedessen stehen, da jetzt kein Brennstoff mehr aus der Düse treten kann, denn im Vergaserraum sowie im Schwimmergehäuse herrscht jetzt gleicher Druck.

Durch allmähliches Lösen der Stellschraube G wird alsdann die Druckminderung so lange verringert, bis der Motor in gedrosseltem, nicht gedrosseltem, in belastetem und nicht belastetem Zustande gleich gut arbeitet. Die Druckminderung wird also durch Zulassung einer durch Stellschraube G regulierbaren Menge Außenluft auf das erforderliche Maß beschränkt.

Die regelnde Tätigkeit erstreckt sich daher nur auf den Uebertritt des Brennstoffes aus dem Schwimmergehäuse durch die Düse in den Vergaserraum.

Durch das hiermit erzielte, gleichmäßig richtige Mischungsverhältnis und der gleichmäßigen Verteilung des Brennstoffes in den einzelnen Zylinderfüllungen bei den verschiedenen Motorgeschwindigkeiten wird der Brennstoff derart ökonomisch ausgenutzt, daß sich erhebliche Ersparnisse erzielen lassen.

Aber nicht nur in den einzelnen Zylinderfüllungen sind die Mischverhältnisse stets gleich, sondern sogar bei den einzelnen Teilen dieser Füllungen, welche bei den verschiedenen Phasen des Kolbenhubes mit verschiedener Geschwindigkeit durch den Vergaser in den Zylinder einströmen. (Der Radmarkt und das Motorfahrzeug, 2. November 1907, S. 11–17.)

h.

Straßen- und Kleinbahnen.

Schutzvorrichtung an Straßenbahnwagen. (Helbig.) Die schaufelartig wirkende Fangvorrichtung besteht aus einem unmittelbar vor den Laufrädern angebrachten Fangkorb, dessen vorderer Abschluß durch eine zwischen den Seitenträgern des Fangkorbes lose hängende Kette gebildet wird. Auf die Kette sind keilförmige, mit Borsten versehene Glieder aufgereiht, die mit dem sich dahinter anschließenden festen Teil des Fangkorbes beweglich verbunden sind. Außerdem sind auf den vorderen Enden der Seitenträger über den Befestigungspunkten der Kette mäßig gewölbte Scheiben drehbar angeordnet, die mit einem schräg nach unten gerichteten Borstensatz in die Spurrinnen eingreifen, um ein Einklemmen von Körperteilen auch hier zu verhüten. Ein vorn unter der Plattform angebrachtes Tastgitter dient zur Steuerung des Fangkorbes der für gewöhnlich hochgeklappt ist.

Stößt ein vor dem Wagen zu Fall gekommener Körper gegen das Tastgitter, so wird der Fangkorb zwangläufig auf die Straßenoberfläche herabgesenkt. Hierbei legt sich die Kette mit ihren schmiegsamen Abschlußelementen, die sich den Unebenheiten der Straßenoberfläche völlig anpassen, in einem Bogen gleichmäßig auf das Profil derselben, wobei die Borstenkante der keilförmigen Glieder die Lücken zwischen den Pflastersteinen abdichten und sich unter den gefährdeten Körper schieben wird, ohne denselben zu verletzen.

Die Schutzvorrichtung ist von der Dresdner Straβenbahn während sechs Betriebsmonaten allwöchentlich einmal erprobt worden und hat hierbei die durch Puppen dargestellten Körper selbst von sehr unebener Straßenoberfläche zuverlässig aufgenommen. Auch ein Kind, sowie mehrere Tiere sind ohne Schaden zu nehmen, von dem Fangkorb aufgenommen und vor dem Ueberfahrenwerden bewahrt worden. (Deutsche Straßen- und Kleinbahnzeitung 1907, S. 804–805.)

Pr.

Wasserbau.

Zur Bildung des Grundwassers. (Graeber.) Die bis in die neueste Zeit anerkannten Regeln über den Kreislauf des Wassers, die von Pettenkofer aufgestellt worden sind, und wonach das an der Oberfläche des Meeres verdunstende Wasser in Form von Regen auf die Erde gelangt, in sie eindringt und oberhalb einer undurchlässigen Schicht als Quelle zu Tage tritt, um wieder ins Meer zurückzugelangen, sind durch die Beobachtungen der neueren Forscher erschüttert worden. Schon Volger in Frankfurt hat in den achtziger Jahren die Ansicht vertreten, daß die Niederschläge allein im allgemeinen nicht ausreichen, um die großen Vorräte an Grundwasser, die sich überall vorfinden, immer neu zu ergänzen, und die Versuche von Haedicke haben in eingehender Weise den Nachweis dafür erbracht, daß die Bildung des Grundwassers weniger auf das Eindringen von Niederschlagwasser in die Erde als auf das Eindringen von Wasserdampf zurückgeführt werden muß. Die Verdunstung des Regenwassers auf der Erdoberfläche ist im allgemeinen viel größer, als man bisher angenommen hat, und andererseits der Teil der Niederschlagsmenge, der in den Untergrund eindringt und zur Vermehrung des Grundwassers beiträgt, viel geringer, als man bis jetzt geglaubt haben würde. Ein starker Gewitterregen dringt z.B. in sandigen, gut durchlässigen Boden nicht tiefer als 20 bis 25 cm ein und, wenn nicht neuer Regen nachfällt, so verdunstet das ganze Regenwasser wieder, ohne bis an den Grundwasserspiegel zu gelangen. Im Durchschnitt verdunstet im Jahr mehr Wasser als vom Himmel herabfällt.

Auf die Bildung und das Verhalten des Grundwasserspiegels hat demnach – regnerische, insbesondere an Dauerregen reiche Jahre und ganz besonders trockene Gegenden ausgenommen – die Niederschlagsmenge nur untergeordneten Einfluß. Prof. Intze ermittelte z.B., als er die Remscheider Talsperre baute, daß derselben im Monat März 1882 800630 cbm Wasser zugeführt worden sind, obgleich in der gleichen Zeit in dem ganzen Gebiet nur 762300 cbm an Niederschlag gefallen waren. Dabei ist die große Verdunstungsmenge noch nicht berücksichtigt.

Haedicke hat nun folgende Versuche gemacht: Er setzte einen mit kleinen Steinen gefüllten Teller in eine Grube dicht am Strande des Meeres und füllte diese mit dem heißen Dünensand |784| wieder auf. Am folgenden Tage befand sich trotz heißer, regenloser Zeit klares, salzfreies Wasser auf dem Teller. Eine 1,7 m tief eingegrabene, mit Rand und Ablauf versehene, gegen Regenfall geschützte Platte lieferte bei einem Versuch in Siegen stets Tropfwasser, wenn vor dem Regen die Luftfeuchtigkeit zunahm. Durch diese Versuche kann man die Annahme als nachgewiesen erachten, daß das Grundwasser durch Kondensation des mit der Luft in das Erdinnere eindringenden Wasserdampfes gebildet wird, und damit wird zugleich eine ganze Reihe von Erscheinungen aufgeklärt, für die man bis jetzt keine vernünftige Erklärung finden konnte. Daß z.B. das Steigen des Grundwasserspiegels vielfach vor dem Regenfall eintritt, erklärt sich daraus, daß vor dem Regen die Luft ganz besonders mit Wasserdampf gesättigt ist, und wie das Hygrometer schon vor dem Regen einen höheren Feuchtigkeitsgrad der Luft anzeigt, so tritt die Wasserbildung im Erdinnern durch die feuchtere Luft auch schon vorher ein, jedenfalls aber früher als die Abkühlung draußen zum Regenfall führt. Auch die bekannte Tatsache, daß dicht unterhalb der Spitze von Bergen besonders hohen Bergen, sich fast nie versagende Quellen vorfinden, sowie die Bildung von Hochseen, z.B. der sogenannten Meeraugen, läßt sich auf Grund dieser neueren Anschauung aufklären. Man hat bisher solche Wasserbildungen, die augenscheinlich auf die Speisung durch Niederschläge allein nicht zurückgeführt werden konnten, mit unterirdischen Wasserzuflüssen usw. in Verbindung gebracht. Daß dem nicht so zu sein braucht, beweist der Umstand, daß die Luft in diesen Höhen stark feucht ist und sofort nach ihrem Eindringen in die Spalten des Gesteins Wasser abgeben muß.

Durch die Beobachtungen Haedickes werden auch die Erwägungen, die bis jetzt bei der Anlage von Talsperren für Wasserversorgungs- und Kraftzwecke angestellt worden sind, wesentlich beeinflußt. Waren bis jetzt eigentlich nur der Umfang des Niederschlagsgebietes und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge für die Schätzung der Ergiebigkeit einer Talsperre maßgebend, so wird man diese Berechnungen in Zukunft auf die mittlere Feuchtigkeit der Luft und auf die Aufnahmefähigkeit des Bodens für den Wasserdampf stützen müssen, wenn man zu Ergebnissen gelangen will, die den Tatsachen entsprechen. (Deutsche Bauzeitung 1907, S. 578–580.)

H.

Wasserkraftanlagen.

Wasserkraftanlage der Mc. Call Ferry Power Company am Susquehanna-Fluß. Dieses Kraftwerk, das im vollen Ausbau 135000 PS Leistung liefern soll, ist nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch den eigenartigen Vorgang, der bei seinem Bau eingeschlagen werden mußte, bemerkenswert. Der Fluß ist an der Stelle, wo das Kraftwerk errichtet worden ist, etwa 810 m breit, und sein Wasser wird durch einen die ganze Flußbreite abschließenden Damm aus Betonmauerwerk ohne Eisenverstärkungen angestaut, so daß selbst bei höchstem Wasserstand noch ein genügendes Gefälle gesichert wird. Der Staudamm liegt zum Teil auf einer Insel, die den Flußlauf in zwei Teile zerlegt. Beim Bau dieses Dammes ist nun zunächst der eine und dann der andere Arm durch einen Kofferdamm trocken gelegt worden und während dessen hat man auf dem steinigen Boden das Fundament des Staudammes aufgeführt; von dem eigentlichen Dammkörper sind aber nur Stücke von etwa 12 m Länge, zwischen denen ebenso weite Lücken freigelassen wurden, fertiggestellt worden, um nach Erbauung der einen Dammhälfte Raum zum Abfluß des Wassers darüber frei zu lassen, während die andere Hälfte errichtet wurde. Das Verbauen der Lücken wurde sodann mit Hilfe eines transportablen Schützens ausgeführt, der aus einem eisernen Gerüst und einer wasserdichten Plane besteht, die, von oben heruntergerollt, sich dicht gegen die Begrenzung der Dammlücke anlegt. Auf diese Weise war es möglich, die Oeffnungen des Dammes auf der ganzen Länge gleichmäßig vollzubauen, ohne einseitige Druckbeanspruchungen in den Kauf nehmen zu müssen. Die Verlängerung des Staudammes nach dem östlichen Ufer hin, bildet das ebenfalls aus Betonmauerwerk errichtete gegen Eis und schwimmende Baumstämme durch ein abgeschlossenes Vorbecken geschützte Turbinenhaus, in dem zehn Schächte für große und zwei für kleine Turbinen vorgesehen sind. Zurzeit sind zwei große Maschinengruppen aufgestellt: Doppel-Francis-Turbinen von je 13500 PS Leistung bei etwa 16 m Höchstgefälle und 94 Umdrehungen i. d. Minute, sowie von 12000 PS bei etwa 13 m Mindestgefälle, die 7500 KW-Drehstrommaschinen von 11000 Volt Spannung, unmittelbar antreiben. Die Turbinen haben 3050 mm Laufraddurchm. und ihre senkrechten Wellen werden mit Oel geschmiert, das mit etwa 17,5 kg/qcm Pressung zugeführt wird. Zur Erzeugung dieses Drucköles dient für jede Maschinengruppe eine besondere 50pferdige Turbine oder ein Elektromotor; die Druckölanlage muß vor dem Anlassen der großen Maschinen in Gang gesetzt werden, um alle Schmierstelen mit Oel zu versorgen. Für Erregerzwecke dienen die beiden kleinen für je 1000 PS Leistung bemessenen Turbinengruppen, die Gleichstrom von 250 Volt bei 240 Umdrehungen i. d. Minute liefern. Die wirtschaftlichen Aussichten sind gerade für diese Wasserkraftanlage ganz besonders günstig, da sie an einer Stelle gelegen ist, von der aus Industrieorte wie Philadelphia, Baltimore, Wilmington, Harrisburg, York, Lancaster usw. verhältnismäßig leicht erreichbar sind. Man schätzt die gegenwärtig in diesen Orten erzeugte Dampf kraft auf 750000 PS, Gelegenheit zur Unterbringung der elektrischen Leistung des Kraftwerkes als Ersatz für Dampfanlagen oder als Ergänzung dafür, ist also selbst nach dem vollen Ausbau der Wasserkraftanlage reichlich geboten. (Engineering News 1907, Bd. II, S. 267–276.)

H.

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