Titel: Neuere Pumpen und Kompressoren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1907, Band 322 (S. 803–807)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322264

Neuere Pumpen und Kompressoren.

Von Prof. Fr. Freytag, Chemnitz.

(Fortsetzung von S. 789 d. Bd.)

Das Verdienst, zuerst und unbeirrt durch die Bedenken, welche die Vertreter der Kolbenpumpensysteme dagegen geltend machten, Hochdruck-Zentrifugalpumpen für große Wassermengen – 7 bis 8 cbm/Min. auf Förderhöhen von über 500 m (monometrisch) – in Dienst gestellt zu haben, gebührt der westfälischen Zeche „Victor“ bei Rauxel. Seitdem die für diese Zeche von Gebr. Sulzer mit Motoren der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft gelieferte unterirdische Wasserhaltungsanlage vom Beginn der Inbetriebsetzung ohne Störung arbeitete, hat die elektrisch angetriebene |804| Zentrifugalpumpe, besonders auch im Bergbau, eine immer größere Verbreitung gefunden. Während bis vor wenigen Jahren für die zum Antriebe solcher Pumpen dienenden schnellaufenden Motoren 300 bis 400 PS als Höchstleistung galt, sind heute hierfür Motoren von 1100 PS bei 1486 Uml./Min. im Bau.2)

Textabbildung Bd. 322, S. 804

An Stelle des elektromotorischen Antriebes kommt häufig auch derjenige mittels Riemen zur Ausführung, da die Pumpen in vielen Fällen den bestehenden Betrieben angepaßt werden müssen.

Fig. 7 zeigt eine vierstufige Sulzer-Hochdruck-Zentrifugalpumpe, beider die Riemenrolle zwischen Saugstutzen und einem äußeren Lager angeordnet ist, was die gleichzeitige Ausbildung des ersteren als Lager für die Pumpenwelle erfordert (s. auch Fig. 2).

Textabbildung Bd. 322, S. 804

Bei der Hochdruck-Zentrifugalpumpe (Fig. 8) trägt die Grundplatte zwei Lagerböcke mit zwischenliegender Riemenrolle.

Besonders günstige Wirkungsgrade wurden mit Sulzerschen Senkpumpen erreicht. Eine solche, in Fig. 9 dargestellte, für eine Förderung von 16 cbm/Min. auf 45 m monometrische Förderhöhe gebaute Pumpe ergab mit 1025 minutl. Umdreh. einen Wirkungsgrad von 83 v. H., der unter etwas anderen Betriebsverhältnissen sogar bis auf 84 v. H. anstieg.

Die zum Schachtabteufen ausgebildeten Senkpumpen werden, wie die Abbildung erkennen läßt, normal mit einem Drehstrommotor zusammen in ein schmiedeeisernes Gerüst eingebaut; sie erfordern nur einen geringen Raumbedarf und können frei am Seile hängend arbeiten, ohne irgendwelche Einbauten und Verlagerungen im Schachte zu beanspruchen.

Textabbildung Bd. 322, S. 804
Textabbildung Bd. 322, S. 804

Fig. 10 zeigt eine 400pferdige Abteufpumpe von Gebr. Sulzer, die durch vier Laufräder mit zweiseitigem |805| Einlauf bei 975 Umläufen 8 cbm/Min. auf 165 m hebt. Ein Kammlager ist in der Abbildung nicht ersichtlich; es befindet sich oben am Motor.

Textabbildung Bd. 322, S. 805
Textabbildung Bd. 322, S. 805

Die von dem Pumpen- und Gebläsewerk C. H. Jäger & Co. in Leipzig-Plagwitz gebauten Zentrifugalpumpen zeichnen sich durch eine ungemein einfache, seit Jahren vorzüglich bewährte Konstruktion aus.

Textabbildung Bd. 322, S. 805

Die neuesten Verbesserungen, welche an diesen Pumpen getroffen wurden, beziehen sich auf selbsttätige Einrichtungen zur Beseitigung jeglicher Achsialdrücke, so daß die Wellenlager solche im normalen Betriebe überhaupt nicht mehr aufzunehmen haben.

Fig. 11 und 12 zeigen eine dreistufige Turbinenpumpe neuester Bauart der genannten Firma.

Die Flüssigkeit tritt durch das Saugrohr A in das erste Schaufelrad B ein, wird hier beschleunigt und im Leitrade C auf höheren Druck gebracht, worauf sie durch den Kanal D in das nächste Schaufelrad gelangt. Der Vorgang wiederholt sich hier, wie auch in dem folgenden Schaufelrade, bis schließlich die Flüssigkeit aus dem Kanal E der Pumpe in den Druckstutzen F derselben gelangt. Da jedes Leitrad mit zugehörigem Laufrad von einem Gehäuseteil umschlossen wird, kann durch Ein- oder Ausschaltung einzelner Stufen die Förderhöhe beliebig geändert werden.

Zur Entlastung der im Gegensatz zu der Sulzerschen Turbinenpumpe mit rückwärts gebogenen Schaufeln ausgeführten Laufräder sind zu beiden Seiten jedes Rades am Gehäuse Dichtungsringe pp angebracht, die gegen entsprechende Ringflächen an der Radnabe abdichten. Durch den Spalt S am Umfange jedes Rades wird nun der Druck des Wassers in den Räumen a und b gleichmäßig verteilt; ebenso wird in den innerhalb dieser Dichtungsringe gelegenen Räumen c und d gleicher Druck infolge |806| der Durchbohrungen o in der Radnabe hergestellt. Es ist somit jedes Rad für sich nahezu vollständig entlastet.

Textabbildung Bd. 322, S. 806

Um die durch etwaige ungleiche Abnutzungen der Dichtungsringe auftretenden Achsialdrücke selbsttätig zu beseitigen, besitzt die Welle mit den Laufrädern eine geringe seitliche Verschiebbarkeit.

Textabbildung Bd. 322, S. 806

Der äußere Kranz jedes Rades ist zylindrisch, während die denselben einschließenden Flächen des Deckels bezw. der Gehäusewände kegelförmig gestaltet sind (s. auch Fig. 13 und 14). Erhält die Welle bezw. die Räder aus irgend einem Grunde einen seitlichen Schub, z.B. von rechts nach links, so daß sich das Rad, wie in Fig. 14 angegeben, nach links verschoben hat, so wird durch die kegelförmige Gestaltung der Gehäusewände der Spalt S auf der linken Seite vergrößert und durch das eintretende Druckwasser ein höherer Druck erzeugt werden, der das Laufrad und damit die Welle wieder nach rechts schiebt.

Textabbildung Bd. 322, S. 806

Zur Beseitigung des im normalen Betriebe der Pumpen auftretenden Strömungsdruckes werden dieselben neuerdings noch mit einer besonderen, aus einem rotierenden |807| Teller r (Fig. 13) von einer der Radnabe ähnlichen Form bestehenden Vorrichtung versehen, durch welche eine Verschiebung des Rades verhindert wird. Ein etwa beim Anlassen der Pumpe auftretender Schub wird, soweit er nicht durch die Entlastungsvorrichtung im Innern der Pumpe aufgehoben wird, von einem reichlich bemessenen Kammlager getragen.

Die – ebenso wie auch die Laufräder – aus zäher Bronze gefertigten, auf einer Seite offenen Leiträder mit nach außen spiralförmig erweiterten Kanälen werden in die Gehäuseteile besonders eingesetzt. Die Wellen bestehen aus Nickelstahl.

Fig. 15 zeigt die äußere Ansicht einer Jäger-Hochdruckzentrifugalpumpe der Mühlheimer Bergwerksgesellschaft, die mittels beweglicher Kupplung von einem auf gemeinsamer Grundplatte mit ihr stehenden Drehstrommotor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft von 187 PS bei 1460 Umdr./Min. angetrieben wird. Die Gehäuseringe sind außen glatt hergestellt und durch lange durchgehende Bolzen miteinander verschraubt (s. auch Fig. 12). Die Gehäuseteile der Hochdruckzentrifugalpumpen für mittlere Drücke werden durch Flanschen miteinander verbunden.

Die von der Firma Jäger & Co. gelieferte, mit zwei nebeneinander geschalteten fünfstufigen Turbinenpumpen für 5 bezw. 6 cbm/Min. bei 368 m Förderhöhe ausgerüstete Wasserhaltungsanlage der Zeche „General“ in Weitmar bei Bochum läßt Fig. 16 erkennen. Die Motoren leisten 650 bezw. 750 PS bei 1450 Uml./Min.

Fig. 17 zeigt eine der acht stehenden zweistufigen Kondensatpumpen, die für die Oberflächenkondensatoren der 5500 KW-Westinghouse-Parsons-Dampfturbinen des Kraftwerkes für die Londoner Untergrundbahn in Chelsea geliefert worden sind. Die größte Stundenleistung beträgt 63000 kg Kondensat bei 950 Uml./Min.

In Fig. 18 ist eine vierstufige, von einem Elektromotor angetriebene Senkpumpe für die Zeche Bliesenbach, dargestellt, die 750 l/Min. mit 1450 minutl. Umdrehungen auf etwa 100 m Höhe fördert; das Druckrohr ist an eine seitlich im Schacht stehend verlegte Steigleitung angeschlossen.

Ein großer Vorzug der Turbinenpumpen liegt noch darin, daß sie in ein geschlossenes Rohrnetz ohne Hochdruckbehälter und Windkessel arbeiten können. Die Wasserleitung der Pumpe und der Kraftverbrauch regulieren sich dabei ganz von selbst, entsprechend der Wasserentnahme aus dem Netz.

Auch zur Kesselspeisung finden die Zentrifugalpumpen in der Neuzeit Verwendung. Bei Speisung größerer Kesselanlagen hat man nur nötig – bei gleichbleibender Umlaufzahl der Pumpe – den Druckschieber nach Bedarf auf die gewünschte Wassermenge einzustellen oder auch vollständig zu schließen. Angestellte Vergleichsversuche zwischen einer zur Kesselspeisung dienenden Turbinenpumpe der Firma Borsig in Berlin-Tegel und einer Dampfkolbenpumpe ließen erkennen, daß erstere der letzteren wirtschaftlich nur dann überlegen ist, wenn elektrischer Strom unmittelbar vorhanden und besonders billig ist3).

(Fortsetzung folgt.)

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Mitteilung der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, Berlin.

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Vergl. „Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen“, Juli 1905, Heft 20.

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