Titel: Polytechnische Rundschau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1909, Band 324 (S. 189–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj324/ar324057

Polytechnische Rundschau.

Dampfturbinen mit hohem Gegendruck.

Gegendruckturbinen sind besonders dort am Platze, wo die Kraftabgabe der Turbine in annähernd gleichem Verhältnis steht zu der Menge des Abdampfes, welcher zu Heizzwecken gebraucht wird1). Wird aber zeitweise und unabhängig von dem Kraftbedarf des Betriebes weniger Heizdampf gebraucht, so empfiehlt sich eine kombinierte Turbine aus einem Hochdruck- und einem Niederdruckteil. Sobald die Abdampfmenge für die Heizung oder für andere Zwecke nicht ganz gebraucht wird, erhöht sich der Druck in der Abdampfleitung des Hochdruckteiles; dadurch wird selbsttätig ein Umleitventil zum Niederdruckteil geöffnet und der überschüssige Dampf in diesem zur Kraftabgabe ausgenutzt. Der Niederdruckteil ist an eine Kondensationsanlage angeschlossen und läuft unter normalen Verhältnissen leer mit, während der volle Kraftbedarf durch den Hochdruckteil gedeckt wird.

Der Betrachtung werde zunächst eine einstufige Aktionsturbine zugrunde gelegt. Für einen Anfangsdruck von 8,5 Atm. und einen Gegendruck von 3,8 Atm. beträgt die Dampfgeschwindigkeit 510 m/Sek. bei 8 v.H. Düsenverlust. Bei einer Umfangsgeschwindigkeit des Rades etwa einem Drittel der Dampfgeschwindigkeit- und bei 3000 Umdrehungen i.d. Minute ergibt sich ein mittlerer Schaufelkreisdurchmesser von 1150 mm. Es berechnet sich hierfür eine Ventilationsarbeit des zu einem Drittel beaufschlagten Rades zu 72 PS für eine Maschine von 400 KW. Ist aber der Anfangsdruck höher, z.B. 15 Atm., wobei der Dampfverbrauch von 36 kg f.d. KW/St, auf 24 kg vermindert werden könnte, so muß die Umfangsgeschwindigkeit 240 m betragen und man erhält eine Leerlaufarbeit von 130 PS, die also über 20 v.H. der normalen Leistung beträgt. In diesem Falle ist eine Unterteilung des Druckes geboten und die Anwendung von etwa 4 Stufen. In der ersten Stufe wird man zweckmäßig ein höheres Druckgefälle verarbeiten lassen als in den folgenden, damit das erste Rad nicht in zu dichtem Dampf läuft. Die Aufteilung könnte etwa so geschehen, daß in der ersten Stufe eine Dampfgeschwindigkeit von 500 m, in den 3 folgenden von 350 m vorhanden ist. Eine Durchrechnung zeigt nun, daß es für die Nutzleistung an der Welle gleich ist, ob der höheren Dampfgeschwindigkeit in der ersten Stufe entsprechend eine höhere Radgeschwindigkeit von 160 m ausgeführt wird gegenüber 110 m in den folgenden Stufen, oder ob man die Radgeschwindigkeit in allen 4 Stufen = 110 m macht. In letzterem Falle ist zwar der Austrittsverlust aus dem ersten Rad größer, andererseits aber auch die Leerlaufarbeit geringer. Die Ausführung der kleineren Räder ergibt eine billigere Turbine und zudem kann durch richtige Anordnung des Leitapparates ein Teil der Austrittsgeschwindigkeit im folgenden Laufrad noch nutzbar gemacht werden.

|190|

Empfehlenswert ist die Anwendung von Geschwindigkeitsstufen, weil es möglich ist, in dem Turbinengehäuse einen geringen Druck zu bekommen und dadurch die Abdichtung der Welle günstiger zu gestalten. Es ergibt sich z.B. bei 15 Atm. Anfangsdruck und 300° bei zwei Geschwindigkeitsstufen und einem praktisch günstigen Verhältnis eine Umfangsgeschwindigkeit von etwa 150 m und für 3000 Umfangsdrehungen errechnet sich für das zweikränzige Rad eine Leerlaufarbeit von ∾ 45 PS, d.i. nur ein Drittel des Wertes bei der einstufigen Turbine. Wenn auch bei Geschwindigkeitsabstufung ein Spaltverlust eigentlich nicht auftreten sollte, tut man doch gut, die Schaufelkränze, wo sie nicht beaufschlagt sind, innen und außen abzudecken, und enge Abstände zu nehmen, weil man bemerkt hat, daß der Dampf doch neben den Schaufeln zu entweichen sucht.

Für den Niederdruckteil kombinierter Turbinen wird zweckmäßig mehrstufige Anordnung zu wählen sein, weil bei einem Gegendruck von beispielsweise 3,8 Atm. und einem Vakuum von 90 v.H. für den Niederdruckteil ein großes Druckgefälle zu verarbeiten bleibt, dem eine Dampfgeschwindigkeit von etwa 1100 m entspricht. Die Anwendung zweier Druckstufen mit je einem zweikränzigen Laufrad ermäßigt die Dampfgeschwindigkeit auf 770 m und verlangt eine Radgeschwindigkeit von etwa 160 m. Noch günstiger wird es bei einer größeren Zahl von Druckstufen: bei 7 Druckstufen z.B. kann die Radgeschwindigkeit auf 125 m verringert werden. (H. Wagner.) Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen 1909 S. 1.

M.

Akkumulatoren-Doppelwagen der preußischen Staatsbahnen.

Entsprechend der Betriebseinheit für die elektrischen Vorortbahnen in Hamburg hat die preußische Staatsbahnverwaltung auch für die neuen Akkumulatorenwagen als Einheit zwei kurzgekuppelte Personenwagen gewählt. Die Wagen mit einem Fassungsraum von 100 Sitz- und Stehplätzen sind jedoch nur zweiachsig und je mit einem Motor auf der der Kupplung zunächst liegenden Achse ausgerüstet. An den anderen Wagenenden sind zur Aufnahme der Akkumulatorenbatterie Vorbauten angebracht, die vollständig von den übrigen Räumen abgetrennt sind, so daß Beschädigungen sowie Belästigungen durch Säure und Säuredämpfe unbedingt vermieden sind. Zum Antriebe der Wagen dienen zwei Hauptstrommotoren mit Wendepolen für 80–85 PS Stundenleistung, welche durch Reihenparallelschalter gesteuert werden. Diese Schalter sind derart eingerichtet, daß beim Loslassen des Kurbelgriffes auf jeder Fahrstellung sofort eine Unterbrechung des Fahrstromes und ein Anstellen der Notbremse stattfindet. Die Batterie besteht aus 168 Zellen und besitzt eine Kapazität von 368 Amp./Std. bei einer Mindestklemmenspannung von 310 Volt. Eine Ladung reicht für mindestens 100 km und zwar kann der 55 t schwere Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/Std. erreichen. Zur Bremsung dient die Knorrsche Zweikammer-Luftdruckbremse, deren Betriebsluft mittels eines Motorkompressors erzeugt wird. Die Steuerung des letzteren geschieht selbtstätig entsprechend dem im Hauptluftbehälter vorhandenen Druck. Ueberdies sind alle Wagen mit einer einfachen mechanischen Bremse ausgerüstet; ferner ist bei einem Teil der Wagen neben der Luftbremse noch elektrische Bremsung vorgesehen.

Die Entwürfe für die Wagen stammen vom Geh. Oberbaurat Wittfeld, die Batterien sind von der Akkumulatorenfabrik A.G. Berlin-Hagen, die übrige elektrische Ausrüstung für je 19 Wagen seitens der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft. der Siemens-Schuckertwerke G.m.b.H. und der Felten u. Guilleaume Lahmeyerwerke A.G. geliefert. (Elektrotechnische Zeitschrift 1908 S. 943 u.S. 1051–1054.)

Pr.

Bremsschuhversuche.

Im Maschinenlaboratorium der Perdue-Universität wurden Versuche mit Bremsschuhen auf gußeisernen Rädern und auf Rädern mit Stahlgußreifen angestellt, da die von den amerikanischen Eisenbahngesellschaften verwendeten Bremsklötze meist den Anforderungen des Betriebes nicht genügt haben. Der geringe Reibungskoeffizient zwischen Rad und Bremsklotz, die große Abnutzung der Bremsschuhe, der geringe Widerstand bei Erhitzung der Schuhe und der durch Abnutzung oft auftretende Bruch machten das Bestreben geltend, Normalien für die Bremsschuhe aufzustellen. Es wurden je 9 Bremsklötze unter einem Druck von 486, 1264 und 1868 kg erprobt. Bei den beiden niedrigen Bremsdrucken waren die Klötze während 190 Umdrehungen mit dem Rade in Berührung und während den folgenden 610 Umdrehungen außer Tätigkeit. Bei dem Bremsdruck von 1868 kg lagen die Schuhe bei 1600 Umdrehungen nur während 150 Umdrehungen an. Bei 32 km/St. Umfangsgeschwindigkeit des gebremsten Rades und 1264 kg Bremsdruck wurden folgende Bremsarbeiten in Millionen-mkg durch die Abnutzung des Bremsschuhes um 1 kg geleistet.

Bremsschuh
Gußeisenrad
Rad mit Fluß-
stahlreifen
No. Material
1 Weiches Gußeisen 28 22
2
3
4

desgl. mit harten Einlagen
124
118
45
70
98
51
5 desgl. mit Stahleinlagen 79 54
6
7

Hartes Gußeisen
169
107
64
73
8 Hämmerbares Filler-Eisen 35 27
9 Fillerscher Preßstahl 53 30

Hiernach gehen die Unterschiede in den Abnutzungseigenschaften der Bremsschuhe bis 1 : 4 auseinander. Die größte Widerstandsfähigkeit haben die Gußeisenklötze mit harter Einlage. Alle Schuhe zeigen auf Stahlgußreifen eine weit größere Abnutzung, als auf Gußeisenräder.

Auf Grund dieser Versuche wird bei der Prüfung von Bremsklötzen verlangt, daß sie bei einem Druck von 1264 kg und 32 km/St. Umfangsgeschwindigkeit der Räder bei 1 kg Abnutzung auf Gußeisenräder 107000000 mkg Reibungsarbeit zu leisten haben. Die Bremsschuhe sind bei je 1600 Umdrehungen während 150 Umdrehungen mit dem Radreifen in Berührung.

Ungelöst blieb die äußerst wichtige Frage, wie der Radreifen selbst durch die Schuhe angegriffen wird, da im Laboratorium geeignete Wägevorrichtungen fehlen, die das Radgewicht von 315 kg mit einer Genauigkeit von 1 g messen. (Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen, 1909, S. 9–10.)

W.

Seil-Brücke.

Zur Aufhängung der Laufbahnen und Querverstrebungen an den Hauptseilen der Manhattan-Brücke |191| in New-York sind 600 Aufhänger in je 6 m Abstand voneinander vorgesehen und für je 180000 kg berechnet. Sie bestehen aus je zwei um das Hauptseil gelegten verzinkten Drahtseilen von etwa 44,5 mm , an deren Enden mittels Verschraubungen die Gurtungen der Verstrebungen hängen. Die Länge von den Hauptseilen bis zu den Verschraubungen beträgt je nach dem Abstande der Aufhänger von der Brückenmitte 9–55 m. Als Endverbindungen dienen Gußstahlmuffen (430 mm Länge und 130 mm ) mit konischer Bohrung (47 bis 89 mm ), in die das aufgelöste, mit verdünnter Salzsäure gereinigte, abgewaschene und getrocknete Ende der Seile mit dünnflüssigem Zink vergossen wird. Außen sind die Muffen mit Gewinde versehen, auf das eine 135 mm hohe Gußstahlmutter paßt, deren kugelige Grundfläche sich gegen eine passende Platte der Gurtung legt und konzentrische Kraftübertragung bewirkt.

Die Seile sind rechts geschlagen aus 6 Litzen zu je 19 Drähten um eine links geschlagene Seele aus 7 Litzen zu je 7 Drähten.

Die verzinkten Drähte haben folgende Durchmesser:

1. Seillitzen je 6 Drähte von 3,38 mm
7 2,82
6 2,44
2. Seelenlitzen 7 1,60

Verlangt war für die Drähte

  • 1. vor dem Verzinken: Zugfestigkeit > 150,5 kg/qmm, Dehnung < 2% auf 305 mm, Biegefähigkeit 1½ Biegungen um einen Dorn vom Drahtdurchmesser.
  • 2. nach dem Verzinken: Zugfestigkeit > 140 kg/qmm.

Bei einem tragenden Querschnitt von 890,7 qmm würde sich die Bruchlast der Seile demnach auf 188000 kg berechnen. Das Metergewicht der fertigen Seile betrug etwa 8,2 kg. Zur Prüfung wurden 3 Seilabschnitte von etwa 6 m Länge an einem Ende mit Muffen vergossen und zerrissen. Die Bruchlast betrug im Mittel aus 3 Versuchen 144200 kg. Die Seile hatten sich etwa 6 mm aus den Muffen herausgezogen. Letztere zeigten keine Zerstörungen im Gewinde und Guß. (Engineering Record 1908, S. 892.)

Fk.

Betonbrücke mit Eisenbetongelenken.

Ueber die Neiße oberhalb Steinbach im Zuge der Kleinbahn Horka-Rothenburg-Priebus war ursprünglich eine Eisenbahnbrücke aus Flußeisen mit 3 Oeffnungen mit je 50 m Spannweite geplant. Mit Rücksicht auf die Vorteile einer Massivbrücke – geringere Kosten wegen vorhandener Kiesmengen, Fortfall der Unterhaltung, unbeschränkte Dauer und kurze Bauzeit – wurde eine Betonbrücke mit 5 Dreigelenkbögen zu je 30,5 m Spannweite und 4,2 m Pfeilhöhe errichtet.

Die Brücke ist zwischen den Geländern 4,5 m breit. Wegen des verschiedenen Baugrundes war die Gründung der Pfeiler nicht gleichmäßig. Der obere Teil des Geländes bestand aus einer 2 bis 2,5 m hohen Kiesschicht. Darunter lag am linken Widerlager Kies mit Lehm vermischt über festem, grauem Ton. Bei den folgenden 3 Pfeilern lag unter der Kiesschicht Wasser und nicht durchlassender grauer Mergel. Bei dem 4. Pfeiler lag unter der 2 m starken Mergelschicht fester Kies. Am rechten Widerlager lag unter sandigem, festem, gelbem Lehm dichter, harter Kies. Daher konnten das linke Widerlager und die 3 ersten Pfeiler ohne Spundwände gegründet werden, die bei dem letzten Pfeiler und dem rechten Widerlager erforderlich wurden. Das rechte Widerlager ist außerdem durch einen mit Beton ausgefüllten Fangedamm gegen Auskolkungen geschützt und besonders tief gegründet. Die Bodenpressung ist höchstens 5 kg/qcm. Der Beton der Fundamente besteht über Wasser aus einer Mischung 1 : 10, unter Wasser aus einer Mischung 1 : 6, die geschüttet wurde. Der aufgehende Beton ist in einer Mischung 1 : 8 hergestellt und gegen die Stromrichtung mit Granit verkleidet. – Die Widerlager sind im Fundament um, die Pfeiler 6,75 m breit. Erstere verjüngen sich in Kämpferhöhe auf 3 m, letze auf 2 m Breite. Um ein Abscheren dieser schmalen Pfeilerköpfe zu verhindern, ist ihr Beton durch senkrechte Eiseneinlagen verstärkt. Das Betongewölbe hat in der Bruchfuge 100 cm, am Kämpfergelenk 70 cm, am Scheitelgelenk 55 cm Stärke. Der Beton ist in einer Mischung 1 : 6 hergestellt. Die größte Beanspruchung aus dem Eigengewicht und der Lokomotivbelastung von 12 t Achsdruck beträgt 20,9 kg/qcm. Die Betongelenksteine haben in der Längsansicht des Brückenbogens im Kämpfer 70-70 cm, im Scheitel 55-55 cm Abmessung. Der Radius des konkaven Steines an der Berührungsfläche ist 3,5 m, des konvexen Steines 2,9 m. Die Steine sind in einer Mischung 1 : 3, an den Berührungsflächen 1 : 1½ hergestellt. Um die aus den Querzugspannnungen entstehenden Risse zu vermeiden, sind in den Ecken senkrecht zur Ansichtsfläche Rundeisen eingelegt, die miteinander verschnürt sind. Außerdem ragen aus den Gelenksteinen eiserne Bügel hervor, die in den Gewölbebeton eingreifen und beim Versetzen der Gelenksteine als Handhabe dienen sollen. Die Stirn- und Flügelmauern sind in Beton 1 : 8 ausgeführt. Für den Fußverkehr sind 0,7 m weite Eisenbetonkonsole ausgekragt. Der Gewölberücken hat eine doppelte, geteerte Papplage erhalten. Die Stirnmauern sind auf der Rückseite mit heißem Gudron gestrichen. Die Fugen der Gelenke und Stirnmauern sind mit Zinkblech abgedeckt. (Hart.) [Deutsche Bauzeitung, Mitteilungen über Zement usw. 1908, S. 101 bis 102, 106–107.]

Dr.-Ing. Weiske.

Härteprüfer.

In Anlehnung an das bekannte Brinellsche Kugeldruckverfahren1) hat Martens einen Apparat entworfen, bei dem die Eindrucktiefe unter Zwischenschaltung einer hydraulischen Uebersetzung an einem mit Quecksilber gefüllten Haarröhrchen unmittelbar abgelesen werden kann. Der nach diesem Prinzip von Schopper in Leipzig gebaute Härteprüfer ruht auf einem Fuß mit darin gelagertem Preßkolben; auf dem Fuß sind zwei Säulen mit einem Querhaupt aufgesetzt, welches als Widerlager für | die Stahlkugel dient, die hydraulische Uebersetzung enthält und oben das Haarröhrchen mit einem darunterliegenden Maßstab trägt. Zur Druckerzeugung dient eine aus einer Gummi- und einer Lederscheibe bestehende Biegehaut, deren Unterseite durch Einlassen von Wasserleitungswasser unter Druck gesetzt wird und gegen deren Oberseite sich der Preßkolben legt, in dessen Mitte eine kräftige Schraube von geringer Steigung eingefügt ist. Auf dieser Schraubung ruht unten Zwischenschaltung einer Kugellagerung ein Tischchen, auf das der Probekörper gelegt wird. In die Unterseite des Querhauptes ist ein Futterkörper eingesetzt, der eine nahezu halbkugelförmige Aussparung zur Aufnahme der Stahlkugel und drei Längsbohrungen besitzt, durch die Stahlstäbchen geführt sind. Diese Stäbchen ruhen mit ihren unteren Enden auf dem Probekörper und tragen auf den oberen Enden eine Stahlplatte, auf die sich unter Zwischenschaltung eines Führungskolbens ein Stahlkolben stützt. Der letztere ist dicht in den Boden eines Gefäßes eingeschliffen, das mit Quecksilber gefüllt ist und an das sich das Hahrröhrchen anschließt.

Zur Messung wird der Probekörper auf das Tischchen |192| gelegt und durch die Schraube der Tisch angehoben bis die Stahlkugel den Probekörper berührt. Durch Speisung des Raumes unter der Biegehaut über ein durch eine Schraube gesteuertes Ventil mit Druckwasser kann dann die Kugel eingepreßt werden, wobei die Stahlstifte den Stahlkolben in das Quecksilbergefäße hineinbewegen und infolgedessen die Quecksilbersäule in dem Haarröhrchen in entsprechend vergrößertem Maße steigt.

Der verwendete Wasserdruck wird an einem Manometer abgelesen. Die Aichung des Instrumentes geschieht mit Hilfe einer Mikrometerschraube, die an Stelle des Tischchens auf die Stellschraube aufgesetzt wird. Durch die Mikrometerschraube werden die Stahlstäbchen um bestimmte Werte angehoben und die entsprechenden Bewegungen des Quecksilbers in dem Haarröhrchen festgestellt.

Die Verfasser führen eine Reihe von Prüfungsergebnissen an, die die Brauchbarkeit des neuen Härteprüfers erweisen. (Martens und Heyn.) [Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure, S. 1719–1723.]

Pr.

Durchscheinende Metallhäutchen.

Erhitzt man dünne Häutchen von Gold oder Silber, die auf Glas aufgebracht sind, so werden sie bei einer gewissen unter Rotglut liegenden Temperatur stark verändert: sie lassen dann weißes Licht ungehindert durch, werfen entsprechend weniger Licht zurück und ihr elektrischer Widerstand ist gewaltig gewachsen.

Schon Faraday hatte gefunden, daß diese Veränderung der Goldschicht nicht davon abhängt, daß man. statt Glas, eine andere Unterlage benutzt und statt in Luft in Kohlenoxyd erhitzt. Goldhäutchen, die in der Muffel erhitzt waren, bis sie farblos wurden, ließen nach dem Polieren wieder grünes Licht durch.

Turner und Dixon legten Goldblättchen, die etwa 0,00008 mm dick waren, zwischen zwei Glasplättchen und maßen die Temperatur mit einem Thermoelement. Bei 550° verschwindet die grüne Farbe binnen wenigen Minuten in Luft, noch rascher in Wasserstoff. Auf Glas eingebranntes Gold zeigt nach Beilby ein kristallinisches Netzwerk, das mit durchsichtigem amorphem Metall gefüllt ist. Aber die Mikrophotographie der auf 550° erhitzten Goldschicht zeigt nicht kristallinische dunkle Stellen, wo das Gold sich gehäuft hat, und weiße klare Stellen freien Glases. Das Gold selber ist opak, anstatt durchsichtig und das weiße Licht geht durch die klaren Zwischenräume.

Um das Verhalten des transparenten Silbers zu beobachten, wurden Silberblättchen benutzt, die etwa 0,002 mm dick waren. Die Silberschicht begann bei 260° transparent zu werden; die Transparenz war erheblich bei 635° und praktisch vollständig bei 390°. In Sauerstoff trat die Umwandlung bei der gleichen Temperatur ein; beim Erhitzen auf 750° in Wasserstoff wurden Silberblättchen wieder opak und glänzend. Sauerstoff scheint also hier von Einfluß zu sein, doch läßt sich bei 500° keine chemische Umsetzung mit dem Silber nachweisen.

Transparentes Kupfer (0,0003 mm dick) bleibt in reduzierender Atmosphäre metallischglänzend und opak; in Luft erhitzt, läuft es wie bekannt, nacheinander orange, rot, purpur, blau und grün an. Gegen das Licht erscheint das an Luft erhitzte Kupferhäutchen erst hellgrün, bei weiterem Erhitzen olivgrün, dunkelgrün, schließlich portweinfarben. Die Transparenz tritt zwischen 200 und 250° ein.

Aluminium (0,0004 mm) blieb an Luft bis 500° opak; die Oxydation ist innerhalb einer Stunde gering. (Proceedings of the Royal Society, Serie A Bd. 81, S. 301 bis 310.)

A.

Wirtschaftliche Gesichtspunkte beim Veranschlagen von Wasserkraftmaschinen.

Die Wirtschaftlichkeit von Wasserkraftanlagen kann ganz allgemein nach zwei Richtungen hin untersucht werden. Soweit es sich um die Rentabilität handelt, wird die Aufgabe gelöst durch einen einfachen Vergleich der Gesamteinnahmen mit den Gesamtausgaben. Man kann aber auch, ganz abgesehen von der Rentabilität, untersuchen, welche Gattung, Aufstellungsart und Größe der Wasserkraftmaschine unter den gegebenen äußeren Verhältnissen den wirtschaftlich günstigsten Erfolg verspricht. Auch hier sind die Kosten der Anlage und des Betriebes ins Auge zu fassen. Ihnen werden aber nicht die Gesamteinnahmen gegenübergestellt, sondern jene Mindereinnahmen zugezählt, welche sich aus den unvermeidlichen Unvollkommenheiten der Anlage ergeben. Der Entwurf, für welchen die Summe aus diesen auf ein Jahr berechneten Mindereinnahmen und den jährlichen Aufwendungen für Verzinsung und Betriebskosten am kleinsten wird, ist der wirtschaftlich günstigste. Das Verfahren, welches natürlich auf alle Teile einer Wasserkraftanlage angewendet werden muß, läßt sich am anschaulichsten an den Bedingungen für die wirtschaftlich günstigste Rohrleitung darstellen. Je größer der Durchmesser der Rohrleitung gewählt wird, desto langsamer bewegt sich das Wasser darin, um so geringer sind also die Reibungsverluste, aber um so kostspieliger wird der Bau. Auf der einen Seite hat man also Verlust an Gefälle und Nutzarbeit, auf der anderen größere Ausgaben für Verzinsung und Abschreibungen. Für die wirtschaftlich günstigste Leitung werden also diese Verluste einen Mindestwert darzustellen haben. Die Ausdehnung einer solchen für eine Rohrleitung leicht durchführbaren Untersuchung auf eine ganze Wasserkraftanlage erfordert aber nicht nur einen genauen Ueberblick über die voraussichtlichen, zunächst nur annähernd schätzbaren Kosten, sondern auch die Kenntnis der in Betracht kommenden Turbinenbauarten, namentlich hinsichtlich ihres Verhaltens bei wechselnden Gefällhöhen und wechselnden Belastungen. Diese Kenntnis läßt sich nur an ausgeführten Maschinen durch eingehende Versuche erlangen. Vor der Verwendung von Turbinen, von denen keine genauen Bremsversuche vorliegen, ist daher zu warnen, weil nur auf Grund solcher Versuche die zweckmäßigsten Abmessungen mit Sicherheit vorausbestimmt werden können. Besondere Aufmerksamkeit ist schließlich auch den Wasserverhältnissen zu widmen, die durch langjährige Messungen verfolgt und hinsichtlich der Veränderlichkeit der Wassermengen berücksichtigt werden müssen. Der Verkaufswert der Wasserkraft spielt bei der Ermittlung der Grenze der Ertragfähigkeit einer Anlage eine Rolle. [Camerer.] (Zeitschr. d. Vereins Deutscher Ingenieure 1908 S. 1901 bis 1911.)

H.

|189|

S.D. P. J. 1908 S. 733, Heft 46.

|191|

S.D. P. J. 1903, S. 188; 1905, S. 280 u. 294; 1907, S. 33.

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