Titel: Der gegenwärtige Stand des Fördermaschinenbaus mit besonderer Berücksichtigung des elektrischen Antriebes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1909, Band 324 (S. 209–211)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj324/ar324063

Der gegenwärtige Stand des Fördermaschinenbaus mit besonderer Berücksichtigung des elektrischen Antriebes.

Von Ingenieur K. Drews.

(Fortsetzung von S. 195 d. Bd.)

Der Erregerdynamo E (Fig. 13, S. 193) sitzt auf der Umformerwelle. Diese Anordnung hat vor dem Antrieb durch einen besonderen Drehstommotor den Vorteil, daß man bei Ausbleiben des Netzstromes den angefangenen Förderzugmittels der im Schwungrad aufgespeicherten Energie vollenden kann; im anderen Falle könnten Anlaßdynamo und Fördermotor nicht erregt werden und wären lahmgelegt. Meist ist die Gesamtenergie des Schwungrades so groß, daß sie noch für 2 bis 3 volle Treiben ausreicht.

Textabbildung Bd. 324, S. 209

UNR (s. Fig. 13) ist der eigentliche vom Führer bediente Steuerschalter; Fig. 18 zeigt seine bauliche Ausführung. Wie aus dem Schema ersichtlich, geschieht das Umsteuern durch Umkehr der Stromrichtung in der Erregerwicklung der Anlaßdynamo CA, was eine Umkehr der Stromrichtung im Ankerstromkreise zur Folge hat. Die Stromrichtung im Felde des Fördermotors bleibt natürlich unverändert.

Textabbildung Bd. 324, S. 209

Bei neueren Ausführungen der A.E.G. ist in den Steuerschalter noch ein kleinerer Schalter eingebaut, mit dem man, um in größeren Förderpausen an Energie zu sparen, das Feld des Fördermotors abschalten kann. Die Einrichtung ist dabei so getroffen, daß die Abschaltung nur in der Nullstellung des Steuerhebels bewirkt werden kann; solange das Feld offen ist, bleibt auch der Steuerhebel gesperrt.

Der Notfeldausschalter NFA in Fig. 13 hat den Zweck, durch Abschalten der Erregung der Anlaßdynamo den Fördermotor stromlos zu machen, d.h. stillzusetzen. Die Betätigung dieses Schalters geschieht von Hand, wenn etwa der Hauptsteuerhebel versagen sollte. Fig. 19 zeigt den Schalter mit dem Handantrieb. Der Apparat wirkt aber auch selbsttätig, und zwar wenn die Sicherheitsbremse einfällt; ihr Gestänge löst einen Sperrhaken aus, der die Bürste für gewöhnlich mit dem vorn sichtbaren Zahnrade gekuppelt hält.

Fig. 20 zeigt die auf einer Marmortafel montierten Maximalschalter AMA, Kurzschlußschalter KS und Momentausschalter MA des Schaltungsschemas Fig. 13.

Textabbildung Bd. 324, S. 209

Ersterer löst selbsttätig aus, wenn der Ankerstrom des Fördermotors eine unzulässige Höhe erreicht. Beim Auslösen wird gleichzeitig der unter ihm sitzende Kurzschlußschalter betätigt, durch den nach Fig. 13 der Stromkreis des Bremsmagneten BM kurzgeschlossen wird; wodurch die Sicherheitsbremse in schon früher erörterter Weise zum Einfallen gebracht wird. Der Maximalausschalter kann vom Führerstande aus mittels Fernsteuerung eingelegt werden; er springt jedoch stets wieder heraus,

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solange die Ursachen des selbsttätigen Auslösens noch nicht behoben sind. Messungen an dieser Anlage lieferten folgendes Ergebnis:5)

Dauer des Versuches 8 Stunden
Gefördertes Quantum 657 t (82 t/St.)
Anzahl der Züge 365
Verbrauchte KW/St. 1549

gemessen in der Zuleitung zum Drehstrom-Antriebsmotor.

Textabbildung Bd. 324, S. 211

Auf den einzelnen Zug entfällt somit ein Energiebedarf von 4,24 KW/St, oder 5,77 PS/St., dabei sind geleistet worden

Schachtpterd-St.

(Durchschnittliche Förderung f.d. Zug 1800 kg, Teufe e441 m.)

Gesamtwirkungsgrad der Anlage

Die Verluste betragen mithin 5,77 – 2,94 = 2,83 PS/St.

Der Fördermotor gibt bei dem einzelnen Zug 3,57 PS/St. an die Welle ab; es gehen also durch Schachtreibung, Seilsteifigkeit und Reibungs widerstand der Fördermaschinen 0,63 PS/St, verloren.

Der Fördermotor verbraucht bei dem einzelnen Zug 4,12 PS/St.; der Umformer 5,77 PS/St. Mithin beträgt der Energieverlust im Umformer für einen Zug 1,65 PS/St.

Der leerlaufende Schwungradumformer verbrauchte bei abgeschalteter Erregerwicklung des Fördermotors t8 PS.

Dieser Verlust ist natürlich immer vorhanden, bei flotter, wie bei geringerer Förderung. Mit der Anzahl der Züge in der Stunde wird daher der Gesamtwirkungsgrad fallen. Z.B. beträgt bei nur 180 Zügen mit 324 t Förderung in acht Stunden der Energiebedarf für einen Zug

Mithin Wirkungsgrad

Fig. 21–23 stellen die selbsttätig verzeichneten Kurven dar. Nach Fig. 21 hält sich der dem Netz entnommene Strom angenähert auf 246 Amp., ein Beweis für das genaue Arbeiten des selbsttätigen Schlupfreglers. Der Stromabfall an einigen Stellen des Schaubildes deutet auf etwas längere Pausen an jenen Stellen hin. Im Gegensatz zu der konstanten Stromstärke des Drehstrom-Antriebmotors steht die stark veränderliche des Fördermotors, wie sie Fig. 22 für Lastfahrt, Fig. 23 für Seilfahrt zeigen. Bei Lastfahrt schwankt die Stromstärke zwischen + 1280 und – 800 Amp.

In Fig. 24 sind die Mittelwerte für ein Treiben aus den registrierten Kurven aufgezeichnet. Da bei dieser Anlage die Förderkörbe einetagig sind, so findet auch kein Umsetzen der Körbe an der Hängebank statt. Fig. 24a zeigt das Stromdiagramm der Fördermaschine auf Zeche Zollern II der Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G. mit zweimaligem Umsetzen.

Textabbildung Bd. 324, S. 211

Ein großer Vorteil der Leonardschaltung gegenüber der reinen Widerstandsregelung besteht in der Zwangsläufigkeit zwischen Stellung des Steuerhebels und Fördergeschwindigkeit, und zwar für alle Lasten, gleichgültig, ob diese gehoben oder gesenkt – „eingehängt“ wie der Bergmann sagt – werden. Diese Eigenschaft bietet nun den weiteren Vorteil, daß man mit einfachen Mitteln sowohl den Förderkorb an der Hängebank selbsttätig zum Stillstand bringen, d.h. die Verzögerung im richtigen Augenblick einleiten kann, wie das Zeitmaß des Anlassens, also die Beschleunigung unabhängig von der Willkür des Führers machen kann. Die Vorrichtungen hierfür befinden sich am Teufenzeiger und werden von dessen Spindeln betätigt.

(Fortsetzung folgt.)

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„Glück auf“ 1906.

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